Frage von Middelmann, 133

Wer bestimmt in Deutschland was eine Religion ist?

Z. B. wer hat nachgeforscht was den Islam zu einer Religion macht?

Antwort
von 1988Ritter, 21

Religionsgemeinschaften

Die Vereinigungsfreiheit des Grundgesetzes erlaubt jede Form des Zusammenschlusses zu Vereinen und Interessenverbänden mit religiösen, politischen oder kulturellen Zwecken. Für das Zusammenwirken von Staat und Religionsgemeinschaften setzt das Grundgesetz aber die Organisation von Gläubigen in Religionsgemeinschaften im rechtlichen Sinne voraus. Der Staat kann wegen seiner Verpflichtung zur Neutralität in religiösen und weltanschaulichen Fragen beispielsweise die Inhalte eines bekenntnisgebundenen Religionsunterrichts nicht selbst bestimmen, sondern ist hierzu auf die Religionsgemeinschaften angewiesen.

Unter Religionsgemeinschaften versteht das Grundgesetz Vereinigungen von natürlichen Personen, die sich mit dem Ziel verbunden haben, sich der gemeinsamen Ausübung ihrer Religion zu widmen. Gegenstand der Religionsgemeinschaft ist die Pflege eines gemeinsamen religiösen Bekenntnisses. Andere Zwecke, etwa die Kultur- oder Brauchtumspflege, konstituieren keine Religionsgemeinschaft. Sie dürfen daher nur Nebenzwecke einer Religionsgemeinschaft sein. Religionsgemeinschaften dienen der umfassenden Erfüllung der durch das religiöse Bekenntnis gestellten Aufgaben. Sie unterscheiden sich damit von den religiösen Vereinen, die sich nur Teilaspekten des religiösen Lebens widmen.

Einige Religionsgemeinschaften haben den ihnen verfassungsrechtlich garantierten Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts, anderen Religionsgemeinschaften ist dieser Status unter bestimmten Voraussetzungen auf ihren Antrag hin zu gewähren (Art.140 GG in Verbindung mit Art. 137 Abs. 5 WRV). Dieser Status räumt den Gemeinschaften, die ihn besitzen, bestimmte Vorzüge ein, wie z.B. das Recht, Steuern von ihren Mitgliedern zu erheben und den Staat zu beauftragen, diese einzuziehen und an die Religionsgemeinschaften weiterzuleiten. Die als Körperschaften des öffentlichen Rechts organisierten Religionsgemeinschaften genießen auch andere Vorteile z.B.Steuer- Gebühren- und Kostenbefreiungen. Sie haben eine Wahlmöglichkeit, die Rechtsstellung ihrer Bediensteten privatrechtlich oder öffentlich-rechtlich auszugestalten. Die als Körperschaften des öffentlichen Rechts organisierten Religionsgemeinschaften nehmen allerdings keine Staatsaufgaben wahr. Sie sind nicht in die Staatsorganisation eingebunden und unterliegen keiner staatlichen Aufsicht; sie sind vielmehr verfassungsrechtlich anerkannte Körperschaften eigener Art mit besonderen Rechten.

Die Verleihung des Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts ist Sache der Länder. Sie dürfen ihn nur verleihen an Gemeinschaften, die durch ihre eigene rechtliche Verfassung und die Zahl ihrer Mitglieder die Gewähr eines dauerhaften Bestands bieten (Art. 140 GG in Verbindung mit Art. 137 Abs. 5 WRV). In der Staatspraxis werden als Indizien hierfür eine bestimmte Anzahl von Mitgliedern, eine hin-reichende finanzielle Ausstattung und eine Bestandszeit von in der Regel 30 Jahren in der Bundesrepublik vorausgesetzt.

Darüber hinaus muss die Religionsgemeinschaft nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts erwarten lassen, dass sie die ihr übertragene Hoheitsgewalt in Einklang mit den verfassungsrechtlichen und sonstigen gesetzlichen Bindungen ausübt und ihr künftiges Verhalten die fundamentalen Verfassungsprinzipien, die dem staatlichen Schutz anvertrauten Grundrechte Dritter sowie die Grundprinzipien des freiheitlichen Religions- und Staatskirchenrechts des Grundgesetzes nicht gefährdet

http://www.bmi.bund.de/DE/Themen/Gesellschaft-Verfassung/Staat-Religion/Religion...

Antwort
von oelbart, 31

Die Frage ist erstmal, warum Du eine Weltanschauung überhaupt als "Religion" anerkennen lassen willst.

Einen tatsächlichen anderen Rechtsstatus haben "anerkannte Religionsgemeinschaften". Diesen Status haben m.W. in Deutschland die katholische und evangelischen Kirchen und in einigen Bundesländern auch gewisse islamische Gemeinschaften (bin mir da aber nicht so sicher). Es war auch mal die Rede davon, dass die Zeugen Jehovas diesen Status in Berlin beantragt haben, bin mir aber auch nicht sicher, was daraus geworden ist.

Mit diesem Status hängen einige Privilegien zusammen, zb was den Religionsunterricht an Schulen angeht oder die Möglichkeit, Mitgliedsbeiträge via "Kirchensteuer" zu erheben. (Für letzteres zahlen allerdings die Kirchen auch, weshalb das m.W. die anderen Gemeinschaften nicht machen - lohnt sich einfach für die meisten nicht.)

Aber wie gesagt: Für diesen Status muss die Weltanschauung nicht nur als "Religion" eingestuft werden, sondern die konkrete Organisation auch als "Religionsgemeinschaft", also als eine bedeutende Vertretung der Gläubigen.

Ein anderer Grund, weshalb man seine Weltanschauung als "Religion" deklariert haben will, sind zb die steuerlichen Vorteile bei "Gottesdiensträumen", die Gründung von "Tendenzbetrieben" usw. Um diese Regelungen aufs Korn zu nehmen gibt es die sogenannten "Pastafaris", die bewusst eine Satirereligion gegründet haben, um damit diese rechtlichen Bestimmungen durch den Kakao zu ziehen. 

In dem Fall wird aber m.W. von Fall zu Fall entschieden, ob das Gesetz tatsächlich auf genau diesen Fall passt...

Btw: Die Frage, was "Religion" eigentlich ausmacht, ist akademisch nicht uninteressant und wird immer noch diskutiert.

Antwort
von Klaraaha, 59

Religionen sind z.B. auch Weltanschauungsvereine und Körperschaften des öffentlichen Rechts. Ob es sich um eine Religion im üblichen Sinne handelt ist nicht so wichtig. Zum einen müssen sie über eine größere Mitgliederzahl verfügen und sie müssen diesen Körperschaftstatus beantragen. Die beiden Großkirchen mußten das nicht, denn seit der Trennung von Kirche und Staat hatten sie diesen Status. Ob man diese Vereine  nun als Sekten oder Religionen ansieht ist nicht so wichtig, denn alle müssen sich an die Verfassung halten, sonst können sie verboten werden.  Am besten du liest dich über Körperschaften des öffentlichen Rechtes ein, ganz speziell zu den Weltanschauungsvereinen bzw. Religionen. Auch nichtreligiöse vereine können diesen Staus haben. 

Antwort
von Ryukia, 77

Es hat keiner Nachgeforscht nach hunderten von Jahren ist dies einfach entstanden. Durch Glauben und angebliche Schriften von früher. Bibel und Koran etc.

Im Mittelalter und auch davor war das Christentum sehr verbreitet. Da die Technologie noch nicht soweit war wie heute. Früher hast du alles geglaubt was dir erzählt wurde.

Ich würde einfach sagen die Menschheit ist viel schlauer geworden als früher.

Kommentar von Middelmann ,

also ist eine Religion nur von der Anzahl der Gläubigen abhängig und wenn genug dran glauben wird nicht hinterfragt ob die Gedanken gefährlich sind?

Kommentar von Ryukia ,

So ist es. Wäre früher z.B der Satanismus (extremer Vergleich) eher gewesen als der Christentum, hätte man die Christen heute als Sekten bezeichnet.
Ich glaube auch nicht wirklich dran, da jeder Vollidiot die Bibel oder den Koran hätte schreiben können.

Ich bin eher wissenschaftlich veranlagt. Bis heute kann keiner so genau nachweisen voher diese Schriften kommen und von wem.

Im Mittelalter haben viele Christen Geld eingefordert von den Bauern und Ihnen für eine gewisse Summe einen "Schein" auszustellen die einen von allen Sünden befreit. Dazu kommt noch das die Christen genug Kriege früher geführt haben, oder Menschen mit mehr Kenntnissen verbrannt, da es in Ihren Augen Hexen waren.

Es hängt meiner Meinung nach vom Menschen ab, man kann glauben oder nicht. Jeder sollte dies selbst wissen.

Antwort
von hutten52, 63

Berechtigte Frage, weil es ja Religionen wie den Islam gibt, die gleichzeitig eine Herrschaftsideologie und ein Rechtssystem (Scharia) sind, die mit dem Grundgesetz nicht vereinbar sind.

Bisher geht unser Staat davon aus, dass jede Religion, die sich selbst so nennt, auch eine ist. Man kannte eben 1949 nur Religionen in Deutschland, die den Vorrang des Staates anerkenne und nicht mehr eigene Gesetze aufstellen wollen. Man sollte heute unbedingt genauer hinschauen. 

Kommentar von Klaraaha ,

Das war schon vor 1949. Man hat vieles aus der Weimarer Verfassung übernommen. Ansonsten hast du recht, denn viele interessiert es gar nicht, dass die Verfassung über den religiösen Geboten oder Vorschriften steht.

Antwort
von nowka20, 2

niemand, denn das grundgesetz erlaubt religionsfreiheit in deutschland

Antwort
von minimaxi2006, 23

Der Islam ist eine Weltreligion mit über 1,8 Mrd. Anhänger!

Die BRD hat diesbezüglich in ihrer Verfassung GG, entsprechende Haltung die übrigens alle Religionen betrifft!

Die BRD ist ein sekulärer Staat der sich zu keinem glauben bekennt, die christliche Vergangenheit des Landes wird als dessen Prägung für Mensch und Kultur jedoch berücksichtigt!

Antwort
von paulklaus, 6

Eine Religion wird nicht bestimmt, sondern entwickelt sich durch Kultur, Mythen und Riten über Jahrhunderte.

pk

Antwort
von earnest, 15

Die Gläubigen selbstverständlich.

Wie Vater Staat das dann (körperschaftlich) einstuft, ist eine andere Geschichte.

Gruß, earnest

Antwort
von Kayseriii, 57

Versteh ich nicht

Kommentar von Middelmann ,

Es muss doch jemanden geben der Religionen prüft ob sie wirklich welche sind und nicht nur Sekten die andere verdrängen wollen. Eine von der AFD sagt der Islam ist keine Religion. Dass sich manche empören ist doch klar. Aber wer hat das wissenschaftlich geprüft?

Kommentar von anastasya5 ,

Ich würde sagen Googlen ;) aber der Islam ist schon länger anerkannt und was würde ihn deiner  Meinung nach den bitte zu Sekte machen ?

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten