Frage von Lars900, 207

Wer kann diese Handschrift lesen?

Hallo,

habe ein altes Dokument bekommen, wo ich die Handschrift leider nicht lesen kann und ich im Internet auch keine richtig vergleichbare Schrift finden kann um es auf die heutige Schrift zu "übersetzen". Kann das wer lesen und mir schreiben was dort genau geschrieben steht? Mir ist dabei wichtig, dass dort nicht sinngemäß geschrieben wird sondern Wort für Wort. Danke an jede Hilfe :-] Ein Dokumentfoto habe ich hochgeladen und findet ihr hier:

http://i.imgur.com/4xh1JWn.jpg

Also Falls es wer direkt nochmal lesbar nachschreiben kann wäre das super klasse. Aber bitte nur wenn ihr euch absolut sicher seid, was dort steht :-)

Antwort
von Hasenmann81, 87

Geht es Dir darum zu erfahren, was für ein Dokument das ist oder was dort genau steht?

Das Dokument an sich ist eine Geburtsurkunde. Darin steht, dass ein "Knabe" namens Johannes am 18. Mai 1911 nachmittags um vier Uhr geboren wurde. Ausgestellt wurde die Urkunde am 19.Mai 1911.

Der Name der anzeigenden Person ist Elisabeth Bornkamp.

Den Vordruck kann ich Dir komplett übersetzen, allerdings ist die Handschrift des Urkundsbeamten wirklich schwer zu entziffern.

Kommentar von Lars900 ,

Mir geht es darum alles lesen zu können, was ich nicht schaffe, da ich die Handschrift nicht lesen kann.

Antwort
von MatthiasHerz, 99

Die Handschrift ist in deutsch geschrieben, nicht mit lateinischen Buchstaben, laut Datum oben rechts am 9. Mai 1911, und es ist wohl ein Stammbucheintrag.

Suche nach „Sütterlin” als Schrift. Allerdings verwendet der Verfasser teilweise das lateinische e, statt des deutschen.

Kommentar von MatthiasHerz ,

Ich kann das lesen, aber es dauert etwas. Bin schon eine Weile raus.

Kommentar von Lars900 ,

Magst du es für mich lesbar schreiben? :)

Kommentar von MatthiasHerz ,

Höfensleben, am 19. Mai 1911

Vor dem unterzeichneten Standesbeamten erschien heute, der Persönlichkeit nach bekannt die Hebamme Elisabeth Bornkamp wohnhaft in Höfensleben und zeigte an, daß von der Wilhelmina Targacz geborenen Redwanz Ehefrau des Arbeiters Peter Targacz beide evangelischer Religion, wohnhaft in Höfensleben Ohrsleberstraße 4 zu Höfensleben in der Targacz’schen Wohnung am achtzehnten Mai des Jahres tausend neunhundert und elf Nachmittags um vier Uhr ein Knabe geboren worden sei und daß das Kind den Vornamen Johannes erhalten habe. Die Hebamme Bornkamp erklärte, daß sie bei der Niederkunft der Frau Targacz zugegen gewesen sei. Vorstehend ein Druckwort (?) geschrieben
Vorgelesen, genehmigt und unterschrieben Elisabeth Bornkamp
Der Standesbeamte. In Vertretung Fincke

Das mit dem "Druckwort" ist nicht sicher (:

Kommentar von Hasenmann81 ,

Sicher, dass es nicht Hötensleben ist? Den Ort gibt es zumindest ;)

Auf jeden Fall schon einmal eine super "Übersetzung". 

Ich liebe diese Schriften, vor allem weil mein Opa auch so geschrieben hat :)

Kommentar von MatthiasHerz ,

Danke.

Nach der Betrachtung der eigentlich recht ordentlichen Handschrift hast wohl Recht.

Es heißt Hötensleben, da sonst der Buchstabe tiefer gezogen sein müsste, wie bei "Ehefrau" im zweiten Block.

Kommentar von frodobeutlin100 ,

könnte der Zusatz nicht heißen:

Vorstehend ein Druckwort gestrichen

?

