Frage von sickofit, 145

Werde ich noch als Christ anerkannt?

An alle Christen unter euch oder die die es einmal waren:

Hier ist meine Story:

Ich bin in einer katholischen Familie aufgewachsen, die nicht so streng ist. Ich habe auch die Kommunion gemacht und muss mich jetzt entscheiden ob ich die Firmung machen will. Allerdings ist mir eine Sache schon früher aufgefallen, von der ich nicht wusste, dass man das nicht darf: Ich glaube an alle Götter, von fast allen Religionen. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es nur einen Gott gibt. Ich habe es versucht, aber es geht einfach nicht. Doch ich denke, dass unser(?) Gott (der christliche, jüdische und muslimische usw.) der mächtigste von allen ist und überall das Sagen hat.

Kann ich mich noch als Christ zählen, da ich ja eigentlich noch an unseren Gott glaube? Soll ich die Firmung machen?

Danke im Voraus!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von RobinsonCruesoe, 32

Klar darfst du das. Du willst ja lediglich Deine religiöse Ergriffenheit zum Ausdruck bringen, wenn Du sagst, du glaubst an alle Götter, und Dir nicht vorstellen könntest, dass es nur einen Gott gibt.

Ok, das ist also erstmal die eine Seite. Wer von uns kann das Göttliche schon fassen und wer kann sich anmaßen, anderes auszuschliessen. Vielleicht zeigt sich ja das Eine Göttliche in vielerlei Gestalt und in vielen Göttern? Aber vielleicht gibt es Unterschiede zwischen den Göttern?

Dann könntest Du Dich fragen, ob es angemessen ist, ohne Unterschied an irgendwas zu glauben. Denn wenn Du unterschiedslos an irgendetwas glaubst (bwz. an alle auch nur denkbaren GötterInnen) glaubst, dann glaubst Du überhaupt nicht.

Antwort
von MarkusKapunkt, 37

Wenn du dich mit deinem Glauben identifizierst und bekräftigen möchtest, dass du sagen kannst "Ja, ich bin ein Christ", dann mach die Firmung. Nichts anderes bedeutet dieses Wort nämlich. Wenn du aber sagst, "Nee, also eigentlich verbindet mich nichts mit der Kirche oder dem Christentum", dann lass es lieber sein.

Jeder von uns hat seinen persönlichen Glauben. Obwohl es Religionen gibt, können alle Meinungen nicht vereinheitlicht werden. Ein Zulassen von verschiedenen Auffassung und Interpretationen, Meinungen und Standpunkten macht eine Religion erst fruchtbar, das bloße Festfahren in altertümlichen Grundzügen führt dagegen zu Fundamentalismus und Fanatismus.

Es ist also schön, dass du dir über deinen Glauben so viele Gedanken machst, aber auch selbst eine Sinneshaltung entwickelst - und das in deinem Alter. Da bist du vielen bestimmt um Längen voraus.

Ich wünsche dir, dass du eine für dich zufriedenstellende Entscheidung triffst. Alles Gute!

Kommentar von sickofit ,

Dankeschön, für die nette Antwort :)

Antwort
von Kanatar, 21

Die Bezeichnung "Christ" wäre etwa so zutreffend wie "Vogel". Ein Kernpunkt des Christentums ist der Monotheismus. Steht nicht sogar im ersten Gebot, dass man keine anderen Götter haben soll?

Theistische Religionen schließen sich nunmal gegenseitig aus.

Antwort
von Zicke52, 28

In Glaubenssachen ist gar nichts verboten, du darfst glauben, was du willst.

Als ehemaliger Christ (gefirmt) kann ich dir sagen:

Die Firmung das klare Bekenntnis zum christlichen Glauben und in der katholischen Kirche auch noch dazu ein Sakrament, also der heilgste Ritus, den man sich vorstellen kann.

Und du bist mit deinem Glauben nun mal kein Christ! Vielgötterei widerspricht dem Christentum diametral, auch wenn der christliche Gott einer der vielen ist, die sich in deinem Götterhimmel tummeln. Dein Glaube ist ein sehr persönlicher, den du dir selbst gezimmert hast, meines Wissens entspricht er keiner bekannten Religion. Eine Firmung wäre in diesem Fall sowieso ungültig, sie würde dich nicht zum Christen machen, und in den Augen deiner Kirche auch noch eine grosse Sünde (Missbrauch eines Sakraments).

Also wie gesagt: dein Vielgötterglaube sei dir unbenommen, es spricht nichts dagegen. Aber du bist kein Christ. Eine Firmung wäre in deinem Fall unsinnig und sowieso ungültig.

Kommentar von sickofit ,

Danke schön.

