Frage von Crisa86, 247

Wer haftet bei Pferdetritt?

Mein Pferd steht in einem Pferdebetrieb. Dieser Pferdebetrieb hat mehrere Angestellte. Ein Angestellter hat leider einen blöden Fehler gemacht (Details erspare ich dem Leser jetzt) und wurde in Folge von meinem Pferd getreten. Der Angestellte wurde dabei nicht unwesentlich verletzt.

Wer haftet in diesem Fall? Meine Pferdehaftpflichtversicherung oder die Betriebshaftpflicht der Stallbetreiber?

Expertenantwort
von Dahika, Community-Experte für Pferde, 162

Da bei Pferden (und Hunden) eine Gefährdenshaftung besteht, wird nicht nach Schuld gefragt. Das Pferd ist dran. Ob dies freilich bei einem Angestellten des Betriebs anders ist, weiß ich nicht.

Das weiß aber die Versicherung. Von daher würde ich den Schaden kommentarlos und ohne Streit der Versicherung melden. Die bezahlen nicht, wenn du nicht haftbar sein solltest.

Vor ein paar Jahren ist bei uns einmal ein Pferd über meinen angebundenen und schlafenden Hund gestolpert. Der Hund hat sich dabei aufgerichtet, das Pferd erschrak, sauste los, der Sattel rutschte unter den Bauch und wurde beschädigt. Das Pferd leicht verletzt. Die Besitzerin des Pferdes wollte von mir vollen Schadenersatz haben. Das habe ich nicht eingesehen, denn der Sattel wäre nicht gerutscht, wenn die RB, statt mit ihrer Freundin zu schwatzen, den Sattelgurt angezogen hätte. Zudem hatte sie nicht aufgepasst, wo mein Hund schlief.

Ich habe aber den Schaden der Versicherung des Hundes gemeldet. Auch Hunde haben eine Gefährdenshaftung.

DAs Resultat sah so aus, dass die Versicherung die Tierarztbehandlung des Pferdes bezahlte - das war nicht teuer, mehr oder weniger nur eine Dose Blauspray - aber die Besitzerin des Pferdes für die Reparatur des Sattels selbst zuständig war. Denn die Beschädigung des Sattels war einzig auf die Baseligkeit der RB zurückzuführen.

Ich habe da gar nichts weiter gemacht, außer den Schaden zu melden. Das übernimmt schon die Versicherung.


Antwort
von wilees, 113

Möglicherweise beide nicht - sondern die gesetzliche Unfallversicherung. ( Berufsgenossenschaft )

Arbeitsunfall - Verletzung während der Arbeitszeit

Kommentar von DerHans ,

Wenn die BG hier die Möglichkeit sieht, eine andere Versicherung in Regress zu nehmen, ist sie dazu gesetzlich sogar verpflichtet.

Aber damit hat die Fragestellerin nichts zu tun. Das regeln die Versicherer untereinander.

Antwort
von Loroth, 70

Hallo,

grundsätzlich gilt bei Pferden die sog. "Gefährdungshaftung". D.h., dass der Gesetzgeber dem Pferdehalter ein sehr hohes Haftungsmaß auferlegt hat, weil man auch ohne Verschulden für Schäden, die durch das Tier entstehen, haften muss.

Das heißt aber nicht, dass damit die Haftungsfrage bereits erschöpft ist: Selbstverständlich kann es je nach Einzelfall (der hier ja leider nicht genau beschrieben wurde) durchaus zu einer Mithaftung anderer Beteiligter (hier z.B. der Stallbetreiber) kommen, wenn ein schuldhaftes Handeln oder Unterlassen vorliegt. Die hier bereits getätigten Aussagen, dass durch die Gefährdungshaftung die Haftungsfrage pauschal geklärt sei, ist also nur bedingt korrekt.

Und ebenso kann es - wieder je nach Fall - noch sein, dass sich der Geschädigte eine Mitschuld anrechnen lassen muss, was die Haftung des Pferdehalters ggf. wiederum mindert.

Generell empfiehlt sich daher, den Schaden umgehend, vollständig und korrekt der Versicherung zu melden. Von hier erfolgen dann die weiteren notwendigen Schritte.

Viele Grüße

Loroth

(P.S.: Es ist erstaunlich, welch vermeintlich definitive Aussagen hier mitunter getroffen werden, ohne dass der genaue Sachverhalt bekannt ist...)

Expertenantwort
von DerHans, Community-Experte für Versicherung, 128

Wenn du das Pferd dort für Geld eingestellt hast und der Mitarbeiter im Rahmen seiner Arbeitstätigkeit von deinem Pferd getreten wurde, ist das für ihn erst einmal ein Arbeitsunfall, der durch die Berufsgenossenschaft gedeckt ist.

Ob du als Halter hier heran gezogen werden kannst, wäre auf jeden Fall fraglich. Du hast ja durch das Einstellen des Pferdes den Betrieb mit der Aufsicht beauftragt und zahlst auch dafür.

Wenn eine Forderung an dich heran getragen wird, musst du diese UMGEHEND an deine Tierhalterhaftpflichtversicherung weiter leiten.

Diese tritt in diesem Fall auch für dich als eine passive Rechtsschutzversicherung auf. Sie wird einen unberechtigten Anspruch auch vor Gericht abweisen

Kommentar von netflixanddyl ,

@1Woodkid Erstens hat @DerHans recht, zweitens müsstest du sehen können, dass er Experte für Versicherung etc. ist

Antwort
von Buerger41, 37

Haftungsgrundlage  sind die §§ 834 in Verbindung mit 833 BGB. In §834 BGB heißt es:

Wer für denjenigen, welcher ein Tier hält, die Führung der Aufsicht über
das Tier durch Vertrag übernimmt, ist für den Schaden verantwortlich,
den das Tier einem Dritten in der im § 833
bezeichneten Weise zufügt. Die Verantwortlichkeit tritt nicht ein, wenn
er bei der Führung der Aufsicht die im Verkehr erforderliche Sorgfalt
beobachtet oder wenn der Schaden auch bei Anwendung dieser Sorgfalt
entstanden sein würde.

Eine Gefährdungshaftung des Eigentümers des Pferdetsscheidet eben wegen § 834 BGB aus. Auch der Hinweis auf Gefährdungshaftung ist abwegig.

Ein Anspruch gegen den Angestellten scheidet meines Erachtens aus, da dieser eine Gefahr geneigter Arbeit nachging.

Eine Haftpflichtanspruch gegen die BG ist Blödsinn. Einen Anspruch gegen die BG hat der Verletzte auf med. Behandlung und ggfls Rente. Das ist aber keine Haftpflichtanspruch.

Kommentar von Loroth ,

Hallo Buerger41,

etwas spät, aber dennoch eine Nachfrage von mir:

Wieso scheidet Deiner Meinung nach eine Haftung nach § 833 aus?

Wenn ich § 834 richtig verstehe, geht es doch da nur um die Haftung des Tierhüters.

Und so wie ich das verstehe, scheidet die Gefährdungshaftung des Tierhalters doch nicht deswegen aus, nur weil hier ggf. ein Tierhüter involviert ist, oder doch?

(Hinweis: Meine Nachfrage entspringt einem ehrlichen Interesse und folgt NICHT dem Wunsch, per se Recht zu haben. Dies nur weil man hier mitunter bei manchen Posts so einen Eindruck gewinnen kann und ich mich nicht in so etwas einreihen möchte...)

Kommentar von Buerger41 ,

Ich bin nicht immer dünnhäutig. Manchmal nur dann, wenn es arg turbulent im Betrieb war. Ich entschuldige mich, wenn ich Sie oder andere mal erschreckt habe.

§§ 833,834 regelt die Haftung bei Verletzung der Aufsichtspflicht vom Pferden. Nach dem Sachverhalt ist der Unfall durch einen Mitarbeiter des Tierhüters verursacht worden. §833 BGB setzt voraus, dass der Halter bei Ausübung seiner Aufsichtspflicht (dazu gehört auch die sorgfältige Auswahl des Tierhüters) die im Verkehr übliche Sorgfaltspflicht vernachlässigte ,§ 833,Satz 2,2. Halbsatz analog.

§834 BGB geht hier vor. Außerdem gibt der Sachverhalt nichts her ,dass der Halter Sorgfaltspflichten verletzt hat.

Man könnte m.E. eine Gesamtschuldnerhaftung nach § 840 BGB dann ansehen, wenn Tierhüter keine Aufsichtspflichtverletzung begangen hätte und der Tierhalter nicht den Beweis erbringen kann, den Hüter über alle Charaktermerkmale des Pferdes in Kenntnis gesetzt zu haben.

Man sollte in diesem Fall auch §840 Abs.3 BGB anwenden. Der Schaden ist durch einen Angestellten des Hüters verursacht worden. Dann ist ohnehin der Halter von Ansprüchen frei gestellt.

Eine Gefährdunghaftung wie z.B. bei einem Kfz ist die Regelung der §§833,834 BGB M.E. nicht. Aber ich gebe zu, das ist umstritten in Lehre und Rpsr.

Antwort
von Apolon, 58

@Crisa86,

ich müsste schon wissen, welcher Vertrag zwischen dir dem Pferdehalter und dem Pferdebetrieb besteht.

