Frage von Dom95nes, 51

Wie bekommt man als psychisch kranker Medikamente, wenn man nicht raus kann?

Hallo,

Habe das Problem das ich seit jahren sehr große Ängste habe und immer nur zuhause bin, außer mit meiner Mutter einkaufen kann ich nichts machen.

Ich will eine Therapie machen haber aber zu große Angst dort hinzugehen, oder zu einen Arzt zu gehen.

Wie kann ich jetzt z.b an Medikamente kommen damit ich weniger angst habe, um z.b zur Therapie zu gehen?

Kann meine Mutter z.b mit einem Gutachten was ein arzt früher mal bei mir Zuhause gemacht hat, zu einen Arzt gehen, ihn das Zeigen und er kommt dann nach hause, oder gibt meiner Mutter die Medikamente mit?

Sonst weiß ich nicht mehr weiter.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von samm1917, 21

Deine Situation ist ein Teufelskreis, den man unbedingt durchbrechen muss. Deine Angst hemmt dich zu einer Fachperson zu gehen, die du dringend nötig hättest.

Ich will keine Ferndiagnose wagen, doch in deinem Zustand (bei so grossen Ängsten) sind Medikamente wohl durchaus sinnvoll. Im Prinzip gibt es zwei Arten von angstlösenden Medikamenten. Benzodiazepine und Antidepressiva.

Benzodiazepine wie z.B. Alprazolam wirken enorm stark angstlösend und dies bereits 20-30 Minuten nach der Einnahme. Leider sind sie nicht für eine Dauermedikation geeignet, da sie bei längerem und regelmässigem Gebrauch (nach ca. 4-8 Wochen) abhängig machen. Sie sind also gut als Notfallmedikamente bzw. diesbezüglich alternativlos.

Antidepressiva (besonders jene der SSRI/SSNRI-Klasse) können in den ersten Wochen der Einnahme die Angst steigern, bis sie nach ca. 5 Wochen angstlösend wirken. Antidepressiva muss man täglich einnehmen, zudem haben sie viele Nebenwirkungen. Das positive ist, dass sie im Unterschied zu den Benzodiazepinen nicht abhängig machen.

Eine Übersicht über Medikamente findest du hier: http://deprimed.de/home/

Wie zu Beginn gesagt, ist es äusserst wichtig den Teufelskreis zu durchbrechen. Je mehr du dich zurück ziehst, desto schlimmer werden die Ängste. Du musst dringend zu einem Psychiater, der dir Medikamente verschreibt und ev. für eine Verhaltenstherapie an einen Psychologen überweist. Dabei hast du folgende Möglichkeiten:

Das Beste ist, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen. Zwinge dich (wenn möglich) zum Arzt, unbedingt. Sobald du beim Arzt bist, bekommst du auch Medikamente gegen deine Agoraphobie/Angststörung. Deine Mutter kann dich auch begleiten.

Eine weitere Möglichkeit ist, ca. 1h vor dem Arztbesuch Alprazolam zu nehmen. So hast du sicher keine Angst mehr. Alprazolam desshalb, weil andere Benzodiazepine viel schlaffördender wirken. Alprazolam macht nicht ultra müde wie z.B. Lorazepam (welches bei Angststörungen auch häufig eingesetzt wird, doch zur Not tut es auch das).

Das Problem ist also, wie du an Alprazolam oder Lorazepam herankommst. Von Internetbestellungen rate ich dir dringend ab. Diese Tabletten sind entweder unwirksam oder beinhalten Substanzen, die unkontrolliert wirken bzw. die Ängste sogar verschlimmern können.

Ich persönlich würde beim Psychiater anrufen und ihm die Situation ganz offen schildern. Sage ihm, dass du unbedingt Hilfe brauchst aber nicht aus dem Haus kannst. Er soll dir Alprazolam oder ähnliches per Post schicken (nur wenige Tabletten), damit du einen Termin warnehmen kannst.

Ein Hausbesuch des Arztes (kann auch der Hausarzt sein) kann dir auch weiterhelfen. Er kann dir Medikamente geben.

Benzodiazepine wie Alprazolam oder Lorazepam werden in der Apotheke aufgrund ihres Suchtpotenzials streng kontrolliert. Deine Mutter wird also ohne Rezept nix bekommen. Was sie allerdings machen kann ist, zuerst zu einem Arzt zu gehen und auf sich ein Rezept ausstellen lassen. Dies ist theoretisch möglich.

Bedenke dabei immer, Benzodiazepine wirken gegen Ängste wie Wunder, doch zuviel und zu lange darf man sie nicht nehmen, sonst wird der Segen zum Fluch.

Kommentar von Dom95nes ,

Vielen vielen dank für die gute Beratung hier, hätte ich nicht erwartet. Werde es mal so versuchen, danke!

Kommentar von samm1917 ,

jederzeit ;-)

Antwort
von Schattentochter, 11

Wenn es so schlimm ist, dass du es nicht schaffst, zu einem Arzt (Psychiater) zu gehen, wird's Zeit für einen stationären Aufenthalt. Deine Mutter sollte am besten in der nächsten Psychiatrie anrufen und denen die Situation schildern und sich beraten lassen - die können dich nämlich ggf. auch von zu Hause abholen.