Antwort
von Viktor1, 28

Also - wer die Kommunion "gemacht" hat und die Firmung "machen" will, sollte eigentlich garnichts mehr in Religion "machen".
Hier ist keine Überzeugung vorhanden (nur "Abarbeitung").
So geht es dir auch mit deinem Gottesglauben - was dir gerade so einfällt und gefällt.
Christ sein hat aber ein bestimmtes Kriterium, welches  wahrscheinlich in deinen Überlegungen noch nie vorgekommen ist.
Es ist dies das Bekenntnis zu Jesus - genauer zu seiner Botschaft.
Es ist doch egal, welcher "Name" auf deinem Bekenntnis steht, wie du dich nennst. Wenn du inhaltlich - eben die Botschaft Jesu - keine Basis dafür hast kannst du dich nicht dazu zählen, wobei deine pubertäre Spielerei mit  "Götterglauben" zweitrangig wird.

Antwort
von LovingHope, 63

Ob du die Firmung machst oder nicht, liegt ganz bei dir. Falls es so ist, wie bei der Konfirmation, stimmst du ja deiner Taufe zu und sagst quasi, dass du dein Leben mit Gottes & Jesus' Hilfe und an seiner Seite führen willst. Jeder Mensch erklärt sich das mit Gott/den Göttern anders, solange du keinen anderen Gott anbetest, denke ich nicht, dass es so ein riesiges Problem ist.

Wenn du dich gerne firmen lassen willst, weil es sich für dich richtig anfühlt, dann tu das und wenn nicht, dann lass es. Du musst deinem Gefühl vertrauen, denn tief im Inneren (möglicherweise durch die Stimme Gottes) weisst du, was richtig ist. Wenn du dir immer noch unsicher bist, kannst du ja auch einfach Gott im Gebet fragen. =)

Kommentar von hankey ,

Eigentlich musst Du nur getauft werden. Damit bezeugst Du ja deinen Glauben an Gott und erkennst Jesus Christus als Deinen Erlöser an. Konfirmation/Firmierung empfinde ich da als Quatsch und überflüssig.

Darum finde ich es seltsam einen Menschen schon als kleines Kind zu taufen, meiner Meinung nach sollte man sich erst taufen lassen wenn man sich offen zu seinem Glauben an Gott und Jesus Christus bekennt.

Kommentar von crashy2002 ,

ganz genau! bist du frei Christ? :)

Kommentar von hankey ,

Ich BIN faktisch evangelisch getauft und konfirmiert. Ich habe aber begonnen, mich inhaltlich von der evangelischen Kirche abzugrenzen und betrachte mich daher als "Freichrist", ja, aber ich gehöre keiner freichristlichen Gemeinde an. Ich folge direkt Jesu Aussage, dass sich jeder selbst sein Tempel ist. Wenn ich Menschen begegne die ähnlich denken wie ich schliesse ich mich gern mit ihnen zusammen, aber ich bin gleichdenkenden Christen leider noch nicht begegnet.

Kommentar von LovingHope ,

Ich finde es gut so, wie es in der reformierten Kirche ist - man tauft ein Kind, das man im christlichen Glauben an Gott aufziehen will und mit der Konfirmation kann das Kind diese Entscheidung entweder bestätigen oder nicht. Ein Kind kann auch nicht entscheiden, wo es geboren wird, deswegen sehe ich das nicht als Problem. Aber jedem das Seine.

Kommentar von hankey ,

Das grösste Problem dass ich mit der reformierten Kirche habe ist die Oekumene, d.h. die Anerkennung der katholischen Kirche als christliche Glaubensgemeinschaft durch die reformierte Kirche. Allein aus diesem Grund möchte ich mich einer Gemeinde, die offen mit der katholischen Gemeinde gemeinsame Gottesdienste führt, nicht anschliessen.

Kommentar von LovingHope ,

Für mich ist das Wichtigste im christlichen Glauben die Nächstenliebe, neben dem Glauben an Gott. Dass man also versucht, mit einer Kirche, die auch christlich ist, gemeinsame Komponenten zu finden um friedlich zusammenleben zu können ist für mich etwas sehr Gutes. Ich habe teilweise ganz andere Ansichten als Katholiken, aber muss es uns daran hindern, mit ihnen zusammen zu leben? Mit ihnen Gottesdienst zu feiern? Wir haben den gleichen Gott, grundsätzlich auch den gleichen Glauben. Wenn man die katholische Kirche abwertet, dann schwingt darin die Idee mit, dass man selber besser ist - und das ist alles andere als christlich.

Kommentar von sickofit ,

Danke, für die Antwort :) Weißt du auch vielleicht wie ich Kontakt zu Gott aufnehme, so dass er mir vielleicht antwortet? Also die Art des Betens oder sowas? Ich kenne mich da nicht so aus :D Falls du wirklich das gemeint hast, was ich denke :)

Kommentar von LovingHope ,

Ich habe da einfach an ein "gewöhnliches" Gebet gedacht. Ich denke, jeder hat seine eigene Art zu beten - in meinem Fall ist das Hände falten und meist in Gedanken zu formulieren, was mich beschäftigt, worum ich bitte, wofür ich danke - mal mehr, mal weniger ausführlich. Wenn ich von Gott eine Antwort will, bitte ich meistens darum, mir so zu antworten, dass ich auch realisiere, dass es jetzt seine Antwort war. Teilweise geschieht das dann im Traum oder ich merke nach ein paar Tagen, was sich richtig anfühlt. Vielleicht triffst du auch auf eine Bibelstelle, wer weiss? =)

