Frage von Upoichis, 350

Wer wählt Die Linke?

Ich kann nicht verstehen wie man die Partei Die Linke wählen kann, die Vorschläge der Partei wirken derart Weltfremd dass ich es manchmal gar nicht glauben kann. Ich habe das Gefühl, wenn die Linke allein regieren würde, würde unser Land innerhalb von wenigen Tagen in trümmern liegen.

Soll keine Beleidigung für deren Wähler sein, aber bitte erklärt es mir.

Expertenantwort
von Unsinkable2, Community-Experte für Politik, 200

Ich kann nicht verstehen wie man die Partei Die Linke wählen kann, die Vorschläge der Partei wirken derart Weltfremd dass ich es manchmal gar nicht glauben kann.

Genau! Weltfremdes Pack, das!

Ein Lohn, von dem man leben kann, eine Krankenversicherung, die keine Zwei-Klassen-Medizin kennt, eine Rente, die ihre Empfänger nach einem langen Arbeitsleben nicht zwingt, nebenbei Flaschen sammeln zu gehen, ... das ist sooooo weltfremd!

Ich habe das Gefühl, wenn die Linke allein regieren würde, würde unser Land innerhalb von wenigen Tagen in trümmern liegen.

Das hängt davon ab, wie du "Trümmer" definierst. 

CDU, CSU, SPD, FDP und GRÜNE (alles aktuelle bzw. ehemalige Regierungsparteien) schafften es jedenfalls, 2,2 Billionen Euro Schulden anzuhäufen, die Armut im Land systematisch zu verstärken, die Bildung (s. PISA) beängstigend herunterzufahren, die Mittelschicht kräftig auszudünnen, den kleinen und mittleren Mittelstand immer heftiger zu bedrängen, die Reichen immer reicher zu machen, die Banken immer mächtiger werden zu lassen, Deutschland in Kriege hineinzuziehen, den Terror in der Welt zu fördern, die Rüstungsexporte auf neue Rekordmarken schnellen zu lassen, ...

Mit anderen Worten: Noch so eine Krise, wie die von 2007/2008 (die bis heute, also nach rund 8 Jahren, immer noch nicht beendet ist); und Deutschland liegt in Trümmern. Nicht wegen der Linken, sondern wegen CDU, CSU, FDP, SPD und GRÜNEN.

Nur zur Erinnerung: "Wohlstand für alle!" ist, auch, wenn es so klingen mag, nicht etwa ein Wahlspruch der Linken, sondern war in den 60er Jahren der Wahlspruch der CDU. Heute, runde 50 Jahre später, kannst du ja mal nachprüfen, wie weit man damit gekommen ist: http://goo.gl/jvDk4p

Soll keine Beleidigung für deren Wähler sein, aber bitte erklärt es mir.

Du willst eine Erklärung? Sie wird dir aber nicht gefallen, fürchte ich. 

Denn sie lautet: Dir fehlt der Verstand bzw. der Wille dazu, dich mit den Inhalten der Lobby-Interessen und Partei-Programme gründlich auseinanderzusetzen und die Folgen zu verstehen, Upoichis. 

Das soll keine Beleidigung sein, sondern stellt ein Faktum dar.

Die gesamte "soziale Marktwirtschaft", die dich heute umgibt, die einst für das "Wirtschaftswunder" sorgte und auf die auch die konservativen Parteien (bis auf die FDP und die AfD) allesamt stolz sind, ist ein Ergebnis der Arbeit der Linken (damals noch mit Teilen der SPD). 

Jedes einzelne Recht, das du heute ganz selbstverständlich genießt - nicht angefangen bei der Möglichkeit, überhaupt wählen gehen zu dürfen; und nicht endend bei der Tatsache, dass du heute nicht mehr an 6 Tagen in der Woche 12-16 Stunden arbeiten gehen musst -, ist ein Verdienst der Linken. Denn nichts davon gaben dir die Arbeitgeber, die Reichen und die Mächtigen freiwillig. 

