Frage von rasasvada, 52

Werk des Aristoteles Zitates "Die Hoffnung ist ein Wachtraum"?

Ich muss ein Portfolio über das oben genanntes Zitat und Aristoteles schreiben. Dafür muss ich das Werk in dem das Zitat vorkommt lesen. Ich weiß jedoch nicht wie das Werk heißt. Ich hoffe jemand von euch kann mir helfen.

Danke schon mal !

Expertenantwort
von Albrecht, Community-Experte für Philosophie, 17

Nicht alle Aristoteles-Werke sind erhalten. In den erhaltenen Schriften des Philosophen Aristoteles kommt der Ausspruch nicht vor.

Das Zitat („Gefragt, was die Hoffnung sei, sagte er: „Der Traum eines Wachenden.“; griechisch: ἐρωτηθεὶς τί ἐστιν ἐλπίς, «ἐγρηγορότος,» εἶπεν, «ἐνύπνιον.») ist aus einer von Diogenes Laertios geschriebenen antiken Philosophiegeschichte.

Diogenes Laertios 5, 18

Diogenes Laertius, Leben und Meinungen berühmter Philosophen. In der Übersetzung von Otto Apelt. Unter Mitarbeit von Hans Günter Zekl neu herausgegeben sowie mit Vorwort, Einleitung und Anmerkungen versehen von Klaus Reich. Sonderausgabe. Hamburg : Meiner, 2015 (Philosophische Bibliothek ; Band 53/54), S. 233:  

„Es werden folgende besonders treffende Aussprüche auf Aristoteles zurückgeführt. Auf die Frage, was die Lügner für einen Gewinn von ihren Lügen haben, antwortete er: „Daß man ihnen nicht glaubt, auch wenn sie die Wahrheit sagen.“ Als man ihm vorwarf, daß er einem Taugenichts ein Almosen gegeben, sagte er: „Mein Mitleid galt nicht seinem Verhalten, sondern dem Menschen.“ Oft pflegte er zu seinen Freunden und Schülern, wo auch immer im Tageslicht er verweilte, zu sagen: „Das Gesicht empfängt sein Licht von der umgebenden Luft, die Seele aber das ihre von dem Unterricht.“ Oft auch sagte er mit starker Betonung: „Die Athener hätten den Getreidebau und die Gesetze erfunden; allein das Getreide zwar wußten sie zu verwerten, nicht aber die Gesetze.“ „Die Wurzeln der Bildung“, sagte er, „sind bitter, ihre Früchte aber sind süß.“ Auf die Frage, was schnell veralte, sagte er: „Der Dank.“ Gefragt, was die Hoffnung sei, sagte er: „Der Traum eines Wachenden.“ Als ihm Diogenes eine getrocknete Feige reichte, sagte er sich, daß, wenn er sie nicht annähme, jener ein beißendes Wort gegen ihn in Bereitschaft hätte, er nahm sie also an mit den Worten, Diogenes sei nicht nur um seine Feige, sondern auch um sein Witzwort gekommen. Und als er ihm wieder eine reichte, nahm er sie, hob sie nach Knabenart hoch in die Luft und gab sie mit den Worten „O großer Himmelssohn“ zurück.“

Der Aristoteles zugeschriebene (auf ihn zurückgeführte) Ausspruch wird verschiedenen Autoren als Urheber zugeschrieben außer Aristoteles.

Claudius Aelianus, Poikile historia (Ποικίλη ἱστοϱία; Bunte Geschichte; lateinischer Titel: Varia historia) 13, 29: Platon

Stobaios, Anthologion (Ἀνθολόγιον; Anthologie; lateinischer Titel: Florilegium) 4, 47, 12: Pindar

Olympiodoros, In Platonis Phaedonem commentari 7, 1: Pindar

Gnomologium Vaticanum 375: Anakreon

Das Wort ἐλπίς (elpis) ist in der altgriechischen Sprache eine vox media (mittleres Wort), kann also neutral einfach eine Perspektive in die Zukunft ohne eine bestimmte Annahme eines Gut oder Übels sein („Erwartung“), positiv „Hoffnung“, negativ (seltener vorkommend) „Befürchtung“.

In der zitierten Texstelle ist die Übersetzung „Hoffnung“ richtig.

Es gibt zwei wesentliche Gesichtspunkte bei der Ähnlichkeit mit einem Traum. Zum einen bedeutet Hoffnung, eine angenehme Stimmung zu haben und optimistisch/zuversichtlich zu sein, zum anderen ist das tatsächliche Eintreten unsicher und es kann sich um eine täuschende/trügerische Illusion handeln (leere/nichtige Hoffnung).

Hoffnung konnte als etwas Süßes/Erfreuliches/Angenehmes (γλυκὺ [glyky]) verstanden werden. Dies zeigt ein Auspruch, der Bias, einem der «Sieben Weisen», aus Priene, einer griechischen Stadt in Kleinasien in der Nähe von Milet zugeschrieben wird (Diogenes Laertios 1, 87).

Diogenes Laertius, Leben und Meinungen berühmter Philosophen. In der Übersetzung von Otto Apelt. Unter Mitarbeit von Hans Günter Zekl neu herausgegeben sowie mit Vorwort, Einleitung und Anmerkungen versehen von Klaus Reich. Sonderausgabe. Hamburg : Meiner, 2015 (Philosophische Bibliothek ; Band 53/54), S. 44:  

„Gefragt, was den Menschen besonders erfreulich wäre, sagte er: „Die Hoffnung“. Lieber, sagte er, spräche er Recht unter Feinden als unter Freunden, denn von Freunden würde unvermeidlich einer sein Feind werden, von den Feinden aber einer sein Freund.“ Gefragt, bei welcher Tätigkeit der Mensch Freude empfände, sagte er, „wenn er Gewinn hat“. „Sein Leben,“ sagte er, „muß man so abmessen, als ob uns sowohl eine lange als eine kurze Lebenszeit beschieden sei.“ Man müsse so lieben, als ob man später hassen würde, denn die Schlechten seien in der Überzahl.“

Antwort
von berkersheim, 35

Der Spruch taucht nur in Zitatenschätzen auf und wird offensichtlich dem Aristoteles nur zugeschrieben. In den uns bekannten Werken taucht er nicht auf. Zum Thema Hoffnung ist zu bemerken, dass eine nicht ganz korrekte Übersetzung vorliegt, denn ein Wort "Hoffnung" wie im Deutschen gibt es im Altgriechischen nicht. "elpis" heißt eher "Erwartung" und kann Gutes wie Schlechtes als Gegenstand haben und nicht, wie das deutsche "Hoffnung" etwas Gutes, Tröstliches. Ich empfehle zum Verständnis zu lesen:

https://weiterdenken.ch/2010/08/27/philosophische-einfuhrung-was-ist-hoffnung/

den ersten kurzen Abschnitt "Hoffnung in der Antike".

Antwort
von Fairy21, 25

Nikomachische Ethik   ?!

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