Für mich ist beten sowas wie ein Gespräch mit einem sehr guten Freund, dem man einfach alles anvertrauen kann, der immer für einen da ist und zuhört und dann auch meist nach ein paar Tagen das Problem bereits gelöst hat. Der einen versteht und tröstet aber auch belehrt und dazu auffordert, gewisse Mühen auf sich zu nehmen. Eigentlich so ziemlich alles, was man sich in einer Person wünschen kann =) Deswegen gibt es für mich keine spezielle Art, wie man zu beten hat, weil es für mich eine Art Freundschaft ist =)

Antwort
von Eselspur, 27

"Glauben" heißt im religiösen Kontext nicht "für wahr halten", sondern "vertrauen." Wenn du auf Jesus dein Leben setzt, bist du Christ. 

Was deine Eltern glauben oder nicht glauben ist dafür nicht relevant. 

Kommentar von Zicke52 ,

Doch, glauben heisst im religiösen Sinn, Unbeweisbares für wahr halten. Bevor man jemandem vertraut, muss man ja erst mal seine Existenz für wahr halten.

Kommentar von MarkusKapunkt ,

Dann könnt ihr doch d'Accord gehen: Glauben heißt das Fürwahrhalten eines unbeweisbaren Gottes, welches dem Vertrauen auf diesen Gott vorausgeht. Wer das Vertrauen in Gott hat, ist ein Christ.

Kommentar von Eselspur ,

Diskussionen wie diese waren schon häufiger auf Gutefrage. Was manche offensichtlich nicht zu Kenntnis nehmen wollen, ist dass sowohl die Existenz Gottes wie seine Nicht-Existenz nicht in diesem Sinn beweisbar ist. 

Im Hebräerbrief heißt es "Glaube aber ist: Feststehen in dem, was man erhofft, Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht. " Dieses "Feststehen" hat sehr viel mit Vertrauen zu tun.

Antwort
von Raubkatze45, 11

An Götter glauben viele Menschen. Davon unterscheidet sich wesentlich der Gott der Offenbarung, wie ihn Juden, Christen und Muslime verehren. Er hat sich den Menschen als der einzige Gott geoffenbart, zuletzt in der Menschwerdung Jesu Christi. Von Göttern gibt es keine Offenbarung, keine Wundertaten, sie sind nach Vorstellungen der Menschen entstanden und werden irgendwann zum Mythos bzw. sind es schon geworden.  Deshalb hat Gott schon im Alten Bund  im 1. Gebot der 10 Gebote gefordert  "Du sollst keine anderen Götter neben mir haben".

Christen glauben nicht nur an den einen Gott der Offenbarung wie Juden und Muslime, sondern sie glauben an den dreifaltigen Gott, wie er uns von Jesus Christus gezeigt wurde: Vater, Sohn, Heiliger Geist. Jesus Christus bekennen wir als wahren Gott und Mensch. Wenn du als kath. getaufter Christ diesem Bekenntnis nicht zustimmen kannst, wäre eine Firmung Heuchelei. Bei dieser Feier musst du nämlich auch das Glaubensbekenntnis sprechen, dich zu deinem kath. Glauben bekennen und damit auch all deinen anderen Göttern eine Absage erteilen. Den dreifaltigen Gott so nebenbei mitlaufen zu lassen, ist auf gar keinen Fall akzeptabel.

So, wie du jetzt denkst, bist du kein Christ dem Glauben nach. Deshalb solltest du dir erst mal Glaubenswissen aneignen, bevor du ein Sakrament empfängst, dessen Sinn du dir gar nicht bewusst bist und das dann auch gar nicht an dir wirksam werden kann.

Antwort
von fricktorel, 29

Hat ein "Kind Gottes" (Joh.1,12) es nötig, "Anerkennung" zu finden (Mt.5,11; LK.21,12) ?

Antwort
von hankey, 34

Najaa, das erste Gebot lautet ja "Du sollst keine anderen Götter haben neben mir".

Wenn Du sagst es GIBT andere Götter neben Gott und auch noch der Meinung bist Gott sei nichtmal der mächtigste unter ihnen ist es schon abwegig sich noch Christ zu nennen.

Christ bedeutet aber auch in erster Linie nicht nur an Gott zu glauben, das tun Moslems und Juden ja auch. Es geht beim Christsein darum, Jesus Christus Opfergabe anzuerkennen, und dass man nur durch Jesus Christus zu Gott kommt. Und zwar zu GOTT und zu keiner anderen Gottheit.

Wenn Du an letzteres gar nicht erst glaubst bist Du eh kein Christ im eigentlichen Sinn.

Antwort
von Manuplayz0305, 40

Ich habe meine Konfi auch gemacht, obwohl ich so kleine Zweifel an Gott hatte/hab.

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