Frage von GTH2014, 102

Wer ist die Mutter von Anteon?

Anteon ist der Sohn des Herakles, wer ist die Mutter ?

Expertenantwort
von Albrecht, Community-Experte für Geschichte, 64

Wenn nicht eine weitere antike Quelle zur Sage/Mythologie auftaucht, bleibt nur der Eintrag: Mutter unbekannt

Die einzige antike Textstelle zu dem genannten Herakles-Sohn ist offenbar ein Satz in der Lebensbeschreibung des griechischen Schriftstellers Plutarch über den römischen Politiker Marcus Antonius.

Der genannte Sohn des Herakles heißt in den Handschriften teils Antaion (Ἀνταίων), teils Anteon (Ἀντέων). Damit der Name dem Gentilnamen/Sippennamen/Famuiliennamen (lateinisch: nomen gentile) der Antonier (lateinisch: Antonii) möglichst genau entspricht, ist als echter Wortlaut Anton (Ἄντων) vermutet worden. Es gibt aber keinen zwingenden Grund, die Textüberlieferung zu ändern (von Ἀνταίωνος bzw. Ἀντέωνος zu Ἄντωνος).

Plutarch, Antonius 4, 2:

ἦν δὲ καὶ λόγος παλαιὸς Ἡρακλείδας εἶναι τοὺς Ἀντωνίους, ἀπ' Ἀνταίωνος παιδὸς Ἡρακλέους γεγονότας.

„Es gab aber auch eine alte Überlieferung/Sage/Darstellung/Erzählung, die Antonier seien Herakliden, da sie von Antaion, einem Sohn des Herakles, abstammten.“

zu der Verbindung von Marcus Antonius und Herakles:

Ulrich Huttner, Marcus Antonius und Herakles. In: Rom und der griechische Osten : Festschrift für Hatto H. Schmitt zum 65. Geburtstag : dargebracht von Schülern, Freunden und Münchner Kollegen. Herausgegeben von Charlotte Schubert und Kai Brodersen. Unter Mitarbeit von Ulrich Huttner. Stuttgart : Steiner, 1995, S. 103 - 112

S. 104: „Zu Anfang seiner Antoniusvita wendet sich Plutarch flüchtig der Herkunft der Antonier zu: "Es existierte indes auch eine alte Überlieferung, daß die Antonier Herakliden seien, Abkömmlinge des Antaion, des Sohnes des Herakles" (Plu.Ant.4, 2). Der Heraklessohn heißt Antaion. Da der Name dieser Person in der Forschungsliteratur durchweg falsch wiedergegeben wurde, nämlich als Anteon oder Anton, seien hier einige Worte zur Überlieferung und Rezeption der zitierten Plutarchpassage eingefügt. Vier bedeutende Handschriften tradieren den Text (K, L, P, R). In den Handschriften K und L findet sich der Name Antaion, in P und R, die eine Gruppe bilden, Anteon. Der griechische Altphilologe und und Schriftsteller Aδαμάντιος Κοραῆς konjizierte schließlich zu Beginn des 19. Jahrhunderts Anton (Ἄντων), diejenige Version, die zuletzt am meisten Anklang gefunden hat. Zu dieser Konjektur besteht jedoch kein Grund. Der Name Antaion (Ἀνταίων), aus dem durch die Vermischung von ai und e Anteon (Ἀντέων) wurde, ist zwar offensichtlich sonst nirgends belegt. Allerdings ist das auch nicht zu erwarten. Handelt es sich bei dem Namen Antaion doch um ein Konstrukt zur Identifizierung des Ahnherren der Antonier, in dem die etymologische Wurzel des Gentilizes erkannt werden solle. Umso besser, wenn der heraklidische Vorfahre unverwechselbar war. Zudem charakterisierte ihn der Name, eine griechische Wortbildung, als Hellenen. Es gibt also keinen Anlaß, an der handschriftlichen Überlieferung zu zweifeln und sich für die Konjektur "Anton" zu entscheiden. Dazu zwingt weder die Tatsache, daß die etymologische Verwandtschaft zwischen Anton und Antonius enger als die zwischen Antaion und Antonius, noch, daß der Eigenname Anton an anderer Stelle tatsächlich belegt ist. Der Name des Heraklessprößlings, von dem sich Marcus Antonius herleitete, war also Antaion.“

Plu.Ant. = Plutarch, Antonius

Sachlich am naheliegendsten ist eine in Italien lebende Mutter, da es darum geht, für eine römische Familie plebejischer Nobilität einen herausragenden Vorfahren zu konstruieren. Herakles ist nach der griechisch-römischen Mythologie im Zusammenhang mit seiner zehnten Arbeit, dem Herbeiholen der Rinder des Geryones, durch Italien gezogen. Dabei hat der Riese Cacus ihm einige Rinder gestohlen und mit ihrem Verzehr begonnen. Herakles hat ihn bei der Suche gefunden und nach hartem Kampf getötet.Eine Vermutung in einem alten Nachschlagewerk, die sehr spekulativ ist, schlägt die Tochter des Riesen Antaios (Ἀνταῖος) als Mutter des Herakles-Sohnes vor. Nach einigen Darstellungen ist Herakles auf dem Hinweg seiner zehnten Arbeit, dem Herbeiholen der Rinder des Geryones, in Nordafrika auf Antaios getroffen. Antaios pflegte durchziehende Fremde zum Ringkampf herauszufordern, unterlag aber Herakles und wurde von ihm getötet (nach einer wohl eher späten Fassung gewinnt Antaios aus dem Kontakt mit der Erde neue Kräfte und Herakles hebt ihn daher hoch und erdrückt ihn in der Luft). Der Name der Tochter des Antaios war (Scholien zu Pindar, Pythische Ode 9, 183) nach Peisandros von Kamiros Alkeis (Ἀλκηίς), nach anderen Barke (Βάρκη). Ein Nachteil der Mutmaßung ist das Gebiet (Nordafrika, nicht Italien), ein fehlender Stellenbeleg und eine Sage, die eine Heirat der Antaios-Tochter mit einem anderen Mann, Alexidamos, erzählt.

Kommentar von Albrecht ,

Otto Gruppe, Herakles. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft : RE Supplementband 3: Aachen bis ad Iuglandem. Stuttgart : Druckenmüller, 1918, Spalte 989:  

„Eine merkwürdige Abwandlung der Antaiossage bietet Didym. p. 361 frg. 3 Schm. bei Mal. IV, 86, 17 N.). H. sowohl wie Anteon - so heißt der Riese hier – sind μυστικοί, d. h. wahrscheinlich Zauberer, und zwar macht er γήινά τινα, damit ist wohl gemeint, daß er irgendwie mit Hilfe der Erdkraft zauberte (?). Er wird von H. besiegt, aber dieser verfällt in eine Krankheit und stürzt sich selbst ins Feuer, wo er stirbt. Anteon ist somit als Sohn des H. und Vorfahr von Didymos’ Zeitgenossen Antonius bekannt (Plut. Ant. 4); aber beide Gestalten sind schwerlich gleichzusetzen, vielmehr ist wahrscheinlich der H.-Sohn der Enkel des Riesen, geboren von dessen Tochter, die sich dem H. ergeben haben sollte. Diese Tochter des Antaios begegnet schon in der älteren Sage; aber hier ist es Alexidamos, der Ahn des Kyrenaiers Telesikrates, der sie gewinnt (Pind. Pyth. IX, 120) und dessen Nachkommen deshalb rechtmäßige Erben der einheimischen Fürsten sind. Als Antonius in Ägypten gebot, wurde diese Sage auf ihn […] übertragen, nur trat an die Stelle des unbekannten Alexidamos der berühmteste griechische Held, zugleich auch Ahnherr der Kleopatra, der auch den Antaios oder wie der Name jetzt umgeformt wurde, den Anteon besiegt hatte.“

H. = Herakles

Didym. = Didymos

p. = pagina (Seite)

frg. = Fragment (Bruchstück)

Schm. = Schmidt

Mal. = Malchos

d. h. = das heißt

Plut. Ant. = Plutarch, Antonius

Pind. Pyth. = Pindar, Pythische Ode

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