Frage von Breel, 223

Wie am besten Umgehen/ sollte ich mir Hilfe holen( Feuerwehr /Rettungsdienst)?

Hallo, Also ich war vor ca. 2 Jahren ersthelfer bei einer erfolglosen Reanimation. Ich hatte dann nach keine Albtraüme und es ist auch nicht so, das ich jetzt irgendwie Albträume bekomme. Das Problem ist, ich habe damals auch Fehler gemacht, indem ich den Herzstillstand nicht erkannt habe und habe mir eigentlich auch nur 2 Wochen nach dem Ereignis die Frage gestellt " Was währe wenn du den Herzstillstand erkannt hättest, würde er dann noch leben?".Ein damaliger Klassen Freund ( ich war in der 10. Klasse) hat dann im Nachhinein noch Sachen rausgehauen, an denen ich ganz schön zu kauen hatte...Nach Ca. einen Monat nach dem Tag war alles wider in Ordnung. Mit anderen Leuten habe ich da nicht drüber geredet weil ich es nicht konnte) wollte und ich auch gedacht habe, dass ich da alleine mit zurecht komme. Was ja auch irgendwie so war... Mittlerweile bin ich seit einem halben Jahr bei Der Freiwilligen Feuerwehr. Letzten Dienst hatten wir erste Hilfe und natürlich haben wir auch die Reanimation geübt. Und ich weiß nicht wieso aber ich hatte irgendwie einen leichten Flashback und habe mich genau so hilflos gefühlt wie damals. Mein Teampartner wusste auch nicht wirklich was er machen soll und ja die Kommunikation und so hat einfach alles nicht hingehauen. Danach hatte ich irgendwie das Bedürfnis mit unserem Ausbildungsleiter darüber zu sprechen aber ich habe es dann irgend wie doch nicht gemacht, weil noch andere Kameraden anwesend wahren. Seit dem Dienst mache ich mir Gedanken darüber ob ich das von Damals vielleicht doch noch nicht so verkraftet habe, wie ich dachte. Und ob ich mir Hilfe suchen sollte.. Bzw. Sind solche Flashbacks normal? Und wie kann ich damit umgehen?

Antwort
von sunnywobgirl, 49

Was du da beschreibst sind Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung. Diese treten auf, wenn ein Mensch eine Situation nicht verkraften kann und in einem Moment extrem großem Stress ausgesetzt wird, der über seine Bewältigungsfähigkeit hinaus geht.

Erstmal; Dafür musst du dich nicht schämen, denn eine erfolglose Reanimation ist für jeden Menschen belastend und für einen jungen Mann, der in der 10.Klasse ist ganz besonders. Eigentlich hättest du wahrscheinlich viel früher einen guten Ansprechpartner gebraucht.  Eine solche Reaktion kann leider auch Jahre später auftreten.

Solltest du also nun in Zukunft öfter solche Flachbacks bekommen, ist professionelle Hilfe angesagt. Suche dir einen Berater, mit dem du über das Problem sprechen kannst. das kann ein Psychologe sein, oder aber auch der Einsatzseelsorger der Feuerwehr in eurem Landkreis.

Vorwürfe musst du dir keine machen. Es ist immer bewundernswert, wenn junge Menschen handeln, wenn gehandelt werden muss, und dafür, dass du als Ersthelfer da warst, verdienst du großen Respekt. Das schlimmste was du hättest tun können, ist nichts tun. Ohne dich hätte die Person keine Chance gehabt, und du hast ihm die Chance zu überleben gegeben. Wenn dabei nicht alles perfekt war- dann ist es eben so, aber du hast getan was du konntest. Die Meisten Reanimationen enden leider erfolglos, und wir als Menschen sind leider nicht in der Lage, jeden zu retten, auch, wenn wir das gern wollten.

Für dich alles gute.

Antwort
von DatKev, 156

Du solltest dir keine Vorwürfe machen! Du hast versucht zu helfen! Es gibt Menschen die andere einfach liegen lassen... Ich bin selber bei der Jugendfeuerwehr. Stelle mir das schlimm vor wenn so etwas fehlschlägt. Du hast aber versucht zu helfen! Und ja du solltest vielleicht eine Therapie beginnen. So kann man das Passierte besser verarbeiten. Falls du etwas ähnliches nochmal erleben solltest zieht dich das in die tiefsten Probleme! 

