Frage von KleinesKatzal, 33

Wer bin ich und was soll ich tun?

hallo, seit einpaar tagen erkenne ich mich selber nicht mehr und weiß einfach nicht mehr was ich tun oder machen soll, immer mehr erkenne ich dass wer ich früher war eigentlich gar nicht mehr existiert, dort wo ich früher sehr schüchtern war bin ich jetzt sehr offen o.o Mein Verhalten, mein Benehmen und Denken ist sehr eigen. Ich frage mich -wie konnte das passieren? und wer bin ich wirklich?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Grimwulf78, 7

Hallo KK und Kompliment für die Frage!

Gut dass sie jetzt schon kommt und nicht erst nachdem die HälfteDeines Lebens schon gelaufen ist, wie bei Vielen.

Also erst mal die schlechte Nachricht: Keine Religion, Ideologie,Philosophie, Gruppenzugehörigkeit, politische Meinung, Nationalität, oderClique kann Dir diese Frage beantworten :/

Ich empfehle Dir trotzdem das alles mal auszutesten, da man ...

A: Erfahrungen nicht von Anderen übernehmen kann sondern nur ansich selbst "erfahren"

B: Reflektierende Menschen (zu denen Du offenbar zählst)vollkommen zurecht niemandem irgendwas einfach so glauben

Die gute Nachricht: Die Antwort auf die Frage wer Du bist istrelativ leicht zu erfahren, wenn auch schlecht zu beschreiben.

Ich hol mal etwas aus: Ein Kleinkind ist erstmal neutral, wertfreiund saugt alles auf was seine Sinne wahrnehmen. Da der Verstand noch keinegespeicherten Vorerfahrungen hat auf deren Basis er die Eindrücke seinerSinnesorgane deuten, mit Namen bekleben, in die passenden Schubladenwegsortieren und gut oder doof finden könnte, ist für ein Kleinkind die ganzeWelt "fresh and new".

Dann beginnt das Elend mit Deinem Namen. Du bekommst zwei Bezeichnungen. EineIndividuelle (Lena, Jule ...)  und im zweiten Teil eine, die Dir bereitseine Gruppenzugehörigkeit zuordnet (Familie). Hinzu kommt Deine Einordnung indie Geschlechtsgruppe "Weiblich".

Oft gibt's mit der Namensgebung auch gleich eine Einordnung ineine Religionsgemeinschaft (unabhängig von Deinem Glauben, der Dir erst noch hineinkonditioniert wird bist du erst mal Teilder Gruppe "Christ"). In Deiner Geburtsurkunde (die Deine Existenzjuristisch bezeugt) wirst Du dann noch einer Nation und einem Landkreiszugeordnet. So geht das immer weiter. Im Kindergarten: Teil der Bärchengruppe,oder warst Du ein Marienkäfer? In der Schule geht's dann richtig los. Da wirstDu Schülerin, unterteilt in die Kategorien "gut" oder"schlecht". Bewertung erfolgt durch Zahlen, die DeineQualität beziffern, damit andere sich nicht die Mühe machen müssen sichmit Dir und Deinem Potential als Mensch auseinanderzusetzen. Eignung zum Umgang mit mathematischen Themen: 2,, Eignung zum Umgang mit geografischen Sachverhalten: 4... tauglich oder nicht tauglich... wofür kann das System Dich einsetzen?

Du wirst weiterdurchsortiert. Nebenbei suchst Du Dir selbst weitere Identitätsmerkmale:Klarinettistin, Volleyballerin, Animefan, Borussiafan, Pferdenärrin, Punk,Philosophin, ... Etiketten, Etiketten, Etiketten ...

Das geht endlos so weiter und jeder neue Kategorie nehmen wir und fügen sie dem Hinzu was wir Identität nennen, Ich oder auch Ego.

Dadurch entsteht die Illusion wir seien etwas grundlegend Anderes als die anderen Menschen, isolierte Einheiten die in einer Art Wettbewerb miteinander und mit unserer Umwelt lebten. Wir laden unsere schlichte, schöne Gegenwart hier und jetzt auf mit gedanklichen Gebilden in dem verzweifelten Wunsch unserem Dasein auf diesem Planeten einen Sinn zu geben.

