Frage von GedankenGruetze, 109

Wer kann mir Fragen zum Thema U-Boote beantworten?

Hallöchen. Ich habe da eine ganze Reihe von Fragen und vielleicht kann mir jemand zumindest einige beantworten.

  1. Wie wichtig sind U-Boote eigentlich heute noch bei Seeschlachten? Zu Zeiten des WW2 galten U-Boote bei Kriegsbeginn ja als absoluter Schrecken, bevor diese immer mehr an Dominanz verloren haben. Aber wie sieht die Situation heute aus? Haben U-Boote wieder an Dominanz gewonnen oder auf Grund moderner Technik weiter verloren?

  2. Wie wichtig ist/war eigentlich (sowohl im Verlauf des zweiten Weltkriegs (Beginn/Ende als auch heute) die Tauchtiefe eines U-Boots?

  3. Wie sah die Chance eines U-Boots im zweiten Weltkrieg gegen Flugzeuge oder Zerstörer aus? Man sieht auf U-Booten ja immer Geschütze, aber zumindest in Filmen wie "Das Boot" tauchen U-Boote lieber beim Entdecken eines Flugeuges.

  4. Hatte es einen Grund, wieso die Deutschen nicht in der Lage waren ihre Dominanz der U-Boote wieder zurückzugewinnen? Also beispw. durch neue Strategien wie das man selber beginnt mit Flugzeugen jagd auf Bomber zu machen oder mit Zerstörern in Verbänden unterwegs war etc.

Ich glaube das wars fürs erste. Danke :)

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Eisfuchs0, 61

Zu 1. U-Boote sind heute äusserst wichtig bei Seeschlachten.

Warum ?

- Kostenfaktor: Ein kostengünstiges Dieselelektrisches U-Boot kann Kriegsschiffe versenken, die viel teurer sind. Ein grosser Zerstörer, ein Kreuzer oder sogar ein Flugzeugträger ist um ein vielfaches teurer als ein Standardunterseeboot. Zum Beispiel werden die U-boote der Kiloklasse und der verbesserten Kiloklasse recht günstig an interessierte länder verkauft. Gut gewartet und mit einer guten Besatzung sind sie durchaus ernst zu nehmende Kriegsschiffe.

- Zahlen: Es gibt sehr viele U-boote in den Marinen der Welt. Auch kleinere Marinen haben oft mehrere U-boote.

- Marschflugkörper/Raketenbewaffnung Früher waren U-boote mit Torpedos, Geschütz  und Flak bewaffnet. Heute haben viele U-Boote durch Marschflugkörper und Luftabwehrraketen eine viel höhere Kampfkraft. Einige haben sogar strategische Raketen an Bord.

- Atomuboote und U-boote mit Brennstoffzellenantrieb.

Beide Typen können sehr lang unter Wasser bleiben und dabei mit hoher Geschwindigkeit fahren. Das ist ein grosser taktischer Vorteil für Überraschungsangriffe.

-   Im Konfliktfall werden sich wahrscheinlich viele Kämpfe um die Handelsschifffahrt entwickeln. Um Handelsschiffe anzugreifen sind U-boote bestens geeignet. Auch um Versorgungskonvois und Invasionsflotten anzugreifen.

"Haben U-Boote wieder an Dominanz gewonnen oder auf Grund moderner Technik weiter verloren?"

Eher gewonnen. Ein U-Boot der Klasse 212 und folgende ist mit einer guten Besatzung ein höchst gefährlicher Gegner. Es kann sogar mit guten Aussichten auf Erfolg eine Flugzeugträgerkampfgruppe angreifen.

Zu 2. Die Tauchtiefe ist sehr wichtig gewesen. So hatten die früheren britischen Typen das Problem, dass die Tauchtiefe zu gering war und sie deshalb relativ leicht durch Wasserbomben zerstört werden konnten. Besonders am Anfang des Krieges konnten U-Boote des Typs VII unter den Wasserbomben durchtauchen, wenn sie schnell genug abtauchen konnten. Später wurde die britischen Wasserbomben dann tiefer eingestellt. Die späteren U-Boote der Klasse XXI konnten dann auch darunter wegtauchen, da sie noch tiefer tauchen konnten

Zu 3. Die Chancen des U-Boots gegen Flugzeuge sah sehr schlecht aus, die Chancen gegen Zerstörer normalerweise schlecht.

