Frage von Fragen9899, 63

Wie beeinflusst Inflation den Wechselkurs?

Wenn zum Beispiel die Inflation in den USA steigt, wie würde das den Außenwert des Dollar beeinflussen ? Stehen Inflation und Wechselkurs überhaupt miteinander in Verbindung ?

Expertenantwort
von Unsinkable2, Community-Experte für Politik, 49

"Inflation" ist nur ein anderes Wort für "Entwertung des Geldes"; also "Wertminderung der Währung". 

Und "Wechselkurs" ist nur ein anderes Wort für "Preis des Geldes"; also "Preis der Währung".

Den Rest kannst du dir jetzt allein zusammenreimen. ;)

Wenn zum Beispiel die Inflation in den USA steigt, wie würde das den Außenwert des Dollar beeinflussen?

... dann wird der US-Dollar, also "das Geld", weniger wert. Die Leute müssen mehr Dollars ausgeben, um die gleiche Menge Waren zu kaufen. 

Nun können sie das aber nicht endlos machen; es sei denn, sie haben eine Gelddruck-Maschine im Hobby-Keller stehen. Also geben sie das gleiche Geld aus, können aber weniger kaufen.

Im Inland hast das (fast) keine Bedeutung, denn auch die Verkäufer (inländischer) Produkte unterliegen der gleichen Inflation.

Aber es wirkt sich auf andere Währungen aus: Und das bedeutet, dass sich der Import reduziert, was die exportierenden Länder (bzw. deren Industrien) nicht lustig finden, denn der gesunkene Export in die USA wirkt sich negativ auf ihre Umsätze und Gewinne aus.

Dem kann man gegensteuern, indem man 

  • entweder: die Löhne und Gehälter in den USA erhöht und/oder mehr Menschen in Lohn und Brot bringt
  • oder: den Wechselkurs Dollar-zu-Währung-des-exportierenden-Landes (beispielsweise Euro, wenn du an Deutschland denkst) ändert, 

so dass sich die Verteuerung der Importe (aus Sicht der USA) nicht mehr so gravierend auswirkt oder sogar gänzlich aufgehoben werden kann.

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Machen wir ein (stark vereinfachtes) Beispiel:

Angenommen, du möchtest gern eine Waschmaschine kaufen. Und du kannst sie nur in US-Dollar bezahlen.

  • Heute kostet sie 399 Dollar, was etwa 364 Euro (1 : 0,9122) entspricht. 
  • Die Inflation des Euro legen wir mal auf gigantische 10% pro Tag fest, damit es anschaulicher wird.
  • Dann kostet die Waschmaschine morgen zwar immer noch 399 Dollar. Aber um diese Dollars zu bekommen, musst du erst deine Euro eintauschen. Nun ist der Euro aber über Nacht um 10% entwertet geworden; ist also 10% weniger wert. Also musst du heute schon 400,40 Euro auf den Tisch legen, um die Waschmaschine zu bekommen. 
  • Und morgen wären es sogar schon 440,44 Euro...

Und hier beginnt das Spiel. Denn nun hast du die Wahl:

  • Kaufst du die Waschmaschine noch? 
  • Oder kaufst du sie nicht?

Wenn du sie nicht mehr kaufst, weil dir 400,40 Euro "zu teuer" sind, droht dem US-Waschmaschinen-Verkäufer Umsatzeinbruch. Und geschieht das in großem Maß, weil ganz viele Leute so denken, wirkt sich das erheblich auf die Wirtschaft aus. Am Ende muss der Waschmaschinen-Hersteller zumachen, weil er gar keine Waschmaschinen mehr nach Europa exportieren kann.

Nun kann man das auf den oben genannten Wegen aushebeln:

  • Entweder: Man zahlt dir mehr Lohn, so dass du die 400,40 Euro, die du heute für die Waschmaschine auf den Tisch legen musst, als "gar nicht so teuer" betrachtest und die Waschmaschine trotzdem kaufst.
  • Oder: Man ändert den Wechselkurs (aktuell: 1 US-Dollar zu 0,9122 Euro) zugunsten des Euro, so dass du nicht mehr 400,40 Euro auf den Tisch legen musst, sondern (bei einem Wechselkurs von beispielsweise 0,5:1) nur 200,20 Euro.

In beiden Fällen ist das Ziel das Gleiche. Der Unterschied ist allerdings offensichtlich, nicht wahr?!

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Zusammenfassung:

"Inflation" & "Wechselkurs" sind also - im Gegensatz zu vielen anderen Instrumenten - sehr schnell wirkende und darüber hinaus auch sehr weit steuerbare Hebel, um Importe und Exporte zu beeinflussen.

Und da man mit dem Einen dem Anderen "entgegen wirken" oder es verstärken kann, ist es eines der wenigen wirklich deterministisch funktionierenden Werkzeuge der Volkswirtschaftslehre.

