Frage von Katzenschubser, 146

Wenn Theorien eindeutig nicht beweisbar sind, da die Beweise verschwunden sind bzw nie existierten, ab wann gibt man dann die Theorie auf?

Verrennt man sich in gewollte Theorien und wird blind für andere Theorien, die vielleicht mehr Beweise liefern würden. Bsp: Evolutiontheorie

Antwort
von uteausmuenchen, 41

Hallo Katzenschubser,

Naturwissenschaft funktioniert anders. Das wissen leider viel zu wenig Leute, weil Erkenntnistheorie leider nicht in der Schule gelehrt wird. Dabei wäre die Frage "Wie funktioniert eigentlich Naturwissenschaft?" viel wichtiger als so manche Formel, die man auswendig lernt...

Wie funktioniert denn nun Naturwissenschaft?

Naturwissenschaft sucht nach in der Natur gesetzmäßig ablaufenden Prozessen. Der Zweck ist das Verstehen der Natur und das Erstellen von korrekten Vorhersagen über das Verhalten der Natur und auch das Schaffen konkreter Anwendungsmöglichkeiten dieses Wissens über die Natur.

Nun stellt sich aber bei allem Wissen die Frage, ob es zuverlässig ist: Wie finden wir heraus, wo wir uns geirrt haben? Gerade bei Vorhersagen und Anwendungen möchte man ja Zuverlässigkeit haben.

Die Philosophie lehrt uns leider, dass wir eine absolute Sicherheit unseres Wissens nicht haben können. Der Irrtum ist in den menschlichen Erkenntnisprozess immer mit eingebaut. Das liegt schon allein an der Tatsache, dass wir unsere Umwelt nur indirekt über unsere Sinne wahrnehmen. Das Gehirn muss sich also auf das verlassen, was es gemeldet bekommt. Bereits hier ist also nicht mehr wirklich sicher, ob diese Meldungen echt sind, korrekt gedeutet oder gar nicht real.

Genau das meint Descartes mit seinem berühmten "Ich denke, also bin ich": Dass die eigene Existenz zwar beweisbar ist, aber nichts, absolut nichts, was darüber hinaus geht. Für jede über die eigene Existenz hinausgehende Aussage müssen wir zwangsweise immer Annahmen machen. Zum Beispiel eben, dass unsere Sinne uns das Richtige melden über die Natur da draußen.

Das ist jetzt unbefriedigend, aber dennoch leider grundlegendes Prinzip der menschlichen Erkenntnisfähigkeit: Wir könnten uns irren. Die nächste Frage muss also lauten: Wie gehen wir damit um?

Naturwissenschaft geht mit diesem grundlegenden Problem um, indem sie Überprüfungsmöglichkeiten fordert:

Jede naturwissenschaftliche Aussage muss an der Beobachtung der Natur scheitern können. Sie muss so konkrete Vorhersagen machen, dass wir sie durch Beobachtung überprüfen können und erkennen können, ob die Aussage falsch ist.

Die zuverlässigste Theorie in der Naturwissenschaft ist deshalb die, die am meisten Beobachtungsdaten erklärt - die also an den meisten Beobachtungsdaten getestet ist und jeden einzelnen dieser Tests mit Bravour bestanden hat.

Naturwissenschaftler machen also eigentlich nichts anderes, als zu versuchen, die etablierten, sich in der Praxis bestätigenden Theorien zu widerlegen. Wir denken uns mit den Experimenten immer neue und schärfere Tests der bestehenden Theorien aus und suchen mit den besten zur Verfügung stehenden Mitteln nach deren Schwächen. SO funktioniert Naturwissenschaft.

Theorien sind sogenannte "Allaussagen", denn sie machen allgemeingültige Aussagen über die Natur. Solche Aussagen sind von ihrem Wesen her unbeweisbar, denn es ist unmöglich, unendlich viele Beobachtungsdaten zu sammeln, was aber nötig wäre, um eine Allgemeingültigkeit zu beweisen. (Hier erklärt http://www.nachdenken-bitte.de/erkenntnistheorie/verifikation-und-falsifizierung...)

