Frage von Waidlerin1, 26

Wer kennt sich mit Erbpflichtanteil aus?

Hallo, ich bekomme einen Pflichtteil von meiner Oma, weil mein Vater bereits verstorben ist. Jetzt ist meine Frage was ich tun muss, um Einsicht zu den Vermögenverhältnis zu bekommen, da meine Tante mir nichts offen legen möchte. Sie meint nur ich solle ihr Vertrauen, da angeblich meine Oma nur eine kleine Rente hatte, und nur ein etwas Geld da sei. Das Testament wurde erst letztes Jahr gemacht. Was tun? Hat jemand Erfahrung? Was würde ein beratungsgespräch beim Rechtsanwalt kosten? Muss ich das Geld annehmen, dass sie mir gibt? Meine Tante macht jetzt schon voll Stress, ohne das ich was getan habe. Ich weiß nur das, dass Grundstück bereits seit 1980 auf sie geschrieben ist, aber ich versteh nicht warum meine Oma dann ein Testament macht! Wenn nichts da sei. Ich möchte nur die Rechtslage wissen, für eure Antworten bedanke ich mich im voraus Mfg Waidlerin1

Antwort
von wfwbinder, 26

1. Das Grundstück was die Tante 1980 bekommen hat, ist nicht mehr einzubeziehen, ausser es steht im Testament ausdrücklich als vorab auf das Erbe.

2. Als Kind Deines Vaters trittst Du an seine Stelle als gesetzlicher Erbe. 

3. Wenn es ein Testament gibt, ist gültig was darin steht, aber 1/4 (1/2 von 1/2) wäre Dein Pflichtteil.

Also, wenn Du das Testament hast damit zum Anwalt. Ich vermute, dass er Dir die Rechtslage kostenlos in 15-30 Minuten  kostenlos erläutert udn nur etwas berechnet, wenn Du ihn beauftragst.

Kommentar von Waidlerin1 ,

Danke für die schnelle Antwort 

Antwort
von imager761, 23

Was würde ein beratungsgespräch beim Rechtsanwalt kosten?

Gut 170 EUR, aber das kannst du billiger haben. Denn ohne Kenntnis der gewillkürten tatsächlichen Erbfolge erklärt er dir nichts anderes als dies:

Als Kind deines Vaters als gesetzlich Erbberechtigtem am Nachlass seiner Mutter wärst du mit dessen Vorversterben gem. § 1924 (3) BGB grds. am Erbe deiner Großmutter erbberechtigt.

Das berechtigt dich, mit Abstammungsurkunde und Ausweis beim Nachlassgericht am Amtsgericht, das für den Sterbeort der Großmutter zuständig ist, deine vermutetes gesetzl. Erbrecht anzumelden und eine Kopie des Testamentes zu beanspruchen.

Und erst damit weißt du, was Sache ist und welche Ansprüche du hast :-O

aber ich versteh nicht warum meine Oma dann ein Testament macht!

Wirklich nicht? Deine Großmutter dürfte mit dem Tod ihres Kindes, deines Vaters, deine damit eingetretene Ersatzerbfolge nicht gewünscht und ein Testament zugunsten anderer verfasst haben.

Alles andere macht tatsächlich keinen Sinn, denn wenn man es bei deinem Erbrecht nach gesetzl. Erbfolge belassen wollte, musste man dies nicht ausdrücklich verfügen, es sei denn, sie wollte dich als Alleinerbin bestimmen - glaubst du das etwa, so wie sich deine Tante verhält?

Damit wärst du auf dein Pflichtteil gesetzt, den dein Vater fordern konnte.

Um diesen Anspruch zu beziffern, darf man von den Erben ein n. § 2314 BGB bewertetest Nachlassverzeichnis mit allen Vermögenswerten und Schuldenposten einforden. Von dem Reinnachlass, also dem, was nach Abzug der Schulden und Beerdigungskosten der Oma übrig wäre, bekäme man dann die Hälfte dessen in Geld, nicht an Gegemständen, was dein Vater gesetzlich von seiner Mutter geerbt haben würde.
Das übertragene Haus und alle anderen Schenkungen außerhalb von 10 Jahren vor ihrem Tod bleiben außer Ansatz.

Damit  muss man tatsächlich nehmen, was ein demnach gezahlt würde: Hätte man Zeifel an der Vollständigkleit und Richtigkeit der Angaben, kann man sich die allenfalls an Eides statt versichern lassen. Einen Anspruch auf Einblick in die Nachlassunterlagen hat man nicht.

Im Ergebnis:

  1. Fordere mit deinen Personenstandsunterlagen eine Testamentskopie an. Da kann man persönlich beim Rechtspfleger beim NLG vprsprechen oder schriftlich Kopie anfordern.
  2. Erkenne, ob du durch Erbeinsetzung anderer Pflichteilsberechtigte bist
  3. Fordere jeden der Erben auf, dir innerhalb von 4 Wochen ein bewertetes Nachlassverzeichnis zukommen zu lassen.
  4. Berechne deinenen Pflichtteil und mache den konkret geltend. Für alles hast du 3 Jahre nach Kenntnis des Todes und Erbeinsetzung anderer durch die Oma Zeit.
  5. Kommen die Erben dem nicht nach, kann man einen Anwalt mit Stufenklage auf Auskunft und Pflichteil beauftragen. Die Kosten mindern aber deinen Pflichteil.Viel Erfolg :-)G imager761
Kommentar von Waidlerin1 ,

Wo.  Danke für die schnelle Antwort 

Antwort
von sergius, 25

Ich gehe davon aus, dass die Oma Ihre Tante im Testament zur Erbin eingesetzt hat. Wenn das der Fall ist, hätten Sie als Enkelin (da Ihr Vater, der Sohn der Oma, vor Oma verstorben ist) den Pflichtteilsanspruch Ihres Vaters erworben. Wenn Ihre Tante und Ihr Vater die einzigen Abkömmlinge der Oma und damit auch ihre einzigen gesetzlichen Erben sind bzw. waren, würde sich Ihr Pflichtteil in Geld auf 1/4 des Nachlasswertes der Oma beziffern. Ich unterstelle dabei, dass Sie keine Geschwister haben; andernfalls müssten Sie den Pflichtteil mit diesen teilen.

An sich ist Ihre Tante als Erbin verpflichtet, Ihnen als Pflichtteilsberechtigter Auskunft über den Bestand des Nachlasses zu geben. Das ist im Gesetz so geregelt und Sie könnten den Auskunftsanspruch sogar vor Gericht durchsetzen.

Die vor 30 Jahren übertragene Immobilie spielt heute keine Rolle mehr, es sei die Oma hat bei der damaligen Übertragung dazu etwas bestimmt. Ohne eine derartige Bestimmung können Sie nicht etwa verlangen, den Wert des übertragenen Hauses in die Pflichtteilsberechnung mit einzubeziehen.   Ein Anwalt wird Ihnen für eine Erstberatung m.E.  50 - maximal 100 € berechnen.

Kommentar von imager761 ,

An sich ist Ihre Tante als Erbin verpflichtet, Ihnen als Pflichtteilsberechtigter Auskunft über den Bestand des Nachlasses zu geben.

Das wäre sie nur auf Verlangen des Pflichtteilsberechtigten hin.

Kommentar von sergius ,

Ich denke, dass mein Satz mit dem Wort "verpflichtet" hinreichend deutlich macht, dass der Pfl-Berechtigte die Erfüllung dieser Pflicht einfordern muss, wenn die Auskunft nicht schon vom Erben freiwillig gegeben wird. Ihre häufig wiederkehrende "Über-Pingeligkeit" ist leider ein Negativum in Ihren sonst anerkennenswert sachkundigen, aber auch manchmal ein wenig überheblichen Antworten. Nehmen Sie diese kritische Anmerkung so, wie ich sie meine: konstruktiv.  

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