Gegen Flugzeuge war das Alarmtauchen normalerweise die beste Abwehr. Nur wenn die Zeit nicht reichte oder nicht genug Wassertiefe unter dem Kiel lag, setzte man die Flak ein. Das war aber nur eine Notlösung.

Gegen einen Zerstörer der das U-Boot geortet hatte waren die Chance den Zerstörer abzuschiessen ebenfalls sehr schlecht. Auch da war Alarmtauchen normalerweise die sinnvollste Reaktion. Das Bordgeschütz war für den Kampf gegen Zerstörer nicht sehr effektiv, ein Artillerieduell selbst mit einer kleinen Korvette war viel zu gefährlich, weil das U-Boot weniger Feuerkraft hatte und viel verletzlicher war (Tauchkörper usw.) Das Bordgeschütz wurde normalerweise nur gegen Handels- und Versorgungsschiffe eingesetzt, die nicht mit Geschützen bewaffnet waren oder um ein beschädigtes und aufgebenes Schiff zu versenken. Eine gewisse Zeit hatten die U-Boote mit dem Torpedo Zaunkönig I eine effektive Waffe gegen Zerstörer, bis die Geleitschiffe Schleppbojen mit Geräuscherzeugern einsetzten.

Ein U-Boot hatte eine realistische Chance einen Zerstörer mit einem normalen Torpedo zu zerstören, wenn der Zerstörer zufällig im richtigen Winkel, der richtigen Geschwindigkeit und der richtigen Entfernung an dem U-Boot vorbeikam. Das kam allerdings nicht sehr oft vor und war eine recht gefährliche Angelegenheit für das U-Boot.

Zu 4.

Zahlenmässige Überlegenheit Schon 1939 war die britische Marine der deutschen stark zahlenmässig überlegen. Dieses Verhältnis verbesserte sich kontinuierlich zugunsten der Alliierten, insbesondere nach dem Eintritt der USA in den 2. Weltkrieg.

Bessere Schiffe, Flugzeuge, Ortungsmethoden, Taktiken und Strategien der Alliierten. Insbesondere die ausgebaute Luftdeckung, die neuen Radargeräte, die Entschlüsselung der Enigmavarianten der deutschen Marine  und die offensiven Hunter-Killer-Groups waren schwer auszugleichen.

"wie das man selber beginnt mit Flugzeugen jagd auf Bomber zu machen"

Dazu fehlte es an Langstreckenjägern und Langstreckenmarinebombern. Auch hatten die Alliierten normalerweise die Luftüberlegenheit, einzelne Jäger und Bomber kamen oft nicht weit.

Was vermutlich eine grosse Auswirkung auf den Verlauf der Schlachten im Atlantik gehabt hätte wäre der massenhaft Einsatz von U-Booten des Typs XXI. Sie waren in der Lage langsameren Eskorten unter Wasser wegzufahren und viel länger unter Wasser zu fahren. Ihre maximale Tauchtiefe reichte aus, um auch unter den neuesten Wasserbomben durchzutauchen. Auch konnten sie in Tiefen bis zu 100 Metern Torpedos abfeuern und dadurch auch Kriegsschiffe, Hunter-Killer-groups  und stark gesicherte Handelsschiffkonvois effektiv bekämpfen. Allerdings wurden die U-Boote des Typs XXI zu spät und in zu geringer Zahl einsatzbereit, um noch stärkeren Einfluss auf die Seegefechte zu haben.

Kommentar von GedankenGruetze ,

Sehr sehr geil. Vielen Dank! :)

Kommentar von Eisfuchs0 ,

Gerne :)

Antwort
von Hamburger02, 36

"Wie wichtig sind U-Boote eigentlich heute noch bei Seeschlachten?"

Seeschlachten wie früher gibt es nicht mehr, weil die Reichweite der Waffen inzwischen viel zu groß geworden ist. 

"Haben U-Boote wieder an Dominanz gewonnen?"