Kommentar von MatthiasHerz ,

Ja, natürlich!

In einem amtlichen Dokument muss(te) das vermerkt werden, in diesem Fall "Religion" im oberen Drittel.

Da habe ich wohl etwas zu schnell drübergelesen.

Danke (:

Kommentar von bergquelle72 ,

Super !   das ist es: "Vorstehend ein Druckwort gestrichen"  Danke!

jetzt wo man es weiß, sieht es auch gar nicht mehr nach "geschrieben" aus.

Kommentar von bergquelle72 ,

Hallo Matthias,

das mit dem "e" hat mich auch gewundert, aber jetzt bin ich drauf gekommen: Alle Ortsbezeichnungen "Hötensleben, Ohrsleberstraße" sind in lateinischer Schreibschrift geschrieben, allerdings mit ein wenig Sütterlin-Schnörkel. Man merkt es bei Hötensleben nicht gleich, nur das H ist nicht richtig Sütterlin. Bei der Straße wird es mit dem s und dem r und dem h klar. Das hatte mir auch Kopfzerbrechen bereitet, denn diese Buchstaben konnte ich lesen aber sie waren nicht korrekt Sütterlin.

Kommentar von MatthiasHerz ,

Ist mir gar nicht aufgefallen 😳

wahrscheinlich, weil es so einfach zu lesen war.

Kommentar von bergquelle72 ,

Nein, weil Ortsangaben damals schon offiziell in Druckschrift und damit in Latein geschrieben wurden. Z.B. bei Orts- oder Straßenschildern, deshalb ist auch hier zu Latein gewechselt.

Sütterlin ist eine reine Schreibschrift. Übrigens: was wir hier entziffert haben ist Kurrentschrift. Sütterlin wurde erst 1920 eingeführt und ist eine Vereinfachung von Kurrent durch Herrn Sütterlin. Kann man alles in Wikipedia nachlesen.

Kommentar von MatthiasHerz ,

Hab ich. Danke.

Nach erneutem Lesen könnte die Mutter auch Wilhelmine geheißen haben. Es ist nicht eindeutig, ob das ein e oder ein a am Ende ist. Wahrscheinlicher ist ein e, wegen der "Vergleichsbuchstaben".

An den Fragesteller:

Für die Eindeutigkeit von Namen sollte man daher immer mehrere Dokumente nachlesen, soweit möglich, oder das Vorhandene einem anerkannten Chronisten vorlegen, den es meist bei den regionalen Ortsgerichten oder Verwaltungen gibt oder zumindest wissen die Mitarbeiter dort, wer dafür infrage kommt.

Antwort
von Schlauerfuchs, 81

Das ist eine Geburtsurkunde aus dem Jahr 1911 ,wo Namen der Person und wo und wann dies geboren wurde ,sowie Religionszugehörigkeit der Eltern angibt.

Die Schrift ist Altdeutsche  Schrift ,wo das Kaiserreich und die Weimarer Republik verwendete. 

Erst 1941 stellten die Nazis auf Lateinische Buchstaben welche wir auch heute verwenden um .

Kommentar von MatthiasHerz ,

Wie in dem Dokument sehen kannst, war die "Lateinische Schrift" auch schon vor 1941 bekannt.

Die Adressangaben und das Datum sind damit verfasst.

Kommentar von Schlauerfuchs ,

Ja bekannt schon ,aber auf koplett Latein umgestellt vom Gesetz her erst 1941 .

Antwort
von soissesPDF, 14

Die Handschrift ist Sütterlin.
Ursprünglich preußisch, wurde nach dem 2.Weltkrieg abgeschafft.

Kommentar von mulan ,

Dir Schrift ist nicht die von Sütterlin. Es ist für deutsche Kurrentschrift oder auch Kurrente genannt.

Antwort
von m43hBL, 90

Es ist für mich auch schwer zu entziffern, aber ich kann dir soviel dazu sagen, dass 1911 am 18. Mai mittags um vier Uhr ein Knabe in Hötensleben geboren ist, mit dem Namen Johannes. 

