Frage von sChrissi, 103

Wer hat Erfahrung im Turniersport, Dressur?

Ich gehe dieses Jahr meine zweite Turniersaison mit meinem Pferd. Ich reite meist A-Dressuren, bin aber auch schon L gestartet. Mein Pferd macht das wirklich gut, ab und zu gibt es Tage wo es nicht so klappt aber im großen und ganzen bin ich zufrieden. War aber noch nie platziert :( mein Pferd hat eigentlich eine Springabstammung aber das ist nicht unbedingt seine Stärke, er kann es zwar aber wenn er sich zu stark unter Druck fühlt, blockiert er und weigert sich. Aus dem Grund versuche ich mein Glück in der Dressur. Wobei ich feststellen muss, dass er nicht die Gänge hat wie Dressurpferde und ich deshalb nie platziert bin und das ist sehr enttäuschend. Kann mir dabei jemand Tipps geben?

Antwort
von Lheurebleue, 21

Hallo, ich kann deine Enttäuschung sehr gut verstehen, mein Pferd ist auch in Springpferd und erblindete vor einiger Zeit auf einem Auge, kann somit also nicht mehr springen. 

Wir reiten nun auch Dressur bis L**. Mein Pferd ist anatomisch nicht wirklich gut für die Dressur geschnitten, nicht viel potential in den GA. Trotzdem gebe ich nicht auf und versuche jede Prüfung das Beste aus uns raus zu kitzeln und manchmal wird das auch belohnt. Es ist nicht einfach, aber es gibt auch Richter, die sehen was du mit deinem Pferd schon geschafft hast.


ich bin letztes Jahr das erste mal L geritten und konnten uns trotzdem 3 L-Platzierungen sichern :)


Lass die Ohren nicht hängen und bleib dran!

Kommentar von sChrissi ,

Danke, das ist schön zu hören. Ich werde weiterhin daran arbeiten :)

Expertenantwort
von Dahika, Community-Experte für Pferde, 42

Bei den unteren Prüfungen sollten die Gänge keine Rolle spielen. Reelle Richter schauen da eher auf die saubere Ausführung und die Übergänge.

Ich habe einmal eine A-Dressur gesehen, die ein ausgesprochenes No-Name Rassemixpony gewann. Hübsch war es auch nicht, also kein tolles Reitpony. Ich würde sagen, es war ein Norwegerkaltimix mit Shettyblut. Die Schönheit hat es nicht gedrückt. Aber es hat die A-Dressur gewonnen. Vor allen Reitponies und Warmblütern.
Das Publikum war zum Teil entrüstet, dass so ein "hässliches" Vieh die Prüfungen gewinnen konnte.

Daraufhin hat der Richter das Pferd die komplette A Dressur noch mal laufen lassen. Alleine.Und er hat kommentiert. Und dann sah man, dass das Pferd wunderbar an den Hilfen stand. Die Übergänge stimmten alle, die ganze Parade zum Halten war toll. Das Pferd stand wunderbar an den Hilfen. Obwohl es mit tollen Gängen wirklich nicht prunken konnte.

Natürlich gibt es Richter, die auf tolle Abstammungen abfahren, auf tolle Gänge und nicht darauf achten, ob das Pferd reell geritten ist. Damit muss man leider leben. Solche Richter gibt es auch (erst recht?) auf internationalen Prüfungen, sonst wäre ein Herr Totilas oder ein Undercover nie weit gekommen.

Mein Rat ist also: vergiss die Gänge, die sind zum Teil halt angeboren. Arbeite mit deinem Trainer an den Übergängen. Wenn die stimmen, ist das bereits die halbe Miete.


Kommentar von sChrissi ,

Vielen Dank für den Lieben Rat!

Das werde ich auf jeden Fall machen. Ich trainiere weiter, ich habe mittlerweile schon vieles erreicht, vielleicht gelingt mir das dann auch noch mit viel Geduld.

Expertenantwort
von Sallyvita, Community-Experte für Pferde, 42

Bei den Dressuren werden Protokolle geschrieben. Dort steht in der Regel wenigstens ein Teil dessen, was nicht so gut gelaufen ist und am Ende meist noch eine Gesamtbeurteilung. Das wird Dir sicherlich ein Stück weit  weiterhelfen. Die Protokolle gibt es in der Regel nach Prüfungsende an der Meldestelle.

Was Du auch machen könntest, wäre nach Prüfungsende, nach der Siegerehrung, die richtenden Richter einfach ansprechen und freundlich zu bitten, Dir zu erläutern, was bei Dir denn alles falsch war. Manche haben zwar keine Zeit, aber andere erläutern Dir gerne, warum Du keine Schleife bekommen hast.

Im A und L-Bereich braucht es keinen Wolkentreter. Es reicht, wenn das Pferd seinen Job solide macht und die Lektionen brav läuft. Vielleicht reicht das nicht unbedingt immer für einen Sieg, aber sicherlich für ordentliche Platzierungen, wenn der Reiter entsprechend korrekt sitzt und reitet.

Natürlich haben auch Richter ihre Vorlieben und Abneigungen. Manch einer mag keine Spanier oder Friesen, Haflinger oder Exoten in der Dressur. Bei den Siegerehrungen sieht man manchmal deutlich, was der oder die richtenden Richter für Vorlieben haben anhand der ersten 3-4 Platzierungen.   Und ganz sicher hat es ein Teilnehmer mit einem wirklich grandiosen Pferd meist leichter, muss einer mit einem weniger spektakulären Pferd noch korrekter reiten. Aber man ist durchaus nicht chancenlos.

Ich würde Dir für`s Erste vielleicht mal einen Dressurlehrgang bei einem Dressurrichter oder Profireiter, der selber bis S erfolgreich ist empfehlen. Die Damen und Herren müssen ja auch außerhalb der Turniere waas tun und veranstalten so etwas ganz gerne. Danach weisst Du sicherlich genau, woran es hapert und woran gearbeitet werden muss und ob Dein momentaner Unterricht ausreicht oder nicht.

Manchmal liegt es aber nicht unbedingt an der Qualität des Trainers, sondern an der Fähigkeit des Schülers zuzuhören und umzusetzen;-)


Kommentar von sChrissi ,

Vielen Dank für die Rückmeldung!

Eine Frage habe ich noch:
Was ich nämlich in jedem Protokoll von mir lese, "Pferd zeigt Zunge".
Das werde ich leider nicht verhindern können, da mein Pferd als Fohlen
den Koppelzaun durch die Lippen gezogen hat. Er hat dadurch eine
"Macke", ihm fehlt praktisch unten an der Lippe ein Stück. Es hintert
ihm in keinsterweiße aber dadurch läuft ihm der Sabber runter und das schleckt er damit weg, weil es ihn stört. Er streckt den Richtern regelrecht die Zunge raus :)

Was kann ich da machen?

Kommentar von Sallyvita ,

Dann hast Du in der Dressur absolut ein Problem - denn das Zunge zeigen ist ein grober Mangel, der grundsätzlich negativ bewertet wird.  

Im Rahmen der Reitlehre heißt es ganz klar: Zungenfehler sind schwerwiegende Fehler, bei denen das Pferd das Vertrauen zur Reiterhand verloren hat. Zungenfehler äußern sich beim Reiten durch Hochziehen der Zunge, Spielen mit der Zunge oder  Heraushängenlassen der Zunge. Man geht davon aus, dass fehlerhaft verschnallte Ausrüstung und zu viel Druck aufs Maul dem Pferd Schmerzen bereiten.

Selbst wenn Du den Richtern vor der Prüfung ein Attest vorlegen würdest, der belegen würde, dass das Pferd eine "Behinderung" hat, würde das am Endergebnis vermutlich auch nicht viel ändern.

Denn dass ein Zungenfehler zu erheblichen Abzügen führt, wissen viele und ein Richter, der ein solches Pferd nah vorne wertet, wird den Unmut des Publikums hervorrufen und Angst davor haben, unglaubwürdig zu sein. Und man kann ja auch nicht jedem erklären, dass es bei Deinem Pferd nicht Schmerz ist, sondern eine Art Behinderung.







Expertenantwort
von Urlewas, Community-Experte für Pferde, 58

Was ist jetzt genau die Frage?

Was möchtest Du für Tipps?

Sehe ich es richtig, dass Du einfach gerne Schleifchen sammeln möchtest, und nun ein Pferd hast, mit dem das nicht machbar zu sein scheint?

Das erste, was einem dazu einfiele, wäre, dass du das Pferd an eine Freizeiter verkaufst und dir ein anderes suchst, was für Deine Ziele geeigneter wäre. Da wäre möglicherweise gleich dreien geholfen ...

