Frage von Morpheus94, 73

Wie auf Aussagen GEGEN Flüchtlinge reagieren?

Ich hab immer mal wieder mit Leuten zu tun, die gegen Flüchtlinge sind. Und dann kommen solche Sätze wie: Die meisten sind Vergewaltiger und Verbrecher! Oder: Die meisten Flüchtlinge sind potentielle Terroristen und IS Anhänger! Und so ein Zeug. Ich kann nicht verstehen, wie man so oberflächlich und dumm denken kann. Auch ein paar sehr intelligente und nette Kollegen in meinem Bekanntenkreis haben so eine negative Sicht auf die aktuelle Situation. Was kann ich auf solche Sätze antworten? Wie kann ich denen klar machen, dass es doch gar nicht so schlimm ist und dass es falsch ist, so zu denken?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Kendall, 34

Na ja, das oberflächliche Denken, das Du als dumm bezeichnest, erschöpft sich ja nicht nur allein auf der negativen Seite. "Die meisten Flüchtlinge sind Vergewaltiger und Verbrecher" ist eine schwachsinnige Generalaussage, die viel weniger Fakten, viel mehr Ängste widerspiegeln. Die Ängste werden geschürt durch tatsächliche Umstände, die passieren - z.B. die Geschehnisse bei der Silvesterparty oder, was ich m.E. noch viel schlimmer finde, der Versuch islamistischer Tschetschenen ezidische Flüchtlinge in der Unterkunft in Bielefeld zu töten, worauf die Polizei in der ultimativen Situation keine andere Antwort gefunden hat, als Täter und Opfer wieder zusammenzustecken und als die Opfer sich wehrten, jene zu verhaften.

Das Problem ist, dass der Westen seit der als "arabischer Frühling" mißverstandenen islamischen Revolution und dem Sturz Gaddafis, an dem der Westen maßgeblich mitbeteiligt war, hätte wissen müssen, dass es zu Flüchtlingsbewegungen kommt. Wir hätten planen und uns darauf vorbereiten können - seit 2011, also vom Standpunkt 2015 aus gesehen 4 Jahre lang! -, stattdessen hat Europa gehofft, dass die Flüchtlinge "anständig" vor der italienischen Küste ersaufen und ihre Flucht in der Mehrheit nicht bewältigen.

Der Westen hat den Konflikt mitverursacht und danach schön die Augen zugemacht, in der Hoffnung, dass die Probleme ihn dann nicht sehen. Das ist ein Teil der Wahrheit, die zu diesem Chaos geführt hat.

Dann Merkel - keine Passkontrollen, sondern wilde Migration. Und unter den Kriegsflüchtlingen sind dann Leute, die nicht vor Krieg, sondern vor Strafverfolgung flüchten und logischerweise hierzulande ebenfalls straffällig werden. (Da Marokko immer als Beispiel genannt wird - die sexuellen Belästigungen auf dem Domplatz werden in Marokko in gleichwertiger Situation drakonisch bestraft).

Und das mit der IS hat auch einen wahren Kern - seit 2014 weiß man, dass syrische Blankopässe in die Hände der IS geraten sind. Allerdings sind seitdem auch die Seriennummern dieser Pässe bekannt! Nur hat sie hierzulande kaum einer abgeglichen, da, selbst lt. Angaben von Bundespolizisten, nicht mal ganz 30% der Flüchtlinge überhaupt kontrolliert wurden. Und das Problem ist groß, auch wenn es ein Minderheitenproblem ist - wenn Du nur 50 IS-Leute unter den Hunderttausenden Geflüchteten hast, können die großen Schaden anrichten.

Das große Problem ist: Die Organisation der Migration ist eine absolute Katastrophe. Die Politik hat flächendeckend versagt, beginnend mit der furchtbaren "Hoffnung" der EU, dass ein Großteil der Flüchtlinge die Flucht nicht überlebt. Statt Verantwortung herrscht das große Kopf-in-den-Sand-Stecken. Und dann hat Merkel es völlig überrissen ohne auch nur annähernd funktionierende Sicherheits- und Kontrollmechanismen zu installieren, was dazu führt, dass es selbst in Unterkünften zu Straftaten kommt, vor denen man traumatisierte Flüchtlinge nicht wirklich schützen kann. Das ist skandalös!

Und jetzt zu Deinem Ausgangsproblem: Das hat zwei Seiten. Die eine Seite ist die: Die Leute sehen Köln, lesen Nachrichten über Schwimmbadübergriffe und darüber, dass der Pariser Attentäter Leute aus einer Unterkunft in Deutschland abgeholt hat. Einfacher Schluß: "Alles Verbrecher, alle abschieben, kein Asylrecht mehr!"

