Frage von rosepetals, 90

Weshalb hält sich eine Zeitung an die alten Rechtschreibregeln?

Ich habe letzte Woche ein Schul-Praktikum bei einer Lokalredaktion einer regionalen Zeitung verbracht. Ich konnte einige Artikel schreiben, musste jedoch vor allem bei den Kommaregelungen, die alten Regeln benutzen. Leider hab ich dir Chance vertan, nach dem Grund zu fragen. Weshalb ist das so?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von mychrissie, 9

Nach welchen Kommaregeln hast Du eigentlich Deine Frage abgefasst? Ich frage das, weil ich selber die alten und die neuen Regeln zuweilen durcheinander bringe. In Deinem Text sind die Kommas meines Erachtens falsch gesetzt.

1. Ich konnte einige Artikel schreiben, musste jedoch vor allem bei den Kommaregelungen die alten Regeln benutzen.

2. Ich konnte einige Artikel schreiben, musste jedoch, vor allem bei den Kommaregelungen, die alten Regeln benutzen.

3. Ich konnte einige Artikel schreiben, musste jedoch – vor allem bei den Kommaregelungen – die alten Regeln benutzen.

Ich würde 1 oder 3 vorziehen. Bei 2 herrscht für meinen Geschmack ein zu großer Komma-Overkill. Gedankenstriche – vor allem bei kurzen Einschüben – strukturieren einen Text manchmal viel besser.

Antwort
von Hardware02, 52

Weil niemand die neue "Rechtschreibung" wollte. Es gab in Schleswig Holstein sogar ein erfolgreiches Volksbegehren dagegen. Diese neuen Schreibregeln wurde einem also undemokratisch aufgezwungen. 

Nebenbei: "Tunfisch" kaufe ich nicht. Entweder, auf der Dose steht "Thunfisch", oder der Supermarkt kann ihn behalten! Mit der Zeitung wird es ähnlich sein. Wenn man die Leser zu sehr ärgert, kaufen sie die Zeitung nicht mehr.

Kommentar von Maxipiwi ,

Beispiel Frisör, mit ö,da kommt es mir immernoch hoch. Für mich bleibt es der Friseur! 

Kommentar von nederal ,

dadurch sehen deine harre auch nicht besser aus

Kommentar von nederal ,

würd mich nicht wundern wenn du eines tages verhungerst

Antwort
von Ottavio, 8

Die neuen Kommaregeln sind durchweg Kannregeln, das heißt, die alte Kommasetzung ist noch erlaubt. Insbesondere bei Hauptsätzen, die mit und oder oder verbunden sind, und bei erweiterten Infinitiven mit "zu" sind sie der Sinnerkennung meist auch nützlich. Bei erweiterten Infinitiven mit "um zu", "ohne zu" und "anstatt zu" ist die alte Regelung, also das vorgeschriebene Komma, sogar wieder verbindlich.

Antwort
von HansH41, 35

Man kann darüber streiten, ob die Rechtschreibreform sinnvoll war, das Schreiben "logischer" gemacht hat oder nicht, demokratisch wurde sie nicht erstellt, sondern erlassen.: Fakt ist, wir haben sie nun mal und man muss sich daran halten.

Das Flaggschiff der deutschen Zeitungen, die FAZ hat auch anfangs gezögert und ist hin und her geschwankt. Jetzt ist sie auf die allgemeine Linie eingeschwenkt und akzeptiert sie. Damit ist fie Sache zugunsten der Reform entschieden.

Einen Vorteil sehe ich: Vieles ist heute nach Duden alternativ möglich. Der Duden gibt dann lediglich Empfehlungen und richtet sich dann danach, wie die Allgemeinheit entscheidet. Das ist doch ein kleiner Fortschritt.  

Kommentar von earnest ,

Zwar halte ich die FAZ nicht für das Flaggschiff des deutschen Journalismus, hatte aber jede Menge Respekt dafür, daß sie und andere Blätter diese in weiten Teilen völlig unsinnige Reform auf diese Weise boykottierten, muß aber eingestehen, daß mensch sich manchmal der normativen Kraft des Faktischen stellen muß.

Kommentar von earnest ,

-upps: beugen muß

Antwort
von atzef, 38

Na ja, nach den alten Kommaregeln muss man beim "Infinitiv mit zu" regelmäßig ein Komma setzen, ebenso bei "und", wenn ein Hauptsatz folgt. Nach der neuen muss man das nicht, kann das aber.

Chefredaktion und Verlag gefallen sich ansonsten wohl in der Pose des Rächers der Enterbten und der Bewahrer der deutschen Sprache...:-). Anfänglich war ich auch eher skeptisch, finde aber mittlerweile, dass die Rechtschreibreform durchaus gelungen ist.


Kommentar von Deponensvogel ,

Nein, die Rechtschreibreform ist nicht gelungen. Ein paar Sprachwissenschaftler haben geglaubt, sie wüssten auch nur annähernd, wie unsere Sprache funktioniert. V. a. weil sie so viel wirklich Schädliches für unsere Sprache zulässt bzw. fördert (Bsp.: heutzutage wird alles substantiviert, das Deutsche entwickelt sich zu einer Sprache aus lauter großgeschriebenen Wörtern). 

V. a. die Anklänge zur Académie Française gefallen mir da gar nicht. Der Usus entscheidet, wie man schreibt, nicht ein paar größenwahnsinnige Besserwisser.

PS: Es hält sich keiner an die Kommaregeln zu Infinitvkonstruktionen, wirklich keiner. Nicht einmal die Beamten machen das.

PPS: Ich schreibe NR, aber man sollte sich nicht der Illusion hingeben, sie wäre in irgendeiner Weise gelungen.

Kommentar von atzef ,

Viel heiße Luft ohne wirklich argumentativ auch nur irgendetwas gegen meine These vorbringen zu können außer ihrer platten Negation.

Aber ich gebe dir mal einen Fingertipp: Das "ß" z.B wird nun viel logischer und weit wenige willkürlich eingesetzt, als dass vorher der Fall war.

Kommentar von earnest ,

-weit weniger willkürlich ..., als das vorher ...

Kommentar von atzef ,

Hehe, ja, Demopronomen-das, keine Ahnung, was da schiefgelaufen ist. :-)

Kommentar von earnest ,

Ja mei, wir sind halt alle fehlbare Menschen ... 

;-))

Antwort
von Appelmus, 43

Das wird dir in diesem Fall nur die Lokalredaktion beantworten können. Die Anweisung lässt sich nicht auf die anderen Zeitungen oder Redaktionen übertragen, denn dort ist das in der Regel nicht so.

Expertenantwort
von earnest, Community-Experte für Grammatik, Sprache, deutsch, 13

Warum fragst du nicht dort nach? 

Gruß, earnest

Antwort
von nederal, 6

sollte eigentlich nicht so sein weil die glaube ich auch einen bildungsauftrag haben

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