Es liegt also nicht an der ET oder an "verschwundenen" Beweisen, sondern an der Natur der Sache selbst: Allgemeingültige Aussagen sind nicht letztbeweisbar. Wir gehen optimiert vor, wenn wir nach Fehlern suchen, denn eine einzige Beobachtung, die eine Theorie falsch vorhersagt, widerlegt die Allgemeingütigkeit dieser Theorie.

Man braucht aber bei einer in vielen Tests erfolgreich bestätigten Theorie diese nach einer Widerlegung ihrer Allgemeingültigkeit nicht gänzlich aufzugeben. Denn man weiß ja nun einmal definitiv, in welchem Wertebereich sich die Theorie bewährt hat. In diesem Wertebereich kann man die Theorie ederzeit weiter verwenden.

So kann man zum Beispiel die Newtonsche Mechanik noch weiter verwenden, obwohl sie sowohl durch die Quantenmechanik als auch durch die Relativitätstheorie  widerlegt ist.

Was bedeutet das jetzt alles konkret für Deine Fragen?

ab wann gibt man dann die Theorie auf?

Bei einer bisher unbestätigten Hypothese ab dem ersten Widerspruch. Bei einer bestens bestätigten Theorie wie z.B. der Newtonschen Mechanik gibt man nur die Allgemeingültigkeit dieses Erklärungsmodelles auf. Man weiß dann eben den Wertebereich, in dem das Modell die Natur gut beschreibt - und in welchem Wertebereich nicht mehr. Die neue Theorie wird im Wertebereich, in dem sich die alte Theorie bewährt hat, für die bisherigen Messungen aber immer dieselben Vorhersagen treffen müssen: Denn die sind ja experimentell bestätigt. Die sich bestätigenden Theorien von heute sind deshalb Randbedingungen für die Theorien von morgen. Man wird sie nicht mehr los.


Verrennt man sich in gewollte Theorien und wird blind für andere Theorien,

Man "will" keine bestimmte Theorie - man schaut nur, was sich bewährt. Es macht Sinn, die am besten bestätigte Theorie immer schärfer und schärfer zu testen, denn der einen testbaren Theorie stehe ja prinzipiell unendlich viele Hypothesen gegenüber, die in aller Regel noch nicht einmal erdacht sind. - und deshalb unmöglich zu testen. Die Idee ist, dass man so am schnellsten den Bedarf nach einer neuen, besseren Modellvorstellung ermittelt - nänlich genau dann und dort, wo die bestehende Theorie versagt.

Ungefähr klar?

Falls nicht: In diesem Podcast haben es zwei Freunde von mir einmal versucht, etwas humorvoll zu erklären:

http://www.gwup.org/images/stories/audio/lora-gwup-5-naturwissenschaft.mp3

Vielleicht hörst Du einmal hinein?

Grüße

Antwort
von rolfmengert, 47

Zunächst einmal muss man Theorien von Sachverhalten unterscheiden. Als Beispiel kann man auf den Sachverhalt verweisen, dass Zinkblech von Salzsäure aufgelöst wird. Natürlich muss man im Feld der Wissenschaftlichkeit zu so einem Sachverhalt eine Reihe Rahmenbedingungen angeben, wie etwa Angaben zur Temperatur, zu der Konzentration der Säure oder auch der Oberflächenbeschaffenheit des Zinkblechs. Wenn diese Rahmenbedingungen jedoch erfüllt sind, haben wir einen Sachverhalt, der nicht in Frage gestellt wird, der auch nicht theorieabhängig ist, weil er unabhängig vom Experimentator oder dem Ort oder auch der Zeit ist. D.h. dieser Sachverhalt ist auch noch in 100000 Jahren gültig, unabhängig vom dann bestehenden Forschungsstand. Und genau auf solche Sachverhalte stützt sich die Technik.

Anders verhält es sich mit den Erklärungsmodellen für die beobachtbaren Phänomene. Im genannten Beispiel besteht die Frage, warum sich das Zinkblech in der Salzsäure auflöst. Und genau dazu entwickeln die Physiker oder die Chemiker Theorien. Sie analysieren dazu alle irgendwie greifbaren Messgrößen, beschreiben dann die Reaktionen und entwickeln Modelle, was beispielsweise auf molekularer Ebene passieren könnte, damit das Metall aus seiner gediegenen, festen Form in den positiv ionisierten wasserlöslichen Zustand überführt werden kann. Hierzu bieten sie Theorien an, die sie selbstverständlich durch experimentelle Befunde zu untermauern versuchen.

