Frage von indubioproreoo, 67

Wie bekomme ich Sympathie für Kriege und speziell den 2. Weltkrieg weg?

Ich hatte Geschichte LK(Leistungskurs) und habe auch meistens zwischen 12-14 Punkten geschrieben. Seit diesem Unterricht bzw schon damals in der Schulzeit  habe ich eine Begeisterung für Kriege und besonders die Geschehnisse rund um das 3. Reich entwickelt. Ich hatte sogar eine Phase, in der Bilder von Panzern und Politikern in meinem Zimmer hingen. Da ich jetzt in einer WG lebe, geht das nicht mehr. Wie entsteht diese Sympathie? Und wie bekomme ich sie weg? Es ist ja jetzt schon länger so und ich fühle mich dieser Ideologie und den geschichtlichen Ereignissen trotz herausragender Bildung und Aufklärung hingezogen, gebe es allerdings nicht jeden preis... Wie gehe ich in Zukunft damit um?

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Antwort
von Yuurie, 33

Dass man sich ein bisschen für Geschichte begeistern lässt und Bildern von Panzern  o.ä. an den Wänden hängen, muss ja nicht direkt heißen, dass du sonst wer bist. Jeder entwickelt mal großes Interesse für etwas. 

So lange du jetzt nicht Poster von Hitler aufhängst und dich rechts bekennst, wäre es mir persönlich völlig egal.

Unsere Vorgänger (Familie) waren sogar mitten im Krieg dabei. Als ich letzte Woche bei meinem Opa war (er wird 90), hat er mir letztens noch viele Fotos von sich und seiner Familie gezeigt und dann auch über sein Leben erzählt, auch über die Kriegszeit, dass sein ältester Bruder und sein Vater im krieg erschossen wurden und und und.

Es ist traurig, aber auch interessant, jetzt nicht wegen der Verluste innerhalb in der Familie, um Himmels Willen! Aber von erster Hand zu erfahren, wie Menschen den Krieg erlebt haben, finde ich sogar noch interessanter, als es aus den Geschichtsbüchern zu lesen. Vor allem bin ich auch stolz auf meine Großeltern, die diese schwere Zeit gut durchstanden (und vor allem überlebt!) haben.

Man kann es locker, oder auch kritisch sehen. Steh doch dazu und wenn sie komisch gucken oder fragen, erkläre ihnen das. :)

LG

Antwort
von Andrastor, 32

Nun, solange deine Faszination nicht zu Fantasismus wird, sehe ich keinen Grund dass du etwas daran ändern solltest.

Kriege üben eine gewissen Faszination aus und vor allem das ganze Drumherum also wie die Gesellschaften früher waren und wie sie sich im Zuge der Kriege verändert haben, ist hochinteressantes Material (wenn man sich dafür interessiert).

Was du brauchst ist eine wissenschaftliche, professionelle, objektive Distanz zu der Materie. Also keine Verehrung, sondern unschuldige Neugier.

Wer weiß, vielleicht wirst du Historiker?

Expertenantwort
von ArnoldBentheim, Community-Experte für Geschichte & Politik, 19


... habe ich eine Begeisterung für Kriege und besonders die Geschehnisse rund um das 3. Reich entwickelt.

Solche Interessen kann man schwer erklären, aber Kriegsgeschichte ist Teil der Geschichte. Das sog. Dritte Reich ist ebenfalls Teil der allgemeinen und insbesondere natürlich der deutschen Geschichte, der auch für die Gegenwart noch von Bedeutung ist. Es gibt daher keinen Grund, dieses Interesse aufzugeben oder sich dafür zu schämen.

Es ist ja jetzt schon länger so und ich fühle mich dieser Ideologie und den geschichtlichen Ereignissen trotz herausragender Bildung und Aufklärung hingezogen, ...


Das ist allerdings sehr bedenklich. Denn wer sich intensiv mit dem sog. Dritten Reich und dem Zweiten Weltkrieg mit seinen schrecklichen Verbrechen und Folgen auseinandersetzt, kann sich nicht zur Naziideologie hingezogen fühlen. Entweder hat er sich nicht intensiv genug, möglicherweise zu einseitig mit dieser Zeit befasst, oder in seinem Wertegefüge ist etwas durcheinandergeraten.

Dem Fragesteller ist dringend zu raten, seine Gesinnung und Wertevorstellung sorgsam zu überprüfen. Möglicherweise liest er auch die falschen Bücher, etwa Werke von unseriösen Revisionisten, die versuchen, Naziverbrechen zu relativieren und den Krieg nachträglich zu gewinnen. Dagegen kann man leicht etwas tun!

MfG

Arnold


Antwort
von AriZona04, 46

Wenn ich nicht jemanden meines Alters - um die 50 - kennen würde, dem es haargenau so geht wie Dir, würde ich sonstwas von Dir denken. Aber derjenige hat Panzermodelle ohne Ende nachgebaut. Er ist trotzdem ein wahnsinnig lieber Kerl und kann keiner Fliege was zuleide tun! Insofern denke ich nicht, dass Du den nächsten Krieg anfangen wirst! Keine Ahnung, warum Leute auf Panzer stehen - entzieht sich mir gänzlich. Aber da ich weiß, dass das nicht tragisch ausgehen muss, lasse ich Dir Deine Leidenschaft.

Antwort
von Lazybear, 15

Ich mag auch panzer und kriege und waffensysteme sowie die geschichte dazu, warum willst du dich verstellen? Allerdings mag ich die russischen panzer, waffen und co.! Versteh mich nicht falsch, den kommunismus mag ich nicht, aber eben die kriegstechnik! Tja, wenn du es unbedingt weg haben willst, schneide dir die eier ab und werde veganer! Lg

Expertenantwort
von DerHans, Community-Experte für Recht, 16

Dass du dich um die geschichtlichen Hintergründe interessierst, ist ja erst einmal nicht negativ.

Nur wenn du plötzlich mit der damaligen Ideologie sympathisierst, wird das gefährlich.

Antwort
von Fridolina, 31

Es ist ja schon einmal ein wichtiger Schritt, dass du dich damit auseinandersetzt und sehr löblich!

Erstmal würde ich mich fragen ob es sich tatsächlich um eine Sympatie handelt, also ob du die Ideologien etc. tatsächlich "gut" findest oder ob sie dich nur interessieren. Als Geschichtsstudentin interessiere ich mich ja auch für diese Geschehenisse, wünsche mir aber deshalb auf keinen Fall in dieser Zeit zu Leben oder dergleichen.Stattdessen geht es mir darum die damalige Zeit zu verstehen um nach möglichkeit Erkenntnisse daraus zu gewinnen, die eine bessere zukunft (idealerweise frei von inhumanen ideologien und Kriegen) mitgestalten können. 

Solltest du dann feststellen, dass es sich wirklich um Sympathie für diese Ideologien handeln als um bloßen interesse kannst du dich erstmal fragen woher deinen Sympatie stammt:

Ist es eine faszination an Stärke? Laut einem Artikel mit einem Schweizer Soziologen, en ich neulich in der Neuen Züricher Zeitung gelesen habe, liegt diese faszination oft an einem Gefühl der machtlosigkeit, was das eigene Leben angeht. Vielleicht kannst du daran arbeiten?

Oder ist es vielleicht eine Art Lust am Grauen? grundsätzlich haben das ja die meisten Menschen (sonst gäbe es ja keine Horrorfilme/Aktionfilme). Wenn Du gewalt aber "geil" findest, dann würde ich empfehlen dich aktiv in Freiwilligenarbeit mit Geflüchteten Menschen einzubringen oder zumindest Dokumentationen/interviews mit Menschen aus Kriegsregionen anzusehen. Wenn du dabei wirklich versuchst nachzuempfinden wie es diesen Menschen geht, wirst du bald eine Abscheu gegen jegliche Form verspüren. Allerdings kann ich aus persönlicher Erfahrung sagen, dass du dafür psychisch sehr stabil sein musst, weil das Leid wirklich schwierig zu ertragen ist.

Und ansonsten würde ich sagen: setzt dich immer weiter mit den Menschen der damaligen zeit, besonders den Opfern auseinander statt die kriegsmaschinen und die Macht zu sehen. 

Und wenn du das Gefühl hast, dass das alles nicht reicht, hilft vielleicht ein Gespräch mit Aussteigern aus der Rechten Szene (wie z.b. vom Exit Programm) oder aber sogar eine Therapie um den Grund rauszufinden.

Hoffe das hilft vielleicht ein wenig! Ich wünsche Dir viel Erfolg!

Antwort
von Minilexikon, 18

An sich ist Geschichte definitiv sehr interessant und spannend und lehrt uns einiges, was wir auch heute noch gebrauchen können und sicherlich an der einen oder anderen Stelle noch mehr gebrauchen sollten.

  • Was für Politiker interessieren dich denn da?
  • Wie weit geht da deine Sympatie bzw. auf welche Bereiche bezieht sich die?
Antwort
von Fontanefan, 7

Ob es Sympathie ist oder eher Faszination?

Ich habe als Kind für die deutschen Heldensagen, für Sagas und für damalige Ehrvorstellungen geschwärmt. In der Tat hat Heldentum, Gefahren bestehen, sein Leben einsetzen u.ä. etwas Faszinierendes. Gern wäre man so stark und nicht so "verweichlicht" wie in unserer Zivilisation. 

Wenn dich aber die Vorstellung, dass Wissenschaftler wie Einstein, Schriftsteller wie Thomas Mann vertrieben wurden und Menschen wie Anne Frank und Dietrich Bonhoeffer in Konzentrationslagern umgebracht wurden, nicht schreckt, dann solltest du sich an den Rat von ArbeitsFreude halten oder andere Hilfe suchen, denn dann hat die Faszination mehr Macht über dich als dein Gefühl für die Verantwortung für deine Mitmenschen. 

Dagegen hilft Sachkenntnis allein nämlich nichts.

Antwort
von ArbeitsFreude, 12

Ich empfinde Ähnliches, lieber Indubioproreo!

Ich bin wahrscheinlich deutlich älter als Du und meine Großväter waren im 2. Weltkrieg aktiv  - beide haben überlebt - beide haben - so wird berichtet: Nichts unehrenwertes getan.

Eine Familienstellung nach Bert Hellinger kann Dir helfen:

Du bist höchstwahrscheinlich mit einem Deiner kriegsbeteiligten Ahnen verstrickt und "trägst" etwas von seinem Schicksal!

Wenn Du eine(n) gute(n), professionelle(n) Familiensteller(in) findest, dann kriegt der das mit Deiner Hilfe und der Deiner Familie raus!

(Nein: ICH bin kein Familiensteller und ich verdiene kein Geld damit!)

Anderer Ansatz: RÜCKFÜHRUNG:

Ich habe deswegen mal eine solche gemacht und dabei rückgemeldet bekommen, dass ich im früheren Leben mal ein Wärter in einem Nazi-Gefängnis war!

SEHR unschöne Vorstellung - aber stimmig zu meinen Empfindungen im heutigen Leben!

Was auch immer Du tust: TU WAS! - Lass es nicht auf sich beruhen, sonst verfolgt es Dich den Rest Deines Lebens!

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