Frage von Tatemimi, 105

Wer kennt kennt sich oder hatte Depressionen?

Bei meinem Sohn wurde Depression diagnostiziert. Wir sind noch ganz am Anfang. Hatte erst 1. Termin bei Psychologin. Nachst kann er nicht schlafen weil er Kopfschmerzen hat. Wenn ich mit versuche mit ihm zu unterhalten, antwortet er nir sporadisch. Meistens hört man nur NEIN,WAS WOLLT IHR. Er zieht sich zurück. Hat kaum Kontakt zu Freunden. Ich bin hilflos. Will ihm helfen, aber wie?! Kommt er da raus? Wir es ihm geholfen? Hat jemand Erfahrungen? Mein Sohn ist 19 Jahre alt

Antwort
von PortgasDLeesha, 33

Ich war auch lange depressiv und das Wichtigste daran ist zu erkennen, dass die einzige Person, die einem wirklich helfen kann, man selbst ist. Er sollte sich bewusst werden, dass er nur aus diesem Loch rauskommt, wenn er es wirklich will und wenn er es will, kann er es eigentlich auch alleine schaffen. Ich persönlich habe mich dann einfach mit Dingen abgelenkt, die mir Spaß gemacht haben und die mich fröhlich gestimmt haben. Er sollte sich etwas suchen, was ihm einfach Spaß macht und womit er sich ablenken kann. Abends war es natürlich schlimm, denn da ist man mit seinen Gedanken alleine, aber er muss wissen, dass das alles vorbeigeht. Nach jedem Tief kommt ein Hoch und das können keine Tabletten oder so bewirken, sondern nur man selbst, indem man sich dessen bewusst wird. Wichtig ist aber auch, dass er weiß, dass er geliebt wird. Auch wenn er vielleicht abweisend ist, sollten Sie immer für ihn da sein und ihm immer wieder sagen, dass er Ihnen wichtig ist, dass Sie für ihn da sind und dass er jederzeit zu Ihnen kommen kann.

Kommentar von Tatemimi ,

Ihr Kommentar hat mich sehr bewegt. Ich danke Ihnen. Wir versuchen alles! Es ist mein Kind und wir lieben ihn über alles. Und möchten natürlich das es ihm besser geht und er wieder Spaß am Leben hat.

Kommentar von PortgasDLeesha ,

Ich hoffe, dass es ihm bald wieder besser geht und wünsche Ihnen viel Glück : )

Expertenantwort
von samm1917, Community-Experte für Depression, 20

Ich habe selbst schwere Depressionen. Ein sozialer Rückzug ist eine häufige Verhaltensweise. Man hat einfach nicht die Kraft und Energie für sein soziales Umfeld. Jede Störung der Ruhe wird als enorme Einschränkung empfunden (besonders in diesem Alter). Der Teufelskreis ist: Je mehr man sich in seinem Zimmer einschliesst umso schwerer werden die Depressionen.

Schlaflosigkeit ist ein bedeutendes Nebensymptom einer Depression. Meist ist mit Enspannungsübungen etc. nicht weiterzuhelfen. Ich persönlich brauchte sedierende Antidepressiva bzw. Mirtazapin (sind keine klassischen Schlafmittel, machen also nicht abhängig) um endlich wieder einmal schlafen zu können.

Wichtig ist die Therapie. Bis eine Therapie wirkt (falls es eine richtige Psychotherapie ist und nicht einfach das Gespräch beim Arzt welcher einfach Medikamente verschreibt) vergehen meist Monate, wenn nicht Jahre. Dies braucht Geduld in einer Situation, in welcher man absolut keine Geduld hat.

Bei schwereren Depressionen können Medikamente eingesetzt werden, allen voran Medikamente der SS(N)RI-Klasse (http://deprimed.de/ssri-ssnri-sndri-nari/). Das Problem von Antidepressiva ist einfach, dass sie nicht bei allen gleich gut wirken und mit starken Nebenwirkungen verbunden sind. Wenns also ohne geht besser, wenns nicht ohne geht ist es auch kein Weltuntergang.

Mehr zu Depressionen, Statistiken, und wissenschaftlichen Kriterien hier: http://deprimed.de/depressionen/

Kommentar von Tatemimi ,

Vielen Dank für Ihre Antwort 

Er bekommt antidiprisiva was er auch  gut verträgt. Gegenüber uns (Mutter , Vater, Bruder) ist er sehr aggressiv . Sitzt nur in seinem Zimmer. Wenn ich kurz reinkomme, möchte er das ich sofort das Zimmer verlasse. Spricht gar nicht mit uns. Sitzt nur im Zimmer, kommt gar nicht raus :(

Er geht sein Job nach (Ausbildung)

Ist in Behandlung bei Psychotherapeut. Da er 19 ist, gibt der Therapeut mir keine Informationen raus. Vom meinem Sohn erfahre ich leider auch nichts. Es gibt Tage wo er 3-4 Tage nichts zum essen einnimmt. Das tut so weh! Wissen nicht wie wir ihm helfen können. Dabei möchten wir nur das es ihm gut geht! 

Ich wünsche Ihnen gute Besserung!

Kommentar von Tatemimi ,

"Je mehr man sich in seinem Zimmer einschliesst umso schwerer werden die Depressionen." 

Wie kann ich ihn da raus ziehen?

Kommentar von samm1917 ,

Agressivität kann eine Nebenwirkung von Antidepressiva sein, besonders in diesem Alter. Ansonsten fallen depressive Menschen eigentlich nicht durch Agressivität auf.

Immerhin kann er seinem Job noch nachgehen. Dies war bei mir nicht der Fall. Musste mein Studium abbrechen weil einfach nichts mehr geht. Dass er seine Ausbildung weiter führen kann ist elementar. So kommt er aus seinem Zimmer raus und hat gezwungenermassen soziale Kontakte.

Dass der Therapeut nichts rausrückt ist ebenfalls wichtig. Nur so kann sich ein Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Therapeut entwickeln, welches für eine erfolgreiche Psychotherapie elementar ist. Zudem steht ein Therapeut schon von Gesetz wegen unter Schweigepflicht. Dass er nichts sagen will ist am besten einfach zu akzeptieren. Wenn er eine persönliche Entwicklung in der Psychotherapie durchmacht wird er von alleine wieder gesprächiger.

Ja das mit dem "im Zimmer einschliessen" ist ein Teufelskreis der nicht einfach zu durchbrechen ist. Besonders in diesem Alter will man sich als Erwachsener fühlen und schon altersbedingt wenig mit den Eltern zu tun haben. Dennoch ist es wichtig, dass auf gewisse soziale Interaktion gepocht wird. Schliesslich lebt er auch in Ihrem zuhause. Gemeinsam essen ist z.B. ein Punkt, selbst wenn er nichts runterkriegt kann er am Tisch sitzen. Veränderter Appetit ist übrigens auch ein klassisches Symptom einer Depression.

Grundsätzlich würde ich mir professionelle Hilfe für Angehörige holen. Es gibt Organisationen, welche darauf spezialisiert sind. Ansonsten kann per Mail auch eine Betroffenenorganisation (z.B. Depressionshilfe) kontaktiert werden.

Wichtig ist Geduld zu haben. Man kann sehr wenig tun, damit es depressiven Menschen wieder gut geht, dass ist ja das perfide an dieser Krankheit, man ist ihr einfach ausgeliefert. Sie haben schon viel getan, wenn Sie in zur Therapie schicken und Ihm erlauben Medikamente einzunehmen. Es ist wichtig die Krankheit erst mal zu akzeptieren und sich über diese zu Informieren: http://www.depressionen-verstehen.de/angehoerige/ratschlaege_fuer_angehoerige/in...

Man kann eigendlich nur für eine Person da sein, wenn sich diese Person helfen lassen will. Dies ist in diesem Alter besonders schwierig. Wenn man auf Ablehnung stösst ja nicht persönlich nehmen. Ich bin 31 und brauchte 2 Jahre Therapie bevor ich mich meinen Eltern gegenüber wieder geöffnet habe.

Danke für die Besserungswünsche. Wünsche auch Ihnen viel Durchahaltevermögen und Kraft. Besonder Ihrem Sohn wünsche ich gute Besserung. Kann seine Situation wirklich gut verstehen!

Kommentar von Tatemimi ,

Vielen Dank, es hilft mir sehr viel Sie zu lesen! Danke

Antwort
von leawlfndr, 64

Ihm wird nur geholfen, wenn er sich auf die Therapie einlässt. Ansonsten würde das nicht sonderlich viel bringen. Meistens dauert es aber einige Zeit, bis Patienten die Therapie als nützlich ansehen & sich darauf einlassen.

Antwort
von diamond224, 17

Ja. Ich habe depressionen und sie sollten auf keinen Fall Ihn die ganze Zeit darauf ansprechen oder Ihn ausfragen etc. also zu Gesprächen zwingen.
Wenn er reden will kommt er zu Ihnen.
Das mit der Therapie ist schon mal ein guter Schritt aber ob er gesund wird hängt davon ab ob er sich darauf einlässt also überhaupt gesund werden will.
Es wird auf jeden Fall sehr lange dauern

Antwort
von TheTrueSherlock, 22

Naja bin 19 und weiblich.

Vielleicht ist es am besten zu warten bis er auf dich zu kommt. Sag ihm nochmal, dass du ihm gerne helfen und unterstützen willst. Dränge ihn allerdings nicht zu einem Gespräch.

Meine Mutter fragt mich hin und wieder wie es mit Therapie läuft und dann erzähle ich ihr das was ich sagen möchte. Mein Vater hat nie gefragt, was allerdings auch gut ist, weil er an meiner Depression nicht ganz unschuldig ist.

Falls du noch Fragen hast, dann frage ruhig :) Habe Geduld. Am wichtigsten ist, dass er schon in Behandlung ist.

LG :)

Kommentar von Tatemimi ,

Ich versuche immer mit meinem Sohn ins Gespräch zukommen. Er möchte aber lieber in ruhe gelassen werden. Unsere Schuld war das wir es nicht erkannt haben das etwas nicht stimmt. Es dauert schon seit jahren. Wir dachten er wäre in der pupertät. Und haben irgendwo was verpasst. 

Kommentar von TheTrueSherlock ,

Ja das ist schade.. zu oft ein Gespräch anfangen zu wollen kann sehr belastend für ihn werden. Im schlimmsten Fall macht er komplett dicht.

Antwort
von arcticfennec, 21

Wenn er Stimmen hört, klingt das als würde evtl. auch eine Schizophrenie vorliegen.

Den ersten richtigen Schritt haben Sie bereits getan: sich zu informieren!
Es gibt viele Bücher über Depressionen, zum Teil auch welche, die speziell für die Angehörigen eines depressiven Menschen verfasst wurden. Solche finden Sie sicher in der örtlichen Bibliothek.

Mit einem depressiven Menschen umzugehen kann sehr schwer sein. Sie werden auf jeden Fall viel Geduld brauchen.

Ihr Sohn wird hoffentlich medikamentös behandelt, sobald eine Diagnose feststeht - Antidepressiva benötigen oft zwei bis vier Wochen, bis sie richtig anschlagen, und manchmal muss man mehrere ausprobieren, bis man das richtige Mittel gefunden hat.

Lassen Sie sich auch von den behandelnden Ärzten beraten, die wissen am Besten Bescheid.

Wenn Ihr Sohn mit Ihnen sprechen möchte: hören Sie ihm zu. Lassen Sie ihn wissen, dass Sie für ihn da sind. Leider können Sie ihn aber nicht zur Genesung zwingen - er muss das selbst bewältigen, aber mit Ihrer Unterstützung und der eines Psychologen kann er es bestimmt schaffen!

Fazit: wichtig ist vor allem Geduld. Rechnen Sie bei einer schwerwiegenden Depression mit einer längeren Genesungszeit. Falls zusätzlich Schizophrenie vorliegt: diese kann meines Wissens nicht völlig kuriert werden, es gibt aber Medikamente, die die Symptome unterbinden und Ihrem Sohn ein normales Leben ermöglichen.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie viel Glück!

Kommentar von Tatemimi ,

Schizophrenie hat Psychologin ausgeschlossen. Es handelt sich um fortgeschrittene Depression. Vielen Dank für Ihre Antwort. 

Antwort
von huldave, 22

Hallo,

Du hast auch geschrieben, dass er Stimmen hört in seiner Depression. Er braucht mehr Hilfe als eine ambulante Therapie.
Gleich stationär ist oft schwer, daher wäre eine Tagesklinik für den Anfang gut.
Falls er keine Tabletten nimmt, könnte er dort medikamentös eingestellt werden.
Die sind in einer schlimmen Phase manchmal hilfreich.

Hoffentlich lässt er sich darauf ein.

Auf jeden Fall solltet ihr engen Kontakt zu einem Psychiater haben.

Alles Gute

Antwort
von Lwlwlwl, 37

Ich hatte auch mal Depressionen ich war mal bei einer klinik das hatt geholfen und eine Psychologin hatte ich auch aber sehr geholfen hatt das nicht

Kommentar von Tatemimi ,

Vielen Dank für die Antwort. So wie es scheint ist bei ihm fortgeschritten. Er hört Stimmen. Psychologin hat auch gemeint das er in eine klinik müsste. 

Waren Sie stationäre Klinik oder Tagesklinik? 

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