Ophelia am 27.06.2007 um 16:50 Uhr
...herzurichten
Währet Ihr in der Lage, einem verstorbenen Angehörigen der Familie oder einer anderen euch sehr nahe stehenden Person im Falle eine Falles diesen letzten Liebesdienst zu erweisen. D.h. bei der Herrichtung zur Bestattung mit Hand anzulegen oder es unter Anleitung alleine zu machen?
Es gibt Bestatter, die raten zu diesem Schritt, um den Abschied zu erleichtern.

Entschuldige, Ophelia, daß ich es so deutlich sage, aber Deine ständigen Gedanken um Sterben, Tod, Beerdigungen und das ganze Drumherum sind echt bedrückend (an alle User, die meine Worte nicht verstehen: schaut Euch bitte Ophelias Fragen an!!). Gibt es in Deinem Leben auch so etwas wie Freude am Leben?
Aber Du möchtest eine Antwort auf Deine Frage. Ich denke, es hängt wesentlich auch von der Einstellung ab, die man zu Leben und Tod hat. Ich persönlich glaube nicht, daß es mir oder dem Toten noch irgend etwas bringt, selbst "Hand an ihn zu legen". Aber das ist eine spezielle Einstellung von mir, die ich glaube, daß der Verstorbene nur noch ein Leichnam ist und das, was ich mal an dem Menschen geschätzt habe, längst woanders - vielleicht sogar in meinem Herzen - ist. Andere mögen anders denken. Keiner weiß, was "richtig" ist, nicht wahr?

Wenn ich jemandem den "letzten Liebesdienst" erweise, mache ich es für ihn.
Wenn ich mir den Abschied erleichtern will, mach' ich das für mich.
Beratungen nehmen zuweilen schon recht skurrile Formen an...um sowas zu machen, muss man schon eine ganz spezielle Einstellung haben.
Ophelia am 27. Juni 2007 17:05 Der Einwand ist berechtigt, im Prinzip geht es um beides, ein letztes Mal seine Zuneigung dem Verstorbenen gegenüber zu zeigen und sich selber über den Verlust wegzuhelfen.
Ich hätte es deutlicher formuluieren sollen, danke für den Hinweis
Ich glaube, dass man das nicht verallgemeinern kann. Es hängt von der Person des Hinterbliebenen und seinem momentanen seelischen Zustand ab, genau so wie die Trauerwache in der Leichenhalle oder das Abschied- Nehmen am eigenen Sarg. Für den einen ist es eine wirkliche Hilfe, für den anderen eine seelische Katastrophe. Ich selbst würde jetzt erst mal denken, dass ich das Angebot annehmen würde. Wenn es aber so weit wäre, könnte es sein, dass ich davon Abstand nehmen würde.
Das ist nicht so leicht zu beantworten, denn der gestorbene Mensch ist nicht mehr der Mensch, den Du zu Lebzeiten kanntest. Ich habe es selbst erlebt beim Tod meines Freundes und als ich ihn 3 Tage später in der Gerichtsmedizin ansehen musste, war das eine totale Veränderung. Diese Hülle hatte nichts mehr mit dem Menschen zu tun, den ich kannte. (Meine Theorie hierzu ist, dass die Seele entwichen ist und nur noch eine leere Hülle zurück bleibt). Also ich glaube, wenn einem ein Todesfall passiert, tut man automatisch genau das, was einem in dem Moment gut tut / wichtig ist und zum Abschied nehmen hilft. Man kann dies nicht vorher in der Theorie sagen. Außerdem gibt es ja auch Todesarten, wo derjenige mehr oder weniger entstellt ist - dann sieht das noch ganz anders aus. WAs man sich selbst zumuten kann merkt man erst dann, wenn es so weit ist.

Ich konnte es mit keinem Familienmitglied, ich habs einfach nicht fertiggebracht. Meine Mutter konnte ich eine Minute nach Ihrem Ableben noch küssen, aber ab diesem Moment konnte ich sie nicht mehr berühren. Darüber habe ich mir natürlich Gedanken gemacht, aber ich hätte mich nicht überwinden können, sie herzurichten. Das musste ich leider anderen Leuten überlassen.
Ophelia, kann es sein, dass Du diesen Nick nicht ohne Grund gewählt hast? (Ophelias Schicksal in Hamlet, Georg Heyms Gedicht: Die Tote im Wasser, Rimbaud: Ophélie nach L'inconnue de la Seine)? Ich würde Dir raten, Dich Menschen in Deiner Umgebung anzuvertrauen. Sicherlich kann Dir von dort geholfen werden. Mit solchen Gedanken, wie Du sie hier in Deinen Fragen preisgibst, solltest Du nicht alleine fertig werden müssen.
du meinst sichr leichenwäsche usw., oder? ich habe mich schon oft gefragt, ob ich es könnte, aber bisher kam ich zum glück noch nicht in die gelegnheit.
In meinem Bekanntenkreis hat sich das Verabschieden des Verstorbenen sehr bewert. Die Betroffenen konnten so viel besser mit der Trauer umgehen. Sie haben sich richtig intensiv mit dem Toden beschäftigt. (eingekleidet, geschminkt usw. und dabei mit ihn gesprochen). So als wenn man alle Sachen die einmal vorgefallen waren, noch einmal geklärt hat.
Als mein kleiner Sohn (4 Wochen alt) letztes Jahr gestorben ist im Krankenhaus, habe ich ihn zwar gehalten in seinen letzten Stunden, Minuten und Sekunden, aber ich hatte nicht die Kraft, ihn umzuziehen und so. Das habe ich der Krankenschwester überlassen. Hinterher habe ich meinen Kleinen aber nochmal gehalten und mich lange von ihm verabschiedet.
Ob ich einen Erwachsenen (meinen Mann, meine Eltern) herrichten könnte, kann ich jetzt nicht sagen. Vorstellen kann ich mir das zwar nicht, aber ich kann es auch nicht ganz ausschließen.
warum soll man keine Freude am Leben haben, wenn man sich mit dem Tod beschäftigt? Er gehört zum Leben, auch wenn er am Ende steht, und ich grenze ihn deshalb nicht aus. Warum seid Ihr bloß alle so verkrampft und hüftsteif diesem Thema gegenüber?