In den anderen Antworten zu Deiner Frage ist mehrfach gesagt worden, dass Theorien verifiziert werden, d.h. durch Experimente bestätigt werden. Wenn jedoch eine Falsifikation gelingen sollte, sei damit die Theorie hinfällig. Diese Aussage wird gern von Philosophen vorgetragen, doch leider ist die Sache deutlich schwieriger, weil eine sog. "Falsifikation" ja ihrerseits falsch sein kann, d.h. sie unterliegt den gleichen Gütekriterien wie alle vorher durchgeführten Verifikationen. Folglich werden die Wissenschaftler, die die bestehende Theorie für gültig halten, bemüht sein, die vorgetragene Falsifikation zu entkräften, indem sie Fehler in der Beweisführung nachzuweisen suchen.

Damit haben Theorien ein sog. Eigenleben. Wenn sie als Erklärungsmodell in vielen Fällen brauchbar waren, werden sie bestehen bleiben. In den meisten Fällen werden sie auch nicht einfach verworfen, sondern erweitert, modifiziert oder in ihrem Anwendungsbereich eingeengt. Man findet auch viele Beispiele, wo mit Theorien fleißig weitergearbeitet wird, obwohl man weiß, dass sie die Realität nur bedingt abbilden. Sie eignen sich jedoch für die modellhafte Prognose in einem Maße, dass auch die Wissenschaftler sie nicht aufgeben wollen.

Die Unterstellung, dass Wissenschaftler blind sind, wird besonders gern von Laien oder zumindest Nichtwissenschaftlern wie Philosophen allzu leicht als Vorwurf vorgetragen. Das verkennt die Tatsachen ganz ungemein. Wissenschaftler sind in der Regel hochsensibel und selbstkritisch, doch auch sie stehen unter psychischen Belastungen, und da fällt es dann - wie man aus der Wissenschaftsgeschichte sehen kann - oftmals schwer, einzugestehen, dass man sich fundamental geirrt hat. Das Zugeben eines Fehlers ist immer schmerzlich und kostet eine Menge Überwindung.

Warum Du allerdings gerade die Evolutionstheorie als ein Beispiel für eine obsolet gewordene Theorie angeführt hast, bleibt Dein Geheimnis, weil es im Feld der gesamten belebten Welt praktisch keine andere Theorie gibt, die so gut abgesichert ist, wie die Evolutionstheorie mit ihren vielen Erweiterungen und Ergänzungen, die besonders die Genetik zur Verfügung gestellt hat.

Seit Jahren beobachte ich jedoch, dass Zeitungsredakteure - wenn sie mal wieder kein fetziges Thema haben, gerne von einem sensationellen Befund berichten, nach dem "Darwin von seinem Sockel gestoßen sein soll". Dann wird hilflos von einer obskuren Spinne in einer unterirdischen Höhle auf Celebes berichtet, die eine Struktur aufweist, die angeblich nicht mit den darwinistischen Postulaten zu erklären sei. Das hält dann für genau eine Ausgabe. Auch wenn viele Theorien sicher in Zukunft noch substantielle Veränderungen erfahren, gerade die Evolutionstheorie gehört zu den sichersten, die je in der Menschheitsgeschichte aufgestellt wurden.

Expertenantwort
von DiegoderAeltere, Community-Experte für Biologie & Evolution, 65

Eine nicht prüfbare ("beweisbare") wissenschaftliche Theorie kann es per Definition nicht geben. Der Status als Theorie ist an gewisse Ansprüche geknüpft, darunter die empirische Überprüfbarkeit. Nach der Auffassung mancher Erkenntnistheoretiker (der Positivisten) lässt sich eine Theorie außerdem nur dadurch von einer Hypothese abgrenzen, dass sie schon mehrfach in ihren Aussagen bestätigt wurde.