Antwort
von berkersheim, 34

Na ja, in den klassischen Modellen ist es so, dass Inflation den Wert einer Währung vermindert als Reaktion darauf, dass zuviel Geld unterwegs ist und das natürlich auch bedeutet, dass das Geldangebot auf den Währungsmärkten über der Nachfrage liegt und so auch der Wechselkurs fällt. Ob vor allem in Sachen USA das so abläuft, ist fraglich, weil der Dollar Leitwährung ist, weil weltweit wichtige Güter in Dollar gehandelt werden und der Dollar auch als Reservewährung gehalten wird. Da gibt es wenig Interesse, den Dollar an den Märkten unter Druck zu setzen. Wenn, wie es jetzt aussieht, Kaptial- und Gütermärkte auseinander driften und das überflüssige Kaptial der Wahnsinnsgeldschöpfung gar nicht im Gütermarkt ankommt (EZB beklagt die Wirkungslosigkeit) sondern nur die Spekulationswirtschaft aufbläst, deren Scheinwerte nur unbezahlbare Schulden als Deckung aufweisen, stellt sich die Frage, wie lange diese Schuldenillusion durchzuhalten ist. Wir reden getrennt über die EURO-Schuldenkrise und über die Völkerwanderung. Was, wenn die Völkerwanderung in absehbarer Zeit die EURO-Schuldenkrise hochgehen lässt? Natürlich wird man versuchen, die Realversorgung von Millionen Habenichtsen mit neuen Schulden zu finanzieren. Die Frage ist, welche Generation diese Schuldenberge mal einlösen muss mit übermäßiger Steuerbelastung, Gesundheits- und Vorsorgebelastung und der sicheren Aussicht auf Altersarmut.

Kommentar von Fragen9899 ,

Vielen Dank! Was würde es also konkret bedeuten, wenn die Inflation in Deutschland massiv steigen? Der Euro würde dann auch fallen ? Danke

Kommentar von berkersheim ,

Nach dem klassischen Modell ja, doch für Deutschland gilt, dass wir mit dem EURO eine gemeinsame Währung haben und da wäre noch zu berücksichtigen, was in den anderen EURO-Ländern geschieht. Verschulden die sich weiter, kann sein, dass trotz Inflation in Deutschland keiner international den EURO will. Bis jetzt stellt sich diese Frage aber nicht, denn die EZB pumpt Geld in die Welt wie verrückt und die Inflation fällt sogar.

Kommentar von Dijaei ,

der Sinn aus us-amerikanischer Sicht ist, die Euro-Krise vor der Flüchtlingskrise hochgehen zu lassen. denn wenn der Euro zerfällt und speziell Deutschland grosse wirtschaftliche Schwierigkeiten bekommt, dann wird der gemeine Bürger den Flüchtlingen die Schuld geben und es zu sozialen Unruhen kommen. zumindest ist dies meine eigene Vermutung der us-strategischen Vorgehensweise.

das nur so am Rande. :-) die Frage wurde ja vom Experten schon beantwortet.

Kommentar von berkersheim ,

@Dijaei

Diese Vermutung haben schon mehrere geäußert. Was aber auffallend ist, alle Zwangsjacken, die wir uns anziehen lassen, EURO-Rettung, Griechenland-Rettung, Ukraine, Bewältigung der Völkerwanderung, Wirtschaftskrieg der USA gegen große deutsche Unternehmen beschneiden die Wohlstandserwartungen der Erwachsenen und von da gibt es auch kritische Fragen, die speziell von den jungen Moralisten und Idealisten als "rechts" oder gar "rassistisch" abgebügelt werden, weil sie den moralisch erhebenden Idealen der Rattenfänger kritiklos hinterherlaufen. Sollte früher die Welt am deutschen Wesen genesen, dann jetzt an der deutschen Supermoral. Nur - gerade die Jungen werden die Verlierer sein und merken es nicht. Die Altersarmut ist ihnen sicher und sie meinen, mit Partys und Willkommensgedöhns dieses Schicksal überblenden zu können.

Antwort
von voayager, 39

Natürlich, je mehr die Inflation veranschreitet, desto geringer ist der Wert einer Währung. Die Exportmöglichkeiten verschlechtern sich so, weil ja alles teurer wird.

Kommentar von andre123 ,

Im Gegenteil ! Die Exportchanchen des Landes mit der schwächelnden Währung verbessern sich drastisch, da deren Waren ja für das Ausland umgerechnet günstiger werden.

Ausserdem muss die Inflation im Inland  nicht zwangsläufig mit dem Aussenhandelswert der Währung übereinstimmen. 

Es sind eher die Maßnahmen zur Inflationsbekämpfung ( z.B Zinserhöhungen der Zentralbank) die den Wechselkurs verändern.

Der Realzins ( Differenz zwischen Inflation und Zinsniveau ist entscheidend).

Kommentar von FrageSchlumpf ,

Warum sollte sich ein Ausländer am Realzins orientieren ? Wenn ich in USA 6 % Zinsen bekomme , bekomme ich 6 %, davon muss ich die amerikanische Infflation nicht abziehen, sondern die eigene.

Aber auch der Nominalzins hat keinen zwingenden Einfluss auf den Wechselkurs.

Kommentar von voayager ,

die Exportwirtschaft der USA schwächelt - je höher die Preise einer Ware, desto mehr müssen andere Länder dafür aufbringen

Antwort
von FrageSchlumpf, 30

Nein , es gibt keinen direkten, zwingenden Zusammenhang.

Wenn die Inflation in USA steigt , muss deswegen niemand Dollar kaufen oder verkaufen.

Jeder kann aber Dollar verkaufen und kaufen. Dass kann aber auch jeder , ohne dass sich die Inflation verändert.

Eine Wechselkursveränderung "aufgrund" von Inflation ist genauso Spekulation wie eine "aufgrund" anderer "Events".

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