Es ist keine Schande eine Therapie zu machen. Ich mache selber eine.

Aber sage dir das du nur helfen wolltest. Du bist ein Held! 

Antwort
von Vannii18, 122

Ich würde dir raten mit jemanden darüber zu reden es hilft immer. Es ist nicht gut das du das in dich hinein frisst. Sprech doch mal deinen Leiter an wenn du ihm vertraust und mit ihm über deine Gedanken und Gefühle reden kannst. Das wird dir gut tun. :)

Antwort
von Ninni381, 51

Hi Breel! Du hast ja schon einige hilfreiche und mitfühlende Antworten erhalten, und ein vertrauliches Gespräch mit deinem Ausbilder wäre sehr empfehlenswert und extrem wichtig. Falls du dahingehend innerlich noch etwas blockiert bist, sprich dieses Thema doch zunächst hier einmal an:

https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd...

Antwort
von Anita1211, 115

Offensichtlich kommst du damit nicht allein zurecht und brauchst Hilfe. Ob es der richtige Weg ist, sowas mit wildfremden Menschen im Internet zu besprechen, wage ich zu bezweifeln.

Es ist aber schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. In der FF gibt es doch nen Notfallseelsorger, der genau für solche Sachen da ist. Zudem würde ich zuerst gehen, weil der genau für sowas ausgebildet ist und sowas daher nicht zum ersten Mal hört. Mit denen kann man auch mehr als einmal sprechen.

Und wenn das nicht ausreicht, gibt es auch Selbsthilfegruppen mit ähnlichen Themen. Da findet man zumindest schneller Hilfe als beim Therapeut.

Kommentar von Breel ,

Naja das ist halt Ansichtssache. Ich hatte gerade keine bessere Idee dir Frage los zu werden. Da es mich irgendwie schon gerade beschäftigt.

Antwort
von Janitschka, 46

Generell, wie schon gesagt wurde: Hilfe suchen und zumindest mit vertrauten Personen - so auch gerne anderen Kameraden, die aus Erfahrung mitfühlen und -sprechen können, darüber sprechen und es "aufarbeiten".

Kurze Flashbacks, halte ich persönlich (KEINE Fachmeinung - nur meine eigene persönliche Meinung) für nicht unbedingt schlimm, sofern sie dich nicht (ernsthaft) beeinträchtigen. Auch, wenn das Gehirn Negatives schnell(er) verdrängt und sich auf Postitives bezieht, gibt es immernoch Kontaktpunkte und Verknüpfungen zu solchen Negativereignissen.

Wir hatten z.B. einen Einsatz, da hat ein Motorradfahrer den Gashahn ordentlich aufgerissen, Kontrolle verloren und sich an der Leitplanke den Kopf abgeschnitten.

Nach dem Einsatz haben wir unter den Kameraden darüber gesprochen und versucht das zu verarbeiten. Trotz, dass ich damit keine Probleme (mehr) habe, kommt einem diese Situation doch ab und zu mal ins Gedächtnis, wenn man z.B. an der Stelle vorbei fährt oder eine Person sieht, die dem Verunglückten ähnelt..

Ich denke, dass das auch ganz normal ist. Wichtig ist nur, dass es einen nicht regelmäßig "verfolgt" und/oder es einen wirklich behindert oder beeinträchtigt. Das sollte man beobachten und selbst einschätzen können.

Im Zweifel aber auf jeden Fall drüber reden und ggf. professionelle Hilfe hinzuziehen.

Antwort
von casala, 82

normal oder nicht, das ist nicht die frage. jedenfalls bist du kein einzelfall.

reden solltest du auf jedenfall mit deinem ausbildungsleiter. mittlerweile haben fast alle dienste seelsorgermitarbeiter (betreuung bei und nach schlimmen einsätzen). sprech ihn darauf an.

wenn du weiterhin unbelastet deinem dienst nachgehen willst, solltest du also unbedingt dein erlebnis  (anscheinend mit professioneller hilfe) verarbeiten.  viel glück.   :)


Kommentar von Breel ,

Also sollte man sich allgemein wenn man von Einsätzen Flashbacks bekommt Hilfe holen?