Allerdings frage ich mich auch wo bei der Dressur Dein Problem liegt. Für den A -L Bereich braucht doch ein Pferd noch kein Gangwunder zu sein. Wenn Du ein durchschnittlich begabtes Pferd überdurchschnittlich gut reitest, sollte es genügend Ausstrahlung bekommen, um damit Punkten zu können. 

Wie sagt es ein " alter Meister" so schön: " das Pferd ist nicht  für die Dressur da, sondern die Dressut für das Pferd". Wenn Du die Schleifen mal aus den Augen verlierst, und fein Dressur reitest, um das Pferd zum Strahlen zu bringen, wird sich das auch irgendwann mit Schleifen auszahlen. Aber wenn Du schon frustriert bist, weil da erst mal nichts zu holen ist, wird es schwierig sein, die nötige Geduld aufzubringen. So wird das schwierig mit der Losgelassenheit...

So lange Du mit der Situatuion unzufrieden bist, spürt es das Pferd, so dass dass sich " der Hund in den Schwanz beißt".

Daher fürchte ich wahrscheinlich, du mußt dich von einem der beiden trennen - entweder von diesem Pferd, oder vom Ehrgeiz, sichtbare Erfolge vorweisen zu können.

Die dritte Variante, wo du sicher schon selber drauf gekommen wärst, wenn du die Möglichkiet dazu hättest, wäre intensives Training bei einem guten Dressurlehrer in in Verbindung mit Profiberitt.

Kommentar von sChrissi ,

Meine Frage, ob denn jemand auch ein nicht so Dressur Begabtes Pferd hat und dennoch "Chancen" im Turniersport hat. Weil ich etwas gedrückt bin, nach meinem letzten Turnier. Aber ich habe mich dazu entschlossen, meinen Reitlehrer zu wechseln. Mal schauen, was uns beiden das bringt.

Was ich nämlich in jeden Protokoll von mir lese, "Pferd zeigt Zunge". Das werde ich leider nicht verhindern können, da mein Pferd als Fohlen den Koppelzaun durch die Lippen gezogen hat. Er hat dadurch eine "Macke", ihm fehlt praktisch unten an der Lippe ein Stück. Es hintert ihm in keinsterweiße aber dadurch läuft ihm der Sabber runter und das schleckt er damit weg, weil es ihn stört.

Kommentar von Urlewas ,

Das macht es natürlich schwierig... Denn der Richter kann ja nur beurteilen, was er sieht, ohne sich über die Gründe Gedanken zu machen. Wie sollte das sonst auch gehen - der nächste würde die Unkonzentriertheit seines Pferdes begründen, weil ein Hund gebellt hat, der übernächste gar aus wer weiß was für verständlichen Gründen mit einem lahmenden Pferd antreten...

Da wäre es gar nicht mehr möglich, zu entscheiden, was entschuldbar ist und was nicht, und deshalb muß man sich unerbittlich an das Regelwerk halten. :-/

Tut mir echt leid für Dich - aber das wird echt schwierig...

Antwort
von beglo1705, 16

Tipps sind hier eher schwierig, wenn du unbedingt Preise kassieren möchtest. Und Tage, wo es einfach nicht 110%ig rund läuft, kennt wohl auch jeder.

Da ich aus deiner Frage nicht entnehmen kann, welches Ziel du genau anstrebst würde ich dir raten, einfach das, was eben nicht so gut sitzt mit einem guten Reitlehrer Vordergründig zu arbeiten, um dann zu sehen wie weit du es eben mit deinem Pferd schaffst. Danach kannst du dann abwägen ob und vor allem wie es weiter gehen soll.

Die Gänge sind im Normalfall auch nicht das Entscheidende bei einer Dressurprüfung, die Umsetzung wird unter die Lupe genommen.

Sieh es aus dem positiven Aspekt: viele schaffen es gar nicht, an einem L-Turnier zu starten. Zudem sind Preise und Schleifchen nicht alles, was erstrebenswert ist für Roß und Reiter.

Antwort
von Visch2010, 47

So richtig Tipps kann man dir da nicht geben. 

Ein Pferd, dass in der Dressur nicht ordentlich geht, bekommt auch nicht so gute Wertnoten.

Wenn du im Springen nicht den Druck von ihm nehmen kannst und er dadurch verweigert, dann kann er da auch nicht laufen.

Dann gibt es entweder keine Turniere, oder Turniere ohne Platzierung oder du lässt das mit den Turnieren sein.

Vielleicht kannst du dir ja mal einen Trainer suchen und auf dem Weg das Dressur- oder Springpferd richtig heraus kitzeln ;)

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten