Frage von micholee, 97

Wie berechnet man Abschreibung wenn Anlage aus Einzelobjekten besteht?

Hallo Leute,

wie berechnet man eigentlich die Abschreibung, wenn zum Beispiel sich eine Fotoausrüstung wie folgt zusammensetzt:

  • Kamera gebraucht von Privat gekauft (ohne Mwst) für 900 Euro. 09/2015
  • Neues Objektiv für 500 Euro Netto (11/2015)
  • Neues Blitzgerät für 300 Euro Netto (12/2015)
  • Neue SD-Karte für 50 Netto (12/2015)

Ich hätte alle Einzelposten einzeln abgeschrieben (Da das Objektiv, Blitzgerät und die SD-Karte nicht einzeln nutzbar sind). Bei Online Abschreibungsrechnern, kann man jedoch Beträge unter 410 nicht abschreiben lassen. Da dies nicht geht, hätte ich die Einzelposten zu einer Anlage summiert. Summieren macht aber für die 4 Einzelposten kein Sinn, da sie nicht zum gleichen Monat des Jahres angeschafft wurden. Wie sollte man dann generell vorgehen?

Antwort
von Dirk-D. Hansmann, 34

Unterschiedliche Betrachtungsweisen müssen angestellt werden. Allerdings kann ich mich nur zum Grundsatz äußern. Was den Einzelfall angeht nicht, da dies eine verbotene Rechtsberatung darstellt.

Dinge die allein genutzt werden können werden als solche aktiviert, wenn sie dem Betrieb zu dienen länger als zwölf Monate bestimmt sind.

Dinge die keine Reparatur darstellen und nur mit einem solchen Wirtschaftsgut genutzt werden können werden dazu aktiviert.

Führt eine Reparatur gleichzeitig zu einer enormen Verbesserung des Wirtschaftsgutes, dann handelt es sich aus steuerlicher Sicht nicht mehr um eine Reparatur.

Ein Haus, dessen Dach so bleibt gilt als Reparatur. Wenn nicht der Kaufpreis des Hauses innerhalb eines bestimmten Zeitraumes deshalb gemindert wurde. Und es damit zu einer Werterhöhung kommt.

Also Bauruine gekauft, dann wird das Dach aktiviert. Dazu gibt es prozentuale (im Sinne von der Ausgabenhöhe) und zeitliche Grenzen.

Wird bei dem Haus die Fläche wesentlich verändert, dann gelten die erwähnten Grenzen ebenfalls und ein Flächenanteil der Vergrößerung in Beziehung zur Ausgangsfläche, dann haben wir es ebenfalls mit nachträglich Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten zu tun.

Oder die Anschaffung eines Plotters durch einen Architekten führt zu nachträglichen Anschaffungskosten für eine Computeranlage. Auf alle Fälle dann, wenn da vorher kein Plotter enthalten war.

Wie Du hoffentlich an der Vielzahl der Möglichkeiten und Prüfungsnotwendigkeiten erkennst: Es gibt viele Fehlermöglichkeiten. Wenn ich die bisherigen Kommentare richtig gelesen habe, war deshalb keiner 100% richtig.

Darum hat der Gesetzgeber auch bei rechtlichen Fragen festgelegt, dass das nicht einfach so jeder beantworten darf. Dazu berechtigt sind ausschließlich Steuerberater und Rechtsanwälte.

Oder Personen mit ähnlichen Kenntnissen, wie Wirtschaftsprüfer.

Ich würde dieses für Dich als Unternehmer auch als Warnung verstehen. Die erlernten Grundlagen z.B. im Berufsschulunterricht reichen mal gerade um die laufenden Geschäftsvorfälle richtig zu buchen.

Aber was darüber hinaus geht, dass sollte man einem Steuerberater überlassen.

Ähnliche Dinge erlebt man auch bei Reisekosten. Die Vielzahl von Vorschriften in einigen Bereichen sind ganz schnell so, dass es häufig zu Fehlern kommt.

Deshalb unbedingt der Rat: Mit solchen Aufgaben sollte man einen Steuerberater beauftragen.

Wenn Du der Auffassung bist, dass dieser Auftrag zu teuer ist, dann irrst Du aus verschiedenen Gründen:
1. Die Zeit, die Du in die Erledigung dieser Aufgaben steckst stünden sonst für produktive Tätigkeiten zur Verfügung. Zwar ist Werbung primär keine produktive Tätigkeit, ich nehme es aber mit rein.
2. Wenn Du diese Zeiten für Auftragsarbeiten oder anderes, was den Umsatz erhöht nutzt, profitiert das Unternehmen langfristig davon. Es wird sogar der Aufbau begünstigt.
3. Solltest Du in der Zeit nicht ausreichende Überschüsse aus den Tätigkeiten erwirtschaften, dann kann man davon ausgehen, die Unternehmensführung ist unwirtschaftlich!
4. Wer seine steuerlichen Verpflichtungen selber erfüllt, ist auch dazu verpflichtet sich entsprechend über die Rechtsentwicklung angemessen auf dem Laufenden zu halten. Das kostet ebenfalls Zeit und Geld, da man sich mit entsprechender Literatur ausstatten muss. Irgendwelche Newsletter erfüllen m.E. den Zweck nicht.
5. Es entstehen durch Amateurhaftes bearbeiten höhere Risiken. Fehler, die innerhalb einer Betriebsprüfung zu relativ hohen Verschiebungen innerhalb der Steuern führen. Solche Verschiebungen führen zu Steuerschulden, die innerhalb von einem Monat nach Prüfung fällig sind und gleichzeitig kann es zu Anpassungen von Steuervorauszahlungen für nächste Steuerjahre kommen. In der Folge kann dann eine Nachzahlung schnell mal auf die mehrfache Höhe kommen.