Denken ist die Ursache dieser Spaltung und des daraus entstehenden Leids. Denken kann also nicht die Lösung für unsere Probleme sein.

Die Lösung ist schlicht die Wahrnehmung des Hier und Jetzt und zwar frei von Bewertung, Kategorisierung, Identifikation mit den Gedanken...

Denken sollte ein Werkzeug sein um uns die Welt zu erschließen. Zunehmend ist es aber so und das wirst Du sicher auch schon gemerkt haben, dass das Denken UNS benutzt. Die Lösung besteht nicht darin mit dem Denken aufzuhören sondern zu realisieren dass Du nicht Deine Gedanken BIST. Du bist nicht Frau, Christin, weiß und Deutsch... das sind lediglich Kategorien die wir erschaffen haben um die Welt in verdauliche Häppchen zu unterteilen.

Die Lösung ist viel einfacher: Du BIST. Das zu realisieren und zwar nicht über gedankliche Herleitung und kognitive Erkenntnis sondern schlicht dadurch das Du in Dich hineinfühlst und dort das Leben spürst, Deinen Atem, Deinen Herzschlag, die Wärme die Dein Organismus produziert, das Blut das durch Deine Hände fließt... Gegenwärtigkeit, Achtsamkeit, Bewusstheit, Erleuchtung... auch hierfür hat der Mensch viele Etiketten entwickelt. Sobald Du in der Lage bist im Hier und Jetzt zu sein, hast Du die Basis für die Antwort auf Deine Frage geschaffen.

Klingt simpel? Ja und nein. Die meiste Zeit sind wir nicht in der Gegenwart. Unser Verstand bewegt sich meist entweder in den gespeicherten und auf Basis unserer Vorprägung eingefärbten Abbildern von Dingen die bereits gewesen sind (Vergangenheit) oder es konstruiert Geschichten darüber wie kommende Momente sein könnten, sollten, nicht sein sollten, nicht sein dürfen... also Bilder von dem was wir als Zukunft definieren. Das noch keine einzige Zukunft jemals exakt in der Form eingetreten ist wie wir sie uns ausmalen hält uns nicht davon ab es weiterhin zu tun. Unsere Baumaterialien sind Wünsche, Hoffnungen, Ängste, Träume ... kurz Gedanken. Auf dem Fundament malen wir uns bunte Bilder von dem was vielleicht noch kommen möge und das Leben lacht sich kaputt.

Sobald Du einmal realisierst, dass Du nicht Deine Gedanken und Konzepte BIST sondern sie lediglich denkst, wird Dir klar, dass Du Deinem Leben zu jedem Zeitpunkt die Form geben kannst die Du ihm geben möchtest. Es gibt nichts Physisches das Dich an einen Glauben, eine Nationalität oder irgendeine Überzeugung bindet. Du kannst Dich heute mit Autonomen und morgen mit Nazis unterhalten, heute mit Bibelforschern und morgen mit Satanisten, Du kannst Dich heute mit Borussia freuen dass sie gewonnen haben und morgen mit Bayern, wenn Dir solche Zuordnungen dann noch etwas bedeuten.

Das Entscheidende aber ist, Dir wird allmählich klar, dass Du Teil dessen bist was Dich umgibt. Die Atome aus denen Deine physische Form besteht wurden vor Jahrmillionen in irgendeinem Stern gebacken und haben seitdem die Form von vielleicht Steinen, Schildkröten, Bäumen oder Wasser angenommen bevor sie sich dann als Du manifestiert haben. Alles steht mit Allem auf eine sehr physische Art in ständigem Austausch. Energie verschwindet nie, sondern wird immer umgewandelt und Du bist mittendrin im ewigen Tanz des Lebens.

Diesen Tanz aktiv mitzutanzen, Deinem Tun immer die Form zu geben die Dir grad als die Richtige erscheint und dabei zu wissen dass Du nicht daran gebunden bist, dass Du zu jedem Zeitpunkt alles tun kannst, was die Gesetze der Physik Dir erlauben und dass das einzige was Dich davon abhalten kann Gedanken sind, das ist eine unfassbare Freiheit.