Ein abschließender Beweis für die Richtigkeit einer Theorie ist jedoch unmöglich, endgültig ist nur die Falsifizierung/Widerlegung einer Theorie. Das ist auch der Zeitpunkt, ab dem mit einer Theorie nicht mehr gearbeitet wird. Solange keine Widerlegung erfolgt, kann eine Theorie immer noch zutreffend sein und findet ihre Anhänger. Auch wenn mehrere unwiderlegte Theorien denselben Sachverhalt erklären sollen, wird keine davon endgültig verworfen, selbst wenn eine Theorie wesentlich schlechter belegt ist als die übrigen.

Für die Abwendung von der aktuellen Evolutionstheorie spricht rein gar nichts. Sowohl die Abstammungstheorie als auch die Synthetische ET genügen den formellen Ansprüchen, bieten Erklärungen für zahlreiche Phänomene und konnten bisher durch alle Befunde nur bestätigt werden. Alternative, nicht-darwinistische Theorien zur Evolution haben nach heutigem Kenntnisstand eine sehr schwache oder gar keine Basis (z.B. Lamarckismus).

Antwort
von Rowal, 10

Ich denke, das hat der Mathematiker Bertrand Russel an einem Beispiel am besten erklärt: Wenn jemand die Theorie aufstellt, dass sich zwischen Erde und Mars eine kleine chinesische Teekanne auf einer elliptischen Umflaufbahn befindet, so ist diese Theorie nicht widerlegbar, weil sie zu klein ist um beobachtet zu werden. Aber jemand könnte die Theorie als bewiesen betrachten, weil dies vielleicht in alten Büchern so steht. Eventuell hat ja eine antike Kultur eine solche Teekanne in eine solche Umlaufbahn geschossen. Die genauen Beweise hierfür wären aber in jedem Falle verschwunden.

Man braucht die Theorie nicht zu verwerfen, aber man darf sie - vom wissenschaftlichen Standpunkt aus - auch nicht doktrinär vertreten. Sie darf nicht zu einer anerkannten Lehrmeinung befördert werden. Politische Ideologien machen sowas aber laufend (naatürlich mit anderen Lehrmeinungen).

Bei der Evolutionstheorie sind allerdings viele Spuren noch erkennbar. So wissen wir z.B. woraus die Wale entstanden sind. Damit wurde die Theorie von Darwin widerlegt, der glaubte, dass die Wale von bärenähnlichen Tieren abstammten, wobei er auch gewisse Indizien hatte (Fangen von Fischen usw.). Doch zeigen Fossilfunde in Indien, dass die Wale von wolfsähnlichen Tieren abstammen. Damit ist zwar diese Theorie von Darwin widerlegt, aber die Evolutionstheorie ist damit gleichzeitig gestützt.

Allerdings muss man vorsichtig sein, denn das würde auch den Lamarckismus stützen, der jedoch auf andere Weise widerlegt wurde.  Somit bleibt als Erklärungsprinzip für die Entstehung der Arten nur die Evolutionstheorie nach Darwin übrig, denn auch andere Erkärungsprinzipien für die Vielfalt der Arten konnten ausgeschlossen werden.

Antwort
von kami1a, 16

Hallo! Einfach mal die Antwort von uteausmuenchen lesen, ist alles drin.

Kaum etwas ist so oft und so gut bewiesen wie die Evolutionstheorie. Zumal wir da auch immer noch permanent neue Bestätigungen in der Natur haben, alles Gute.

Antwort
von Dxmklvw, 8

Der gedankliche Konflikt ist der Erhalter solcher Theorien.

Fehlt lange genug die Beweisbarkeit, dann bleibt eine solche Theorie trotzdem für lange Zeit mindestens latent erhalten, so lange auch der Gegenbeweis nicht möglich ist (vgl. Religionen und Gottesglaube).

In etwas verrennen kann immer dann passieren, wenn Denkmodelle zur reinen Glaubensache umgestrickt werden (man glaubt zu wissen, daß es so und nicht anders sein kann, ohne zu glauben, daß es nur Glauben und kein Wissen ist). Das ist aber nicht ganz so paradox wie es klingt, weil wir letztlich von allem, was wir zu wissen meinen, glauben, daß es so wäre, solange das Denkgebilde nicht durch wirksame Gegenargumente erschüttert wird.

Antwort
von Reggid, 53

evolutionstheorie ist ein gutes beispiel.

trotz fehlender beweise, ja sogar prinzipiellen unbeweisbarkeit verschiedener schöpfungsmythen, verrennen sich manche darin und werden dadurch blind für die naturwissenschafltich längst anerkannte und unumstrittene evolutionstheorie und die unglaubliche fülle an belgen und erklärungen, welche sie mit sich bringt.

warum das so ist ist schwer zu sagen, oftmals steckt halt religiöser fundamentalismus dahinter.

Antwort
von grtgrt, 46

Man gibt eine Theorie nicht auf, nur weil man noch keine Beweise dafür hat.

Man gibt sie erst auf, wenn sich Beweise dafür finden, dass sie nicht richtig sein kann.

Kommentar von grtgrt ,

Letztere sollte man ebenso ernsthaft suchen wie Argumente, die für die Theorie sprechen.

Antwort
von Kallahariiiiii, 74

Eine Theorie kann man so lange verfolgen, bis sie wiederlegt ist. Das ist ja auch der Grund für den Glauben. Man kann eben nicht wiederlegen, dass es einen Gott gibt. Ebenso wenig kann man beweisen, dass es einen Gott gibt.

Es kann durchaus sinnvoll sein eine Theorie ab einem gewissen Punkt nicht weiter zu verfolgen und seine Forschungsaktivitäten und -ressourcen anderweitig zu investieren. Dieser Punkt ist jedoch für jede Theorie individuell und auch abhängig vom "Forscher".

Antwort
von CAPTAlN, 62

Es gibt Beweise für die Evolutionstheorie, wenn es für eine Theorie aber keine gibt, existieren eben mehrere Theorien nebeneinander, bis eine davon bewiesen wird. Diese ist dann so lange anerkannt bis neue Beweise sie infrage stellen.

Antwort
von kgunther, 14

Ein einziger Befund, der der Theorie widerspricht, hebt die Theorie auf. Kein Wissenschaftler würde diese Theorie mehr vertreten. Seit die Entwicklungslehre aufgestellt worden ist, ist es aber nicht ein einziges Mal vorgekommen, daß eine solche "negative Instanz" aufgetreten wäre.

Könnte nur ein einziges Mal bewiesen werden, daß eine neue Art nicht aus einer bestehenden hervorgegangen ist, sondern (zB) aus dem Nichts neu entsprungen ist, würde kein Wissenschaftler mehr den Darwinismus vertreten.

Nur Theorien, die von einem Staat als offizielle Lehrmeinung aufgestellt werden, haben ein längeres Leben. Denn der Staat sperrt einfach jeden ein, der der offiziellen Lehrmeinung widerspricht.

Etwa haben orthodox kommunistische Staaten die Vererbbarkeit erworbener Eigenschaften als offizeill verbindliches Dogma erklärt. Viele wissenschaftliche Genetiker wanderten in die Gulag-Systeme, viele Existenzen wurden zerstört. Scharlatane (zB LYSSENKO) hatten erhebliche (auch finanzielle) Vorteile, wenn sie durch betrügerische Schein-Experimente die Staatsdoktrin zu "beweisen" versuchten.

Wann immer ein Staat eine wissenschaftliche Lehrmeinung zur Staatsdoktrin erklärt und Bestreiter dieser These jahrelang einsperrt, ist die Gefahr sehr hoch, daß ein totalitäres Regime entsteht. In vielen westlichen Staaten sind bestimmte historische Thesen zur Staatsdoktrin erklärt worden.

Noch immer werden Bestreiter für 5, 7, sogar 12 Jahre ins Gefängnis gesperrt.

Kommentar von claushilbig ,

Ein einziger Befund, der der Theorie widerspricht, hebt die Theorie auf. Kein Wissenschaftler würde diese Theorie mehr vertreten.

Jein - man wird meist zunächst versuchen, "den Fehler zu beheben".