Wenn Du die Ergebnisse zusammen nimmst, ist die Nicht-Beauftragung eines Steuerberaters sparen an der falschen Stelle. Dazu kommt, dass der angeblich so teure Steuerberater die Rechnungen nach Bemessungsgrundlagen festlegen muss.

Also die Einnahmen oder Ausgaben können so eine Bemessungsgrundlage sein. Daher wird natürlich ein Fotograf wie Du, eine andere Rechnung erhalten, als dies bei einem seit Jahren erfolgreich tätigem Fotografen der Fall ist.

Weiterhin zu berücksichtigen ist, wie kompliziert die zu bearbeitenden Fragen sind. Ein Starfotograf mit Reisen durch die Welt, eigenen Fotobänden in den Buchläden usw. wird im Hintergrund natürlich zusätzliche Aufgaben aufgeworfen haben. Also noch einmal teurer.

Dazu kommt, dass man mit den Unterlagen in der Hand (und je kleiner der Umfang ist) durchaus mit dem Steuerberater einen Preis auch verhandeln kann. Es ist eben ein Unterschied, ob jemand mit einem vollen Ordner Belegen kommt oder ob da drei private Versicherungen, acht Ausgangsrechnungen und 15 Ausgabebelege drin sind.

Letzterer kann ja verhandeln und bei 100 oder 150 Euro anfangen und landet dann vielleicht bei 180 Euro oder 250 Euro. Achtung meine stark gegriffenen Zahlen habe ich netto gegriffen und die Umsatzsteuer käme noch dazu. Folgen bei der Umsatzsteuer lasse ich außerhalb der Betrachtung.

Alles was ich Dir hier als Kommentar geschrieben habe, dass versteht sich als Verdeutlichung der wirtschaftlichen und nicht der rechtlichen Konsequenzen. Bitte dieses nicht vergessen. Es ist keine Blaupause für Deine vier Fragen zu deren Buchung. Auch weil die notwendigen Prüfungen nicht bis in die Details dargestellt sind.

Antwort
von Eulenhasser, 49

Die Frage hast du selbst schon beantwortet. Wenn Wirtschaftsgüter einer selbständigen Nutzung nicht fähig sind, kann die sog. "Sofortabschreibung" des § 6 Abs. 2 EStG nicht in Anspruch genommen werden.

Im Umkehrschluss bedeutet das, dass die einzelnen Komponenten ab Anschaffungsdatum auf ihre betriebsgewöhnliche Nutzungdauer abzuschreiben sind, auch wenn sie unter 410 € netto kosten.

Kommentar von micholee ,

Danke. D.h., ich muss einen Online Abschreibungsrechner finden, der die Grenze von 410€ ignoriert und auch Gegenstände für Bsp. 50 € abschreibt.

Kommentar von Eulenhasser ,

Wofür brauchst du denn da einen Online-Abschreibungsrechner? Es soll auch Taschenrechner für den Hausgebrauch geben.

Blitzgerät: 300 € x 1/3 x 1/12 =      8,33 € Afa für 2015
                 300 € x 1/3 =             100,00 € Afa für 2016
                 300 € x 1/3 =             100,00 € Afa für 2017
                 300 € x 1/3 x 11/12 =   91,66 € Afa für 2018

Kommentar von micholee ,

Danke. Mache ich dann gleich in Excel. Blitz und Objektiv schreibe ich 7 Jahre ab. Würdest du eine SD-Karte auch so lange abschreiben für die Kamera?

Kommentar von Eulenhasser ,

Die Kamerazubehörteile würde ich genau so lage wie die Kamera abschreiben. Habe leider derzeit keine Tabelle zur Hand, aber 7 Jahre hierfür klingt zutreffend. Die SD-Karte würde ich 3 Jahre abschreiben, da man sie auch als Computerzubehörteil ansehen könnte. Computerzubehörteile schreibt man auf 3 Jahre ab.

Antwort
von Bakaroo1976, 56

Ich würde die Kamera mit 900,00 EUR aktivieren. Objektiv, Blitzgerät und SD-Karte würde ich als Reparatur-/Instandsetzungsaufwand buchen, da diese Gerätschaften ja nur bereits vorhandene ersetzen/erneuern.

Kommentar von micholee ,

Ich glaube nicht, dass man ein Objektiv als Reparatur- & Instandsetzungsaufwand buchen kann. Das Objektiv ist ja alleine nicht nutzbar und vor allem, kann so ein Objektiv sehr viele Jahre genutzt werden.

Kommentar von Bakaroo1976 ,

Na eben drum - nicht selbständig nutzbar und somit auch kein eigenständiges Wirtschaftsgut. Wenn Du Dir neue Autoreifen kaufst, würdest Du diese doch auch nicht aktivieren, sondern als Instandhaltung/Reparatur buchen.

Antwort
von Anna1972, 34

Viel zu kompliziert erklärt

hier mein beispiel

1.Wenn die Kamera gebraucht ist dann ist die nutzdauer von 2 Jahren zu beachten, auch bei den anderen gegenständen (linse, blitzgerät, karte)

2.Es wurde in der zweiten jahreshälfte gekauft das heistt es ist noch möglich für das Jahr 2015 den halben Antel der Jahresabschreibung zu berücksichtigen

Also den Gesamten nettobetrag EUR 1750 /2 (2 Jahre)= 875 EUR Jahres- AFA

da du es in der zweiten Jahreshälfte gekauft und im Betrieb genommen hast kannst du aber nicht den Jährlichen Betrag abschreiben sondern den halben

Also die 875 EUR /2 (hälfte vom Jahresbetrag)=437,50 EUR darfst du Abschreiben

Dez. 2016 875 EUR

Dez. 2017 437,50 EUR

lg

Anna

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