Ist es deswegen egal was Du tust? Nein. Denn aus einem Bewusstsein der Gegenwärtigkeit heraus ist sehr einfach zu erkennen, ob Du mit Deinem Handeln Deiner Quelle Energie nimmst oder ihr etwas hinzufügst. Die Aufgabe des Menschen auf der Welt besteht meiner Ansicht nach darin, durch unsere einzigartige, geradezu magische Fähigkeit Gedanken zu konstruieren und diese Gedanken in die Wirklichkeit zu bringen. Wir KÖNNEN beobachten, herleiten, konstruieren, erschaffen, verändern und der Wirklichkeit weitere Formen hinzufügen. Entscheidend ist, dass wir es nicht müssen und dass das Werkzeug des Denkens unseren Absichten dienen kann, wir aber nicht den Fehler machen dürfen dem Denken zu dienen, denn die Folge davon ist immer die Illusion von Trennung und in letzter Konsequenz fühlbares Leid und Konflikt.

Ich hoffe dass es mir gelungen ist, Dir mit dem unzureichenden Mittel der Sprache eine Ahnung von dem zu geben, was man leicht er-leben aber schlecht er-klären kann. Unterm Strich ist es das, was alle möglichen Lehrer meinen wenn Sie davon sprechen seinem Herzen zu folgen, den Gott in sich zu entdecken oder sich "von der Macht leiten zu lassen" um es mit Obi Vans Worten zu sagen.

Es ist gar nicht so wichtig WAS Du tust, sondern aus welchem Bewusstsein heraus Du es tust. Die einfachste Aufgabe kann entweder die Reproduktion von dem werden was schon tausendfach existiert oder, wenn sie aus einer Haltung der Gegenwärtigkeit heraus getan wird, etwas Neues, nicht von dir sondern durch dich in die Welt bringen, das mehr ist als die Summe seiner Teile.

Puuuh... das war viel, auch für mich. Vielleicht hilft es Dir dabei einige Sackgassen auf der Suche nach dem Sinn des Lebens zu umschiffen.

Wichtig ist: Glaube nichts und niemandem, auch mir nicht. Glauben in jeder Form ist das Ende des Erkenntnisprozesses. Übernimm keine fertigen Konzepte und lauf keinen Lehrern oder Gurus hinterher die sich selbst als Solche bezeichnen. Benutze immer Deine Sinne und Deinen Verstand (als Werkzeug) um es für Dich erlebbar zu machen oder es für Dich zu widerlegen. Hinterfrage Alles! Und wenn jemand behauptet die Wahrheit zu kennen und Dir mit Geboten oder Verboten in irgendeiner Form kommt, dann lauf schnell und weit...

Alles Liebe!!!

Kommentar von KleinesKatzal ,

Danke erstmal für diese XXXL lange  Nachricht - ein zwei sätze hätten auch gereicht :D

Antwort
von schokocrossie91, 24

Du bist 17 und mitten in der Pubertät, das ist ganz normal. Kein Mensch wird fertig geboren. Besonders in der Pubertät und in den Zwanzigern finden Persönlichkeitsänderungen statt.

Antwort
von SarahRomy, 33

Vielleicht bist du einfach ein Stück mehr erwachsen geworden?

Schreib mal Tagebuch oder rede mit dir vertrauten Menschen darüber, das hilft, wieder einen klaren Kopf zu bekommen. :)

Kommentar von KleinesKatzal ,

Hab ich schon versucht.

Antwort
von TheAllisons, 33

Du solltest mal das Kiffen lassen, dann hast du wieder klaren Kopf

Kommentar von KleinesKatzal ,

Ich saufe, trinke und kiffe nicht ---

Antwort
von Zumverzweifeln, 31

Du bist erwachsen geworden- ganz einfach.

Offen statt schüchtern- ist doch ok.

Antwort
von Tamtamy, 32

Wie alt bist du? (Ehrlich gemeinte Frage)

Kommentar von KleinesKatzal ,

17 warum?

Kommentar von Tamtamy ,

Okay, mit 17 ist einiges in Bewegung, was die eigene Persönlichkeit angeht. Das ist ja auch gut so!
Macht es dir irgenwie Angst, oder ist es für dich eher 'spoannend'?

Kommentar von KleinesKatzal ,

Weder noch

Kommentar von Tamtamy ,

Dann scheint doch alles gut zu sein, oder zumindest so, dass man damit leben kann... (;-)

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