Außerdem,  in welcher Eigenschaft der Mitarbeiter von deinem Pferd getreten wurde und natürlich auch wie sich der Unfall zugetragen hat.

So pauschal kann man deine Frage nicht beantworten.

Antwort
von dap123, 117

Zunächst einmal solltest du den Fall der Tierhalterhaftpflichtversicherung melden, diese wird zunächst einmal dafür aufkommen und ggf. Regress bei der Betriebshaftpflichtversicherung fordern - das ist aber eher unwahrscheinlich.

Antwort
von Menuett, 72

Das dürfte zuerst ein Arbeitsunfall sein. Kann auch auf die Umstände ankommen.

Die Betriebshaftpflicht ist hier nicht zuständig, Deinem Pferd ist ja nichts passiert.

Den Schaden kannst du Deiner Tierhalterhaftpflicht melden, die wehren auch unberechtigte Forderungen ab.

Antwort
von peterobm, 109

dein Tier hat jemanden verletzt; damit dürfte die Tierhaftpflicht für aufkommen.

Antwort
von quantthomas, 83

Ich vermute, daß die Versicherung des Pferdebesitzers zahlen muss, denn das Pferd hat mit den Hufen einen Menschen verletzt. 

Kommentar von Crisa86 ,

Vermuten heißt nicht wissen, also warum kommentieren... 

Kommentar von quantthomas ,

Danke für die Belehrung!

Kommentar von Apolon ,

Deine Vermutung hilft niemandem weiter.

Bitte um Info, aus welchem Grund der Pferdehalter hier haften soll ?

Kommentar von quantthomas ,

Dann ziehe ich halt meine Vermutung zurück! 

Expertenantwort
von ponyfliege, Community-Experte für Pferde, 54

das ist im normalfall bei regulär angestellten die betriebliche unfallversicherung.

da bist du als pferdehalter nicht in der pflicht, weil der angestellte ja weisungsgemäss und im rahmen seiner arbeitstätigkeit mit dem pferd umgegangen ist.

der "fehler" kann schon relevant sein. daher ist das "ersparen" jetzt bissel blöd.

frag bitte dringend beim stallbetreiber nach, ob er den unfall schon gemeldet hat.

Antwort
von FGO65, 98

Zuerst einmal müsste die Schuldfrage geklärt werden.

Wenn der gemachte Fehler die tatsächliche Ursache war, was haben dann Besitzer oder Betreiber damit zu tun?

Kommentar von Crisa86 ,

Also: Der Angestellte hat drei Pferde gleichzzur Koppel geführt. Eins davon war meines. Beim Losmachen hat er meins zuerst vom Strick genommen. Mein Pferd hat sich (sehr wahrscheinlich) von den anderen bedroht gefühlt und beim losmachen getreten. Leider wurde kein Artgenosse, sondern der Angestellte getroffen. 

Kommentar von Dahika ,

Nein, es wird nicht nach der Schuldfrage gefragt. DAs ist ja das Besondere an der Gefährdenshaftung, die es bei Pferden und Hunden gibt. Ich bin vor einiger Zeit ausgeritten und passierte drei Jugendliche. Ich war etwas wachsam, da die drei Jungen reichlich durchtrieben aussahen. Und wirklich. Einer der Jungen haute meiner Stute kräftig auf den Po, als ich vorüberritt. Mein Pferd feuerte reflexartig aus, Gott sei Dank daneben. WEnn es getroffen hätte, wäre ICH dran gewesen. Obwohl wir beide unschuldig wie ein Lamm waren.

Antwort
von sukuum, 72

ich bin nicht sicher aber ich glaube er muss zum arzt einen arbeitsunfall melden. die berufgenossenschft meine ich zahlt

Kommentar von Dahika ,

aber da niemand etwas zu verschenken hat, kann es sein, dass sich die Berufsgenossenschaft dann an den Besitzer des Pferdes wendet, um das Geld wieder zu bekommen.

Kommentar von ponyfliege ,

eher nicht.

bei riskanten berufen ist die jahresprämie höher. dürfte in etwa so liegen, wie im tiefbau.

jemand, der nur büroleute beschäftigt zahlt entsprechend des geringeren risikos weniger ein.

Antwort
von 1Woodkid, 53

Natürlich DEINE Pferdehasftpflicht!

Kommentar von DolphinPB ,

Nein, so natürlich ist das keineswegs.

Und es ist eine Pferdehalterhaftpflicht, das Pferd ist nämlich überhaupt nicht versichert.

Kommentar von 1Woodkid ,

Nun,dann wird es teuer. Ist der Gaul nicht verichert muss der Halter für den Schaden aufkommen.

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