Frage von Haksler1, 72

Wer sagte "Wendet mich ich bin durch"?

Ich glaube es war ein griechischer Philosoph. Danke für alle Antworten.

Expertenantwort
von Albrecht, Community-Experte für Philosophie, 13

Von einem griechischen Philosophen ist mir kein solcher Ausspruch bekannt.

Zugeschrieben wird eine solche Äußerung legendenhaft Laurentius, Archidiakon der christlichen Kirche von Rom. Christliche Tradition erzählt von einem Märytrertod bei Folterung auf einem durch Feuer zum Glühen gebrachten Rost unter Kaiser Valerian (zum Teil wird auch Kaiser Decius als Christenverfolger, der Laurentius foltern und töten ließ, genannt bzw. Valerian als die Folterung durchführender Praefekt bezeichnet) am 10. August. Laurentius gilt christlichen Kirchen als Heiliger (https://www.heiligenlexikon.de/BiographienL/Laurentius.htm ; http://www.bremm.info/fl\_xga.htm?/laurentius.htm).

Der Ausspruch ist eine witzige Bemerkung mit einer Art Galgenhumor, als ob der Folterer auf dem Eisenrost Laurentius als Grillbraten für sich röste und dieser auf einer Seite gar („durch“) und nun die Zeit zum Umwenden gekommen sei.

Ambrosius, De officiis ministrorum (Über die Pflichten der Diener Gottes) 1, 41, 207:

Hic Laurentium sanctum ad hoc nullus urgebat, nisi amor devotionis; tamen et ipse post triduum, cum illuso tyranno impositus super craticulam exureretur: "Assum est", inquit, "versa et manduca!" Ita animi virtute vincebat ignis naturam.

„In unserem Fall drängte nichts den heiligen Laurentius hierzu als hingebende Liebe. Auch er jedoch spottete nach drei Tagen des Tyrannen und sprach, als er auf dem Roste liegend verbrannt wurde: Der Braten ist fertig, wende ihn und iß! So besiegte er durch den Starkmut der Seele die Natur des Feuers.“

Ambrosius, Epistula (Brief) 37, 36 – 37:

Et ut nostra cum Indorum gymnosophistis conferamus, quod ille verbis gloriatus est, sanctus Laurentius factis probavit; ut vivus exureretur, et flammis superstes diceret: Versa, manduca.

„Und um das Unsere mit den Gymnosophisten der Inder zu vergleichen, hat der heilige Laurentius, wessen sich jener mit Worten rühmte, durch Taten erprobt/bewiesen; als er lebendig verbrannt wurde und in den Flammen überlebend sagte: Dreh/Wende, iß!“

Ambrosius (?), Hymnus 13, 8 (29 – 32):

fugit perustus carnifex suisque cedit ignibus: «versate me», martyr vocat, «vorate, si coctum est», iubet.

„Der entbrannte Henker floh und wich seinen Feuern ‘Wendet/Dreht mich’, ruft der Märtyrer ‘Verschlingt mich, wenn ich gekocht/gebraten bin’, befiehlt er.“

Augustinus, In natali martyris Laurentii II (sermo 303) (Predigt am Gedenktag des Märtyrers Laurentius)

Illusus persecutor flammas poposcit, sed non erat ille frigidus, ut flammas timeret: ardebat poenae furore, sed plus anima caritate. Quid pluribus? Craticula admota est et tostus est. Et cum ex uno latere arsisset, dicitur tanta tranquillitate illa tormenta tolerasse, ut impleretur in eo, quod modo in Evangelio audivimus: "In patientia vestra possidebitis animas vestras." (Luc. 21, 19) Denique flamma ustus, sed patientia tranquillus: "Iam", inquit, "coctum est; quod superest: versate me, et manducate!" Tale duxit martyrium, ista gloria coronatus est.

