Frage von Ninemausi, 16

Wer erklärt mir einfach was die Grundlagen unser Tonordnung sind und wie ich sie leicht beibringen kann?

Antwort
von Willy1729, 8

Hallo,

unser Tonsystem beruht auf sogenannten Tonleitern, die eine aufsteigende Folge von acht Tönen sind, wobei der jeweils erste und letzte mit dem gleichen Buchstaben bezeichnet werden und der letzte eine doppelt so hohe Frequenz hat wie der erste.

Der Abstand zwischen einem Ton zum nächsten ist in der Regel ein Ganztonschritt - das ist der Tonschritt zwischen zwei benachbarten weißen Tasten auf dem Klavier. Zwei Tonschritte einer Tonleiter allerdings sind nur halbe Tonschritte - bei einer Tonleiter einer Dur-Tonart sind das die Abstände zwischen dem 3. und 4. Ton sowie zwischen dem 7. und dem 8. Ton.

Die natürlichen Töne werden mit den Buchstaben - in aufsteigender Reihenfolge - C, D, E, F, G, A, H und wieder C bezeichnet.

Auch hier ist es von einem Ton zum anderen ein Ganztonschritt, mit Ausnahme des Abstandes zwischen E und F sowie zwischen H und C:

Zwischen diesen Tönen gibt es nur jeweils einen Halbtonschritt.

Da E, F, H und C innerhalb dieser Reihenfolge, der 3., 4. sowie der 7. und 8. Ton sind, passen sie genau zu den Abständen, die bei einer Dur-Tonleiter gefordert sind. Deshalb kann man diese Tonleiter auf dem Klavier ausschließlich mit den weißen Tasten spielen.

Sobald Du mit einem anderen Ton als mit dem C beginnst, funktioniert das natürlich nicht mehr.

Fängst Du etwa beim D an, liegen die natürlichen Halbtonschritte zwischen dem 2. und 3. sowie zwischen dem 6. und 7. Ton - zähle nach:

D E F G A H C D.

Dies paßt zwar zu einer Tonart, die man dorisch nennt, nicht aber zu Dur, denn hier brauchst Du die Halbtonschritte zwischen Ton 3 und 4
sowie 7 und 8.

Was tun? Dazu gibt es die Möglichkeit, einen Ton entweder um einen halben Schritt zu erhöhen, indem man ein # davor setzt, oder um einen halben Schritt zu erniedrigen, indem man ein b davor setzt.

Dabei mußt Du beachten, wenn Du eine Tonleiter bastelst, daß alle Töne von C bis H darin vorkommen - mit oder ohne Vorzeichen - und daß es in einer Tonleiter entweder gar keine Zeichen gibt, oder nur Kreuzchen oder nur bs.

Probieren wir es bei D-Dur aus:

Zunächst schreibst Du alle Töne von D bis D auf und läßt ein bißchen Platz für eventuelle Vorzeichen:

D  E   F  G  A  H  C  D

Nicht vergessen: Von E nach F und von H nach C ist es nur ein Halbtonschritt, zwischen den anderen benachbarten Tönen hast Du Ganztonschritte.

D nach E: paßt (Ganztonschritt wie gefordert)

E nach F: paßt nicht; Du brauchst einen Ganztonschritt, hast aber nur einen halben. Nun könntest Du natürlich das E um einen halben Ton erniedrigen - dann würde der Abstand zum D aber nicht mehr passen; Du erhöhst also das F um einen halben Ton:

D E #F

Wenn das F erhöht ist, wird es Fis genannt:

D E Fis 

Fis G: paßt wieder; Halbtonschritt wie gefordert, denn Fis ist der 3. Ton der Tonleiter, G der 4.

G A: paßt (Ganztonschritt)

A H: ebenso
H C: paßt nicht; Du brauchst einen Ganztonschritt, hast aber nur einen halben. Die gleiche Geschichte wie bei E und F - ein Kreuzchen muß her.

Da Du schon einmal ein Kreuzchen in der Tonleiter verwendet hast, kommt ein b ohnehin nicht mehr in Frage.

Also #C gleich Cis

D E Fis G A H Cis

Bleibt nur noch Cis D: das paßt; Halbtonschritt.

So kannst Du jede Dur-Tonleiter aufbauen.

Lautet die Tonart Moll, brauchst Du die Halbtonschritte zwischen
dem 2. und 3. sowie zwischen dem 5. und 6. Ton.

Ohne Vorzeichen funktioniert das, wenn Du mit dem A beginnst:

A H C D E F G A ist die a-Moll-Tonleiter, die ohne Vorzeichen auskommt; auch diese kannst Du auf einem Klavier nur auf den weißen Tasten spielen.

Die schwarzen Tasten sind all die Zwischentöne wie Cis oder Fis oder Ges - das ist ein G mit einem b davor - oder Es (E mit b)

Auf dem Klavier liegen Fis und Ges übrigens auf derselben schwarzen Taste - denn ob Du von G einen halben Ton abwärts gehst oder von F einen halben Ton hinauf, kommt aufs Gleiche hinaus: Du landest immer zwischen F und G. (Das war nicht immer so: Es gab kleine Unterschiede zwischen Fis und Ges; das würde hier aber zu weit führen).

Die Halbtöne mit dem Kreuz davor heißen 
Cis Dis (Eis) Fis Gis Ais (His)

Die Töne in Klammern findest Du unter den schwarzen Tasten auf dem Klavier nicht, weil Eis=F und His=C, denn hier liegen die Halbtonschritte.

Die Töne mit b davor, die also um einen halben Ton erniedrigt sind, lauten (auch hier sind die auf dem Klavier fehlenden in Klammern gesetzt):

(Ces) Des Es (Fes) Ges As B <nicht Hes!>

Natürlich liegen Cis und Des, Dis und Es usw. auf dem Klavier auf denselben schwarzen Tasten - es handelt sich um die gleichen Töne.

Wenn in einem Musikstück, das z.B. in einer Kreuztonart geschrieben ist wie etwa D-Dur (hier gibt es Fis und Cis) aus irgendeinem Grund mal der entsprechende erniedrigte Ton verwendet wird: Ges anstatt Fis, Des anstatt Cis, nennt man dies eine enharmonische Verwechslung.

Dies geschieht aus Gründen, die sich in der Harmonielehre finden und ist etwas für Fortgeschrittene.

Wenn Du das Stichwort Quintenzirkel googlest, wirst Du sehen, daß es von einer Tonart, die eine bestimmte Zahl von Kreuzen braucht bis zu der, die ein Kreuz mehr benötigt, jeweils fünf Töne (eine Quinte) sind.

So hat C-Dur 0 Kreuz, G-Dur (G ist von C aus der 5. Ton) 1 Kreuz, D-Dur 2 Kreuze (D ist von G aus der 5. Ton) usw. über A E H bis zu Fis-Dur, das 6 Kreuzchen braucht. Auch die Kreuzchen, die jeweils neu dazukommen, haben diesen Abstand von 5 Tönen.

Das sollte nun aber wirklich reichen.

Wenn Du das System einmal verstanden hast, kannst Du zumindest jede Dur- und Moll-Tonleiter selbst aufbauen. 

Versuch es mal.

Herzliche Grüße,

Willy

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