Frage von DanilMathe, 40

Wer ist euer Lieblings Charakter in Schillers "Die Räuber? ?

Hi, Ich bin ein riesiger Fan von Schillers "Die Räuber". Gerne würde ich eure Meinung zu den verschiedenen Charakteren hören, also wer euch am meisten fasziniert, wer euch am Herzen liegt, wer euch vielleicht sogar abstößt, oder ob ihr euch mit einem der Protagonisten sogar identifizieren könnt.

ich freue mich über alle Antworten, Danil

Antwort
von achwiegutdass, 30
Amalia

ganz negativ ist Franz, das ist klar.

positiver ist Karl, auch klar.

Am interessantesten ist für mich Amalia, weil man sie in der Forschung meistens als "Nebenrolle" bezeichnet - wenn man aber genau hinguckt, dann muss man feststellen, dass sie für die Handlung entscheidend ist.

PS wählen hat da eigentlich wenig Sinn, wenn die Kriterien nicht einheitlich sind. Daher habe mich meinen Standpunkt begründet.

Antwort
von Skoph, 23

Natürlich "der alte Moor"; denn sein Verhalten ist die Ursache der Tragödie: "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!" - Gut und böse sind eben alle Menschen in verschiedenen Graden nach verschiedenen Wertmaßstäben. Der Vater ist schockiert über die bösen Taten Karls - Schiller beschreibt sie nicht ausführlich, nur kurz -, er fühlt sich "zu schwach" zum eigenen Handeln und vertraut auf die vernünftige Liebe Franz´ zu dessen Bruder Karl, doch er muss erleben, dass sein Sohn Franz nur ein widerwärtiger Verbrecher ist, sonst nichts... Das ist das Grundproblem aller Väter, aller Eltern, wann und wie weit kann man seinen Kindern vertrauen - von der kleinsten bis zur größten Aufgabe: Aller Verbrecher dieser Erde haben nämlich Eltern! Aber auch sie sind gut und böse.... Und dieser Ursprung Schillers Tragödie wird wohl immer bei Analysen vergessen, weil das Werk ja zumeist nur von SchülernInnen gelesen und schulisch beschrieben wird, da reizen die "breit getretenen" Figuren der beiden doch so verschiedenen Räuber oder anderer viel mehr: Schillers Intension lag ja gerade darin, den für alles irgendwie verantwortlichen Vater als "Schwächling" in den Hintergrund abzuschieben, sonst müsste seine Tragödie ja "Der alte Moor" heißen...

Kommentar von LiloB ,

was für eine nachdenklich machende Antwort. Aber eine Frage; muß man seinen Kindern nicht vertrauen? Man hat (im besten Falle) alle eigenen Werte vermittelt,- man glaubt sie, die Kinder,  weitgehend zu kennen,- ist es also "Verdienst"  - oder "Schuld", wenn Menschen sich weiterentwickeln. Auch von den Eltern wegentwickeln? Kann man das dann verhindern, außer, daß man versucht hat, Werte zu vermitteln- die ggf. aber nicht geteilt werden.? Jeder Mensch, auch Kinder, hat das Recht auf sein eigenes Leben. Wann hört ein Vater auf, für sein "Kind" verantwortlich zu sein??

