Frage von blaunuss, 98

Widerspruch gegen eine Bedarfsgemeinschaft?

Hallo liebe Community,

ich bräuchte ein wenig Hilfe bei einem Thema mit dem ich mich nicht so gut auskenne. Ich bin 21 Jahre und und fange ab Mai 2016 meine Ausbildung an. Meine Mutter bezieht ALG II und ich wohne zusammen mit ihr in einer Wohung.

Meine Ausbildungsvergütung beträgt im erstem Jahr um die 750€ Netto. Laut Internet und einigen Bekannten sollte die Vergütung + Kindergeld ausreichen, damit ich aus der BG rausfalle. Sprich - so wie ich es verstanden habe - wird meine Vergütung nicht dazugerechnet und ich müsste selbstständig was von meinem Geld meiner Mutter geben für Miete etc.

Wir haben heute einen Brief bekommen, wo das Arbeitsamt bereits meine Vergütung zur BG eingerechnet hat und fordern nun Auszüge etc.? Wie kann sowas sein, da ich ja genug verdiene das ich daraus falle? Ich möchte nun einen Widerspruch schreiben damit die mich aus der BG wegnehmen da ich ja ab Mai genug verdiene.

Nun bräuchte ich Hilfe beim schreiben, wie geh ich sowas an? Was genau muss darein? Und liege ich überhaupt richtig mit dem allem? Hoffe auf Hilfe von der Community

Mfg

Expertenantwort
von isomatte, Community-Experte für Arbeitsamt, Arbeitslosengeld, Ausbildung, 38

Das ganze ist nicht so einfach wie du dir das vorstellst !

Hast du dir den durch einen Brutto / Netto Rechner im Internet mal kostenlos ausrechen lassen was du an Netto Vergütung bekommen würdest ?

Denn das was in deinem Azubi Vertag steht ist das Bruttoeinkommen vor Abzug der Sozialabgaben und evtl.anfallenden Steuern,die werden ab ca. 950 € Brutto fällig.

Sollte dein Brutto also 750 € betragen,dann hast du zunächst deine 100 € Grundfreibetrag,von 100 € - 1000 € Brutto 20 % und von 1000 € - 1200 € Brutto noch mal 10 % Freibetrag.

Diese Freibeträge werden dann addiert,theoretisch von deinem überwiesen Nettoeinkommen abgezogen und dazu dann dein Kindergeld von 190 € addiert,dass ergibt dann dein gesamtes anrechenbares Einkommen.

Du hättest dann also bei 750 € Brutto insgesamt 230 € an Freibetrag,also erst deine 100 € Grundfreibetrag und von den übersteigenden 650 € Brutto noch mal 20 %,also 130 € dazu,ergibt dann gesamt 230 €.

Diese 230 € würde dir das Jobcenter theoretisch von deinen angenommenen 600 € Netto abgezogen,ergibt ein anrechenbares Netto von ca. 370 € und dazu käme dein Kindergeld von 190 €.

Dann läge dein gesamtes anrechenbares Einkommen bei ca. 560 € im Monat.

Mit 21 Jahren steht dir ein Regelsatz von 324 € zu,es blieben dann ca. 236 € für dein Kopfanteil der KDU - Kosten der Unterkunft und Heizung ( Warmmiete ) übrig.

Wenn die KDU - angenommen 600 € betragen würde,du mit deiner Mutter alleine wohnst,dann würde jedem von euch ein Kopfanteil von 300 € zustehen und da du dann nur ca. 236 € für deinen Kopfanteil übrig hättest würdest du noch zur BG - deiner Mutter gehören,dir stünden dann also noch ca. 64 € an Aufstockung zu.

Nur wenn du mit deinem anrechenbaren Gesamteinkommen deinen Bedarf selber decken könntest würdest du aus der BG - deiner Mutter raus sein und sie bekäme nichts mehr für dich.

Deshalb müsstest du ihr dann deinen Anteil aus deinem Einkommen selber zahlen,dazu gehört dann min.dein Kopfanteil der KDU - also 50 % der Warmmiete,dazu dann noch dein Anteil für den Abschlag für den normalen Haushaltsstrom,für das Waschen deiner Wäsche,ggf. Telefon und Internet Benutzung und Kostgeld für deine Verpflegung oder du übernimmst das dann selber.

Dazu käme dann noch das ggf.überschüssiges Kindergeld auf den Bedarf deiner Mutter angerechnet würde,wenn du diesen Teil bzw.das ganze Kindergeld zur eigenen Bedarfsdeckung nicht mehr benötigen würdest.

Du könntest zwar schriftlich freiwillig auf Leistungen verzichten,dann würde das Jobcenter aber davon ausgehen das du dein gesamtes Kindergeld nicht mehr benötigen würdest,selbst wenn es nicht so wäre und deine Abgaben müsstest du dann dennoch an deine Mutter zahlen,weil man ihr dann das Kindergeld bis auf max. 30 € Versicherungspauschale von ihren Leistungen abziehen würde.

