Frage von gutefrage3141, 89

Werden Gefühle nur durch Hormone erzeugt?

Antwort
von Machtnix53, 29

Nein. Gefühle werden nicht durch Hormone oder sonstige Biochemikalien erzeugt. Und schon garnicht "nur".

Gefühle werden im Gehirn erzeugt durch Wahrnehmung einer Situation. Dabei werden Biochemikalien freigesetzt, die andere Hirnregionen beeinflussen. Bei positiven Wahrnehmungen (Freude) gibt es so Stoffe, die bestehende Strukturen bestätigen und verstärken. Bei negativen Wahrnehmungen sind  es  Stoffe, die Auflösung und Veränderung von Strukturen begünstigen.

Andere Stoffe regeln zb die Aufmerksamkeit. Mal ist höchste Wachsamkeit angesagt, mal ist Zeit zum Grübeln oder zum träumen.

Die "Hormone", wie du sie nennst, sind also nur Übermittler oder Begleiterscheinung von Gefühlen, nicht die Ursache.

Antwort
von Ottavio, 4

Leider steckt die Affektforschung noch sehr in den Kinderschuhen. Der einzige Affekt, der bisher halbwegs vollständig erforscht ist, ist die Angst. Man kann aber wohl zwei Aussagen schon jetzt machen

1) Man kann auf keinen Fall alle Gefühle über einen Kamm scheren.

2) Es sind immer alle Systeme beteiligt: Das Kleinhirn, chemische Botenstoffe, das autonome Nervensystem und das Großhirn.

Die Vorgänge im Kleinhirn sind durchweg unbewusst, können aber bereits zu Handlungen führen. Das Kleinhirn erhält die Sinneswahrnehmung in vereinfachter Form zuerst und lässt uns z.B. zusammenzucken, bevor das Großhirn die genaue Wahrnehmung mitbekommen hat. 

Das Kleinhirn produziert chemische Botenstoffe und sendet sie über die Blutbahn aus. Das autonome Nervensystem empfängt diese Botenstoffe und lässt uns z.B. zittern. Das Großhirn nimmt diese körperlichen Reaktionen wahr und stellt fest: Ich habe Angst.

So etwa lautet die Theorie. Näheres steht in Büchern über Hirnforschung.

In Büchern über Sexualforschung steht, dass für sexuelle Gefühle tatsächlich Hormone ein  besondere Rolle spielen. Wen wundert's ? Es ist aber nicht nur Testosteron. Eine ganz wichtige Rolle spielt auch das "Kuschelhormon" Oxytocin. Außerdem sind die anderen drei Systeme auch beteiligt.

Außerdem ist zu bedenken, dass nicht alles, was im Großhirn stattfindet, bewusst wird. Es wird vermutet, dass das Riechzentrum eng mit der Affektbildung verbunden ist.

Antwort
von ThorbenHailer, 42

Wenn du unter Hormon die wissenschaftliche Definition verstehst, nämlich jeden biochemischen Botenstoff (und nicht nur die Geschlechtshormone), dann ist tatsächlich eine temporäre und örtlich begrenzte Konzentrationserhöhung eines Hormons NOTWENDIGE Voraussetzung für ein Gefühl (selbst bei Stimulation der Neuronen über implantierte Elektroden).

Wie aber Materie eine geistige Entität wie ein Gefühl erzeugen kann, ist bei weitem noch nicht geklärt.

Kommentar von gutefrage3141 ,

Du meinst z.b. woher der Körper weiss, welche Hormone er auschütten soll?

Kommentar von ThorbenHailer ,

Ja, so in etwas würde ich es formulieren. Es gibt auch chemische Rauschdrogen, die z.B. Angst, Wut oder freundliches Verhalten induzieren.

Aber die wirklich große Frage ist doch, wie etwas Materielles etwas Immaterielles wie Bewusstsein erzeugen kann. Es gibt nicht viele Entitäten die immateriell sind. Mir fallen da nur Zeit, Raum und Bewusstsein ein, sowie Entitäten die im Bewusstsein aufgehoben sind, wie z.B. die Menschenrechte, die Zahl 112, Ehre, Freude ...

Materie kann weder Zeit noch Raum erzeugen, sondern diese nur verformen. Auf der anderen Seite haben aber auch die Begriffe Zeit und Raum keine Bedeutung ohne Materie. Vermutlich ist es analog mit dem Bewusstsein, d.h. Materie kann Bewusstsein nicht erzeugen, sondern nur verformen, aber ohne Materie gibt es kein Bewusstsein. Ein äußerst schwieriges Thema. 

Kommentar von sarahj ,

Ehrlich gesagt sehe ich diesen (sage mal vorsichtig) Dualismus nicht.

Das Bewusstsein entsteht im Inhalt und der Struktur des Gehirns. Beide sind dynamisch (was entscheidend ist). Und es ist nicht nur die Struktur (also die Signalwege), sondern auch der aktuelle Inhalt (Ladungen sowie chemische Signalstoffe), die sich gegenseitig beeinflussen.

Ein "kopieren" der reinen Struktur (also eine 1:1 Kopie der Signalbahnen) würde ein Bewusstsein m.E. nicht mitkopieren.

Es wäre so, als würde man einen Computer ausschalten, seine Speicherchips + Verdrahtung 1:1 kopieren, und erwarten, daß in der Kopie das selbe Programm läuft.

