Frage von NicJudo, 119

Wer findet Judo ist der effektivste Kampfsport?

Antwort
von Enzylexikon, 50

Ich gebe jsch1964 absolut Recht:

Jede Disziplin ist nur so gut, wie derjenige, der sie ausübt.

Versprechen, die "effektivste/beste" usw. Methode zu lehren, sind einfach nur unseriöse Werbe-Slogans, die mit der Realität nichts zu tun haben.

Letztlich entscheidet nämlich nicht, ob man die 108 geheimen Techniken der Shaolin beherrscht, oder das Kampftraining der Navy Seals absolviert hat.

In einem Ernstfall geht es vor allem um Nervenstärke und Anpassungsfähigkeit, denn ein realer Kampf läuft nie wie geplant ab.

Beispiel A


Wenn ein erfahrener Boxer sich von den Tritten und dem akrobatischen Gehopse eines Kung Fu Anfängers verunsichern lässt, kann er sich nicht anpassen und wird trotz dutzender Meistertitel verlieren.

Bleibt der Boxer aber ruhig und schafft es, sich an die ungewohnten Techniken anzupassen, wir er den Möchtegern Bruce Lee im passenden Moment K.O. schlagen.

In diesem Fall war nicht die technische Überlegenheit entscheidend, oder die Anzahl der Kampferfolge, sondern die mentale Stärke, sich den bislang unbekannten Bewegungsmustern anzupassen.

Beispiel B


Ein realer Kampf könnte im Winter, auf einer rutschigen Straße stattfinden. Man trägt eine dicke Daunenjacke, hat schwere Winterstiefel an den Füßen, die Mütze tief in der Stirn und den Schal vor dem Gesicht.

Unter diesen Umständen zu kämpfen, ist etwas ganz anderes, als im frisch gestärkten Kampfanzug barfuß auf der Matte zu stehen und auf das Signal des Kampfrichters zu warten.

Auch in diesem Fall wäre nicht die Anzahl oder Effektivität der Techniken entscheidend, sondern erst einmal müsste man die mentale Stärke haben, sich den ungewohnten äußeren Bedingungen anzupassen.

Beispiel C

In einem realen Kampf gibt es keine Fairness und keinen Punkteabzug für nicht zulässige Techniken.

Wenn du die Möglichkeit hast, dem Angreifer Straßendreck ins Gesicht zu werfen, oder ihm eine Schneeschaufel um die Ohren zu hauen, dann gibt es zwei Möglichkeiten.

Entweder, man entscheidet sich dafür, diese Dinge zum eigenen Vorteil zu nutzen, oder aber man vertraut auf die bewährten Techniken, muss dann aber damit rechnen, dass der Angreifer diese Dinge gegen einen einsetzt.

Auch mit Kratzen, beißen, Anspucken, Kniestößen und Kopfstößen muss man rechnen, denn auf der Straße gibt es kein Fair play.

Hier ginge es wieder darum, sich mental auf die Situation einzustellen, einem möglicherweise völlig skrupellosen Schläger gegenüber zu stehen, der alle schmutzigen Tricks zu seinem Vorteil ausnutzt.

Beispiel D

Wie schon am Beispiel der Winterkleidung gezeigt, muss man damit rechnen, dass möglicherweise keine einzige Technik nach Lehrbuch eingesetzt werden kann.

Das liegt einfach daran, dass sich der Angreifer im Ernstfall nicht kooperativ verhält und andere Techniken einsetzt. Manches, was man gelernt hat, funktioniert dann einfach nicht

Man muss im Ernstfall also möglicherweise bisherige Grenzen überschreiten und einen Schlag voll durchziehen, oder den Angreifer beim Wurf weiter gepackt halten, anstatt ihn loszulassen.

Vielleicht ist auch ein strategischer Kniestoß zwischen die Beine sinnvoll. ;-)

Diese Anpassungen an den Ernstfall sehen nicht schön aus, Haltungsnoten wären miserabel und regelkonform wären sie auch nicht - die Hauptsache ist es jedoch, einigermaßen heil zu entkommen.

Man muss also die mentale Stärke haben, mit den plötzlich sichtbaren Mängeln des eigenen Stils klarzukommen.

Fazit

Du siehst, alle ernsthaften Probleme eines realen Kampfes haben weniger damit zu tun, ob der eigene Stil Tritte, Würgegriffe, Waffentechniken, Purzelbäume, oder Entwaffnungen umfasst, sondern mit dem eigenen Verhalten.

Meiner Meinung nach ist, im Vergleich zwischen mentaler Stärke und Stil, im Realfall der Stil nun wirklich das geringere Problem

Antwort
von jsch1964, 48

Jeder Kampfsport ist so gut, wie der, der ihn ausübt. Um einen echten Vergleich zu haben, müssten verschiedene Kampfsportler in verschiedenen Disziplinen gegeneinander antreten. Das wird in der Realität nicht passieren. Und außerdem: Was heißt für Dich "effektiv" und wie würdest Du das messen wollen?

