Frage von NehmEsAn, 148

Wer war Otto von Bismarck?

Hi Leute,

natürlich sagt mit der Name etwas und ich weiß nur wenige Fakten über ihn. Ich habe jedoch oft versucht etwas von ihn zu lesen, jedoch konnte ich nur wenig daraus schließen, da irgendwie viel darum geschrieben wurde. Aus reiner Interesse und zu meinem eigenen Schutz (falls mich mein Geschichtslehrer vor der Klasse fragt) Was genau bewirkte er, dass er so bekannt ist? Hatte er gute oder schlechte Auswirkungen auf Deutschland? Was genau wird gemeint, wenn man "Blut und Eisen" liest bzw. hört?

Kurze oder ausreichende Antworten, die viel aussagen wären perfekt :)

Expertenantwort
von PeVau, Community-Experte für Geschichte, 84

Er ist ein Mythos. In der Rückschau war er einer der, wenn nicht sogar der umstrittendste deutsche Politiker. Dieser Streit hat sich zwar seit seinem Tod stetig geändert und sogar in der DDR wurde er in den 80er Jahren anders gesehen, als in ihren ersten Jahren, aber der Streit ist geblieben.

Es mutet paradox an, doch als einer der reaktionärsten Politiker Preußens erfüllte er mit seiner Revolution von oben das nationalstaatliche Vermächtnis von 1848/49 und stemmte sich nicht gegen die Entwicklungsströme seiner Zeit, sondern erkannte sie und bewegte sich mit ihnen. Letztendlich war die Reichsgründung durch Blut und Eisen* die politische Konsequenz aus der industriellen Revolution.

Ab 1871 bewies er in seiner Außenpolitik bemerkenswerten Weitblick, indem er das Reich für territorial saturiert erklärte. Denn ihm war klar, dass eine deutsche "Weltpolitik" mächtige Widersacher und Gegenbündnisse heraufbeschwören und das neu gegründete Deutsche Reich in seiner Existenz gefährden würden.

Auf der anderen Seite steht seine Feindschaft gegenüber allen demokratischen Kräften und sein eingefleischter preußischer Royalismus.
Sozialistengesetz und Sozialversicherung waren zwei Seiten einer Medaille im erbitterten Kampf gegen die Arbeiterbewegung.

Damit wurde er schon früh eine Symbolfigur für Unternehmer, Bürokraten und Militärs, die ihn schon zu Lebzeiten mythisch überhöht darstellten, aber sein Erbe, Umsicht im europäischen Kräftespiel walten zu lassen, später mit verhängnisvollen Folgen ausschlugen.

Es gibt keinen Grund, Bismarck mythisch zu überhöhen. Trotzdem bleibt er eine Figur, die die Geschicke Deutschlands nachhaltig bestimmt hat und in der Geschichte ihren hervorgehobenen Platz hat.

* siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche\_Einigungskriege

Kommentar von Sachsenbruch ,

"... einer der reaktionärsten Politiker Preußens (...) stemmte sich nicht gegen die Entwicklungsströme seiner Zeit, sondern erkannte sie und bewegte sich mit ihnen."

Es ist nachahmenswert, Sachen genau, in ihrer Differenziert- und Verwobenheit auszudrücken. - Danke.

Antwort
von findesciecle, 32

Wieder einmal die typischen Antworten, egal von welcher politischen Richtung:

"Weitblick... saturiertes Deutschland, Bündnissystem"

" Vater der Sozialversicherung" 

Käse hoch 3 - die angebliche Friedenspolitik nach der Reichseinigung war tölpelhaft, nicht nachhaltig- heutige Historiker sehen das klarer und die Linie in den Weltkrieg. Ebenso stimmt nicht, dass Bismarck Vater des Sozialversicherung war:  Sie war eine Notlösung.

Dass Bismarck weitblickend gewesen wäre , ist ein historisches Artefakt des 20. Jh. weil eben danach alles schlimmer kam. Ich begründe das gern die Tage näher, wenn ich Zeit habe.

Antwort
von JoDaTr, 37

Für mich ist er wegen des wesentlich von ihm betriebenen Deutsch-Preußischen Krieges von 1866 einer der beiden Haupt-Totengräber der deutschen Einheit.

Antwort
von Dailytwo, 86
Antwort
von Jessy9898, 68

Naja er hat 3 Versicherungen eingeführt: Die Krankenversicherung, Unfallversicherung und die Invalidenversicherung

Und er hat einfach versucht das es keinen Krieg gibt...geschafft hat er es auch bis er als Reichskanzler entlassen wurde...

Kommentar von PatrickLassan ,

Nachdem er zuvor schon für (mindestens) einen Krieg gesorgt hatte? Der Krieg von 1870/71 geht ziemlich eindeutig auf das Konto der von Bismarck betriebenen Politik.

Kommentar von Karl37 ,

Wenn man die Zusammenhänge kennt, kann man das bezweifeln. Frankreich wollte den Krieg. Da gibt es einmal das Ultimatum des Napoleon III. über einen Verzicht des Hauses Hohenzollern/Sigmaringen auf den vakanten Königsthron in Spanien, der den Sigmaringern von Spanien angeboten wurde. Dann das ungehöriges Benehmen des französischen Sonderbotschafter in Ems wo der Kaiser Wilhelm weilte. Eine Depesche aus Ems nach Berlin an Bismarck, die heute als Fälschung bezeichnet wird, was absolut unsinnig ist. Richtig ist einzig diese Depesche des Kaisers an Bismarck wurde verkürzt von Bismarck der Presse übergeben.

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