Aber alles davon würden sie dir gern wieder wegnehmen. Deshalb darfst du bereits heute bis 67, zukünftig sogar bis 69 (im Gespräch ist mittlerweile schon bis 75) Jahre arbeiten. Deshalb darfst du dich, falls du nach 2030 in Rente gehst, trotz eines jahrzehntelangen Arbeitslebens, schon heute auf Altersarmut freuen. Deshalb darfst du während deines Arbeitslebens über immer weniger Rechte (es gab mal Zeiten, da bekamen unzählige Menschen in Deutschland ganz selbstverständlich "Weihnachtsgeld" oder "Urlaubsgeld" zum normalen Lohn) freuen. 

Es waren die Linken (damals noch mit der SPD), die diese Rechte für dich erstritten. Gegen den Widerstand der Reichen und Mächtigen. Zum Teil unter Einsatz ihres eigenen Lebens, denn die Reichen und Mächtigen wehrten sich auch damals schon mit Händen und Füßen gegen derartige Beraubung ihres selbstverständlichen Vermögens, das ihnen nicht aufgrund von Arbeit, sondern von Geburt und Rang wegen zustand.

... Wenn es also letztlich das Verdienst der Linken ist, dass sich ein Wirtschaftswunder in Deutschland ausbreiten konnte, das nicht nur die Reichen, sondern praktisch alle Schichten der Bevölkerung erreichte, und wenn es Deutschland auch - und gerade - wegen seiner hohen sozialen Fokussierung (Kurzarbeitergeld, etc.) gelang, die aktuelle Krise des Kapitalismus so weich abzufedern, wie kaum einem anderen Land auf diesem Planeten, ... dann kann die Linke wohl kaum soooo schlecht arbeiten, wie du es vermutest, nicht wahr, Upoiches?!

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In diesem Sinne sei daran erinnert, dass Parteien nicht nur existieren, weil man für dich mehr verschiedene Namen auf den Wahlzettel drucken wollte, sondern, weil sie bestimmte Interessen-Vertretungen realisieren.

So ist die FDP eine "Arbeitgeber-Partei", die sich für die Interessen der Arbeitgeber einsetzt. Und die NPD ist eine "Xenophoben-Partei", die sich für die Interessen der Fremdenfeinde einsetzt. CDU und CSU (die zu Zeiten der Nazis bereitwillig der Abschaffung der Demokratie zustimmten) versehen sich als Mittelschichts-Parteien, berauben jedoch die Mittelschicht seit den 70er Jahren systematisch zugunsten der Reichen. Und die SPD wurde zwar einst als Arbeiterpartei gegründet, verabschiedete sich jedoch schon 1914 endgültig davon und verriet und verkaufte seitdem die Arbeiter systematisch an die Reichen.

Mit anderen Worten: Die Linkspartei ist quasi die letzte "Arbeitnehmer-Vertretung" in der gesamten Bundesrepublik, die sich überhaupt noch um die unteren und mittleren Schichten in der Gesellschaft kümmert.

Und in diesem Kontext ist es nur natürlich, dass die Reichen und Mächtigen sie nicht mögen und alles daran setzen, sie loszuwerden. 

Die Frage, die mich nun umtreibt, ist allerdings: 

  • Bist du reich; erbst vielleicht ordentlich? 
  • Oder bist du mächtig bzw. hast mächtige Eltern? 
  • Oder bist du einfach nur naiv und glaubst, all die Privilegien, die du heute besitzt, wären vom Himmel gefallen und hätten eine Ewigkeitsgarantie? 

... denn mehr als diese drei Möglichkeiten bleiben nicht.

Kommentar von Apfelkind86 ,

Ist dir eigentlich klar, dass so gut wie niemand bereit ist, auf GF solche Pamphlete zu lesen, wie du sie immer verfasst?

Hast du zu viel Zeit oder liegt das alles in .doc-Dateien bei dir rum und du kopierst es einfach nur raus?

Kommentar von MickyFinn ,

Ich lese sie.. und finde sie durchaus interessant.

Kommentar von PeVau ,

Ich habe dir schon mal geschrieben, dass es gerade dir gut täte sie zu lesen.

Ein bisschen politische Bildung schadet dir nämlich nicht auch nicht als Jugendoffizier der Bundeswehr. Aber wenn du nicht willst, dann ist dir nicht zu helfen.

Kommentar von Apfelkind86 ,

Der Tag, an dem ich meine politische Bildung aus einem Internetforum von Fremden beziehe, ist der Tag, an dem ich mit einem Ar***tritt vom Dienstposten geschossen werde und das völlig zu Recht!

Kommentar von MickyFinn ,
SPD, FDP und GRÜNE (alles aktuelle bzw. ehemalige Regierungsparteien) schafften es jedenfalls, 2,2 Billionen Euro Schulden anzuhäufen, die Armut im Land systematisch zu verstärken, die Bildung (s. PISA) beängstigend herunterzufahren, die Mittelschicht kräftig auszudünnen, den kleinen und mittleren Mittelstand immer heftiger zu bedrängen, die Reichen immer reicher zu machen, die Banken immer mächtiger werden zu lassen, Deutschland in Kriege hineinzuziehen, den Terror in der Welt zu fördern, die Rüstungsexporte auf neue Rekordmarken schnellen zu lassen, ..."

Dem stimme ich vorbehaltlos zu.

Auch die Förderung von Erziehung & Bildung, Forschung, Kultur, ökologischen Umbau und öffentliche Infrastruktur (hierfür plant die Linke jährlich das Budget um 40 Mrd. EUR anzuheben. Das größere Unternehmen deutlich mehr Steuern zahlen sollen und die Investitionsmöglichkeiten durch höhere Abschreibungen ist auch nicht so weit von der Realität entfernt. Schwer wird es bei der Vermögensteuer (Steuern vom Vermögen zu erheben, welches bereits versteuert wurde). Der lineare Steuertarif soll eingeführt werden... gut, das könnte die Unter- und Mittelschicht entlasten. Ebenso bin ich dafür, das die Kapitalertragssteuer mit den persönlichen Steuersatz berechnet wird (zurzeit auf Kapitalanlagen 25 % KapESt), damit vermindert man die Steuersparmöglichkeiten bei Vermögenden (wenn dies umgesetzt wird, sollte man von einer Vermögensteuer absehen).

Das sind alles gute Ansätze, um deren Ziele möglicherweise zu erreichen.

Doch der große Dorn im Auge, ist deren Haltung bei der Flüchtlingspolitik (besonders im Bezug auf Wirtschaftsflüchtlinge und Asylmissbrauch), sowie die Verbreitung der islamischen Kultursensibilität. Die Anhäufung der Streitigkeiten in Deutschland, was unter Religionsfreiheit, und was als Ablehnung der Integrationsbereitschaft zu verstehen sei, ist in den letzten paar Jahren explodiert. Vom Burkini (von dem ich persönlich erst seit Beginn der Flüchtlingskrise jemals hörte/sah), bis hin zu ,,Ich brauch einer Frau nicht die Hand zu schütteln". Es ist das Lager der Linken, die (m. E.) einer Integration mit unseren freiheitlichen Werten im Wege sind. Auch beziehen sie keine klare Haltung, wie sie mit den andauernden Flüchtlingsstrom umgehen wollen. Bisher sind sie der Meinung, das kein Mensch illegal sei und niemand ohne Grund nach D kommt/flieht und sie daher ein Bleiberecht erhalten sollten.

Solange nicht klar gemacht wird, wer nach D darf und wer sich nicht auf den Weg machen sollte, solang werden die Ströme anhalten, oder sich sogar ausweiten. Dies wird auch unsere Wirtschaft nicht auf Dauer ertragen. Die Position von Frau Wagenknecht finde ich diesbezüglich annehmbar, doch von ihren Parteikolleginnen/-kollegen wurde sie bereit scharf kritisiert (,,die Mehrheit der Linke teile ihre Meinung nicht")

Die nachgesagte Realitätsferne der Linke, beruht für mich daher im Bezug auf die Flüchtlingskrise, sowie den Umgang mit dem Islam in unserer Gesellschaft.

MickyFinn

Kommentar von Unsinkable2 ,

Schwer wird es bei der Vermögensteuer (Steuern vom Vermögen zu erheben, welches bereits versteuert wurde). 

Das ist ein gern kolportiertes und dennoch unwahres Ammenmärchen. Das Verfassungsgericht sieht darin jedenfalls kein Problem, wie es mehrfach betonte.

Die Anhäufung der Streitigkeiten in Deutschland, was unter Religionsfreiheit, und was als Ablehnung der Integrationsbereitschaft zu verstehen sei, ist in den letzten paar Jahren explodiert

... was du aber wohl kaum den Linken anlasten kannst. Denn tatsächlich ist es - wieder einmal - das gesellschaftliche Versagen der "etablierten Parteien", die sich seit Jahrzehnten strikt weigern, relevante Themen in der gesellschaftlichen Diskussion einzuführen und zu klären; und die stattdessen lieber auf Plazebo-Diskussionen, wie etwa "Heißt es nun Gastarbeiter oder Fremdarbeiter?" aufhalten, um bloß nicht zu wirklich relevanten Themen Stellung beziehen zu müssen.

Natürlich ist das Thema nun "brennend" und muss in aller Kürze abgehandelt werden, denn letztlich läuft die Zeit jetzt schneller denn je davon. Und in dessen Folge wird sowohl vehementer, als auch polarisierter debattiert. Doch auch das ist alles andere als Schuld der Linken...

Vom Burkini (von dem ich persönlich erst seit Beginn der Flüchtlingskrise jemals hörte/sah), bis hin zu ,,Ich brauch einer Frau nicht die Hand zu schütteln". Es ist das Lager der Linken, die (m. E.) einer Integration mit unseren freiheitlichen Werten im Wege sind. 

Ganz im Gegenteil. Die "Integration nach konservativer Vorstellung" ist Teil der Gesellschaft seit den frühen 60er Jahren. Wohin sie uns gebracht hat, kannst du idealerweise in Frankreich beobachten, weil es dort besonders plakativ zutage tritt: Alle "Terroristen" der jüngsten Vergangenheit waren Franzosen. Franzosen mit Migrationshintergrund (noch so eine Plazebo-Phrase), die EBEN NICHT integriert waren.

Denn Integration funktioniert nicht auf einem isolierten Level. Es reicht nicht, Deutsch-&-Benimm-Kurse zu verpassen, um zu integrieren. Und das, obwohl es wieder einmal - fast ausnahmslos - die Linken sind, die sich wenigstens darum bemühen, weil aus den anderen Lagern eigentlich nur "Was das wieder kostet..." zu hören ist.

Um wirklich integrieren zu können, brauchst du (a) eine funktionierende, robuste Gesellschaft und (b) ein "ganzheitliches Konzept", das weit über "Wir beschaffen dir Arbeit am Mindestlohn vorbei." und "Scheiß auf die Deutschen, die um ihre Jobs und damit ihren Lebensunterhalt zittern!" hinaus geht.

Auch beziehen sie keine klare Haltung, wie sie mit den andauernden Flüchtlingsstrom umgehen wollen.

Das ist richtig. Doch es ist zugleich zentrales Wesen der Linken.

Linke sind es gewohnt, ihren Kopf zu benutzen. Gib ihnen eine beliebige Aufgabe, und sie werden sich darüber den Kopf zerbrechen. Und zwar jeder für sich.