Kommentar von casala ,

aber natürlich - bekommst du flashbacks ist das doch ein zeichen dafür, daß du eine situation nicht verarbeitet hast .

und eine hemmung im einsatz ist doch wohl mit das schlimmste, was dir und deinen kameraden passieren kann. du fällst als vollwertiges rettungsteammitglied aus und kannst einsätze dadurch sogar verschlimmern.

Kommentar von Breel ,

Ja du hast Recht. Ich werde mal mit meinem Wehrleiter darüber sprechen und dann mal gucken wie es weiter geht

Kommentar von casala ,

tu das unbedingt, wenn du in diesem bereich weiterhin hilfreich tätig sein willst. oft ist es nur eine klitzekleine kleinigkeit, die hilft den kopf frei zu bekommen.  nochmals -viel glück!   :)

Antwort
von askrenegade, 98

Solche Flashbacks können durchaus immer mal vorkommen. Solange es dich nicht tage und wochenlang umtreibt und du in deinem Job beeinträchtigt wirst musst du dir keine Sorgen machen.

Solltest du aber in der nächsten Zeit immer wieder daran denken müssen auch ganz ohne Anreize, Alpträume bekommen und dich nicht mehr auf andere sachen konzentrieren können solltest du dir Hilfe suchen.

Kommentar von Breel ,

Ich muss da immer dann denken, wenn meine Freunde, die gerade den Führerschein machen, von ihren erste Hilfe Kursen sprechen. Bzw. Ich hatte schon einmal bevor wir in der FFW erste Hilfe hatten einen Flashback als wir nach dem Dienst noch etwas länger im Gerätehaus saßen und irgendwie zuerst über den Tod gesprochen haben und dann über Leichen geredet haben. Ich wurde während dem Gespräch immer ruhiger und habe irgendwie auch wider an damals gedacht. Also so einmalig war das leider nicht. Es ist immer mal wider Kurz aber so richtig beeinflussen tut es mich nicht. Bis auf das ich dann kurz etwas trauriger bin.

Kommentar von Breel ,

Und bei dem erste Hilfe Dienst hat mich das schon ziemlich verunsichert.

Kommentar von askrenegade ,

Also wenn du das Gefühl hast das Erlebt von damals noch nicht richtig verarbeitet zu haben dann schadet ein Besuch bei einem Spezialisten sicherlich nicht.

Kommentar von Breel ,

okay danke

Antwort
von Lemmy73, 90

Ja, das hängt wohl mit damals zusammen. Da hast du aber als laie zumindest in soweit alles richtig gemacht indem du wenigstens versucht hast zu helfen. Bei der Feuerwehr gibt es Ansprechpartner für dich, sprich mit deinem Vorgesetzten der wird dir sagen an wen du dich wenden kannst. Da gehen auch die erfahrenen Kollegen nach belastenden Einsätzen hin.

Kommentar von Breel ,

Also sollte man sich allgemein wenn man von Einsätzen Flashbacks bekommt Hilfe holen?

Kommentar von Lemmy73 ,

Sicher. Das alles "in sich reinfressen" ist definitiv nicht gesund. 

Kommentar von FineTrine ,

Natürlich!! Wie willst du sonst gesund bleiben und deinen Dienst versehen?

Flashbacks sind keine normale Reaktion. Scheu dich nicht und suche dir Hilfe!

Kommentar von Breel ,

okay

Antwort
von Bene0306, 26

Hallo,

Grundsätzlich hast du nicht viel falsch gemacht. Du hast versucht zu helfen, das ist das wichtigste und immer die bessere Alternative als garnichts zu tun.

zu deiner Frage in der Regel gibt es mittlewerile in den meisten Feuerwehren eine PSU / OPEN oder sonst wie genanntes Team. Die sind tatsächlich für so etwas ausgebildet. Die meisten Priester / Pastoren / Pfarrer sind ebenfalls gut dafür geeignet und meist auch ausgebildet ein entsprechendes Gespräch auch ausserhalb des Glaubens zu führen. Solltest du in NRW in einer Feuerwehr sein muss es bei euch im Löschzug oder mindestens am Standort eine "Vertrauensperson" geben. Diese sollte auch ein guter Ansprechpartner sein und dir zumindest einen Kontakt vermitteln können.

Lieben Gruß

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