Im Prinzip gilt heute wieder der alte Spruch "Uboote sind die Schlachtschiffe des kleinen Mannes."  Uboote haben erhebliche Dominanz zurückgewonnen und sind unverzichtbar. Das liegt daran, dass sie sich durch moderne Technik der Aufklärung entzogen haben. Schon die Boote der Klasse 206 waren kaum aufzuspüren und die Klasse 212 ist praktisch gar nicht zu entdecken. Darin liegt auch die Stärke und bedingt die Haupteinsatzbereiche:
1. Aufklärung
Die wichtigste Aufgabe von modernen Ubooten ist die Aufklärung. Sie können unentdeckt große Seegebiete überwachen und ausspionieren, ohne dass der Gegner etwas davon bemerkt oder dagegen tun kann. Wir sind z.B. bei Spionagefahrten in den 1980er Jahren 200 m hinter dem modernsten russischen Raketenkreuzer hergefahren, ohne dass die das gemerkt hätten. Dabei wurde der Kreuzer akustisch komplett vermessen, sodass er später auch auf große Entfernungen eindeutig identifiziert werden konnte. Jedes Schiff macht andere Geräusche.
2. Allgemeine Bedrohung
Wenn der Gegner befürchten muss, dass sich in einem Seegebiet Uboote aufhalten, schränkt das die Handlungsmöglichkeiten enorm ein...ob das Boot nun da ist oder nicht. Speziell Flugzeugträger können nicht mehr frei operieren. So hat z.B. ein 206-Boot im letzten Jahrhundert sowohl den englischen Flugzeugträger Ark Royal als auch einen amerikanischen Flugzeugträger in einem Manöver versenkt. Der amerikanische Admiral, der den US-Verband leitete, wurde daraufhin abgesetzt.

"Wie wichtig ist/war eigentlich (sowohl im Verlauf des zweiten Weltkriegs (Beginn/Ende als auch heute) die Tauchtiefe eines U-Boots?"

Die ist nach wie vor wichtig. Je größer der Tauchbereich ist, umso schwieriger ist es, die Wasserbomben auf die richtige Tiefe einzustellen. Durch den Wasserwiderstand sinken Wabos nur mit einem bestimmten Tempo. Je tiefer man ist, umso mehr Zeit hat man daher, abzuhauen, wenn der Sonarmeister den Abwurf der Bomben hört. Außerdem hat man mehr Möglichkeiten sich unter Wasserschichten zu verstecken, die es auch in größeren Tiefen gibt.

"Wie sah die Chance eines U-Boots im zweiten Weltkrieg gegen Flugzeuge oder Zerstörer aus?"

Ganz schlecht. Die hatten weder eine Möglichkeit, die Annäherung rechtzeitig zu merken (mangels Radar) noch hatten sie eine reelle Chance, die zu bekämpfen. Und unter Wasser waren sie völlig hilflos. Das Geschütz resultierte noch aus der Zeit, als über Wasser angegriffen wurde, war aber später völlig überflüssig.
Das ist heute ganz anders. Gegen Flugzeuge ist man nach wie vor machtlos, aber die stellen auch keine große Bedrohung mehr dar, da moderne Uboote nur getaucht fahren und ein sich mit Radar näherndes Flugzeug rechtzeitig orten können. Zerstörer sehen dagegen alt aus. Die Horchgeräte sind heute so empfindlich und präzise, dass man mit entsprechenden Verfahren den Gegner exakt orten kann (Peilung, Entfernung, Kurs und Fahrt) und mit den drahtgelenkten Torpedos auch treffen kann. Bei einem Kampf Zerstörer gegen Uboot ist das Uboot heute überlegen. Im WK II war es das nicht.

"in Filmen wie "Das Boot"

Nur nebenbei. Mein Vater (von 1943 bis 1945 auf einem Uboot) meinte, der Film sei bis auf einige Ausnahmen sehr realitätsnah.

"Hatte es einen Grund, wieso die Deutschen nicht in der Lage waren ihre Dominanz der U-Boote wieder zurückzugewinnen?"

