Frage von Puschylili, 107

Sollte ich mir einen Rechtsbeistand suchen? Aufhebungsvertrag unterschreiben?

Hallo gutefrage.net-User,

ich habe aktuell folgende Situation: Ich bin Auszubildende im 1. Lehrjahr, welches ich wiederhole, aufgrund von zwei Unfällen. Zu dem bin ich nicht in der Probezeit. Ich bin dazu Jugend- und Auszubildendenvertreterin und habe einen Schwerbehindertenausweis, wegen seelischer Behinderung.

Wegen der Krankheit bin ich in den letzten Monaten oft ausgefallen. Meinem Arbeitgeber gegenüber bin ich ehrlich bzgl. der Schwerbehinderung und auch in den Krankheitsfällen, dass ich nicht zur Arbeit komme, weil ich keine Lust habe.

Es hat ein Betriebliches Eingliederungsmanagement statt gefunden, da das Ausbildungsziel zu erreichen ins wanken kam,stellte ich einen Antrag auf Teilzeitausbildung.. Zuletzt war der Standpunkt, dass die IHK ein ärztliches Attest benötigt um dem zuzustimmen, welches ich einreichte. Also laut Arbeitgeberseite wäre die Teilzeitausbildung machbar (Stand Dezember 2015/ Januar 2916)

Nun hatte ich heute ein Gespräch mit dem kaufmännischen Leiter, der Personalleitung/Ausbilderin und einem BR-Mitglied.

In dem heutigen Gespräch hat man mir genannt dass ich das Ausbildungsziel nicht erreiche, nicht zu der Abschlussprüfung zu gelassen werden würde und ich in der Schule nicht mitkomme. Wobei ich anmerken muss, ich habe immer wieder etwas für die Schule getan bzw versucht mit zu arbeiten.

Der Arbeitgeber stellt mich nun vor die Wahl, da er sich auf keinen weiteren Vorschlag einlässt: Ich soll mir überlegen wie für beide Seiten das Arbeitsverhältnis angenehm beendet wird oder aber da sie sich schon mit einem Anwalt beraten, vor Gericht ziehen werden.

Ich hoffe jemand hat annähernd evtl einen Rat.

Antwort
von AmateurGamer86, 61

Bei einer Fehlzeitenquote von über 20 % kann die IHK ihr Veto für die Zulassung zur Abschlussprüfung einlegen... so wie du es hier beschreibst, scheint die Quote vermutlich höher zu sein... das allein kann als Kündigungsgrund zwar normalerweise nicht ausreichen, aber spielt deinem Betrieb natürlich in die Karten...

Da die Probezeit rum ist und du Jugend- und Auszubildendenvertreterin bist, genießt du besonderen Kündigungsschutz (zumindest bis zum Ausbildungsende), aber weil ich die gesamte Situation nicht kenne, kann ich dir nur raten, dir einen Anwalt zu nehmen und die Rechtslage genau prüfen zu lassen... Im Normalfall müsstest du dadurch die Ausbildung regulär abschließen können, auf eine Übernahme brauchst du dann aber nicht zu hoffen...

Kommentar von Repwf ,

Ich glaube das auch der Schwerbehindertenausweis eine Kündigung nicht zulassen würde, gerade wenn die Krankheit in der Form schon bei Antritt bekannt war, oder?

Kommentar von Puschylili ,

Ab einem Grad von 50 gibt es den Kündigungsschutz, zur Kündigung brauch man die Zustimmung des Integrationsamtes... 

Das habe ich heute auch vorgeschlagen, einen Berater des Integrationsfachdienstes der auf solche Fälle/Krankheiten spezialisiert ist.  

Kommentar von AmateurGamer86 ,

stimmt, den gab es ja auch noch ;-)

auch dieser trägt dazu bei,
dass es dem Arbeitgeber nicht ohne weiteres möglich ist, das
Ausbildungsverhältnis zu kündigen... was aber nicht bedeutet, dass es unmöglich ist...

wie gesagt, ich kenne die exakte Situation nicht
(und die sollte Puschylili in eigenem Interesse auch nicht unbedingt hier ausbreiten), ich habe aber im Rahmen meiner Ausbildung erlebt, dass eine Ausbildungskollegin (mit GdB 100, ca 25% Fehlzeiten) zum Ende des zweiten Lehrjahres gekündigt wurde, und dabei ging meines Wissens alles rechtmäßig zu...

es gibt also auch für den Betrieb rechtliche Mittel, ein kontraproduktives (tut mir leid, wenn ich das so ausdrücke, aber genau so hört es sich für mich an) Ausbildungsverhältnis abzubrechen...

Kommentar von Repwf ,

DAS ist doch eine perfekte Stelle für DICH um dich beraten zu lassen!

Due müssten auch zum Thema Arbeutsamt, Geld und Sperre Bescheid wissen! 

Antwort
von Repwf, 60

Sorry, aber ich kann deinen AG verstehen!

Behindert oder nicht, man muss Mitarbeiter ja auch planen können und auch drauf verlassen können! 

Kommentar von Puschylili ,

Das sehe ich auch ein, allerdings habe ich als ich eingestellt wurde auch mit offenen Karten gespielt und gesagt dass ich psychisch krank  bin bzw. nicht die stabilste Person 

Kommentar von Repwf ,

Vielleicht haben sie sich das anders vorgestellt?

