Frage von MarkSchoen, 46

Werden Sexualdelikte bei uns angemessen strafrechtlich verfolgt oder besteht da dringend Nachbesserungsbedarf?

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Antwort
von smilenice, 14

Ich denke, dass in Deutschland die Möglichkeiten gegeben sind, Sexualdelikte "angemessen" zu bestrafen.

Das Strafmaß ist bei zahlreichen Delikten meiner Meinung nach flexibel genug, dass Richter dieses nicht willkürlich anwenden findet meine Zustimmung.

Unmittelbaren Nachbesserungsbedarft gibt es meiner Meinung nach nicht, dennoch müssen die Strafgesetze, wie auch alle anderen Gesetze, von Zeit zu Zeit angepasst werden.

Das deutsche Strafrecht ist de facto nicht auf Strafe als Rache ausgelegt, sondern als präventive, erziehende Maßnahme.

Als Beispiel nehme ich mal §177 StGB, Sexuelle Nötigung; Vergewaltigung

Man ließt es vergleichsweise häufig empörte Kommentare, dass ein Vergewaltiger "nur" 4-7 Jahre Haft bekam.

Folgt man dann dem erzürnten Volkswillen, so würde der Täter noch am selben Tag gehenkt, freilich würde er vorher kastriert/gefoltert etc.

Sollte dies aus gesetzlichen Gründen nicht möglich sein, so sollte der Täter doch zumindest für den Rest seines Lebens weggesperrt werden, nach Möglichkeit ohne Möglichkeit auf Entlassung.

In den USA ist dies eher Regel denn Ausnahme, für "rape" wird häufig lebenslang verhängt, falls es "aggravated rape" ist auch häufig "without the possibility of parole".

Dieses System ist auf Rache aus, es straft den Täter und schützt die Gesellschaft, dem Täter wird ein Leben aberkannt.

Viele wünschen sich eine "Anpassung" in diese Richtung.

Aber wirklich nachdenken tun die wenigsten. 

Für Vergewaltigung sieht deutsches Recht mindestens 1 Jahr Haft vor, bei erschwerenden Umständen steigt die Mindesthaftdauer auf 3 beziehungsweise 5 Jahre, Höchststrafe sind 15 Jahre haft.

Dem Täter wird eine zweite Chance gegeben, er kann sich bessern. Das aktuelle, deutsche System ist für den Täter relativ positiv, lässt im die Möglichkeit auf ein Leben.

7 Jahre Haft. Ein entsprechend Verurteilter käme im Jahre 2023 frei. Das ist eine lange Zeit.

Das deutsche Strafrecht dient eben primär nicht der Bestrafung, sondern der Besserung, in diesem Sinne halte ich auch das Sexualstrafrecht für angemessen.

Missbraucht ein Täter seine zweite Chance, indem er erneut ein schwerwiegendes Vergehen begeht, so bekommt er eine längere Strafe, unter Umständen auch unbestimmte Sicherheitsverwahrung. Problem gelöst.

Ob ich es persönlich befriedigend finde ist dabei nur zweitrangig, dass Ergebnis zählt. Nachbesserungsbedarf sehe ich eher bei §222, der fahrlässigen Tötung, aber das ist ein anderes Thema.

Antwort
von wfwbinder, 11

as ist das übliche Gerechtigkeitsproblem.

Frage 10 Leute was gerecht ist udn Du bekommst 10 unterschiedliche antworten, weil Gerechtigkeit kein absoluter Begriff ist.

Ich persönlich bin auch der Ansicht, das Straftaten gegen die persönlich Unversehrtheit seelische und körperliche) im Verhältnis zu gering bestraft werden.

Mitglieder einer Bande von Autodieben werden härter bestraft als gefährliche Körperverletzung.

Allerdings geht man bei den Sexualstraftaten auch häufig mit den Begriffen wie Vergewaltigung recht freizügig um. Ich will ja nicht verharmlosen, wenn Straftäter "nur" nach dem Busen grapschan, aber zur Vergewaltigung bleibt da doch ein Unterschied.

Leider gibt es auch einen Bodensatz von angezeigten Sexualstraftaten, die sich als Racheakt herausstellen.

Nichts desto trotz müssten die Strafrahmen auf dem Gebiet stärker ausgenutzt werden.

Expertenantwort
von Kajjo, Community-Experte für Sexualitaet, 8
  • Ja, ich finde die Strafverfolgung ist in Deutschland angemessen. Das Strafgesetzbuch selbst ist ohnehin diesbezuüglich in Ordnung, wenn überhaupt ginge es darum, wie Richter es anwenden und ausschöpfen.
  • Gerade bei Sexualdelikten steht aber oft Aussage gegen Aussage und das wird durch härtere Gesetze oder strengere Richter auch nicht besser. Zudem sind gerade im Bereich der Sexualdelikte nicht alle Anschuldigungen korrekt.
  • Generell denke ich eher, dass insgesamt alle Straftaten gegen die körperliche Unversehrtheit in vielen Fällen nicht hart genug geahndet werden, selbst wenn sie zweifelsfrei nachgewiesen werden. Gerade jungen Tätern wird da zu viel Mitleid und den Opfern zu wenig entgegengebracht. 
Antwort
von Meandor, 5

Das Sexualstrafrecht ist im Moment ein großer Diskussionspunkte. Das Problem ist aber nicht das Strafrecht.

Die vorhandenen Paragraphen reichen zur Ahndung und Bestrafung vollkommen aus, aber der Vollzug ist das Problem.

Vor allem bei Sexualstraftaten spielt sich alles im Regelfall zwischen zwei Personen ab. Es gibt keine weiteren Zeugen und keine weiteren Beweise. Es gilt nur Aussage gegen Aussage.

Der Staat muss dem Täter nicht nur nachweisen, dass er eine Vergewaltigung begangen hat, sondern dass er auch wußte, dass er eine Vergewaltigung begeht.

Der Täter hat das Recht zu schweigen und muss überhaupt nichts sagen.

Der ganze Beweis hängt dann also an der Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft eines meist traumatisierten Opfers.

Antwort
von anaandmia, 32

Ich denke das hängt von der persönlichen Einstellung ab. Meiner Meinung nach sind die Strafen für Sexualverbrechen oftmals " zu lasch "

Antwort
von Wurzelstock, 21

Meiner Meinung nach sind sie oftmals zu streng. Wenn ein Sexualdelikt doppelt so hoch bestraft wird wie ein Tötungsdelikt, stimmt was nicht im Gefüge.

Ich wünsche mir außerdem eine sorgfältigere Differenzierung in der Strafbemessung.


Antwort
von LordPhantom, 7

Ich bin der Meinung, dass alles so passt, wie es ist.

Antwort
von tachyonbaby, 19

Die Gesetze sind nicht zu lasch, jedoch werden sie von unseren Damen und Herren Richter nicht angemessen umgesetzt, vor allem werden viel zu oft  unterschiedliche Maßstäbe angelegt.

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