Frage von KThxBye1996, 35

Weshalb hat Niederdeutsch die 2. Lautverschiebung nicht mitgemacht?

Antwort
von OlliBjoern, 16

Lautverschiebungen geschehen oftmals in einem geographisch begrenzten Gebiet. Zunächst mal hatten sich die germanischen Sprachformen ausgebreitet (in Deutschland von Nord nach Süd). In den südlichen Gebieten begann dann später diese Entwicklung, die wir 2.Lautverschiebung nennen, aber aufgrund der räumlichen Distanz setzte sie sich (von Süden kommend) nur bis Mitteldeutschland durch.

Erst später drang das "Hochdeutsch" auch bis nach Norddeutschland vor, freilich ohne das Niederdeutsch ganz zu verdrängen. In manchen Gebieten war diese Verdrängung aber dennoch ziemlich weitgehend (im Gebiet Hameln/Hannover wurde früher ein niederdeutscher Dialekt gesprochen - was man an alten Häuserinschriften gut erkennen kann -, heute hört man fast nur noch Hochdeutsch). Heute gilt Hannover als Stadt des "Hochdeutsch", aber diese Sprachform stammt nicht von dort.

Auch Holländisch, Friesisch und die skandinavischen germanischen Sprachen (z.B. Schwedisch) haben diese Lautverschiebung nicht mitgemacht.

Kommentar von Karl37 ,

Der Begriff Hochdeutsch kann leicht missverstanden werden, denn er wird von den meisten Sprechern gleichbedeutend mit Standarddeutsch bzw. Schriftdeutsch gebraucht. Hochdeutsch im Sinne einer regionalen Sprachvarietät nennt man die Sprache in den höher gelegenen Gebieten des deutschen Sprachraums.

Die Mundarten der deutschen Sprache südlich der Benrather oder Uerdinger Linie werden hochdeutsche Dialekte genannt, die wiederum in mittel- und oberdeutsche Mundarten unterteilt sind. Gemeinsames Charakteristikum der hochdeutschen Dialekte ist die vollständig oder teilweise durchgeführte zweite oder (alt)hochdeutsche Lautverschiebung.

(inhaltlich aus Wikipedia entnommen)

Kommentar von OlliBjoern ,

Ja, danke. Wenn man mal den Eintrag unter "Benrather Linie" durchschaut, bemerkt man zusätzlich, dass auch gilt

"Auch in den übrigen Dialektgebieten ist diese Isoglosse stark rückläufig. Die einstigen Sprecher im nördlichen und mittleren Sachsen-Anhalt und Brandenburg sprechen inzwischen eine hochdeutsche Umgangssprache"

D.h. der Gebrauch des Niederdeutschen hat auch nördlich der "1945-Benrather Linie" stark nachgelassen. Auch in den letzten 70 Jahren ist diese Variante auf dem Rückzug.

Bei meiner Schwiegermutter bemerkt man nur noch selten, z.B. bei dem Wort "Frühstück" ("st" ausgesprochen als s+t statt hochdeutsch sch+t) eine niederdeutsche Aussprache.

Tendenziell gilt, dass jüngere Leute das Niederdeutsch seltener anwenden, in der älteren Generation ist es noch etwas häufiger.

Antwort
von tryanswer, 22

Eine Sprache verändert sich immer stärker mit wachsender Distanz zu ihrem ursprünglichen Sprachgebiet durch Einflüsse fremder Sprachen. Im niederdeutschen Raum fehlten diese Einflüsse ganz einfach.

Antwort
von sozialtusi, 13

Vielleicht waren die gerade im Kino? :P

Antwort
von Skinman, 7

Die haben das da unten einfach nicht mitgekriegt. Und dann war es irgendwann zu spät.

Antwort
von oelbart, 1

Vielleicht erklärt das hier die Geisteshaltung im Norden: (2:14)


Zitat: "Wir sind hier sehr konservativ. Wir machen nicht jeden neumodischen Quatsch mit, der vom Festland rüberschwappt.

Antwort
von josef050153, 2

Es war gerade Sturmflut und da hatten sie etwas anderes zu tun.

Expertenantwort
von earnest, Community-Experte für Sprache, 12

Dieser Link kann dir Auskunft geben: 

http://images.google.de/imgres?imgurl=https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/0c/Heutige_deutsche_Mundarten.PNG&imgrefurl=https://de.wikipedia.org/wiki/Zweite\_Lautverschiebung&h=651&w=1031&...:&tbnh=90&tbnw=143&docid=NjvIav7q5nrnwM&client=firefox-b&usg=__0nqYHnn3sDTrtO6GlX0FYH0mTsk=&sa=X&ved=0ahUKEwjxjeLS2enOAhUD1BoKHdNtB1kQ9QEIPTAF

Die norddeutsche Tiefebene war "weit vom Schuss".

Gruß, earnest


Kommentar von earnest ,

Der Link hat nicht funktioniert. Hier der zweite Versuch:

https://de.wikipedia.org/wiki/Benrather_Linie

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community