Kein Kampfsport und auch keine Kampfkunst ist für sich alleine "die beste" oder "die schlechteste" und es kommt auch immer auf die Umgebung an, in der man sich befindet. In einer engen Kneipe oder Disco ist Judo bestimmt hilfreicher als Taekwondo oder Karate. Draußen vor der Tür - wenn es womöglich auch noch mehrere Angreifer sind - ist wahrscheinlich Boxen oder Krav Maga sinnvoller. Je formeller (oder formalisierter) eine Kampfkunst ist, desto weniger effektiv ist sie häufig. Das Extrembeispiel dazu ist aus meiner Sicht Tai Chi. Das soll angeblich einmal die effektivste Kampfkunst in China gewesen sein - aber guck Dir an, was daraus geworden ist. Dasselbe gilt für Iaido oder Kendo als schwaches Echo des alten Schwertkampfs. Im Judo trainierst Du den Kampf nach Wettkampfregeln. Das ist auch ok. Nur: Draußen im echten Leben klatscht keiner ab oder lässt Dich los, wenn Du abklatschst.

Es hilft wahrscheinlich am besten, wenn Du alle Deine Körperteile zur Vertreidigung effektiv einsetzen kannst und nicht auf bestimmte Ausgangssituationen angewiesen bist, wie z.B. beim Judo, wo Du Deinen Gegner unbedingt zu packen kriegen musst.

Antwort
von volker79, 52

Finde ich nicht wirklch. Ich finde generell Kampfsport (und ich habe früher selbst Judo gemacht) zur Selbstverteidigung ungeeigneter als Kampfkunst, da die Techniken sehr auf Wettbewerb ausgelegt sind.Den Gegner nicht verletzen, Technik immer gleichförmig ausführen damit die Kampfrichter sie beurteilen können, Techniken werden nur auf gleich gegen gleich (Judo gegen Judo, Karate gegen Karate, ...) aber nicht auf Variation (Judo gegen Boxer, Judo gegen Thaiboxer, ...) einstudiert.

In Kampfkünsten variieren die Techniken doch stärker. Es gibt keine Wettbewerbe, Techniken werden flexibler (und teilweise auch gefährlicher - wenn mich jemand angreift muss ich ihn zwar nicht gleich umbringen, aber ganz ehrilch, wenn ich ihm dabei den Arm breche, ist er selbst schuld) und auch in Variationen , zum teil sogar gegen erste Ansätze anderer Systeme trainiert.

Wenn schon wettbewerbesorientierter Kampfsport, kann man sich ja noch eher mit Boxen verteidigen, als mit Judo. Man lernt sofort "Deckung hoch" und knackige Schläge. Ganz ehrlich - was will man, außer mit jahrelangem Training jenseits des Schwarzgurtes vielleicht, auch nur ansatzweise mit Würfen gegen einen Schläger anfangen?

Antwort
von Ansegisel, 64

Ich habe jetzt nicht sooo viel Erfahrung mit Kampfsportarten, habe aber den einen oder anderen mal ausprobiert. Ich finde, Judo ist etwas zu griff- und haltelastig. Es gibt viele Möglicheiten, den Gegner aus dem Gleichgewicht und ihn zu Fall zu bringen usw.

Es fehlen aber meines Erachtens Elemente, wie man Angriffe einer "normalen" Kampfsituation abwehren kann oder wie man zu einem effektiven Gegenangriff übergeht, ohne dem Gegner im wahrsten Sinne des Wortes in den Armen zu liegen, also sehr nah an ihn heran zu müssen.


Kommentar von NicJudo ,

@Ansegisel Ich mache selbst Judo und muss die zustimmen, dass es ein sehr Grifflastiger Sport ist, wenn 2 judokas gegeneinander kämpfen. Aber wenn jemand der nicht weiß, dass der Gegner judo beherscht angreift reicht auch ein lockerer Griff.

Kommentar von Ansegisel ,

Das möchte ich auch gar nicht bestreiten. Im Ernstfall will man es nicht mit einem Judoka zu tun haben. Allerdings denke ich, dass man als Otto-Normal-Mensch sehr lange sehr viel trainieren muss, um mit Judo vernünftig in einer hoffentlich nie eintretenden ernsten Situation bestehen zu können. Mir war es immer wichtig - und da sind wir wieder bei der Effektivität - dass ich mit einigen Grundlagen wenigstens ein bisschen was abwehren kann, bevor ich mich umdrehe und weglaufe :) Und dafür war mir Judo einfach immer zu körperlich nah.

Expertenantwort
von kami1a, Community-Experte für Muskulatur, 30

Hallo! Effektiv - wofür bitte? Kann mich an einen Prozess vor 2 Jahren erinnern in dem 2 international erfolgreiche Kampfsportler angaben gegen 2 Straßenkämpfer keine Chance gehabt zu haben. Judo ist in einem solchen Fall eh nicht geeignet weil man einen zu engen Körperkontakt braucht. Schläge / Tritte sind da allemal effektiver als Griffe. Habe ich genau so auch mal von einem international aktiven Judoka gehört. 

















Ich wünsche Dir viel Glück und Erfolg.







Antwort
von krd512, 31

Wenn die Person sportlich ist und sich anpassen kann dann ist es sehr effektiv.

Antwort
von NoName8282, 33

Taekwondo ist besser oder MMA

Antwort
von kofDE, 47

Nicht so..

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