Nun sind sowohl Verdrahtung als auch Inhalt sehr sehr komplex. 200Mrd Zellen, die alle bis zu 10000 Verbindungen zu anderen haben, die alle einen bestimmten Ladungs- und Transmitter Inhalt haben ist sehr komplex. Und alle "rechnen" gleichzeitig (im Gegensatz zu Computern, wo nur ein paar Instruktionen gleichzeitig ausgeführt werden). Vermutlich änhlich komplex wie ein Mio. Computer zusammen genommen.

Und: die Verdrahtung wird durch das gerade Gedachte verändert, als auch die Ladungen. Dazu kommen Hormone, Drogen etc. die auf die Schaltvorgänge auch noch Einfluß haben. Daher ist das System so komplex, daß es - obwohl auf atomarer ebene möglicherweise durchaus deterministisch - als Gesamtsystem chaotisch (im mathematischen Sinn - nicht im umgangssprachlichen) wirkt.
Es ist also nicht leicht berechenbar / vorhersehbar, welche Auswirkung das Schalten einer einzelnen Synapse letzten endes hat.

Kann so ein System unbedingt nur in unserem Hirn vorkommen?

Das glaube ich nicht. M.E. wird in einem hinreichend komplexen Computer (oder allgemein: Denkapparat) der ähnliche Eigenschaften hat,  der eine Lernphase durchmacht, und Informationen von der Außenwelt hat, sowie mit einer Entität (Körper, wie auch immer) verbunden ist, auch ein Bewusstsein, ein Gefühl von "ich" entwickeln.
Nur sind wir noch weit davon entfernt, sowas technisch umsetzen zu können, und ehrlich gesagt, muß man sich auch fragen, ob man sowas will.

Man kann sich natürlich auch ganz andere Strukturen vorstellen, in denen Milliarden einzelner (dummer) Zellen/Schalter/Informationsverarbeiter zu einem komplexen System zusammen arbeiten. Z.B. bei Insektenkolonien - hier könnten einzelne Termiten den Neuronen entsprechen, und sie als Gesamtvolk auch sowas wie einen "Denkapparat" darstellen. Die Informationsübertragung erfolgt dann nicht elektrisch, sondern durch "Anklopfen" mit den Fühlern...

Oder manche Riesenpflanzen (Pilzgeflechte). Klingt etwas esoterisch, und ich denke eher nicht daran, aber wer weiss...

Sowas könnte auch anorganisch existieren, wenn die Strukturen groß genug sind. Im Kleinen genügen sehr einfache "Regeln" um im Großen durchaus spannende Eigenschaften zu zeigen. Informatiker kennen den Begriff "Zelluläre Automaten" zum Beispiel das "Game of Live" (und dazu kann man sich auch ein schönes Programm runterladen: -> golly).
Mit ein paar einfachen Regeln könnten auch große Ansammlungen "dummer" Teilchen eine Intelligenz entwickeln (irgendwo im Weltall, auf anderen Planeten, im Kern der Sonne, riesige Gaswolken... - wobei sie relativ statisch sein müssten, müßten also sehr kalt sein, und sich nicht ausdehnen. So ein Gedanke ist aber noch esoterischer...)

Also die Frage "wie kann etwas Imaterielles durch Materie" entstehen, klingt ein bisschen nach Argument ad Absurdum. Nur weil wir es (noch) nicht wissen, heisst das nicht, das es nicht sein kann. Und, wir dürfen nicht den Fehler machen, dann zu sagen: "aber es ist keine richtige Intelligenz, weil es ja nicht lebt". Die Frage, ob es lebendig (in gerade unserem eigenen Sinn) sein muss, ist etwas egozentrisch.

Übrigens: auch die andere Aussage: "Materie kann weder Raum noch Zeit erzeugen" ist so nicht geklärt. Physiker sind immer noch am forschen, ob nicht alles mit allem zusammenhängt... Ebenso wie sie sich gegenseitig bedingen und erzeugen könnten, könnte es auch mit dem Bewusstsein sein.

Kommentar von Ottavio ,

Dazu habe ich auch noch ein paar Zeilen geschrieben. Herzlich, Ottavio

Antwort
von Thomson990, 54

Gefühle werden fast immer durch das autonome Nervensystem gesteuert

Antwort
von sarahj, 44

Nein. Nicht nur, aber auch.

Kommentar von gutefrage3141 ,

Was noch?

Kommentar von sarahj ,

ich denke, daß das Gehirn ein recht komplexes rückgekoppeltes System und Denkvorgänge darin selbsterhaltende Signalschleifen sind.

Habe mal versucht, es hier zu beschreiben:
https://www.gutefrage.net/frage/eure-meinung-hat-ein-mensch-durch-medien-ueberha...

Da spielen sehr viele Faktoren mit hinein. Basisaufbau, Entwicklung, Erziehung, usw. Und die Hormone beeinflussen vermutlich insbesondere tiefer liegende (für uns "unterbewusste") Schleifen, deren Aussenwirkung bei uns bewusst als Gefühle ankommen.

Man kann mit Training (Meditation) auch ohne Hormone solche aktivieren, und Gefühle bewusst hervorrufen. Man kann sich auch in etwas hineinsteigern. bewusst und unbewusst. Es geht auch mit so manchen mehr oder weniger legalen Drogen. Auch Alkohol enthemmt ja und steigert (bis zu einem gewissen Grad) z.B. die sexuelle Bereitschaft.

Lies mal meine groben Vorstellungen zum freien Willen, und schreib dann, was Du davon hälst...

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