Kommentar von Skoph ,

LiloB - also ich bin weder Psychologe/Psychiater noch Soziologe/Pädagoge, sondern kulturphilosophisch (aus-)gebildet: Ich bezeichne "Eltern" hier nun als "Vater" - wegen Schillers Tragödie. Rechtlich hat ja der Vater keine Verantwortung mehr ab der gesetzlichen Volljährigkeit seines Kindes, über das Lebensjahr wird auch immer wieder gestritten. Ethisch ist der Vater nie verantwortlich für sein Kind, denn schon z. B. Konrad Lorenz nahm ein "verbrecherisches Gen" in jedem Menschen an, dessen Wirkung wie bei einer Krankheit nicht unbedingt dominieren muss... Z. B. Erich Fromm sprach in seiner "Kunst des Liebens" (1956) von der väterlichen Liebe, die Leistung verlangen muss, um Belohnung zu bewirken - z. B. die väterliche Zuneigung, und der mütterlichen Liebe, die ohne Forderung einfach liebt, also auch den Versager im Kind: Beides muss ein Kind haben! Und z. B. allein-erziehende Mütter haben es da tatsächlich sehr schwer; Kritiker mahnen, dass auch fast nur noch Frauen in den Kindergärten und Grundschulen die moralischen, ethischen Werte an die Kinder vermitteln - durch ihre Taten und Worte; z. B. Michael Winterhoff mahnte z. B. in seinem ersten Vorwurf (2008) "Warum unsere Kinder Tyrannen werden - Von der Abschaffung der Kindheit": Das Problem ist wirklich uralt, die Lösungen eben "leider" vielfältig - wir kennen ja z. B. die Parabel von "Kain und Abel" im jüdisch-christlichen Alten Testament.... - Also entweder hat ein Vater durch sein Denken und Verhalten Einfluss auf seinen Sohn oder eben auch nicht! Beides ist möglich, keines ist irgendwie "wissenschaftlich" bewiesen! Gerade bei der Rechtsprechung im Strafrecht kommt das in psychologischen Gutachten zum Ausdruck, eine vollkommen subjektive Einschätzung des Straftäters, die aber objektiv besonders durch die Fachsprache erscheinen soll.... und die Richter verlassen sich meist darauf - mit Gegengutachten - wenn sie intelligent und sich zutiefst verantwortlich für ihr Urteil fühlen: Auch dieses grundsätzliche Unwissen über die "Schuldfähigkeit" ist ein Grund für die Abschaffung der Todesstrafe gewesen, bei vielen Straftätern meint man, sei z. B. der Vater schuld. - Vermutlich war das auch zu Zeiten Schillers so, aber der Glaube an die väterliche Autorität war sehr hoch, so muss also der "alte Moor" sich schwach fühlen, um der Tragödie ihren Lauf zu schenken - und das Streben nach eigenverantwortlicher Freiheit junger Menschen und der Glaube an den von Geburt guten Menschen (vgl. z. B. J.-J. Rousseau "Emile" - Erziehungsroman) waren für Schiller selbstverständlich, jedoch für viele Leute revolutionär! Goethe sah das nur als Anspruch: "Der Mensch sei hilfreich und gut!" - Ich denke auch militärisch standrechtliche Erschießungen oder an Friedrich Dürrenmatts "Der Besuch der alten Dame": Den Mord begeht man in der anonymen Gruppe und behauptet nun, dass niemand am Tod schuld sei, weil es doch "irgendeiner" war.... Ich denke immer und immer wieder an den ethisch so großartigen Schritt der amerikanischen Soldaten bei der Zerstörung der KZs im "Dritten Reich": Die dort ansässigen Deutschen mussten die Leichenberge aufräumen, damit niemand mehr behaupten konnte, diese KZs hätte es niemals gegeben - und niemand sei daran schuld.... Der pazifistische Vater ist nicht daran schuld, dass sein Sohn militant gewaltbereiter Mörder wurde - oder doch?!  - Ich schreibe nur so viel, weil auch ich keine Antwort weiß, nur verschiedene Möglichkeiten, verschiedene Bewertungen, verschiedene Meinungen, wohl vollkommen individuell...

Antwort
von LiloB, 14

am besten finde ich die Frage!!  Denn sie zeigt - durch die richtig guten Antworten - erst wirklich die Problematik dieses Stückes. Gratulation, -!

Für eine Festlegung auf einen Charakter ist es zu lange her, daß ich "die Räuber" gesehen oder gelesen habe.

Antwort
von hutten52, 21
Franz

Die Kanaille Franz ist mein Favorit. Schiller hat da einen perfekten Bösewicht geschaffen, einen kalten Machttaktiker, der über Leichen geht. Sein Tod ist genial: goldene Hutschnur. 

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