Frage von Solnnis, 26

Werden sich die Ausländer irgendwann alle assimilieren, oder werden wir in Deutschland in 100 Jahren einen Staat mit zahlreichen verfeindeten Ethnien sehen?

Ich bin selbst Ausländer und wollte mal wissen, was ihr so über die Zukunft Deutschlands denkt.

Expertenantwort
von ArnoldBentheim, Community-Experte für Geschichte, 10

Was bedeutet denn "assimilieren"?

Wenn es bedeutet, in der deutschen Bevölkerung so aufzugehen, dass man ehemalige "Ausländer" äußerlich kaum noch von der Mehrheit der Bevölkerung unterscheiden kann, aber zugleich einige kulturelle, besonders religiöse Besonderheiten zu bewahren, die den deutschen Gesetzen nicht widersprechen und nicht als Begründung missbraucht werden, um sich von der deutschen Bevölkerung abzugrenzen, dann handelt es sich um "Assimilierung". Ein Blick in die Geschichte lehrt, dass das eigentlich immer das Ergebnis von Zuwanderung gewesen ist. Es kann auch nicht anders sein, denn nur dann sind Zuwanderer in einem Land, in ihrer neuen Heimat wirklich angekommen, wenn sie sich mit dieser, ihrem Rechtssystem, den gesellschaftlichen Regeln und mit allen Menschen im Lande vorbehaltlos zu identifizieren bereit sind.

Ein Deutscher mit türkischem Migrationshintergrund der dritten oder vierten Generation beispielsweise, der sich als Türke statt als Deutscher fühlt, lebt im falschen Land und grenzt sich aus der Gesellschaft und seiner deutschen Heimat aus. Er ist nicht "assimiliert", mit seiner Einstellung allenfalls integriert, wenn er sich an Recht und Gesetz hält. Das gesellschaftliche Zusammenleben mag gewisse Reibungen mit sich bringen.

Deutsche mit Migrationshintergrund, die sich aus religiösen oder anderen Gründen von der deutschen Gesellschaft separieren, nähere Kontakte oder ein Konnubium ablehnen, ihr religiöses oder ideologisch motiviertes Rechtsempfinden dem weltlichen Recht nicht unterordnen wollen, die sind nicht "assimiliert", sondern mit ihrer Einstellung noch nicht einmal integriert. Damit werden sie zum Problemfall - für sich und die Gesellschaft. Sie sollten überlegen, in ein passendes Land auszuwandern.

Wie wird die Zukunft aussehen? Nun, das weiß niemand! Das entscheiden dann in Deutschland rund 80 Mio. Menschen. Jedenfalls wird es nicht zuletzt von der Fähigkeit unseres Staates abhängen, ob es in Zukunft größere Probleme geben wird oder nicht. Je gebildeter die Menschen sind, desto geringer werden die Probleme ausfallen. Die Flucht aus der Gesellschaft in Separation und religiöse oder ideologische Überspanntheiten ist insbesondere ein Phänomen der Unbildung und daraus folgend der materiellen und geistigen Perspektivlosigkeit.

Diese Aussage betrifft alle Gruppierungen, die sich selbst an den Rand der Gesellschaft stellen, wobei vollkommen gleichgültig ist, ob es sich dabei um Menschen ohne oder mit Migrationshintergrund handelt. Unser deutscher Staat, ein Rechtsstaat, und unsere freiheitliche deutsche Gesellschaft werden sich gegen diese Gruppierungen, wenn sie hartnäckig jede Form der Integration verweigern, zu wehren wissen. Das betrifft insbesondere kriminelle Handlungen, seien sie durch Ausländerfeindlichkeit, durch geistige Verwirrtheit wie z. B. "Ehrenmorde" usw. motiviert. Toleranz gegenüber Intoleranz wird es in Zukunft immer weniger geben!

MfG

Arnold

Antwort
von OlliBjoern, 9

Ich kann nicht in die Zukunft schauen, bin aber zurückhaltend optimistisch (auch wenn ich durchaus gewisse Probleme sehe).

Ich wollte nur sagen - im Hinblick auf die deutsche Geschichte - google mal nach "Flickenteppich Deutschland" oder nach "Kleinstaaterei". Deutschland war früher in verschiedene Herzogtümer, Kurfürstentümer, Bistümer; Königreiche (je nachdem welche Zeiten wir betrachten) aufgeteilt. Diese waren sich nicht immer "grün" untereinander. (Wobei der Satz "Deutschland war aufgeteilt..." nicht korrekt ist strenggenommen, denn es gab keine zusammenhängende Struktur, die man als "Deutschland" hätte bezeichnen können.)

Protestanten und Katholiken (deren Verteilung in Deutschland auch eher einem Flickenteppich gleicht) haben sich mitunter gewalttätig bekämpft. Man braucht keine verschiedenen Ethnien, um "unter sich" zu sein, und um Konflikte mit anderen (gleich-ethnischen) Gruppen zu haben. Der Konflikt in Syrien ist zu einem großen Teil kein ethnischer Konflikt (Assad-Anhänger und -Gegner gehören meist der arabischen Ethnie an; freilich ist der Konflikt mit den Kurden und den christlichen Aramäern schon auch ethnisch). Religionen/Konfessionen können eine große Rolle spielen.

Dass es verschiedene Ethnien gibt, kann zu Konflikten führen, aber ob es dazu kommt, hängt auch von anderen Faktoren ab.

Jede größere Stadt in den USA hat ein "Chinatown", und auch wenn dort die Chinesen meist unter sich sind, so sind diese doch in vielen Fällen (sicher mag es Ausnahmen geben) nicht per se "konfliktbehaftet". 

Es hängt mehr vom Verhalten ab, weniger von der Ethnie.

Antwort
von Mark10388, 11

Ich möchte vorweg sagen bevor die Rassismus-Keule geschwungen wird, Nein ich bin kein Rassist, Nazi, "besorgter Bürger" und ich habe eine Menge Kontakt zu Leuten mit Migrationshintergrund, kann also auch über den "Tellerand hinaus schauen"... Ich muss sagen, so Leid es mir tut ich sehe die Zukunft des inneren Friedens in Deutschland massiv bedroht. Ich kann nur aus eigener Erfahrung und ich war mehrere Monate in der Flüchtlingshilfe aktiv sagen- ich sehe eine völlige Assimilation als Utopie. Viele der Flüchtlinge und ich meine auch VIELE kommen 1. nichteinmal aus Syrien und 2. wollen sich garnicht hier integrieren. Ich möchte darauf hinweisen, dass es nicht alle sind. Aber die wahren von Krieg geplagten Menschen haben sich mir zumindest sehr dankbar für jede Art von Zuwendungen, sei es ein einfacher Joghurt für die Kinder gefreut doch inzwischen sehen viele Nordafrikaner unsere Hilfe als Einladung an. Sie kommen und wollen sich nicht in unser Wertebild einfügen sondern am liebsten die Vorzüge des Europäischen "Reichtums" haben, aber Ihre Kultur beibehalten. Die Bildung von parallel Gesellschaften ist im vollen Gange und wer das verschweigt beziehungsweise leugnet der lügt oder ist blind. Zumindest in meiner Ecke (Westdeutschland) findet zunehmend die Bildung von Problembezirken statt. Quasi die Bildung eines Ghettos von Innen wo Kriminalität, Rassismus und Antisemitismus herrscht. Ich erinnere mich an einen Fall, indem ein "scheinbarer" Syrer nicht mit einem jüdischen Äthopier (war es glaub ich) gemeinsam untergebracht worden wollte, jedoch auch nicht mit einer kurdischen Familie. Dies löst natürlich Bedenken aus ob diese Leute denn so schlimm dran sind wenn Sie lieber draußen schlafen würden als mit anderen Ethnien untergebracht zu werden. Ich möchte nochmal darauf hinweisen, dass es auch andere Seiten von Dankbaren Flüchtlingen gab. Doch Aussagen von jungen Nordafrikanern die Sagen, Sie hätten von der Türkei bis nach Deutschland 6 Tage gebraucht aber nur weil sie noch 2 Tage in Wien feiern wollten und in ein Hostel gingen lösen Bedenken auch unter den Helfern aus. Zudem hegen nicht ein unerheblicher Teil der Flüchtlinge u.A mir erschienene Libyer offene Symphatien zum IS und äußern dies auch öffentlich. Zudem muss ich sagen, dass keiner meiner Ausländischen Freunde und das sind nicht wenige sich als Deutsche idetifizieren. Sie leben in der inzwischen 3. Generation in Deutschland bekommen kostenlose Bildung, Sozialleistungen (Kindergeld-kein Hartz4!) vom Staat, reden aber so als wäre es in Ihren Heimatländern eh viel besser. Obwohl dies meine Freunde sind sage ich jedoch immer zu Ihnen- "Wen es hier nicht passt, der darf gerne gehen!". Fraglich in diesem Zusammenhang ist halt auch die Loyalität gegenüber Deutschland- sind die Einwanderer bereit im Falle einer Katastrophe (Krieg,Naturkatastrophe...) bereit hier zu helfen und sich einzufügen oder ziehen Sie weiter ohne jeglichen Bezug zum Gastland- und diese Loyalitäts--Frage ist kein rechtes Geschwafel sondern mein Ernst. So zeigte doch Die Ukraine-Kriese, dass selbst einige Russlanddeutsche die als integriert galten, im Falle einer Kriese doch wieder zu Ihren russischen Wurzeln finden. In diesem Zusammenhang fällt mir besonders ein Fall ein- indem ein Russlanddeutscher Fallschirmjäger aus der Bundeswehr auf die Seiten der pro-russischen Rebellen wechselte und jetzt "unsere Verbündeten" bekämpft. Es kommen interessante Jahre auf uns in Deutschland zu, die zeigen werden ob die Politik die von mir beschriebenen Parallel-Gesellschaften in den Griff bekommen wird.

Antwort
von Centario, 22

Die Teilhabe am gesamten Leben in Deutschland werden die Weichen dafür sein und das annehmen dieser sind die Voraussetzung für ein assimilieren. Integrationswilligkeit sind dafür unverzichtbar. Auch ein Maß an Realität in der Personenmenge kann dabei wichtig sein um nicht zu scheitern.

Dafür, das sich auf Dauer verfeindete Ethnien gegenüberstehen; ist Deutschland nicht groß genug und würde unvorhersehbare Folgen nach sich ziehen.

Die Frage ist tatsächlich spannend. Überlegungen sollte es geben, die Antwort ist noch nicht möglich.

Antwort
von JBEZorg, 12

Asiimilation ist nichts gutes. Man sieht es an den USA. Selbst sie versuchen ihre Wurzeln zu bewahren und es gibt "Little Italys" und "Little Chinas". Dabei ist die amerikanische Gesellschaft geschwächt eben durch dieses Fehlen von Wurzeln. Der Hurra-Patriotismus um das Sternenbanner kann eben nicht Jahrtausende kultureller Entwicklung ersetzen.

Deswegen sollte Europa versuchen ALLE Kulturen zu bewahren, anstatt zu versuchen Einwanderer zu assimilieren.

Antwort
von loema, 26

Deutsche, die im Ausland leben, haben sich teilweise mit den Jahren total angepasst oder leben innerhalb von anderen Deutschen weiter ihre Kultur und haben sich weniger angepasst in ihrem privaten Umfeld.
Und ich denke, dass das bei allen Menschen unterschiedlich ist.
Je nach dem, wie verloren man sich im Ausland fühlt, rückt man enger zu den Menschen, die einem ähnlicher sind.
Traditionen können mit der Zeit aufweichen, wenn es einen Vorteil hat, sie abzulegen. Wenn es keinen Vorteil, diese Sicherheit aufzugeben, dann versteift man sich darauf, weil sie Halt geben.
Es wird sich also zeigen, wie es sich entwickeln wird.

Antwort
von DrSchmitt, 19

Ein Staat der nur aus einer Ethnie besteht, der also keine Ausländer zulässt, ist utopisch. Wie soll das funktionieren? Wo ist die Grenze zwischen den Ethnien? 

Fakt ist: Die erfolgreichsten Reiche der Geschichte waren multiethnisch. Man könnte auch sagen: multikulturelle. Im Römischen Reich gab es Gallier, Syrer, Afrikaner, Ägypter etc., die friedlich nebeneinander lebten. Es gab keinen Rassismus, alle Religionen wurden toleriert, solange sie auch die anderen Religionen tolerierten.

Kommentar von Mark10388 ,

Zu allererst alle diese Reich sind wie man heute weiß zerbrochen. Und das im Römischen Reich alle friedlich nebeneinander lebten ist falsch. Wieso gab es sonst ständig Kriege gegen Germanen, Jüdische Aufstände in Palästina...

Kommentar von DrSchmitt ,

Nach ca. 1000 Jahren ging das Römische Reich unter. Damals lebte ein Mensch ca. 40 Jahre lang. Es sind also gut 25 Generationen vergangen bis es auseinanderbrach.

Ständige Kriege gegen Germanen

Ja, die lebten auch AUSSERHALB des Reiches. Die Gallier haben sich sehr schnell mit dem römischen Reich abgefunden.

Jüdische Aufstände

Weil sie nicht akzeptierten dass es auch andere Götter neben ihrem Jahwe geben könnte.

Antwort
von wfwbinder, 11

Wollen wir Asssimilation? Oder möchten wir kulturelle Vielfalt in der jeder die Kultur des anderen achtet?

Es gibt türkischstämmige Leute, die sind Deutscher als viele Deutsche udn es gibt welche, die leben in einer völligen Parallelwelt.

Es gibt Deutsche, die leben in Spanien in Siedlungen mit schwarz-rot-goldenen Flaggen udn Gartenzwergen und es gibt welche, die fallen in Spanien, Italien, oder GB kaum auf.

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