Die andere Seite ist die: Alle Menschen, die hierher kommen sind a priori Kriegsflüchtlinge und auch dann noch unschuldig, wenn sie schuldig sind, darum ist jeder, der eine an ihm/ihr begangene Straftat, z.B. Vergewaltigung anzeigt, ein Nazi und trägt zur Stimmung gegen Flüchtlinge bei. Einfacher Schluß: "Die Nazi, also alle, die nicht glauben, dass alle Flüchtlinge Kriegsflüchtlinge sind, sind das eigentliche Übel, es gibt keine Probleme mit Flüchtlingen, Straftaten sollten keinen Einfluß auf das Asylverfahren haben."

Beides sind absurde Schlüsse, die aus ideologischer Einseitigkeit geboren sind. Das größte Problem in der öffentlichen Diskussion ist, dass diese beiden Positionen die einzigen sind, um die öffentlich gestritten wird. Das hilft natürlich den etablierten Parteien, die eigenen Verfehlungen zu verschleiern. Aber das führt nicht zu Lösungen, sondern davon weg, und führt nur zu reichlich eitlen und selbstverliebten Kämpfen zwischen verschiedenen extremen Ideologien.

Das würde ich einem Bekannten von mir sagen, der mit solchen Parolen aus dem Gebüsch kommt. Und das habe ich auch den Bekannten so gesagt, die mit der einseitig positiven Parole aus dem Gebüsch kamen. Die Realität ist jeweils besser und schlechter als beide Seiten es verkaufen wollen.

Kommentar von Morpheus94 ,

ich sehe das auch so, beide extremen Seiten sind nicht richtig (meiner Meinung nach). wie kann ich deine Antwort als hilfreichste Antwort auswählen? hab GF noch nicht so lange ;D

Antwort
von Sisalka, 26

Das Problem ist, dass es bei deinen Bekannten gar nicht um Tatsachen geht. Sie lassen sozusagen ihre Ängste und Vorurteile sprechen. Wenn du dann mit einer sachlichen Diskussion kommst, kann es sehr schwierig werden, weil ihr komplett aneinander vorbei redet.

Manchmal hilft's, wenn du jemanden direkt fragst, wie sie selber reagieren würden, wenn plötzlich ihr Haus in Flammen aufgeht, weil da eine Brandbombe vom Himmel fiel. Oder wie sie ihre Kinder vor Krieg schützen würden. Würden sie einfach zuhause auf das Ende warten? Oder würden sie so schnell und so weit wie möglich laufen, um wegzukommen?

Fragen wie diese können eine gefühlsmäßige Verbindung herstellen, die sonst fehlt. 

Ängste sind im übrigen nicht immer unbegründet, denn es sind z.B. Angriffe auf Frauen passiert. Das liegt aber nicht daran, dass diese Menschen Flüchtlinge/Einwanderer sind, sondern Kriminelle - egal woher. Und von denen würden egal wie, oft auch illegal welche 'einwandern'. Mit der großen Mehrheit von Flüchtlingen haben die aber nichts zu tun.

Vielleicht auch bedenkenswert ist, dass es für viele Menschen schwer vorstellbar ist, wie die Tausenden von Menschen mit völlig anderen Lebenserfahrungen und -erwartungen in unsere Gesellschaft integriert werden können. Und das sehr schnell. Damit sind enorme Spannungen verbunden, die es auszuhalten gilt. Wir brauchen neue und menschliche Vorgehensweisen, weil diese Situation neu ist. Noch nie kamen so viele Flüchtlinge in so kurzer Zeit nach Europa. 

Da wir Europäer selber nicht einig oder klar sind, wie wir mit Flüchtlingen und Einwanderern aus ganz unterschiedlichen Kulturen umgehen, ist es schwer für Otto und Anna Normalbürger wie du und ich den Überblick zu behalten. Und das gilt sicher auch für deine KollegInnen. Und Unsicherheit macht Angst, bei den einen mehr, bei den anderen weniger. 

Ich selber finde es auch schwer auf der einen Seite natürlich zu wissen, dass wir in Europa dringend helfen müssen, Menschen aus Kriegsgebieten in Sicherheit zu bringen. Auf der anderen Seite bin ich aber ebenfalls dafür, dass eben unsere relativ freie und gleichberechtigte Gesellschaft nicht plötzlich ausgehebelt wird, weil sich eine allgemeine Beliebigkeit breit macht. Toleranz hat nichts damit zu tun, keinen eigenen Standpunkt zu vertreten. Schließlich wollen so viele Flüchtlinge gerade nach Deutschland - weil Deutschland so ist wie es ist. Es sollte also den Flüchtlingen und Einwanderern daran gelegen sein, dieses Deutschland zu unterstützen und zu kräftigen. Wie das genau aussehen sollte, tja, das ist wohl die Million-Dollar-Frage.

Antwort
von Khaleesibored, 28

Du solltest Dich auf jeden Fall normal mit den Leuten reden, die so denken, und sie genau informieren, wie Du das Thema siehst. Versuche, sie zu überzeugen, aber wenn sie stur bleiben, dann kannst Du das auch nicht ändern. Dann muss man leider auch akzeptieren, dass die Meinungen weit auseinander gehen.

Antwort
von Daria700, 1

Nun jeden seine Meinung würde Pro und Kontra beides apzeptieren!

Ich persönlich denke jeder macht so seine Erfahrungen.Und gibt diese weiter!

Äussern ist doch okay.Gerede ist halt Gerede lass die einfach!

Antwort
von scatha, 23

Diese ganze Affäre wird von den Medien hochgekocht. Es wird künstlich Angst erzeugt und Konflikt heraufbeschworen. Die Ziele scheinen ungefähr die folgenden zu sein:
- Das Volk soll nach einer "starken Hand" rufen, und eventuell weitere Beschränkungen der Freiheit und Einschränkungen der Privatsphäre in Kauf nehmen
- Das Volk soll sich an eventuelle neue Angriffskriege gewöhnen. Ich hoffe daß sie nicht das friedliche Rußland als Ziel auserkoren haben. Auf jeden Fall versuchen gewisse Supermächte seit vielen Jahren eine Freundschaft Deutschland-Rußland zu verhindern.

Da wird viel Lärm um nichts gemacht. Vielleicht soll auch von anderen Themen abgelenkt werden. TTIP/CETA? Fernsteuerung der EU-Regierung ?

Antwort
von michelangelo3, 22

Erst mal wirst du wenig überzeugen, wenn du dein Gegenüber für oberflächlich und dumm hältst. Sie es einfach als Mangel an Information, nicht als Dummheit.

Das andere ist, "die" oder "die meisten" schert alle über einen Kamm. Die Deutschen sind... die Spanier sind... Die Flüchtlinge sind... Das Ganze kann man dann auch beliebig ausweiten, die Schwarzen, die Weißen, die Roten, die Christen, die Muslime...

Das schöne an so Gruppierungen ist, man kann sie gegeneinander aufbringen und das wird seit Jahrhunderten immer wieder mit Erfolg gemacht. Und es ist auch gar nicht so leicht, sich dem zu entziehen - schließlich sind grundsätzlich "die" die Bösen und man selbst gehört natürlich zu den Guten.

Und schließlich gibt es bei den Flüchtlingen, genauso wie in jeder anderen Gruppierung, üble Gesellen - davor darf man seine Augen auch nicht verschließen.

Antwort
von DerKleineRacker, 21

Wenn du deine Meinung argumentativ nicht vertreten kannst, könnte es nicht daran liegen, dass deine Meinung gar kein Fundament hat und du dich erst einmal informieren solltest, bevor du überhaupt eine Meinung bildest? Und eben das ist auch der Weg den du gehen solltest. 

Dass deine Kollegen ebenso keine Ahnung haben was sie da sagen ist aber auch recht klar, "die meisten Flüchtlinge sind Vergewaltiger" ist so absurd, das erklärt sich von alleine. Wenn wir uns hier ein paar Millionen Vergewaltiger ins Land geholt hätten, würde sich das ein kleines bisschen mehr bemerkbar machen denke ich.

Antwort
von Bene288, 22

Das musst du im Grunde selbst wissen. Du willst sie ja überzeugen. Du musst dich selbst fragen warum du denkst , dass das was deine Freunde sagen nicht stimmt und warum du das Gegenteil denkst. Du musst ja selbst deine Gründe haben

Kommentar von Matermace ,

Nee, hier gehts ja nicht um Überzeugunsfragen sondern um Fakten. Auch wenn das Thema ausgelutscht ist, es ist z. B. keine Meinung wenn jemand sagt dass er nicht glaubt dass der Holocaust stattgefunden hat, das ist schlicht falsch.

Kommentar von scatha ,

@Matermace: es ist zwar unwahrscheinlich, aber auch diese Geschichte KÖNNTE erfunden sein. Das glaube ich aber nicht. Was ich allerdings glaube ist, daß die angegebenen Zahlen übertrieben sind. Wie man sich denken kann, aus politischen Gründen. Wenn die Politik eingreift, wird ÜBERALL gelogen, jedenfalls ist es in den letzten 25 Jahrhunderten so gewesen.

