Frage von Poema, 598

Wer berechnet den nachehelichen Unterhalt bei einer einvernehml. Scheidung, wenn der Anwalt nur für Scheidung selbst und Versorgungsausgleich beauftragt wird?

Hallo, weiß jemand, ob man bei einer einvernehmlichen Scheidung das Gericht mit der Ausrechnung des nachehelichen Unterhalts selbst beauftragen kann oder muss es unbedingt über einen Anwalt laufen? Danke voraus.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von DFgen, 510

Begehrt ein Ehepartner vom anderen nachehelichen Unterhalt, so muss sein Anspruch im Rahmen des Scheidungsverfahrens erst einmal angemeldet und geprüft werden - das geschieht durch seinen Anwalt. Der Richter spricht daraufhin den Unterhalt zu oder nicht.

Wurde kein nachehelicher Unterhalt beantragt und zugesprochen, muss auch keiner gezahlt werden. 

Freiwillige Leistungen müssen weder von einem Anwalt noch Richter berechnet werden, da sie lediglich auf Absprachen zwischen den Ehepartnern beruhen....

Antwort
von DerHans, 430

Unter anderem deswegen wird eine Scheidung von einem Gericht ausgesprochen. 

Ein Anwalt schreibt in seinem Schriftsatz genau das, was SEIN Klient gerne möchte.

Antwort
von Gerneso, 558

Nachehelicher Unterhalt entfällt heute in der Regel. Nur in sehr wenigen Ausnahmefällen wird solcher überhaupt fällig (langjährige Hausfrauen-Ehe geschlossen vor Jahr xy, etc.).

Kommentar von Poema ,

Vielen Dank für Deine Antwort. Mein Sohn will (Ehedauer- momentan 5,5 Jahre, 2 Kinder, 3,5 und 5 J.a.), dass seine Frau es schwarz auf weiß hat, damit sie keine Ansprüche mehr stellt. Er wird den Kindesunterhalt nach der Düsseldorfer Tabelle leisten und für sie nur so lange bezahlen, wie es nötig ist. Soll es doch der Richter entscheiden, wie lange nach der Scheidung Unterhalt bezahlt wird? Aber ohne, dass man einen Anwalt dazu benötigt.

Kommentar von Gerneso ,

Kindesunterhalt ist ja was ganz anderes. Das hat nichts mit nachehelichem Unterhalt an den Ex-Ehepartner zu tun. Ansprüche kann die Noch-Ehefrau gerne stellen, aber da die Kinder bereits über 3 sind, dürfte nach der Scheidung (nach dem Trennungsunterhalt bis zur Scheidung) nichts mehr auf Deinen Sohn zukommen, was Unterhalt für die Ex betrifft. Kindesunterhalt muss er natürlich leisten.

Problem könnte folgendes sein: Einvernehmliche Scheidung bedeutet BEIDE Partner stimmen der Scheidung vor Gericht zu. Nur in dem Fall kann die Ehe bereits nach einem Trennungsjahr geschieden werden. Die Ehefrau hätte durchaus die Möglichkeit der Scheidung NICHT zuzustimmen (behaupten, für sie ist die Ehe noch nicht endgültig gescheitert). In dem Fall kann ein neuer Antrag auf Scheidung erst nach Ablauf von 3 Trennungsjahren gestellt werden. Dein Sohn müsste bis dahin also noch weiter Trennungsunterhalt bis zur Scheidung an die Dame zahlen.

Hat sie denn einen eigenen Anwalt? Dann kann es sein, dass sie dieses Ass noch zieht (anwaltliche Beratung) und dass sie nur gegen "Abfindungszahlung" bereit ist schon jetzt der einvernehmlichen Scheidung zuzustimmen. Das muss Dein Sohn sich dann mal ausrechnen, was ihn billiger kommt. Abfindungszahlung oder noch mindestens 2 weitere Jahre Trennungsunterhalt bis zur Scheidung an die Frau zahlen.