Eine Anrechnung deines Einkommens darf natürlich erst vorgenommen werden wenn du deine erste Vergütung ( Zuflussprizip ) auf deinem Konto hast.

Sollte deine Vergütung also schon ab Mai zu einer Kürzung geführt haben dann legt fristgerecht einen schriftlichen Widerspruch ein,Begründung das Zuflussprinzip,Einkommen darf erst nach Zufluss auf dem Konto auf den Bedarf angerechnet werden.

Außerdem kommt es darauf an wann du deine Vergütung auf dein Konto bekommst,normalerweise sollte das bei Azubis im am Monatsende sein,wenn das nicht der Fall wäre stünde dir für den Mai noch deine volle Leistung zu,selbst wenn du angenommen schon den ganzen Monat gearbeitet hättest.

Nur wenn du es noch im Monat Mai auf dein Konto bekommst wird es dann so angerechnet wie von mir beschrieben.

Antwort
von BlackWoodruff, 47

Hallo,

guck mal hier: https://www.bmas.de/DE/Themen/Arbeitsmarkt/Grundsicherung/Leistungen-zur-Sicheru... Du könntest unter die Regelung des "minderjährigen unverheirateten Kindes unter 25" fallen, das selbst ausreichendes Einkommen hat.

Das Jobcenter wird aber sicherlich davon ausgehen, dass ihr eine Haushaltsgemeinschaft bildet (dafür gibt es die Anlage "HG"), d. h. es wird wahrscheinlich davon ausgegangen werden, dass du deine Mutter finanziell unterstützt.

Die Miete wird aber (wenn ihr zu zweit wohnt) trotzdem vom Amt durch zwei geteilt werden, da davon ausgegangen wird, dass du deiner Mutter die Hälfte der Miete gibst.

Vorschlag: du erkundigst dich beim Jobcenter mal nach der Anlage "HG" und sagst dort, dass du nicht zur Bedarfsgemeinschaft gehörst. Ob ihr eine Haushaltsgemeinschaft seid, kann ich nicht beurteilen :-)

Antwort
von Gerneso, 34

Auch wenn Du nicht mehr zur Bedarfsgemeinschaft zählst, sondern ihr nur noch eine Wohngemeinschaft bildet, bekäme Deine Mutter nicht mehr das gleiche Geld wie vorher. Warum?

Weil Deine Mutter bis dahin Geld für Dich mitbezogen hat, welches durch Deinen Verdienst entfällt. Sie bekommt also nicht mehr Deinen Teil der Miete und Lebenshaltung bezahlt.

Je nachdem wo Du wohnst und wie teuer da die Mieten sind, kannst Du darüber nachdenken Dir eine eigene kleine Wohnung oder ein richtiges WG-Zimmer zu nehmen.

Dein Anteil des HartzIV wird Deiner Mutter aber in jedem Fall abgezogen, auch bei Auszug.

Kommentar von martinzuhause ,

wenn er nicht mehr dort gemeldet ist kann das amt nichts mehr abziehen. sie boilden da auch keine bedarfsgemeinschaft mehr.

dazu reicht das schon wenn er bei freunden gemeldet ist. seine mutter besuchen darf er natürlich trotzdem regelmässig

Kommentar von Gerneso ,

Die Mutter erhält ja Geld für alle Mitglieder des Haushaltes. Wenn nun welche raus fallen wegen Auszug oder Einkommen erhält die Mutter für die Personen kein Geld mehr vom Amt. Das macht unterm Strich in jedem Fall weniger Geld vom Amt.

Kommentar von blaunuss ,

Das sie nicht mehr das Geld bekommt ist mir klar, aber laut dem Brief den wir heute bekommen haben bin ich noch in der BG drinnen und es wurde schon meine Vergütung angerechnet OBWOHL ich erst im Mai anfange. Wie kann man was anrechnen was noch gar nicht da ist? 

Kommentar von Gerneso ,

Das Geld vom Amt kommt im Voraus. Der AG zahlt rückwirkend.

Wenn Du raus fällst entfällt das Geld welches für Dich ist schon im Mai.

Antwort
von martinzuhause, 44

wenn du dort wohnst wird dein geld natürlich angerechnet. du fällst nicht aus der BG raus weil du gut verdienst

Kommentar von blaunuss ,

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Nach § 7 Abs. 3 Nr. 4 SGB II wird bestimmt, dass Kinder und junge Erwachsene nicht zur Bedarfsgemeinschaft (BG) gehören, wenn sie ihren Lebensunterhalt aus eigenem Einkommen sicherstellen können
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Antwort
von kabatee, 18

Frag bei Caritas, Diakonie usw. nach die kennen sich da gut aus. Der VDK kostet 7 € im Monat wäre vieleicht auch nicht schlecht!

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