Frage von CrackisNuts, 45

Wie arbeitet man sich bei einer Oper vor?

Seit vielen Jahren höre ich schon klassische Musik, vorallem Orchesterwerke, aber auch anderes. Natürlich kenne ich die meisten berühmten Arien, der bekannten Komponisten wie z.b Puccini, Wagner, Verdi, etz.. Doch in letzter Zeit höre ich doch immer mehr Opernwerke, weshalb sich mir der Wunsch aufdrängt mich intensiver mit dieser Gattung auseinanderzusetzen. Doch leider ist dies nicht so einfach wie es scheint. Die Werke im gesamten sind offensichtlich viel zu lang (ich habe teilweise ja bereits mit Mahler & Bruckner zu kämpfen wo einzelne Sätze schonmal über 30min dauern können) und außerdem habe ich gelesen das sich eine Oper aus verschiedenen Teilen zusammensetzt wie Rezitativen oder den bereits oben genannten Arien. Wie ist es einem möglich dort "den Spreu vom Weizen zu trennen"? Liegt der unterhaltende Faktor der Oper in der Musik, oder mehr auf dem vom Künstler geschaffenem Gesamtwerk (in Bezug auf die Handlung)? Ich bin einfach an dem Wesen der Oper interessiert und hoffe ihr könnt mir helfen mich an diesem heranzutasten. Vielen Dank für die Antworten schonmal im Vorraus & entschuldigt den langen Text

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Tokij, 19

Mir ist noch nicht ganz klar, was für dich "auseinandersetzen" bedeutet. Möchtest du eine Oper unter "objektiven" Kriterien beurteilen, um sagen zu können, dass die eine oder andere Oper gut oder besser ist als eine andere?

Wieso fragst du andere wo der unterhaltende Faktor liegt? Wo liegt der unterhaltende Faktor denn für dich? Darauf kommt es doch an, oder nicht? Wenn dir die Musik bzw. die Unterhaltung nicht gefällt, dann ergibt es auch keinen Sinn/Grund, sich damit zu beschäftigen.

Wenn es dir darum geht, die Entwicklungsgeschichte der Oper nachzuvollziehen und den Hintergrund somit zu erweitern, dann ist das etwas anderes. Oper hat eine lange Tradition und hat sich bis heute in alle möglichen Formen und Ausprägungen entwickelt. Trotzdem war sie lange Zeit sehr traditionell und entwickelte sich aus der "Dramma per musica". Die Erste sog. Oper, die als solche Bezeichnet wurde, gab es erst ab 1639.

Lange Zeit gab es zwei große Strömungen: Frankreich und Italien. Und die hatten trotzdem noch Ähnlichkeiten. In Italien gab es die Opernform "Opera seria", oder auch ernste Oper genannt, und die Opera buffa (komische Oper). Das Pendant in Frankreich hieß dann Tragedie en lyrique (zur ernsten Oper) und Opera Comique (zur komischen Oper), auch Schauspieloper genannt.

Bis dahin war unglaublich viel vom Inhalt (Vorbild oft an griechischer antiker Tragödien) und auch musikalisch viel vorgegeben. Es war genau festgelegt, wieviele und welche Charaktere auftreten, zumindest die Funktionen der Charaktere (wurde noch von der Dramma per musica tradiert). Erst mit der Reformoper, die Gluck mit "Orfeo ed Euridice" 1762 erschuf, fing es an, sich aufzulockern. Dort entwickelte es sich aus der Opera seria, anstelle die Charaktere nur funktionell auftreten zu lassen, legte er großen Wert auf Wahrhaftigkeit des Textes und eine realistische und natürliche (!) Charakterzeichnung. Man kann sagen, dass es ihm um die Moral ging. Die Lehre des Dichters sollte durch Schauspiel und Musik schmackhaft gemacht werden.

Interessanterweise finde ich das Thema wieder aktuell. Wenn man heutzutage ins Kino geht, dann empfinde ich die auftretenden Charaktere in einem 08/15 Blockbuster weder realistisch noch natürlich, sondern habe das Gefühl, dass sie nur da sind, um die heimlichen Wünsche und Bedürfnisse der Zuschauer zu erfüllen. Wenn der 16 jährige Junge also gerne wie James Bond wäre, dann gibt es wieder mal einen neuen Fast and Furius Teil mit einem supercoolen Vin Diesel oder sonst einen X-beliebigen Coolman und schon klingeln die Kassen. Oder wenn das 16 jährige Mädchen, das sich grade von ihrem Freund getrennt hat, grade was für die Tränendrüse oder eine starke Frau braucht und genau das funktionell bedient wird, ohne dass man sich um Realismus und Natürlichkeit schert.

So ist es sicher nachvollziehbar, dass Gluck mit der damaligen Tradition brechen wollte und die damalige Opernform in einem Brief als "seelenloses Geklingel" bezeichnet hat.

Das könnte ein beliebiger Einblick in die Operngeschichte sein. Da ich nicht genau weiß, worauf du hinaus willst, kann ich dir auch keine genauere Antwort liefern. Die Musik diente jedenfalls zu der Zeit immernoch dem Inhalt. Die Musik selbst hatte ihre Emanzipation erst mit der Bewegung der absoluten Musik (unabhängig von Oper). Einige haben Beethoven als den ersten absoluten Musiker bezeichnet, aber das ist wohl ein kleiner Streitpunkt, da man nicht wusste, was Beethoven selbst darüber dachte (was meiner Meinung nach egal ist).

Kommentar von CrackisNuts ,

Vorallem bin ich an der Musik interessiert, trotzdem ist es wie wenn man einen guten Film sieht. Manche Menschen sehen den Film und finden ihn gut und gut ist. Ich bin soeiner der sich sobald er einen guten Film gesehen hat sich von den auftretenden Schauspielern interviews ansieht, sich Artikel über den Regisseur durchließt, sich Videos zur Produktion bestimmter Szenen anschaut, etz.. Das gleiche ist es für mich mit der Oper, nur das für mich die Oper mehr eine Mischung aus Labyrinth und Film ist, der Film als Rolle des für mich aufgenommene (durchaus auch positiv) und dem dem ich auf den Grund gehen will, doch gleichzeitig wie ein labyrinth in welchem ich mich nicht wirklich zurechtfinde, zwar hin und wie einen Lichtblick habe und eine wunderschöne Aussicht genieße, doch letztenendes nur herumirre. 

Du fragst was ich mit auseinandersetzen meine, nun das ist nicht so einfach. Im allgemeinen die Oper verstehen auf geschichtlicher Ebene, ihrem Aufbau und allem was dazugehört. Doch über all dem steht letztlich in meinen Augen nur die Musik, welche mich verwirrt da sie manchmal garkeine musikalische Funktion hat.

Ich hab mir meine beiden Texte nochmal durchgelesen und wirklich aussagekräftig oder eindeutig sind sie wirklich nicht. Vermutlich liegt es daran das ich selbst nicht so recht weiß was ich möchte. Auf jedenfall hast du mir schonmal ein bisschen weitergeholfen, danke dafür

Nebenbei fand ich deinen Vergleich der Oper mit der heutigen Zeit sehr interessant

Antwort
von lilipilli02, 4

Meine absolute Lieblingsoper ist Tosca von Puccini (hast du wahrscheinlich schon mal von gehört). Die Handlung ist wirklich fesselnd und die Musik ist auch sehr toll. Es gibt sie sogar als richtigen Film, der mir auch sehr gut gefällt. Ich schick einfach mal den Link mit. Ich hoffe ich konnte dir helfen. LG Lili:)

Antwort
von williberlin, 22

Oper ist zuerst einmal Theater, eben Musiktheater. Du solltest daher weniger von der Form ausgehen, sondern vom Inhalt.

Mit Musik und Gesang lassen sich große Gefühle oft eindrucksvoller darstellen, als nur durch das Wort.

Am Besten, Du siehst Dir einmal eine Oper an, am Besten in der Oper, falls zu weit und zu teuer, im Fernsehen.

Die Formen selbst haben sich während der fast 500 Jahre, seit es Opern gibt, mit der Zeit verändert.

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