Kommentar von Ruokanga ,

Diese Menschen sind allgemein Unglücklich mit ihrem Leben. Ihr Leben beruht nicht auf Fakten, weswegen sie Fakten auch nicht sehen wollen, obwohl sie könnten. Sie projizieren ihr Leid auf andere, nach dem Motto: "Diese Schnecke frisst meinen Salat. Das ärgert mich. Also ist die Schnecke schuld an meinem Ärger." Der Schnecke wiederum ist der Betrachter egal, sie möchte nur Salat fressen, nicht jemand ärgern. Akzeptiert der Betrachter das, geht er reifer mit seinem Ärger um, denn er weiß nun, dass er sich selbst ärgert. Recht einfach eigentlich.

Kommentar von Morpheus94 ,

Ziemlich gute Metapher

Antwort
von Guapotito, 17

Wenn deine Freunde das nächste Mal ihre Behauptungen äußern, fragst du sie einfach woher sie ihre Informationen nehmen. Dann kannst du sie mit Hilfe deiner Infos widerlegen. Dazu musst du dich natürlich eingehend Informieren und die nötige Zeit investieren. Im besten Fall kommt dann ein Austausch zustande, der für beide Seiten gewinnbringend sein kann.

Antwort
von Silmoo, 21

Dann sagste ,die Wenigsten sind das und findest ihre Einschätzungen übertrieben,.

Ich bin der Meinung, die nicht anerkannten Flüchtlinge sind ein Risiko für Straftaten. Da diese keinerlei finanzielle Unterstützung mehr erhalten .Davon tauchen welche ab und es bilden sich  Diebesbanden und es werden immer mehr.davon ..Es lassen sich nicht alle Zurückbefördern..


Antwort
von marylinjackson, 7

Du meinst, dass es falsch ist, wenn jemand eine negative Sicht auf die Flüchtlinge hat. Du möchtest ihnen klar machen, dass es doch gar nicht so schlimm ist.

Lass die Leute in Ruhe mit deren Meinung. Jeder ist alt und verständig genug, sich selber ein Urteil zur heutigen Situation zu bilden.

Ändern kann man immer nur sich selbst, nicht die anderen.

Antwort
von exxonvaldez, 15

Wenn du überhaupt reagieren willst (warum eigentlich? -Überzeugen wirst du niemanden!), dann gibt es eigentlich nur 2 Möglichkeiten:

Entweder du konterst auf frei erfundene Behauptungen ("Die meisten sind Vergewaltiger und Verbrecher") mit ebenso so frei erfundenen Behauptungen ("Nur 0,001 % der Flüchtlinge sind kriminell").

Oder du verlangst belastbare Quellen für solche Behauptungen. Dann musst du deine eigenen Behauptungen aber auchbelegen können!

Antwort
von Phantom15, 13

Du kannst denen garnichts klar machen. Sie haben ihre Meinung und du deine.

Und ja, es ist so schlimm. Ich hab im unmittelbaren Umfeld Ausländer und Flüchtlinge. Sie bringen ihre Kultur und ihr Benehmen mit hierher und führen es hier weiter.

- Müll dahin werfen wo es passt

- Ruhestörung

Man fühlt sich fremd in der eigenen Umgebung. Schlimm genug also.

Antwort
von NewKemroy, 18

Versetze doch deine Bekannte in die Rolle der Flüchtlinge, indem Du z.B. sagst, stell Dir vor wir hätten 1944 und Du würdest vor den Nazis in die Schweiz flüchten. Und dort angekommen würde man dich als Mörder und Verbrecher beschimpfen, obwohl du gar nichts getan hast. Das wäre doch nicht recht, oder?

Kommentar von Matermace ,

Nur als kleine Randinformation, schweizerische Behörden haben flüchtige Wehrmachts- und SS- Angehörige über die Grenze nach Deutschland abgeschoben wo diese direkt hingerichtet wurden.

Antwort
von ManuViernheim, 6

Wenn jemand eine andere Meinung über Flüchtlinge hat wie gewünscht wird, muss man das akzeptieren.

Deswegen ist niemand gleich ein Nazi.

Es gibt auch dumme und oberflächliche Personen die über Deutsche schlecht denken, weil sie eine  Kultur und Kleidungsstil haben, die ihnen nicht passt.

Wie es in den Wald hineinschallt, so schallt es eben wieder raus.

Antwort
von Ruokanga, 16

Schau mal bei projektive Desidentifikation, ob das passen könnte:
http://www.seele-und-gesundheit.de/psycho/abwehrmechanismus.html#prodes

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