Kommentar von Poema ,

Sie hat den Scheidungsantrag selbst gestellt (sie liebt meinen Sohn nicht mehr, so ihre Begründung) und hat einen Anwalt, der versucht hat, als er sie zufällig getroffen hat, sie umzustimmen, ihr würde was entgehen, wahrscheinlich, meinte er das, was Du gerade beschrieben hast, also das Ganze in die Länge zu ziehen. Aber weil es einvernehmlich sein muss (Trennungs-und Scheidungsfolgenvereinbarung liegt vor, da steht, dass über den nachehelichen Unterhalt das Gericht entscheiden wird, alles andere ist geregelt), ist sie noch bereit, dem Anwalt mitzuteilen, dass sie ihn nur mit der Scheidung und Versorgungsausgleich beauftragt. Dann wird wahrscheinlich so sein, dass das Gericht es wegen dem Trennungsunterhalt urteilen muss, weil es von beiden Parteien erwünscht wird?

Kommentar von Gerneso ,

Für Deinen Sohn wäre es natürlich am besten, wenn er in die Scheidungsfolgenvereinbarung auch hätte aufnehmen lassen, dass das Paar gegenseitig auf nachehelichen Unterhalt verzichtet. Wenn man so ein Vereinbarung schon macht, nimmt man das in der Regel auch auf, es sei denn einer hat vor da eventuell doch noch was rauszuholen.

Wovon lebt die Frau denn momentan? Und ist das Einkommen Deines Sohnes deutlich höher als ihres?

Einen Scheidungsantrag kann man übrigens nicht "selbst" stellen. Den kann nur ein beauftragter Anwalt stellen.

Kommentar von Poema ,

Danke für Deinen Hinweis!

Mein Sohn wird mit der Lohnsteuerklasse I etwa 2,5-2,6 tsd. netto verdienen, meine Schwiegertochter hat vor der Ehe max. 1000 Euro netto verdient, sie arbeitet jetzt nicht, kriegt aber bis Ende April noch 500 Euro ALG 1. Weil die Kinder noch klein sind, wird sie wohl finanziell noch lange vom Unterhalt meines Sohnes abhängig sein. Er ist auch bereit, ihr noch ein paar Jahre Unterhalt zu zahlen, bis sie eine Arbeit findet und die Kinder größer werden. Er wünscht, dass ihr und den Kindern gut geht.


Kommentar von Gerneso ,

Weil die Kinder noch klein sind, wird sie wohl finanziell noch lange vom Unterhalt meines Sohnes abhängig sein.

Soo klein sind die Kinder ja nicht mehr...... Viele Mütter arbeiten mit Kindern in dem Alter wieder voll - die meisten davon aus finanziellen Gründen und nicht weil sie sooo gerne arbeiten.

Er ist auch bereit, ihr noch ein paar Jahre Unterhalt zu zahlen, bis sie eine Arbeit findet und die Kinder größer werden.

Wenn seine Frau das weiß, ist das natürlich schon mal schlecht. Er sollte sich vor irgendwelchen Aussagen mal selbst anwaltlichen Rat holen. Aus meiner Sicht ist es der Dame absolut zuzumuten zumindest mal Teilzeit - eigentlich aber sogar Vollzeit zu arbeiten und dazu kommt ja noch Kindergeld und Kindesunterhalt. Wenn sie ALG1 bezieht bedeutet das ja auch, dass sie dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht und Bewerbungen schreibt. Wenn sie jetzt in einem Jahr ALG1 Bezug nichts gefunden hat, wird es danach sicher nicht einfacher was zu finden. Aber wenn Dein Sohn GERNE Unterhalt auch für sie zahlt, ist das ja kein Problem. Dann soll er das tun. An seiner Stelle hätte ich mich aber schon längst bei einem eigenen Anwalt informiert was Sache ist und LIEBER dem Anwalt sein Honorar bezahlt als der EX eventuell unnötig Geld hinterher zu werfen.

Kommentar von Poema ,

Ich danke Dir ganz-ganz herzlich! Deinen Rat gebe ich meinem Sohn weiter. Meinst Du, dass man einen Anwalt nur für den Unterhalt beauftragen kann?

Kommentar von Gerneso ,

Da Dein Sohn ja keinen Unterhalt beantragen möchte, braucht er dafür auch keinen Anwalt. Er braucht einen Anwalt um hier nicht über den Tisch gezogen zu werden. Der Anwalt wird nach Aufwand bezahlt. Dein Sohn sollte also seinem Anwalt alle Unterlagen zur Verfügung stellen und hier keinerlei Zusagen gebenüber der gegnerischen Partei mehr tätigen, sondern alles über seinen Anwalt laufen lassen. Sein Anwalt kann ihm dann auch sagen, was auf ihn zukommen könnte / wird und wie man unnötige Zahlungen an die Ex vermeiden kann. Eigentlich hätte er sich sofort einen Anwalt nehmen müssen, als die Ex sich einen genommen hat. Der Anwalt der Ex wird nämlich ihre Interessen vertreten - nicht seine.

Schonmal schlecht, dass er eine Scheidungsvereinbarung unterschrieben hat, ohne sich dazu anwaltlich beraten lassen zu haben.

Kommentar von Poema ,

Mein Sohn und seine Frau wollen die Kosten so weit wie möglich niedrig halten, auch das Honorar ihres Anwaltes aufteilen. Sie haben sich eigentlich über alles geeinigt, mein Sohn ist bereits ausgezogen und alles seiner Frau gelassen, alles andere ist geregelt, bis auf den nachehelichen Unterhalt. Sie kann ihn über ihren Anwalt regeln lassen. Es wird noch vor dem Gerichtstermin  klar, was sie begehrt, und wenn mein Sohn merkt, er wird "über den Tisch gezogen", kann er immer noch einen eigenen Anwalt nehmen?

Kommentar von Gerneso ,

Dein Sohn scheint ein gutmütiger Kerl zu sein. Ich gehe davon aus, dass er ihr bereits jetzt schon mehr überlassen hat, als nötig gewesen wäre und dass sie bisher noch nicht freiwillig unterschrieben hat, auf nachehelichen Unterhalt verzichten zu wollen, zeugt ebenfalls davon, wer hier mehr Zugeständnisse macht.

Ein Anwalt, den sich beide teilen, vertritt NIE beide Parteien. Sie hat den Anwalt ausgesucht, beauftragt und er hat in ihrem Namen die Scheidung beauftragt - nicht in seinem. Es ist also ihr Anwalt. Er bezahlt die Hälfte der Rechnung? Schön blöd. Wenn sie die Scheidung will, muss er ihren Anwalt GAR nicht bezahlen.

Und einig, sind die zwei sich deshalb bisher, weil er ihr alles gegeben hat, was sie begehrt hat. Aber wenn er das so möchte, ok. Er soll aber bitte von ihr keine Dankbarkeit erwarten. Wenn sie einen neuen hat und mit dem und den Kindern zusammen lebt, alles Finanzielle zu ihren Gunsten geregelt ist, wird er nicht mehr viel von ihr erwarten können.

Kommentar von Poema ,

Mein Sohn ist wirklich sehr gutmütig und blauäugig.

"Und einig, sind die zwei sich deshalb bisher, weil er ihr alles gegeben hat, was sie begehrt hat"- goldene Worte von Dir!

Du hast mir gut weitergeholfen, dafür bin ich Dir sehr dankbar. Falls noch Fragen aufkommen, darf ich sie Dir stellen?

Wünsche Dir noch einen schönen Abend!




Kommentar von Gerneso ,

Klar, ich antworte gerne, wenn ich dazu etwas beitragen kann.

Dummerweise muss Dein Sohn halt selber für sich entscheiden und als Mutter hast Du da wenig Einfluss ihm die Augen zu öffnen.

Das alles hört sich so an, dass er sie noch liebt und insgeheim hofft, wenn er fair zu ihr ist, dankt sie es ihm und das Verhältnis zu ihr und den Kindern wird dadurch gestärkt.

Die Erfahrung zeigt, dass es meist nicht so ist und er als Dankeschön nachher nur noch einen Tritt bekommt, sobald sie alles hat, was sie will.

Kommentar von Poema ,

Das alles hört sich so an, dass er sie noch liebt und insgeheim hofft, wenn er fair zu ihr ist, dankt sie es ihm und das Verhältnis zu ihr und den Kindern wird dadsurch gestärkt.

das stimmt 100 %

Kommentar von claudialeitert ,

nachehelicher unterhalt gibts nur wenn es kinder gibt auf die man noch aufpassen muss. Aber wie lange das entscheidet dann das Gericht. Ohne Anwalt würde ich das nicht regeln. lg

Antwort
von BonnyT, 8

Das Gericht wird nicht von sich aus tätig. Also musst Du zu einem Anwalt gehen, und Dich beraten lassen. Da keiner von Euch die Regelung des Unterhalt, musst Du oder Dein Partner aktiv werden

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