„Der so verspottete Verfolger forderte loderndes Feuer, aber jener war nicht aus Eis, so daß er die Flammen fürchten müßte: Er brannte zwar in der wahnwitzigen Strafe, aber mehr brannte seine Seele in barmherziger Liebe. Was weiter? Ein Rost wurde herbeigebracht, und er wurde geröstet. Und als er auf der einen Seite verbrannt war, soll er mit so großer Ruhe diese Folter ertragen haben, daß an ihm erfüllt wurde, was wir eben im Evangelium gehört haben: "Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr euer Leben gewinnen." (Luk. 21, 19). Zuletzt sagte er, schon ganz von den Flammen verbrannt, aber immer noch ruhig in seinem Dulden: "Es ist schon durchgebraten; was jetzt noch fehlt: Dreht mich um und eßt!" Von dieser Art war das Martyrium, das er erlebt hat, mit dieser Ruhmestat gewann er die Krone.“

Petrus Chrysologus, In diaconum Laurentium (sermo 135) (Predigt über den Diakon Laurentius)

Tunc oblata est torrenda et, ut verius dicam, assanda martyrio nobilis illa Laurentii craticula. Astrictus est ferro, sed ille craticulam supplicii lectum quietis putabat - supplicium dixi secundum animam punientis, non secundum conscientiam patientis. Nullum est enim supplicium damnati, ubi non est poena peccati. Itaque beatissimus martyr ostendens, quam quiete iaceret in illo ignito ferro, ait circumstantibus: "Iam me versate, et si una pars cocta est, vorate."

Miramur patientiam - donum Dei miremur. Ibi fides non solum non arsit, sed et consolabatur ardentem.

„Dann wurde jener kleine Rost gebracht, den man zum Rösten, und um es richtiger zu sagen, zum Braten nimmt und der durch das Martyrium des Laurentius berühmt geworden ist. Er wurde auf dem Eisen festgebunden, aber er betrachtete den Rost seiner Todesstrafe als ein Ruhebett - das Wort Todesstrafe habe ich benutzt im Sinne der Intention des Strafenden, nicht wie es dem Verständnis des Duldenden entsprach. Denn es gibt keine Todesstrafe für einen Verurteilten, wo sie nicht Strafe für die Sünde ist. Und als so der seligste Märtyrer zeigte, wie ruhig er auf jenem glühenden Eisen lag, sagte er zu den Umstehenden: "Dreht mich schon um, und wenn ein Teil durchgebraten ist, freßt ihn auf!"

Wir bewundern die Leidensfähigkeit, die Gabe Gottes sollen wir bewundern! Dort brannte nicht nur der Glaube nicht, sondern er tröstete sogar den Brennenden.“

Aurelius Prudentius Clemens, Periestephanon 2, Hymnus in Honorem Passionis 397 - 408:

Postquam vapor diutinus  

decoxit exustum latus,  

ultro e catasta iudicem  

compellat adfatu brevi:


Converte partem corporis  

satis crematam iugiter  

et fac periclum, quid tuus  

Vulcanus ardens egerit.“


Praefectus inverti iubet,  

tunc ille: „ Coctum est! Devora  

et experimentum cape,  

sit crudum an assum suavius!“


Nachdem die lange heiße Glut  

die eine Seite schwarz und durchgebraten hat,  

spricht plötzlich er von dem Gestell  

den Richter an mit kurzem Wort:


„Den Teil des Körpers wende um,  

der zur Genüge schon verbrannt,  

und dann probier von dem,  

was dein „Vulcan“ mit seinem Feuer angerichtet hat!“


Umdrehen läßt ihn der Präfekt,  

doch der darauf: „Es ist gekocht!  

Verschling es und probiere selbst,  

ob’s roh oder gebraten besser schmeckt!““


Jacobus de Voragin, Legenda aurea 1, 17:

Dixitque hilari vultu ad Decium: "Ecce miser, assasti unam partem, gira aliam, et manduca!" Et sic spiritum emisit. Confusus Decius abiit in palatium.

„Und zu Decius sprach er mit fröhlichem Angesicht: "Siehe, Elender, die eine Seite hast du gebraten, brate auch die andere, und iss". Und dankte Gott und sprach: "Herr, ich danke dir, dass ich zur Himmelstür darf eingehen". Mit diesen Worten gab er seinen Geist auf.“

http://www.chairete.de/Beitrag/Laurentius/laurentius\_zweisprachig.pdf (S. 17/18, S. 23/24, S. 29/30, S. 80)

http://download.burgenverein-untervaz.ch/downloads/dorfgeschichte/1273-Der%20Hei... (S. 10)

Antwort
von elagtric, 32

bissl erinnert es mich an Diogenes, der aus dem Fass.

Antwort
von piadina, 34

Das war Kotopoulo.

Kommentar von Haksler1 ,

huehuehue

Antwort
von Lightbreaker150, 29

Der Pfannkuchen

Kommentar von Haksler1 ,

huehuehue

Kommentar von Bebish05 ,

Loollll

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten