Frage von stardancer90, 117

Wie BahnCard100 bei der Steuererklärung geltend machen?

Hallo zusammen,

ich hätte eine steuerliche Frage. Bald werde ich täglich beruflich von München nach Ingolstadt pendeln und bin etwas irritiert, was ich steuerlich geltend machen kann. Ich bin im öffentlichen Dienst beschäftigt und mein Arbeitgeber bezuschusst die Fahrten leider nicht, daher muss ich die Kosten selbst tragen.

Folgende Tickets werden benötigt (hier angegeben im Jahresabo):

  • Bahn (ICE) München - Ingolstadt: 2879€

  • MVV 2 Ringe: 507€

  • INVG: 415€

Macht zusammen also 3801€. Im Vergleich dazu kostet eine BahnCard100 4090€. Diese würde ich natürlich bevorzugen – insbesondere, weil ich damit auch weitere berufliche und auch private Fahrten decken kann. Könnte ich die BahnCard100 steuerlich trotzdem geltend machen? Ich habe in verschiedenen Quellen gelesen, dass man bei der Pendlerpauschale 0,30€ pro Kilometer zurück bekommt. Würde bei der Strecke von 84 km einfach x 0,30€ x 220 Arbeitstage also 5544€ machen – und liegt damit über dem Wert der BC100. Und wieviel bekommt man (bspw. bei einem Brutto-Jahreseinkommen von 40.000€) effektiv von den Fahrtkosten zurück?

Vielen Dank, stardancer90

Antwort
von TomRichter, 97

> gelesen, dass man bei der Pendlerpauschale 0,30 Cent pro Kilometer zurück bekommt

Man liest viel falsches. Du bekommst die 30 Cent (nicht 0,30 Cent!) nicht zurück, diese mindern jedoch Dein zu versteuerndes Einkommen. Je nach Einkommen und Kirchensteuer verringert sich dadurch Deine Steuerschuld um 10 bis 14 Cent.

Du gibst Deine Arbeitstage und die Entfernung in der Anlage N an, daraufhin berechnet das Finanzamt die 5544€, diese werden jedoch auf 4500.- gedeckelt. Es sei denn, Du kannst höhere Kosten nachweisen, beispielsweise durch den Kauf einer Bahncard 1. Klasse zu 6800.- Euro, dann kannst Du die ungekürzte Kilometerpauschale von 5544€ geltend machen.

Ob Du Dir für 3000 oder für 4000 Euro eine Fahrkarte kaufst, oder jeden Tag mit dem Fahrrad fährst, ist steuerlich egal.

> Und worin liegt der Unterschied zu Werbungskosten?

Keine Ahnung vom Steuerrecht? Dann solltest Du für die erste Steuererklärung mit Fahrt nach Ingolstadt doch professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, sonst schenkst Du dem Finanzamt mehr als der Steuerberater kostet.

Die Fahrtkosten sind Werbungskosten. Sie unterscheiden sich von anderen Werbungskosten dadurch, dass sie pauschaliert sind, und dass in der Steuererklärung nicht die Kosten, sondern die Entfernung und Zahl der Arbeitstage anzugeben sind.

Kommentar von stardancer90 ,

Vielen Dank für die schnelle und kompetente Antwort. Mit Steuerrecht kenne ich mit in der Tat (noch) nicht aus, daher werde ich für die erste Steuererklärung auf jeden Fall die Lohnsteuerhilfe aufsuchen. 

Du bekommst die 30 Cent nicht zurück

Das war unglücklich formuliert. Dass ich den Betrag nicht vollständig zurück erhalte, war mir klar. Sorry!

Ob Du Dir für 3000 oder für 4000 Euro eine Fahrkarte kaufst, oder jeden Tag mit dem Fahrrad fährst, ist steuerlich egal.

Nur mal ein kleines Rechenbeispiel, um zu sehen, ob ich es richtig verstanden habe: 

Nehmen wir an, es bleibt bei € 40.000,- Bruttoeinkommen im Jahr. Man zahlt im Schnitt laut Gehaltsrechner (Steuerklasse I, Bayern, Kirchensteuer, etc.) etwa € 7.207,- Steuern. Abzüglich der € 4.500,- Pauschale und dementsprechend angesetzten € 35.500,- Bruttoeinkommen wären das rund € 5.838,-. Folglich kostet mich meine Fahrkarte (egal ob BC100 oder reguläres Ticket) effektiv etwa € 1.369,- "weniger" im Jahr, richtig?

Kommentar von TomRichter ,

Richtig verstanden. Die Rechnung ist prinzipbedingt nur ungefähr richtig und auch nur dann, wenn Du durch weitere Werbungskosten ohnehin schon die "Arbeitnehmerpauschale" (1000 Euro) überschritten hast.

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