Frage von Yvescon, 40

Wer hat den Druckwasserreaktor erfunden und in welchem Jahr genau war das?

Expertenantwort
von Franz1957, Community-Experte für Physik, 19

Der Hauptinitiator, der die Entwicklung des Druckwasserreaktors vorantrieb, war H. G. Rickover. Er war Elektroingenieur und arbeitete ab 1946 in leitender Funktion in einem Projektteam, das für die U.S. Navy Atomreaktoren zum Antrieb von Kriegsschiffen entwickeln sollte. Mit daran beteiligt waren das Oak Ridge National Laboratory, das dem Manhattan Project zur Entwicklung der Atombombe entstammte, und die Firma General Electric, sowie Physiker aus dem Manhattan Project.

Ob und wann irgendein einzelnes Individuum die Idee als Erster äußerte, sagen die Quellen, die ich angeschaut habe, nicht, und das ist nachvollziehbar. Die Idee als solche, den Primärkühlmittelkreislauf unter Druck zu halten, ist beim Kernreaktor schließlich ebenso naheliegend und im Grunde trivial wie beim Kochtopf. Der erste Dampfdruckkochtopf wurde schon 1679 gebaut.

Was zustande kam, war ein kompakter Druckwasserreaktortyp, der in dem ersten atomgetriebenen U-Boot, der Nautilus, und anderen amerikanischen Kriegsschiffen als Energiequelle diente.

Rickover war auch für die Entscheidung verantwortlich, daß der erste kommerzielle Atomreaktor, die Shippingport Atomic Power Station, deren Bau 1954 begonnen wurde, ein Druckwasserreaktor war. Andere Konstruktionsprinzipien hielt er für verrückt. 

Quelle: in der englischen Wikipedia die Artikel "Pressurized water reactor", "Hyman G. Rickover", "Shippingport Atomic Power Station".

In Kim Stanley Robinsons Zukunftsroman "Red Mars" kommt bei den Kolonisten, die auf dem Mars eine Siedlung errichten, ein "Rickover" zum Einsatz, ein kompakter robuster Kernreaktor der Bauart, wie H. G. Rickover sie entwickelt hatte.

Antwort
von Klabauter2, 9

Die bereits vorliegende Antwort ist zwar im Prinzip richtig, aber in Bezug auf die Funktion von Herrn Rickover unpräzise bis falsch. Rickover war seit seiner Jugend (ab 1918 Militär und hatte als Soldat (US-Kriegsmarine) seine akademischen Titel (u.a. an der Columbia School of Engineering) erworben. Teil seiner militärischen Karriere: " Von 1929 to 1933 qualifizierte er sich für den Militärdienst auf Unterseebooten. 1945/46 wurde er (als Marineoffizier) in ein Team abgestellt, das im Rahmen des Manhattan Projektes (das primär die Entwicklung der Atombombe voran trieb - aber in diesem Rahmen bereits (zum Erbrüten von Plutonium) in Hanford (Staat Washington) einen (notwendigerweise) auch einen Wärme erzeugenden Reaktor betrieb. So war es naheliegend zu prüfen, ob man diese Wärmeentwicklung auch zum Antrieb von Schiffen nützen könnte. Für ein Unterseeboot war dies besonders nützlich, weil man zur Wärmeerzeugung keine Luft brauchte (anders als ein Dieselmotor). In USA ist es nicht unüblich, daß für solche Projekten auch das Wissen und Können von Privatfirmen (die zur Geheimhaltung verpflichtet werden) eingebunden wird. So ist die beschriebene Rolle von General Electric (in Schenectady - Entwicklungsrichtung ein für Unterseeboote geeigneter Siedewasserreaktor) und Westinghouse zu verstehen. In die Entwicklung eines "Atom-Motors" war dann auch das Atomforschungsinstitut in Oak Ridge (Tenesee) - neben Los Alamos eines der wichtigen (militärischen) Institute bei der Entwicklung der Atombombe eingebunden. Im Februar 1949 wurde Rickover (als Militäroffizier) Mitglied der Division "Atomkraft" und dort der Abteilung "Marinereaktoren". Daraus entstand dann das erste Atom-Unterseebot Nautilus (Stapellauf 1954) Kurz: Das Projekt Atomunterseeboot war ein militärisches Projekt, bei dem sich ein Druckwasserraktor als die bessere Methode herausstellte. Allerdings gab (gibt ?) es auch mit einem Siedewasserreaktor angetriebene Unterseeboote (Entwicklung durch GE - Schenectady) Die Entwicklungsabteilungen für militärische und die für zivile Kernreaktoren der Firmen Westinghouse und GE waren schon wegen der unterschiedlichen Geheimhaltungsvorschriften eindeutig getrennt - was aber gegenseitige Hilfen nicht ausschloß.

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