Dabei kommt es - völlig natürlicherweise - zu zum Teil sehr differenzierten Ergebnissen. Und die wiederum werden auf der Konsens-Suche ausgefochten. Dabei ist nicht das Ziel, überhaupt einen Konsens, ganz egal, wie billig er ist, zu finden. Vielmehr ist auch hier das Ziel "der beste, und nur der beste Konsens zählt". Und sowas findest du nur durch intensive Betrachtung und Diskussion heraus.

Deshalb wirst du auch auf dieser Plattform nur selten zwei Linke finden, die in allem der gleichen Meinung sind. Es dürfte schon selten genug sein, dass sie wenigstens in zentralen Themen der gleichen Meinung sind. Im Grunde eint sie nur eines: Sie suchen nach Wegen für die Gesellschaft, die aus den zahlreichen Problemen herausführen. Und das tragen sie in aller Regel diskursiv und streitbar aus...

Bisher sind sie der Meinung, das kein Mensch illegal sei und niemand ohne Grund nach D kommt/flieht und sie daher ein Bleiberecht erhalten sollten.

Das ist nicht richtig. Der aktuelle (Konsens-)Standpunkt der Linkspartei lautet: "Solange es keine bessere Möglichkeit gibt, ist 'Schutz vor Unbill, wie Krieg und Not' oberstes Gebot."

Das heißt NICHT, dass alle für immer ein Bleiberecht erhalten sollen oder müssen. Vielmehr heißt es, dass man "wenigstens irgendeine Lösung", und sei sie noch so unglücklich, gar keiner Lösung (wie etwa Grenzschließung, was außer erneutem "Augen verschließen" nichts bewirkt) vorziehen sollte...

Kommentar von MickyFinn ,

,,Um wirklich integrieren zu können, brauchst du (a) eine funktionierende, robuste Gesellschaft"

Was genau ist damit gemeint und wie will man dies erreichen?

,,Linke sind es gewohnt, ihren Kopf zu benutzen. Gib ihnen eine beliebige Aufgabe, und sie werden sich darüber den Kopf zerbrechen. Und zwar jeder für sich.

Dabei kommt es - völlig natürlicherweise - zu zum Teil sehr differenzierten Ergebnissen"

Dennoch würde ich mir wünschen, wenn langsam ein Konzept in Sachen Flüchtlingspolitik auf den Tisch liegt, wo die meisten Politiker der Linken dahinter stehen, damit ansatzweise eine gemeinsame Haltung zu erkennen ist. Ja, das Thema nimmt unglaublich viel Zeit in Anspruch , dennoch drängt die Zeit... die Bundestagswahlen sind schon nächstes Jahr. Man würde die Linke nicht für voll nehmen, wenn sie mit der ,,Super-Lösung" erst kurz vor der Wahl um die Ecke kommen. 

Bis dahin wird die AfD noch einige % bekommen haben, wenn es so läuft wie bisher. Denn ich kann nicht ausschließen, ob das künftige Programm zur Bewältigung der Flüchtlingskrise mir besser gefällt, als das jetzige der AfD. Doch nicht jeder hinterfragt und wägt ab und es wäre zu Schade, wenn die Linke mit einem Klasse Programm auf gerade mal 15-10 % kommt, wenn sogar 30-40 % möglich wären.

Kommentar von Unsinkable2 ,

Was genau ist damit gemeint und wie will man dies erreichen?

Das ist zentraler Gegenstand der Diskussion. Einig ist man sich derzeit nur bei: "Der aktuelle Weg funktioniert nicht nur nicht, er schadet sogar massiv" (s. "Armutsberichte"; sowie Armuts- & Reichtumsentwicklung in Deutschland und weltweit).

Dennoch würde ich mir wünschen, wenn langsam ein Konzept in Sachen Flüchtlingspolitik auf den Tisch liegt, wo die meisten Politiker der Linken dahinter stehen, damit ansatzweise eine gemeinsame Haltung zu erkennen ist.

