Frage von CamelWolf, 76

Wie begründet sich die 1% Regel bei der Dienstwagenbesteuerung?

Gibt es eine "offizielle" Begründung oder ist das einfach das stillschweigende Ergebnis von Lobbyarbeit ?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von are2705, 24

Spannende Frage!

Die 1%-Methode dient dazu, die Privatnutzung zu schätzen. Grundlage ist §6 Abs. 1 S. 1 Nr. 4 EStG. Alternativ kann man die tatsächliche Privatnutzung ermitteln, muss dann aber ein Fahrtenbuch führen. Grundsätzlich kann man sagen: Je mehr man betrieblich fährt und je älter das Fahrzeug, desto eher lohnt sich das Fahrtenbuch.

Über Wikipedia habe ich eine interessante Studie gefunden, die sich genau Deiner Frage widmet, ob die 1%-Methode aus ökologischen Gesichtspunkten sinnvoll ist:

http://www.foes.de/pdf/2011_Firmenwagenbesteuerung_lang.pdf

Meines Erachtens ist die Lenkungsfunktion der 1%-Methode gering. Tendentiell nötigt sie einen aber zur Neuanschaffung eines PKW. Ob das ökologisch ist, weiß ich nicht. Neufahrzeuge sollten ja im Schnitt weniger als Altfahrzeuge verbrauchen. Wen es auf jeden Fall freuen sollte, das ist die Automobilindustrie.

Antwort
von mausespitz, 33

Hallo CamelWolf, hier ist die offizielle Begründung R 8.1 Absatz 9 Nummer 1 Satz 5 LStR 2011 und R 8.1 Absatz 9 Nummer 4 LStR 2011. Das ist eine Richtlinie die von der Finanzverwaltung ausgegeben wurde und nach der sich alle richten müssen.

Kommentar von Bakaroo1976 ,

Auch die Finanzgerichte? - Frage ich ganz besorgt -

Kommentar von Dirk-D. Hansmann ,

Die Finanzgerichte können sich danach richten. Tun sie im Falle von Arbeitnehmern auch. Gilt nicht für Unternehmer. Da gilt § 4 (5) Nr. 6 EStG.

Richtlinien sind nur für die Verwaltung vorgeschrieben. Anders als Gesetze. Allerdings beruhen viele der Richtlinien auf Rechtsprechung.

Antwort
von Bartstoppel1902, 51

Die Regelung bezieht sich ja auf die sogenannten Geldwertevorteile.

Das bedeutet, das der AN einen teil seiner Entlohnung nicht ausbezahlt bekommt, sondern in Form eines Dienstwagens zur privaten Nutzung bekommt. Dieser Vorgang muss auch versteuert warden was in diesem Fall eben mit 1% vom Bruttolistenpreis geschieht.

Ich halte dies im übrigen für eine faire Regelung.

Kommentar von CamelWolf ,

Es werden falsche Anreize geschaffen. Mit der 1% Regelung kann ich mir einen Spritfresser ins Haus holen, bei einem SUV im Wert von 100 TSD € zahle ich pro Monat netto rd. 450 €. Egal wie viel  Sprit/Reifen/Reparaturen ich verbrauche. 

Aber das war ja nicht die Frage.

Kommentar von Bakaroo1976 ,

1% von 100.000,00 sind bei mir immer noch 1.000,00 und nicht 450,00. Wie kommst Du auf diese Zahl???

Kommentar von CamelWolf ,

1000 € geldwerter Vorteil ist ja nicht die Summe, die der Mitarbeiter tatsächlich bezahlt. Es erhöht sich ja nur das zu versteuernde Einkommen um diesen Betrag. 

Kommentar von CamelWolf ,

(Nachtrag) Grenzsteuersatz max. 45%


Antwort
von eeecki, 53

Warum so niedrig versteuern, die 1% Regel ist teurer als die Fahrtenbuch-Regel.

Kommentar von are2705 ,

Das kommt auf den Einzelfall an. Oftmals ist die 1% Regel günstiger.

Kommentar von eeecki ,

Für den AN, aber wenn ich es als AG sehe, dann sieht es anders aus.

Auch wird hier (diese Diskussion) nicht der Arbeitsweg beachtet, dieser spielt für den geldwerten Vorteil eine Rolle.

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