Frage von merrya, 86

Wer kann mir helfen (Diagnose/Sozialisierung)?

Tag auch!

Ich bin seit acht Monaten in Behandlung und habe vor zwei Wochen, sechs Nächte in der neurologischen Abteilung einer psychiatrischen Klinik verbracht. Letzte Woche wurde ich von meiner Ärztin zum Gespräch gebeten, dabei hat sie mich über meine "endgültige Diagnose" aufgeklärt.

Ich habe auch gleich um meine Unterlagen, den Befund aus der Klinik etc. gebeten, um mir eben selbst noch einmal Gedanken machen zu können und mich auf meinen stationären Aufenthalt in knapp sieben Wochen vorzubereiten. Im Befund stehen allerlei Dinge und eine erste oberflächliche Suche im Internet bietet sehr viel gestelzte Sprache. Zwar bin ich nächste Woche wieder bei meiner Ärztin, allerdings wüsste ich jetzt schon gerne, was genau ich mir unter folgenden Dingen vorstellen muss:

  • Affektive Störung nach F32.1
  • Persönlichkeitsstörung nach F60.1
  • Persönlichkeitsstörung nach F60.2

Hinzu kommt eine Ptbs wegen sexuellem Missbrauch. Was das bedeutet weiß ich auch, bei den anderen Dingen bin ich mir nicht ganz sicher, deshalb wollte ich meine Frage mal hier hochladen.

Zusätzlich hat mir meine Ärztin gesagt, dass ich "sozialisiert" werde, in der Klinik gäbe es dazu eine ganze Abteilung. Nur weiß ich nicht wozu? Das kennt man doch nur von Hunden oder Straftätern? Und kann man überhaupt mehrere Störungen gleichzeitig haben?

Habt ihr Ahnung, Erfahrungen oder könnt generell etwas dazu sagen?

(Bin 19, weiblich und komme aus Bayern)

Antwort
von Momo1965, 42

Hallo Merrya, ich glaube, Du belastest Dich da gerade mit mehr, als wirklich nötigist. Die ICD-10-Klassifizierungen zeigen immer nur eine grobe Richtung einer Erkrankung auf. Gerade bei psychischen Erkrankungen lässt sich das nie klar abgrenzenund an nur einer Begrifflichkeit festmachen, da es immer Schnittmengen vonmehreren Krankheitsbildern gibt. Daher auch diese beiden unterschiedlichen F60-er-Gruppierungen, die häufig ineinander einspielen. Die F32-er-Kategoriestellt nur eine weitere, zusätzliche Auswirkung Deiner Erkrankung dar, dem Grunde nach also „nur“ ein Symptom. Die Bezifferung dient weniger DeinerTherapie, als vielmehr der abrechnungstechnischen Abwicklung der Ärzte/Klinik mit Deiner Krankenkasse. Lass Dich also bitte nicht von diesen Zahlen verwirren.

Bezüglich der „endgültigen Diagnose“, die Dir die Klinik-Ärztin nach nur sechs Nächten Aufenthalt gestellt haben will, vermute ich nun einfach mal ein Missverständnis dahinter. In dieser kurzen Zeit ist es nicht möglich, eine abschließende Diagnose zu einerpsychischen Erkrankung zu stellen. „Endgültig“ kann somit dem Grunde nach nurdie grobe Einschätzung der dortigen Ärztin gewesen sein, mit der sie Dich nunvertrauensvoll an ihre Kollegen überweist, die Dich während Deines bevorstehendenstationären Aufenthalts betreuen werden. Die ICD-10-Klassifizierung dient also nurder Orientierung, damit die dortigen Ärzte nicht wieder komplett bei Nullanfangen müssen mit der Diagnostik.

Du wirst feststellen, dassman mit Dir in der Klinik, die Du aufsuchen wirst, nochmals ein ähnliches szenisches Interview (dabei erzählst Du weitestgehend nur frei von Dir heraus, wie sich Deine Probleme äußern) durchführen wird, wie Du es schon kennst, nur dass man dabei nun schon direktere Fragen zu Deiner vorliegenden Problematik stellen wird. Erst daraufhin wird man dort entscheiden, in welcher Form man Dich therapieren wird. Nur anhand einer Nummer lässt sich das bei Weitem nicht festlegen, da es auch immerauf den einzelnen Menschen, seine mentalen Voraussetzungen, seine Bereitschaftund seine Kommunikationsfähigkeit ankommt. Mach Dich also jetzt nicht verrückt mit diesen ICD-10-Nummern oder den jeweiligen Beschreibungen. Entscheidend für Dich ist doch nicht, wie Dein Problem kategorisiert wird, sondern dass man Dirhilft, es zu beheben. ;-)

Unter Sozialisieren versteht man übrigens weit mehr, als nur die Eingliederung eines straffällig Gewordenen in die Gesellschaft. In Deinem Fall wird es – so vermute ich nunaufgrund Deiner Diagnose – darum gehen, Dich wieder zu einem offenen undangstfreien Zugang zu anderen Menschen heranführen zu wollen. Wahrscheinlich hast Du Dich aufgrund Deiner Krankheit sehr von Deinem Umfeld distanziert und isoliert –wenn vielleicht auch nicht im Kontakt zu ihnen, aber sicherlich emotionalbetrachtet. Sozialisieren bedeutet also in diesem Zusammenhang, Dir dazu zuverhelfen, Dich wieder unbefangen und vertrauensvoll auf Menschen einlassen zu können.

Ich wünsche Dir viel Erfolg bei Deiner Therapie und bin sehr beeindruckt, dass Du bei Deiner Problematik so reflektiert damit umgehst! Damit hast Du die allerbesten Voraussetzungen, Dich von dieser Belastung irgendwann lösen zu können. Toi toi toi! ;-)

Kommentar von Momo1965 ,

Sorry, dass da so viele Wörter fälschlicher Weise direkt aneinander stehen. Da ist wohl beim Kopieren meines Textes ein kleines Malheur passiert. :-)

Antwort
von kleinefrechemau, 33

Schau im ICD-10 nach untern den Buchstabennummern, da findest du die genaue Definition. Kannst du auch einfach über Google suchen, indem du ICD-10 und z.B. F32.1 eingibst.

Menschen mit Persönlichkeitsstörung können kein Mitgefühl für andere empfinden, keine Reue und lernen auch nicht aus ihren Fehlern. In diesem Sinne sind das schon Menschen, die man wie die Pest meiden sollte, weil die manchmal ziemlich krasse Sachen mit Freunden, Bekannten und auch der Familie abziehen. Freu dich, dass man dir helfen will und nutze deine Chance!

Kommentar von Momo1965 ,

Deine Aussage im zweiten Absatz ist nicht nur in unangemessener Weise verallgemeinernd, sie ist zudem sachlich schlichtweg falsch.... ganz abgesehen davon, dass sie sehr taktlos formuliert ist, selbst WENN sie zutreffend WÄRE.

Kommentar von Rennpferd100 ,

kleinefrechemau  deine Aussage ist nicht nur extrem respektlos sondern auch noch komplett falsch.

Wenn man keine Ahnung von etwas hat, dann ist man besser leise, erst denken dann reden würde ich dir ganz dringend empfehlen.

Außerdem klingt der letzte Absatz eher als würdest du versuchen über deine eigene Unfähigkeit hinweg zukommen, in dem du schwächere beleidigst  und falsch behandelst.

Kommentar von kleinefrechemau ,

Ich war drei Jahre lang mit einem Mann mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung zusammen, hatte eine Nachbarin mit Borderline-Störung und ich möchte mit sowas nie wieder etwas zu tun haben, weil diese Menschen tatsächlich kein Mitgefühl empfinden können und niemals etwas bereuen. Ich habe meinbe Erfahrungen mit solchen Menschen gemacht, und ihr? Lest mal "Die Masken der Niedertracht" oder informiert euch anderswo. Man kann ja alles schönreden, aber das Leben ist kein Ponyhof und nicht alle Menschen sind in ihrem tiefsten Herzen liebe und freundliche Menschen.

Du Rennpferd dagegen beleidigst mich direkt, obwohl ich nur meine ehrliche Meinung gesagt habe und im Übrigen der Fragestellerin geraten habe, ihre Chance zu nutzen. Denn wenn man sich etwas vormacht, kann man solche Störungen niemals überwinden, deshalb bin ich lieber ehrlich. Menschen, die man nicht kennt, einfach so als unfähig und schwach zu bezeichnen, wie du es machst, ist einfach nur bösartig, dein Vorredner hat sich zumindest anständig artikuliert und das respektiere ich auch, aber du Rennpferd100 bist einfach nur gemein.

Kommentar von Momo1965 ,

kleinefrechemau, ich gebe Dir völlig Recht, dass der Umgang mit Menschen, die unter einer (derartigen) Persönlichkeitsstörung leiden, alles andere, als einfach ist. Es tut mir auch ausgesprochen leid, dass Du diese unschönen Erfahrungen gemacht hast. Nur ist es dennoch so, dass man die Verhaltens- und Reaktionsmuster dieser Menschen nicht pauschalisiert darstellen kann, eben weil psychische Erkrankungen immer ganz unterschiedliche Facetten haben und oftmals gar nicht eindeutig zu kategorisieren sind. So viele Menschen, wie es gibt, so viele unterschiedliche Ausprägungen von Persönlichkeitsstörungen gibt es auch.

Du sprichst davon, dass sie kein Mitgefühl empfinden können. Diese Fälle gibt es. Keine Frage. Besonders charakteristisch ist aber, dass der Großteil der Menschen mit Persönlichkeitsstörungen vorwiegend "nur" Probleme damit hat, die durchaus empfundenen eigenen Gefühle - aber auch Mitgefühl - zu zeigen und zu kommunizieren. Sie empfinden oftmals sogar weitaus intensiver, als gesunde Menschen, nur wird dies häufig verkannt, weil ihr augenscheinliches Verhalten (das nur ihrem Selbstschutz dient) eine andere Sprache spricht und es das wahre Empfinden nach außen hin überlagert/kaschiert.

Eine sehr häufig auftretende Begleiterscheinung sind depressive Episoden; die entstehen aber in aller erster Linie deshalb, WEIL sie ihre durchaus empfundenen Gefühle nicht nach außen transportieren können.

Antwort
von Rennpferd100, 36

Das sind Fragen, die dir hier keiner richtig beantworten kann, da wir dich nicht kennen. Rufe lieber noch mal beim Arzt an, nur der kann dir das genau und auch auf dich bezogen erklären.

Gute Besserung !

Kommentar von merrya ,

Verstößt das gegen die Richtlinien von GF und wenn ja, soll ich die Frage dann löschen oder macht das jemand vom Support?

(Eigentlich wollte ich ja eben nicht meine Ärztin anrufen, weil ich das noch vor dem nächsten Gespräch mit ihr wissen möchte, um nicht völlig planlos in die Sitzung zu gehen, aber danke)

Kommentar von Momo1965 ,

Nein, Merrya, Deine Frage verstößt keinesfalls gegen die Richtlinien. Rennpferd wollte damit sicherlich nur ausdrücken, dass es - ohne Dich und die genauen Hintergründe zu kennen - schwer ist, sich zu (D)einer Diagnose konkret zu äußern.

Es ist übrigens völlig normal, wenn bei Dir nun ein gewisser Aufklärungsbedarf besteht und nun viele Fragen aufgetreten sind, auf die Du Antworten haben möchtest. Deine Ärztin weiß das! Es wird somit überhaupt kein Problem sein, wenn Du mit diesen ganzen Fragen - wie Du es nennst "planlos" - in die nächste Sitzung gehen wirst. ;-)  

Antwort
von user8787, 53

Natürlich kann man mehrere Befunde gleichzeitig haben. 

Deiner Ärztin simme ich bezüglich eines stat. Aufenthalts im vollen Umfang zu. 

Dort werden dir, persönlich und im Rahmen einer Psychotherapie, die Diagnosen umfassend erklärt. 

Das ist Sache von Fachleuten denen du persönlich gegenüber sitzt. 

Ich gehe davon aus, das du von dir auch bereits gegoogelt hast. Da hast du erfahren, das es sich um sehr individuelle Störungsbilder handelt die anonym nicht pauschalisiert werden dürfen. Jede einzelne Diagnose ist ein Überbegriff, wie ausgeprägt sich das bei dir äußert kann nur ein Fachmann beurteilen der dich persönlich gut kennt.

Dazu ist ein klink. Aufenthalt nötig und auch sinnvoll.

Alles Gute dir. 

Kommentar von merrya ,

Das stimmt, ich habe schon oberflächlich gegooglet. Deshalb war ich auch etwas verwirrt, weil das recht unterschiedliche Dinge zu sein scheinen und ich mir nichts richtiges darunter vorstellen kann.

Es ist nur so, dass ich derzeit zu Hause hocke und mich deshalb gerne damit beschäftigt hätte, damit ich nicht vollkommen planlos bin, aber auch dir vielen Dank für deine Antwort.

Kommentar von user8787 ,

Wie ich schon sagte, diese Diagnosen sind nur Überbegriffe. Entscheident is die Tiefe deines Problems und die gehört def. in die Hände von realen Fachleuten.

Eine PTBS z.B. hat unzählige Ursachen und enorm viele Facetten. Hier zu spekulieren kann böse Spuren hinterlassen. 

Mit den Erfahrungen meinet PTBS könnte ich theoretisch bei dir Schaden anrichten, weil deine Störung einen völlig anderen Ursprung hat. 

Lasse bitte da nur Fachleute ran, unsere Psyche ist sensibel...schlechte Erfahrungen werden für immer abgespeichert und sind nur sehr aufwendig zu bearbeiten. Das macht auch eine PTBS aus. 

Passe auf dich auf. :o) 

Antwort
von voayager, 8

Sozialisiert werden weniger Hunde, dann schon eher Straffällige, allerdings nicht nur die, auch psychisch Kranke sind zuweilen ein Fall für eine Sozialisierung.

Die Erklärung zu den jeweiligen Krankheitsschlüsseln findest du auch hier im Internet, einfach mal die genannten Begriffe bei Google eingeben.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community