Das hatte mehrere Gründe.
- Unterschätzung der gegnerischen Technologie (Enigma, Radar, Asdic, Funkpeilung)
- zu spätes Einführen der Boote Typ XXI
- Anfangs des Krieges zu wenig Uboote, da Hitler zunächst auf Schlachtschiffe gesetzt hatte und Uboote nicht ernst nahm.

"Also beispw. durch neue Strategien wie das man selber beginnt mit Flugzeugen jagd auf Bomber zu machen oder mit Zerstörern in Verbänden unterwegs war etc."

Wie das genau ablief habe ich an einem konkreten Beispiel, dem Boot meines Vaters recherchiert. Dazu dienten die Erzählungen meines Vaters, das Logbuch des Bootes sowie ein intensiver Austausch mit einem Besatzungsmitglied des US Flugzeugträgers Guadalcanal.

Die Geschichte:
Im Sommer 1944 sollte das Uboot Typ IX C vor der afrikanischen Küste patroullieren. Das wussten die Amis durch ihre Geheimdienste und schickten eine Hunter-Killer-Group mit USS Guadalcanal und 4 Zerstörern in das Seegebiet. Dort orteten sie das Boot aus großer Entfernung mittels Funkpeilung und gingen auf die Jagd. Dabei spürten sie angeblich das Boot mittels ASDIC auf und bekämpften es über einen Tag lang. Das war aber nicht das Boot, die waren etwa 30 Meilen entfernt, hörten die Wabos  und dachten "Da kriegt aber einer orddentlich saures". Außer dem Boot war aber kein anderes im Seegebiet und so gibt es das Rätsel, was die Amis bekämpft haben. Verdacht: die haben einen Wal gejagt.  Jedenfalls gelang dann plötzlich ein Zerstörer der Gruppe in den Feuerbereich des Bootes und wurde mit einem akustischen Torpedo (Zaunkönig) bekämpft. Kurze Zeit später gab es auf dem Boot einen heftigen Treffer. Verdacht: der Zaunkönig wurde zum Kreisläufer und hat das eigene Boot getroffen. Der Treffer war so schwer, dass sie bis auf 290 m absackten, bevor der LI das Boot doch noch abfangen und nach oben bringen konnte.
USS Guadalcanal fuhr jedenfalls wieder nach Hause, weil sie den Sonarkontakt verloren hatten und der Überzeugung waren, das Boot versenkt zu haben. Das Boot war aber nicht versenkt sondern durch den Eigentreffer schwer beschädigt. Und dann war der Kommandant sehr schlau: der hat sich weit in den Atlantik fernab jeder Schiffahrtsroute abgesetzt und jeglichen Funkverkehr eingestellt. Da lagen sie etwa 10 Tage, um mit Bordmitteln mitten auf dem Atlantik das Boot aufgetaucht soweit zu reparieren, dass es wieder fahr- und tauchtauglich war. Als sie danach den ersten Funkspruch mit der Schadensmeldung absetzten, war der US-Verband schon wieder zu Hause und konnte nichts mehr machen. Inzwischen waren jedoch die Atlantikhäfen nach der Invasion besetzt, sodass das Boot Schottland umkreisen musste, um nach Kiel zu gelangen. So wurden aus geplanten 6 Wochen eine Fahrt von 4,5 Monaten.

Antwort
von GrobGeschaetzt, 44

zu 3): Schlecht. Selbst als man einige Uboote als Flakfallen mit verstärkter Flakbewaffnung umgebaut hat, war des Ergebnis miserabel: https://de.wikipedia.org/wiki/Flakfalle

von Deckgeschützen ist man im Laufe des Kriegs auch abgekommen: https://de.wikipedia.org/wiki/Deckgesch%C3%BCtz

zu 4): da man durch die Enigma-Entschlüsselung wusste, wo die Boote ungefähr waren und durch Asdic (=Sonar) sie dann auch aufspüren konnte, waren die Chance für Uboote auch unter Wasser ziemlich schlecht.

Antwort
von Militaerarchiv, 22

Die Frage ist von Eisfuchs0 ja schon prima beantwortet, daher hier nur mal ein Buchvorschlag zu dem seltenen Thema "Deutsche U-Bootfallen", vielleicht ist das ja was für dich: http://www.verlag-scherzer.de/product_info.php?products_id=60

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