Kommentar von Lars900 ,

Soweit bin ich in etwa auch schon :-/ Die großen Blöcke bekomme ich leider kaum hin

Kommentar von m43hBL ,

In den Blöcken zwischendrin stehen viele Namen, dass das Kind evangelisch ist und wenn ich es richtig erkenne in der "Targacz'schen Residenz" oder etwas in der Art geboren ist. Die Eltern haben ja ebenfalls diesen Namen.

Kommentar von Hasenmann81 ,

Die Religion bezieht sich auf die Eheleute Targacz oder Targanz.

Antwort
von Marco350, 7

Sorry aber mehr als ein paar Worte sind nicht drin. Nicht einfach jemand zu finden der noch deutsch lesen kann.

Antwort
von wolfgang11, 34

Das ist Sütterlinschrift. Google mal. Diese Schrift war noch bis in den 30ger Jahren im letzten Jahrhundert üblich. Auch in den Schulen.  

Kommentar von MatthiasHerz ,

Das war noch bis in die 1950er Jahre üblich. Meine Mutter hat noch in der Grundschule so geschrieben.

Vielleicht war das aber regional unterschiedlich. Wir leben hier "auf dem Dorf" (;

Kommentar von wolfgang11 ,

Ich wurde 1931 eingeschult. Als erstes habe ich auf die Tafel geschrieben: Strich rauf, runter rauf, Pünktchen oben drauf. Das war das Sütterlin i. Die Erstklässler hießen allgemein i Männchen.

Ab der 4. Klasse gingen wir zur deutschen Normalschrift über. Da schrieben wir schon in Hefte.

Ich stamme aus NRW  

Antwort
von bergquelle72, 62

ich kann es lesen.

Das Abtippen dauert aber einige Minuten.

Ich warte noch, ob Matthiasherz was liefert, er hat ja wohl schon angefangen .....

Kommentar von Lars900 ,

Wäre klasse :-)

Kommentar von MatthiasHerz ,

Hallo, bergquelle,

vielleicht könntest das am Ende des Hauptblocks mit dem "Druckwort" klären, bestätigen oder ändern. Das ist mir nicht klar.

Vielleicht heißt das auch etwas Anderes.

Ich las zwar schon öfter so alte Dokumente, bin aber mit den Ausdrücken nicht recht vertraut.

Kommentar von bergquelle72 ,

Hallo, bin auch gerade fertig beweorden und - oh Wunder - habe das gleiche gelesen wie Du :

Vorstehend ein Druckwort geschrieben.

..und habe auch keine Ahnung was das soll.

Vielleicht der Hinweis, daß der name Johannes nicht in Sütterlin, sondern in lateinischen Druckbuchstaben geschrieben ist.

Kommentar von bergquelle72 ,

Hötensleben am 19.Mai 1911

Vor dem unterzeichnten Standesbeamten erschien heute, der Persönlichkeit nach bekannt die Hebamme Elisabeth Börnkamp, wohnhaft in Hötenslenben und zeigte an, daß von der Wilhelmine Targacz geborene Redwang, Ehefrau des Arbeiters Peter Targacz, beide evangelischer Religion, wohnhaft in Hötensleben Ohrsleberstraße 7, zu Hötensleben in der Targacz´schen Wohnung am achtzehnten Mai des Jahres Tausendneunhundertundelf nachmittags um vier Uhr ein Knabe geboren worden sei und das kind den Vornamen Johannes erhalten habe. Die Hebamme Börnkamp erklärte, daß sie bei der Niederkunft der Frau Targancz zugegen gewesen sei.Vorstehend ein Druckwort geschrieben.

Vorgelesen, genehmigt und unterschrieben  Elisabeth Bornkamp

Der Standesbeamte in Vertretung   Finke

ENDE

Das ist eine damalige Form der Geburtsurkunde. Ich verstehe nur nicht, was das "Vorstehend ein Druckwort geschrieben." bedeuten soll. Aber nach meinen Sütterlin-Kenntnissen steht das da.Gruß

Kommentar von MatthiasHerz ,

Für "Finke" hat das Wort zu viele Wellen. Er heißt entweder Fincke, mit ck, oder Fimke, wobei Ersteres wahrscheinlicher ist.