Ich bin zwar nicht der größte Fan von Psychiatrien, aber nicht jede Einrichtung ist gleich und zum momentanen Zeitpunkt klingt das, was du hier schilderst, für mich nach etwas, wo schnellstmöglich etwas getan werden sollte.

Was die Medis angeht - vergiss es. Psychopharmaka, speziell die angstbekämpfenden, sind verschreibungspflichtig - und kein Arzt verschreibt so etwas aus der Ferne. Du könntest nat. versuchen, deinen Hausarzt zu fragen, ob er einen Hausbesuch machen kann - und er könnte dir ggf. zumindest ein leichtes Beruhigungsmittel verschreiben. Mehr aber auch nicht, denn vorrangig wird er dir eine Überweisung zum nächsten Psychiater in die Hand drücken. Ich glaube, dass du mit ein paar Wochen stationären Aufenthalts - der üblicherweise mit mehreren versch. Therapien einhergeht - besser beraten wärst. Wenn mehr als Einkaufen nicht mehr möglich ist, ist das meiner Ansicht nach eine ganze Nummer zu groß für eine bloße ambulante Gesprächstherapie.

Antwort
von ducia, 5

Hallo Dom,

ich glaube den ersten schritt hast du schon mal getan, in dem du nach hilfe gefragt hast. Ich konnte auch schon einige wirklich gute antworten lesen, sodass es sein könnte, dann ich (selbst angstpatientin) bereits erwähnte tipps wiederhole.

Woher weisst du, dass du psychisch krank bist? Besuche deinen hausarzt und kläre das mit ihm ab. Wenn du den weg zu ihm nicht schaffst, bitte ihn (z. b. per telefon oder über deine mutter) um ein schnell und kurz wirkendes beruhigungsmittel (Tavor 1,0 mg). Davon könntest du ca. 20 minuten bevor du losgehen willst, eine oder eine halbe nehmen. Die wirkung ist ca. 4 stunden. Du solltest nur in begleitung zum arzt gehen und auf KEINEN fall autofahren! ! !

So wie du deine befinden schilderst glaube ich auch, dass du eine stationäre therapie machen solltest, aber auf KEINEN fall die konfrontations-therapie (häufig praktiziert in den Christoph-Dornier-Stiftungen). Versuche eine desensibilisierende therapie zu erhalten.

Wenn du bei akuten angstzuständen einen perönlichen zuhörer/ansprechpartner möchtest, kannst du mich gerne anrufen. Schreib mir eine mail an ducia-spes(a)web.de und ich gebe dir meine telefonnummer.

Bezogen auf deine frage "wie bekommt man medis, wenn man nicht zum arzt/apotheke kann"..... Bei uns werden rezepte (z. b. nach hausbesuch durch den hausarzt) von der praxis an die apotheke weitergeleitet und ein mitarbeiter der apotheke bringt sie einem dann kostenlos nach hause. Geht bestimmt auch bei euch - frag mal nach.

Alles liebe, Ducia *s*

Antwort
von o0bellaAnna0o, 20

Ohne Diagnose keine Medikamente. Dann soll deine Mutter mit dir zum Arzt. Wenn es so schlimm ist, dass du wirklich vor allem Angst hast, dann geh in die Psychiatrie, da werden dir sofort Medis gegen Angst gegeben, und dann erst kommen die Untersuchungen. Und zwar viel schneller als ambulant.

Antwort
von meinerede, 10

Du musst auf jeden Fall bei einem Arzt vorstellig werden. Ein vor Jahren erstelltes Gutachten ist doch nicht mehr kompatibel mit Deinem derzeitigen Zustand! Und: Medikamente, die in Deinem Fall mit Sicherheit verschreibungspflichtig sind, erhälst Du eben auch nur vom Arzt! 

Antwort
von Samelee, 24

Vielleicht kann ein Arzt einen Hausbesuch machen aber ich denke nicht, dass du ohne Arztzeugnis an solche Medikamente rankommst.

Viel Glück 

Antwort
von Matzesmaus, 7

Mach dich mal schlau, ob es in deiner Nähe eine psychiatrische Ambulanz gibt. Die machen gegebenenfalls auch Hausbesuche.

Antwort
von oxBellaox, 20

Arzt anrufen, der schickt sie zu. Meist muss man seine Krankenkassenkarte und einen frankierten Rückumschlag hinschicken oder jemanden mit der Karte vorbei schicken.

Rufe mal an und frage nach, wie dein Arzt das handhabt.

Wieso willst du nicht selbst hingehen. Wenn du lange nicht da warst, wird das darauf hinauslaufen.


Kommentar von Dom95nes ,

Aber wenn das so einfach möglich wäre könnte doch jeder sagen ich brauch Morphium und der Arzt schippert es zu? 

Kommentar von oxBellaox ,

???

selbstverständlich nur Medikamente, die man schon mal hatte.

Kommentar von Dom95nes ,

Ja und bei mir ist das Problem ich hatte noch nie Medikamente.

Kommentar von oxBellaox ,

dann geht das natürlich nicht - versteht sich aber irgendwie von selbst, oder?

wenn es richtig schlimm ist, scheue dich nicht, in die Psychiartrie zu fahren.

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