Das sagte ich doch, MickyFinn: "Solange die 'etablierten Parteien' als 'Master-Planer' nicht willens sind, solide Einwanderungs- & Integrations-Gesetze zu schaffen, ist und bleibt der Schutz des Menschen einziges Gebot." Das IST der "General-Konsens" der Linken.

Denn das Asyl-Recht wird auch durch die besten Einwanderungs-Gesetze nicht auflösbar. Es besteht auch weiterhin. Und natürlich können es auch "Betrüger" nutzen und missbrauchen.

Glosse: Doch die Mehrheit (selbst Pessimisten reden von "mehr als 80 Prozent"; Optimisten reden von "mehr als 95 Prozent") will nicht betrügen und betrügt auch nicht. Und in diesem Sinne wäre es ihnen gegenüber ebenso ungerecht, das Asyl- und damit das Menschenrecht aufzulösen; wie es ungerecht gegenüber den ehrlichen Bürgern wäre, wenn man sie alle pauschal wie Diebe und Raubmörder behandeln würde; nur, weil es einen gewissen Teil in der Bevölkerung gibt, der "Eigentumsverlagerung" kreativ interpretiert...

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Ja, das Thema nimmt unglaublich viel Zeit in Anspruch , dennoch drängt die Zeit... die Bundestagswahlen sind schon nächstes Jahr. Man würde die Linke nicht für voll nehmen, wenn sie mit der ,,Super-Lösung" erst kurz vor der Wahl um die Ecke kommen. 

Du erwartest Wunder, MickyFinn. Doch Wunder werden nicht geschehen.

Selbst wenn die Linke "das perfekte Einwanderungs-&-Asyl-Konzept" auf den Tisch legen würde: Es könnte nicht funktionieren.

Warum nicht? Weil "Einwanderung" und "Asyl" nicht - wie die Rechten (einschließlich der rechten Flügel der etablierten Parteien) stets behaupten - isolierte Aufgaben sind, die man völlig losgelöst von allen anderen gesellschaftlichen Aufgaben lösen kann.

Vielmehr handelt es sich ZWINGEND um GANZHEITLICHE KONZEPTE, die "Asylanten", "Zuwanderer" und "Einwohner" gleichermaßen betreffen; und die daher eng miteinander verwoben sind.

Daraus ergeben sich auch komplexe Lösungs-Anforderungen, die weit - SEHR WEIT - über "... und das wäre unser Konzept zur Zuwanderung:" hinausgehen müssen.

Was es eigentlich braucht, ist ein GESAMT-GESELLSCHAFTLICHES KONZEPT, in dem beispielsweise auch Rüstungsexporte, militärische Unterstützung fremder Nationen, UNO-Aufgaben, und ... und ... und ... geklärt werden müssen.

... tja, und da erreicht die LINKE schnell das Ende ihrer Fahnenstange: Mit 10 - 12 Prozent im Bund besitzt sie einfach nicht die notwendige gesellschaftliche Präsenz und den entsprechenden gesellschaftlichen Rückhalt, auch nur in die Nähe des Hebels zu kommen, der für so einen gigantischen Umbau der Gesellschaft (in Deutschland, in Europa und im gesamten Westen) erforderlich wäre.

Nur ein Beispiel:

Die LINKE diskutiert einen "europäischen Zwangs-Verteilungs-Schlüssel", wonach die EU-Länder Flüchtlinge nach Quoten aufnehmen müssten. Dies existiert heute schon "ungefähr", doch sobald jemand sagt: "Nö, lasst mal! Ohne mich!" platzt der Deal.

Hier setzen einige Linke mit Vertragsdruck (also beispielhaft dem schäubleschen "Pacta sunt servanda") an, etwa der Koppelung an Zahlungen aus EU-Fonds: "Nur wer seine Pflichten einhält, kann auch seine Rechte in Anspruch nehmen."