Das mit dem Börnkamp im Text hatte ich auch erst. Da die Frau aber mit Bornkamp unterschrieb, war ich mir nicht mehr sicher, aber es ist offensichtlich richtig.

Kommentar von Lars900 ,

Sowas auszuklambüsern scheint mir ja schwerer als ich dachte. Trotzdem danke für die erstaunliche schnelle "übersetzung" :-]

Kommentar von MatthiasHerz ,

... geborene Redwanz ...

Das ist eindeutig ein z. Ein g als Vergleich findest in dem Wort "geborene".

Kommentar von bergquelle72 ,

o.k. ich stimme zu Redwanz

Kommentar von bergquelle72 ,

recht hast Du, aber ich tippe auf "Funke"

und zu Börnkamp: das ist deutlich - der Standesbeamte hat Börnkamp geschrieben, sie hat aber mit Bornkamp unterschrieben

Kommentar von MatthiasHerz ,

Für "Funke" ist der Punkt/Strich zu kurz.

Bei uns in der Gegend ist Fincke mit ck mehrfach wohnhaft, also zumindest nicht so selten.

Und die genannte Hausnummer ist eindeutig 4 (vier), nicht 7 (sieben). Es wundert mich allerdings, dass das nicht ausgeschrieben wurde, weil selbst die Jahreszahl "ausführlich" da steht.

Kommentar von bergquelle72 ,

.... ich gebe in beiden Punkten nach ......

übrigens auch das ausgeschriebene Datum sind lateinische Schreibschrift und nicht Sütterlin - man merkt es nicht gleich, weil man es ganz einfach lesen kann, aber die e, a, h sind lateinisch - und das M aus Mai auch.

Kommentar von MatthiasHerz ,

Belegt ist ein "Gemeindevorsteher" Carl Finke, siehe http://www.hoetensleben.de/seite/166676/teil-vi.html .

Es ist/war aber nicht unüblich, dass Namen wegen schlechter Lesbarkeit in amtlichen Dokumenten Buchstaben "verloren". In unserer Familie kam das mehrfach vor.

Mein Großvater wurde noch als George geboren, aber ab der Hochzeit hieß er nur noch Georg, weil der Beamte das e am Ende nachfraglich als Sütterlinschnörkel gedeutet hatte.

Ein mir bekannter Herr Wencke hieß nach Geburt seiner Tochter ab den 1950ern auch "nur" noch Wenke.

So mag das mit dem Standesbeamten oder Gemeindevorsteher Fincke/Finke auch gewesen sein oder auch nicht.

Kommentar von bergquelle72 ,

Das erklärt auch den Namen der Hebamme: sie hat sich als Bornkamp gesehen, weil sie wohl so genannt wurde, aber in den Unterlagen war wohl ein Schnörkel über dem o und der Standesbeamte hat es formal richtig gemacht.

Kommentar von mulan ,

Da steht zum "Druckwortfall" nicht "geschrieben" sondern "gestrichen".

Das bezieht sich wohl genau auf jene Passage, ist also in diesem Falle ohne Gewicht für das Dokument. Es ist viell. eine Verschreibung.

Kommentar von bergquelle72 ,

haben wir weiter oben schon geklärt; es heißt "gestrichen" und bezieht sich auf die Streichung eine gedruckten Wortes weiter oben im Formular

Antwort
von reblaus53, 7

Ich habe mir die Frage extra auf den Merkzettel gesetzt, weil ich in der Schule auch noch Sütterlin gelernt habe. Ich habe auch gesehen, dass das Dokument aber mit viel lateinischer Schrift durchsetzt ist. Die sehr kompetenten und interessanten Antworten habe ich mit Freude zur Kenntnis genommen. Tolle Frage, tolle Antworten, danke!

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