Wer weiß biographische Details über Joachim W. Hartnack („Große Geiger unserer Zeit“)?

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2 Antworten

Hallo,

da der Platz für die Erläuterungen zur Frage begrenzt ist, liefere ich hier die Informationen nach, die mir bisher zu Joachim W. Hartnack vorliegen:

Irgendwann habe ich mir überlegt, wann und wo der Autor gelebt hat, welchen Bezug er persönlich zur Geige und zu professionellen Geigern hatte, und wie sein Berufsleben aussah. Ich konnte aber wenig entdecken, und das, was ich erfahren habe, ergibt für mich bisher noch kein abgerundetes Bild.

Ich möchte erst mal berichten, auf welchem Kenntnisstand ich bisher bin:

Hartnacks in meiner Frage genanntes Buch erschien 1967 im Verlag Rütten u. Loening, München. Es galt schnell als Standard-Werk in diesem Sachgebiet (Internationale Weltklasse-Solisten auf der Violine) und erlebte mehrere neue Auflagen, wobei der Text jeweils überarbeitet und ergänzt wurde, weil immer wieder neue Geiger die Konzertpodien betraten, die bisherigen Solisten neue Entwicklungen durchmachten, ihre Karriere beendeten und oftmals auch starben, und auch bisher unbeachtete Geiger mehr in den Blickpunkt des Autors rückten.

Neue Ausgaben, jeweils im Atlantis-Musikbuch-Verlag, Zürich: 1977, 1983, 1993.

Im Januar 1996 erschien das Buch im Verlag Schott Music mit beigefügten 2 Musikcassetten.

Offensichtlich hat sich Hartnack auch noch auf anderen Feldern getummelt (falls es sich nicht um einen anderen Autoren gleichen Namens handeln sollte):

Der Goldmann-Velag veröffentlichte als Taschenbuch: Das Dekollete der Madame Cerise - Ein heiterer Roman aus Südfrankreich.

Und im Deutschen Verlag (was immer das auch sein mag) erschien 1952 eine Detektivgeschichte (ich nehme an für Kinder): Die Gauner mit den Gumminsohlen – Axels Abenteuer mit den Autodieben – Mit 23 Zeichnungen v. Gerhard Kreischke.

Von „Große Geiger unserer Zeit“ liegt mit die Ausgabe von 1977 vor. (Als Jugendlicher hatte ich die Erstausgabe gelesen.) Im Klappentext steht: „... des Autors, eines in Berlin als Richter tätigen Juristen ...“

Im Wochenmagazin „DIE ZEIT“ erschien 1967 eine Serie, in der einige wichtige Kapitel aus Hartnacks Geigerbuch abgedruckt wurden. Zum Autoren war zu lesen: „Der Autor dieser Serie, Joachim W. Hartnack, war selber Geiger, leitete dann die Unterhaltungsabteilung einer Berliner Rundfunkstation und entscheidet heute als Staatsanwalt in Berlin darüber, was auf dem Buch-, Zeitungs-, Zeitschriften- und Kunstmarkt behördlich nicht zu beanstanden ist.“

Aus dem Inhalt des Buches läßt sich entnehmen, daß Hartnack schon früh ganz viele der bedeutendsten Weltklassegeiger live im Konzert erlebt hat, sofern sie in Deutschland, insbesondere in Berlin aufgetreten sind. Außerdem muß er Zugang zu einer immensen Sammlung von zeitgenössischen und vor allem auch historischen Schallplattenaufnahmen bedeutender Geiger gehabt haben. Sein Buch beruht insbesondere auf einer möglichst genauen Auswertung seiner Konzerterlebnisse und der ihm vorliegenden Tondokumente. Es ist zu erkennen, daß er nicht nur um ein sehr ausgeprägtes musikalisches Urteilsvermögen besaß, sondern offensichtich auch sehr detailiertes Insiderwissen über Besonderheiten der Technik des Violinspiels und eine sehr scharfe Beobachtungsgabe in dieser Richtung besaß. Seine Kritik an der Kulturpolitik der Nationalsozialisten, die sich auf dem Gebiet des Violinspiels entscheidend auswirkte, da eine überwältigend große Zahl der berühmtesten Geiger Juden bzw. jüdischer Abstammung waren und immer noch sind, fiel sehr klar und unmißverständlich aus, was für uns heute als selbstverständlich wirken könnte, was aber 12 Jahre nach dem Ende des „3. Reiches“, als es in Deutschland noch von in der Wolle gefärbten alten Nazis wimmelte, sicherlich ein Zeichen von Zivilcourage und sehr klarem politischem und ethischem Standpunkt war.

Schon jetzt vielen Dank für Eure Antworten,

Merkantil

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Geboren am: 05.07.1918

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Kommentar von Merkantil
20.08.2016, 13:24

Viele Dank! Das ging ja schnell. Aus welcher Quelle weißt Du das? Weißt Du noch mehr?

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