Frage von ChristopherAs, 35

Wie argumentiert ein Diskursethiker?

Meine Frage steht im Grunde genommen oben. Aber wenn ich jetzt einen Diskursethiker zum Thema Leihmutterschaft frage, wie würde er argumentieren? Eher utilitaristischoder altruistisch oder wie? (Leihmutterschaft ist nur das Beispiel)

LG Christopher

Antwort
von berkersheim, 18

Das kommt auf den gängigen Trend an. Diskursethik ist für sich keine Meinung sondern nur die "ausdikutierte Meinung" verschiedener Auffassungen. Ein solcher Diskurs wäre im 13. JH (Hochscholastik) anders ausgefallen als im 16. JH (Renaissance). Und heute fällt sie anders aus, ob sie in China geführt wird oder in Afrika. Diskursethik bedeutet lediglich, eine Übereinstimmung auf dem Weg des argumentativen Meinungsaustauschs zu finden. Und da klingt bereits ein gut Stück Idealismus mit. Diskutier doch mal mit Leuten des IS oder sonstiger Fundamentalisten, auch christlicher, für die ihre krude Bibelauslegung das Non-Plus-Ultra ist. Da ist Ende Fahnenstange mit Diskussion. Zum Thema Leihmutterschaft werden alle möglichen Für und Wider geprüft. Das hängt ja auch davon ab, in welcher Gesellschaft und unter welchen Machtverhältnissen. Trägt eine Inderin für Geld das Kind einer reichen Europäerin aus, sozusagen der gemietete Vorgeburtskasten oder muss eine Frau aus gesundheitlichen Gründen zu diesem Mittel greifen, um das Überleben des Kindes zu sichern. Das ist doch starkt situationsabhängig.

Kommentar von ChristopherAs ,

Ich hab einen Zettel von meiner Lehrerin bekommen über verschiedenste Dinge der Bioethik. Und unter diversen Themen stand "Wie würde ein Deontologe, Utilitarist, Kommunitarist oder ein Diskursethiker argumentieren?"

Da war ich dann etwas verwirrt.

Vielen Dank für Ihre Antwort!

Kommentar von berkersheim ,

Ob jemand als Utilitarist bezeichnet werden kann, als Deontologe oder Kommunitarist oder Diskursethiker, ergibt sich aus seiner EINSTELLUNG zur Frage "Was ist der Mensch" und "Wie soll man handeln." Das ist keine vordergründig technische Frage, wie in manchen Unterrichtsdarstellung so oft gelehrt. Ein Utilitarist argumentiert aus einer inneren Einstellung plus den Informationen, die ihm zur Verfügung stehen. Ganz abgesehen davon, dass es DEN UTILITARISTEN oder DEN DEONTOLOGEN nicht gibt. Das ist ein Lehrbuch-Kunstprodukt der einfachen Schubladeneinteilung. Habermas, von dem die Diskursethik stammt, kommt aus der Frankfurter Schule und er hat eine linke Grundeinstellung. Auch der diskutiert nicht auf "neutraler Ebene", zumal er selbst ein Buch darüber geschrieben hat, dass es eine weltanschauliche Neutralität nicht gibt.

Kommentar von ChristopherAs ,

Es geht eher darum, wie man jetzt "utilitaristisch" in diesem Fall argumentieren würde - das versteh ich. Aber wie man "diskursethisch" in diesem Fall argumentieren würde, verstehe ich nicht, da ich nur Ihre Definition der Diskursethik kenne.

Kommentar von berkersheim ,

Diskursethisch bedeutet, dass man die unterschiedlichen Bewertungen und ihre Begründungen sammelt und versucht, diese in einem Meinungsaustausch abzugleichen. Die Einstellungen des Diskursethikers ist, dass das funktioniert. Bei verschiedenen Positionen von Utilitariststen (es ist eine Fehlmeinung, dass Leute, die sich generell zum Utilitarismus zählen, immer ein gleiches Urteil hätten) ist das möglich. Wenn Leute mit utilitaristischer Ausrichtung diskutieren mit Kommunitaristen, wird es mühsam, aber möglich. Diskutieren beide mit Deontologen, kommt es darauf an, wie stark diese an die Vorgaben einer höheren Macht gebunden sind. Das würden zumindest Utilitaristen ablehnen und dann wäre die Diskussion vorbei.

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