Doch DAS ließe sich nur umsetzen, wenn die Linke den Bundeskanzler (und einen nicht unwesentlichen Teil der Regierung) stellen könnte, um so den Druck auf die EU erhöhen und es so realisieren zu können. Und das wiederum hieße: "Mindestens 50+ Prozent bei Wahlen, denn die SPD ist so verlässlich, wie eine Bombe aus dem zweiten Weltkrieg: Es kann eine ganze Weile gutgehen, doch wenn es knallt, dann sind anschließend alle im unmittelbaren Umkreis tot."

Mit anderen Worten: Die Linke ist mit den aktuellen Machtanteilen gar nicht in der Situation, wirkliche Lösungen zu präsentieren, die nach dem Motto "Wählt uns, dann werden wir a-b-c machen!" funktionieren. Hier hinge viel, wenn nicht fast alles, davon ab, wie hoch das Wahlergebnis am Ende ausfiele, denn sie müsste, da sind wir uns sicherlich einig, auf sich selbst gestellt agieren...

Kommentar von Unsinkable2 ,

Bis dahin wird die AfD noch einige % bekommen haben, wenn es so läuft wie bisher. Denn ich kann nicht ausschließen, ob das künftige Programm zur Bewältigung der Flüchtlingskrise mir besser gefällt, als das jetzige der AfD.

Oh, das ist wohl sicher: Die AfD WIRD auch die Bundestagswahl ordentlich erschüttern. Doch es gibt da zwei Punkte:

Punkt 1: Die AfD hat überhaupt kein "Programm", was die Flüchtlings-Thematik angeht. Ihr gesamtes "Programm" zu diesem Thema besteht aus zwei Sätzen, die sie in der NPD-Programmatik gestohlen hat.

Weder interessiert sie sich für die Ursachen der Flüchtlingsbewegungen (wo man ansetzen müsste, um zukünftige Fluchtbewegungen zu verhindern), noch interessiert sie sich für Integrationsaufgaben aktueller und zukünftiger "Wanderer". 

Punkt 2: Die AfD ist in mehrfacher Hinsicht ein Strohfeuer. Die nächsten BT-Wahlergebnisse werden die höchsten in der gesamten Geschichte der Partei sein.

Ich weiß, das halten viele heute noch für eine völlig absurde Prognose, doch die AfD schafft es trotz aller Schützenhilfe von den "etablierten Parteien" einfach nicht, zwei Dinge auf die Reihe zu bekommen. Ihr fehlt eine "starke Führungs-Elite"; stattdessen streitet und zankt man sich allzu laut und allzu vehement. Und ihr fehlt die Programmatik. Sie ist als "noch liberalere FDP" gegründet worden; und der Partei-Führung gelingt es seit der internen Partei-Revolte nicht, den ausufernden Zirkus beisammen zu halten. Im Gegenteil: Es ufert immer mehr aus und verzettelt sich immer weiter. Der letzte Parteitag war symptomatisch für die noch kommenden Probleme.

Insofern braucht man einfach nur abzuwarten: Diese Partei ist auf dem besten Wege, "die Piraten nachzumachen".

Ihr einziger Bonus ist, dass sie stark nach rechts ausschlägt. Das wird sie wohl nicht ganz so tief fallen lassen, denn "gedanken- und planlose Ressentiments gegen Fremde(s)" sind ein gutes Fundament, um auch zukünftig im Bundestag präsent zu bleiben. Doch nicht als "Regierungs-Partei", sondern bestenfalls als Mehrheitsbeschaffer für die Etablierten...

Mit anderen Worten: Die AfD hat kein Programm. Und die AfD braucht kein Programm. Denn die AfD ist letztlich nur "Stimmenfänger für die etablierten Parteien" - und damit für die "etablierte Politik". Und mehr wird sie nie werden...

Antwort
von MarkusJaja, 111

ehrlich gesagt erzeugt deine Frage selber neue Fragen. Welche Vorschläge wirken denn "weltfremd"? Warum soll bei einer linken Regierung das Land innerhalb von Tagen in Trümmern liegen?

Antwort
von Fielkeinnameein, 118

Was genau ist denn bitte so "weltfremd"? 

Ohne Beispiele wird das schwer zu erklären sein aber aktuell ist die Linke wohl die einzige Partei die eben nicht "weltfremd" ist.

Kommentar von Etent1977 ,

Zum Beispiel hat Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow vor wenigen Tagen vorgeschlagen, dass man den Aufenthalt von illegal eingereisten Menschen legalisiert und diese integriert.

http://www.mdr.de/thueringen/ramelow-illegale-100.html

Das halte ich für den vollkommen falschen Ansatz, würde das durchgesetzt, währe das ein Signal an alle Albaner und Kosovaren die im letzen Jahr versucht haben bei uns Asyl zu erhalten, dass sie nur her kommen brauchen und unter zu tauchen um hier integriert zu werden, das würde im Fiasko enden. Die genannten Länder wurden zu sicheren Herkunftsländern erklärt, da sie nach den Syrern die 2. und 3. häufigte Gruppe von Antragstellern darstellten und die Anträge zu über 99% abgelehnt wurden.

Antwort
von Hikez, 123

Natürlich sind viele Vorschläge nicht durchsetzbar, es macht aber trotzdem Sinn, die Partei zu wählen. Da sie wohl nie eine Mehrheit erringen wird, kann sie immerhin Teilinteressen einbringen. So kann man mit seiner Stimme sicherstellen, das auch "linke Aspekte" Einfluss in die Politik finden, auch wenn andere Parteien die Mehrheit bilden. Dieses Prinzip ist natürlich auf alle kleineren Parteien anwendbar.

Antwort
von voayager, 97

Wer stellt solch eine seltsame weltfremde Frage eigentlich ? Soll keine Beleidigung des Fragestellers sein.


Antwort
von YanMeitner, 164

Ich kann die Wähler schon verstehen. Die Grundideen der Linken sind meiner Meinung nach nicht schlecht oder verwerflich. Ich glaube auch nicht, dass sie unser Land in Trümmer legen würden, wohl aber, dass sie an gewisse Grenzen stoßen würden. Besonders einige Ideen aus dem sehr links augerichteten Lager sind schlichtweg utopisch. Nichtsdestotrotz sind mir viele Ziele der Partei sympathisch. Ich wähle allerdings eine andere linke Partei. Mich stört vielmehr der innerparteiliche Konflikt. Auch Gysi als herrausragender Analyst fehlt jetzt.

Falls du eine genauere Analyse zur Wählerschicht willst, kann ich das empfelen:

http://www.bpb.de/politik/grundfragen/parteien-in-deutschland/42138/wahlergebnis...

Antwort
von orben, 126

Kann man nicht erklären aber es gibt immerhin auch leute die npd afd oder trump wählen haha

Antwort
von ponyfliege, 179

ist in deutschland überhaupt noch eine partei mit gutem gewissen  wählbar?

Kommentar von Upoichis ,

Ich finde generell das System fragwürdig, mann kann sich immer nur ein Gesamtpaket aussuchen und muss sich zwischen Kompromissen entscheiden. Ich würde mir eine direktere Demokratie (Schweiz) wünschen.

Antwort
von Devrim34, 70

Kann ich nicht, ich hasse die Deppen: Dabei bin ich selbst eher links eingestellt. 

Ich will hier nicht hetzen, aber schau dir ihre Politik mal genauer an und du wirst sehen, was sie da wirklich vertreten. 

Antwort
von earnest, 72

Das ist keine Suche nach persönlichem Rat, sondern eine Suggestivfrage, mit der du deine persönliche Ansicht plakatieren möchtest. 

Das ist nicht Sinn und Zweck von GF.

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