Aber mal zur eigentlichen Frage:

JA, du solltest einen Rechtsbeistand fragen! Und zwar einen der sich auf Arbeitsrecht für Schwerbehinderte spezialisiert hat! 

Allerdings wäre es wichtig das DU bei diesem Gespräch weißt was du willst!

Selbst wenn dir der Arbeitsplatz nicht verweigert werden KÖNNTE, ich bin recht sicher das es danach durchaus zu "mobbingähnlichen" Dingen kommen KÖNNTE!

Schaffst du das? Gerade mit deiner Krankheit? Oder wirft sich sowas noch mehr zurück? 

Das alles solltest du für dich überlegen! 

Kommentar von Puschylili ,

Danke für deine Antwort 

Ja, ich versuche all das irgendwie abzuwägen und in meinen Kopf zu bekommen. Ich kann halt auch nicht einfach einen Aufhebungsvertrag unterschreiben, da werde ich vom Amt ja auch noch 3 Monate gesperrt. 

Ich soll mir bis nächster Woche eine Lösung überlegt haben, da wollen die sich wieder mit mir zusammen setzen. 

Kommentar von Repwf ,

DAS solltest du einen Anwalt zB auch mal fragen, wenn du aus gesundheitlichen Gründen abbrechen musst, kannst du dann gesperrt werden?

Kommentar von Nightstick ,

Hier geht es zwar nicht um "planen" und auch nicht in erster Linie um das "sich drauf verlassen können", denn der Azubi soll ausgebildet, und nicht als Arbeitskraft eingesetzt werden.

Aber von dieser Spitzfindigkeit einmal abgesehen: Der Ausbilder hat insbesondere die Pflicht dafür zu sorgen, dass der Azubi das Ausbildungsziel auch erreicht. Daher hat er im Umkehrfall, wenn er erkennt, dass dies nicht möglich ist, auch (im Sinne des Azubis) die Pflicht, für eine adäquate Lösung zu sorgen.

Dazu kann in bestimmten Fällen (in Abstimmung mit der IHK bzw. Handwerkskammer) auch die Beendigung des Ausbildungsverhätnisses gehören.

Kommentar von Puschylili ,

Der AG erwartet allerdings von mir, dass ich eine Lösung vorschlage... 

Ebenso sagte der AG mir, dass ich mich ja auf dem doppel gemoppelten Kündigungsschutz ausruhen kann, dann gehts halt vor Gericht.. 

Kommentar von Repwf ,

...und genau DA ist die Frage ob du DIR damit schadest oder ob du das psychisch durchhälst...

Kommentar von Puschylili ,

Ich weiß jetzt gerade nicht mal, wie ich am Montag den Arbeitstag überstehen soll. 

Kommentar von Repwf ,

... ich kenn dich nicht und will dir nicht wirklich was raten... aber lesen tut es auch nicht unbedingt so als würdest du einen Streit (vor Gericht) durchhalten!

Lass dich anwaltlich beraten wie das mit dem Geld ist und entscheide dann!

Kommentar von Nightstick ,

Hier geht es m.E. weder um Geld, und auch nur sekundär um die Frage, ob ein Rechtsanwalt hinzugezogen wird. Einen Anwalt beauftragt man, seine Interessen zu vertreten, wenn man sich im Unrecht fühlt - und wenn man sich ihn leisten kann.

Hier geht es vielmehr darum, die Zukunft dieses jungen Menschen (klingt jetzt etwas komisch, ist aber so) "leidensgerecht" so zu gestalten, dass er später eine echte Chance auf dem Arbeitsmarkt hat.

Ich weise noch einmal explizit auf die Pflicht aller Beteiligter (Auszubildender, Ausbilder, Ärzte, berufliche Institutionen etc.) hin, eine für den Azubi optimale, auf die Zukunft ausgerichtete, möglichst einvernehmliche Lösung zu finden.

Hier nützt auch das Diskutieren nichts, ob er den kommenden Verhandlungen gewachsen ist. Wenn er meint, dies nicht zu sein, muss er sich selbstverständlich Unterstützung holen, aber das muss nicht zwingend ein Rechtsanwalt sein - die Unterstützung könnte ebenso gut aus dem familiären oder dem sozialen Umfeld geschehen. 

Kommentar von Puschylili ,

Ich bin ärztlich angebunden, ich gehe zu einer Selbsthilfegruppe, ich habe immer versucht, lasse mich medikamentös richtig einstellen, dass es irgendwie besser wird. 

Familiäre Unterstützung ist gar nicht vorhanden und soziales Umfeld, da sind selbst alle ratlos, weil sich von denen niemand mit so etwas auskennt. 

Ich vermute, die wollen dass ich mich eben auf einen Aufhebungsvertrag einlasse, deshalb auch dieses "vor Gericht gehen"... Bezüglich des Rechtsbeistandes, bin ich in der Gewerkschaft. Muss ich morgen mal anrufen. 

Ebenso, natürlich wie soll ich mich jemals wieder in dem Unternehmen wohl fühlen? Wo ich weiß, die versuchen mich mit aller Kraft loszuwerden. 

Kommentar von Nightstick ,

In Deutschland "wimmelt" es von Beratungsstellen, dessen Kontaktdaten man im Internet oder bei den Sozilalbehörden erfragen kann.

Hier braucht niemand ohne Hilfestellung zu bleiben - es sei denn, er will sich nicht helfen lassen und sucht nur eine Ausrede für seine eigene Unzulänglichkeit.

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