Man wird also z. B. untersuchen, ob dieser Befund ein spezieller Fall ist, der nur unter bestimmten Bedingungen eintritt, und prüfen, ob sich die Theorie entsprechend anpassen oder erweitern lässt.

Kommentar von kgunther ,

Ja, das ist schon rtchtig. Selbstverständlich wird GEPRÜFT, ob die Einwände gegen eine etablierte Theorie denn überhaupt stichhaltig sind. Und sollte sich herausstellen, daß der Einwand nur für einen Teilbereich oder Sonderfall gültig ist, wird die Theorie angepaßt, erweitert.

Aber es bleibt dabei: ein einziger Befund, der der Theorie widerspricht (und stichhaltig ist), hebt die Theorie auf.

Antwort
von gromio, 43

Hallo,

ich wundere mich mal wieder über die unseriösen Antworten, die auf Deine Frage gegeben wurden.

zunächst: Definition einer Theorie:

Definition
Je nach wissenschaftstheoretischem Standpunkt wird der Begriff Theorie verschieden erklärt. Im Allgemeinen entwirft eine Theorie ein Bild (Modell) der Realität. In der Regel bezieht sie sich dabei auf einen spezifischen Ausschnitt der Realität. Eine Theorie enthält in der Regel beschreibende (deskriptive) und erklärende (kausale) Aussagen über diesen Teil der Realität. Auf dieser Grundlage werden Vorhersagen getroffen. Viele wissenschaftstheoretische Grundbegriffe und weitergehende Fragen grundsätzlicher Art, die Theorien der Realität im Allgemeinen betreffen, werden in Teilbereichen der philosophischen Disziplinen Metaphysik und Erkenntnistheorie diskutiert.

Nach positivistischem Verständnis sind Theorien mit dem Anspruch verknüpft, sie durch Beobachtungen (z. B. mittels Experimenten oder anderer Beobachtungsmethoden) prüfen zu können (Empirie). Diese Beobachtung liefert dann direkt die Wahrheit oder Falschheit der Theorie, d. h. sie verifiziert (bestätigt) oder falsifiziert die Theorie.

Theorien gibt es vermutlich so viele wie Sand am Meer.

Interessant ist, das Wissenschaftler an einer Theorie SOLANGE festhalten, solange diese Theorie nicht FALSIFIZIERT ist, d.h. solange es keinen Nachweis/Beweis dafür gibt, dass sie falsch ist.  Da Wissenschaftler dies SO handhaben, leben Theorien zum Teil sehr mange, siehe zB die Evolutionstheorie.

Wenn dann mal - auch bedeutende - Theorien aufgegeben werden, wird dies oft nicht öffentlich kund getan. Insbesondere wenn es peinlich werden könnte.......

....aber zurück zu Deiner Frage: Theorien sind versuchte Erklärungen der Wirklichkeit. Solange die Erklärungen einer Theorie nicht nachweislich bewiesen sind, solange solltest Du Theorien NICHT als Wirklichkeit akzeptieren, dann ist es egal, ob Theorien irgendwann widerrufen werden oder nicht.

Anders ausgedrückt: Wahre Sachverhalte muß man nicht mit einer Theorie erklären, denn man kennt die Wahrheit. Alles andere bleibt spekulativ, bis es bewiesen ist.

cheerio.

Kommentar von Agronom ,

Würde man immer warten, bis man eine Theorie endgültig bewiesen hat, was praktisch nicht möglich ist, wären wir nicht da wo wir jetzt sind.

Theorien sind Erklärungsmodelle deren Korrektheit belegt (aber nicht bewiesen) ist, daher ist es auch keine Schande, wenn man eine Theorie vertreten hat, welche sich als fehlerhaft herausgestellt hat. Man kann eben nur nach bestem Wissen und Gewissen denken und handeln.

Man muss eben mit Theorien arbeiten und darauf aufbauen, auch wenn noch eine Möglichkeit der Fehlerhaftigkeit besteht, ansonsten käme der Fortschritt fast zum erliegen. Bisher sind wir auch gut damit gefahren, technologisch sieht es ja nicht übel aus, auch wenn wir viele Sachen dahinter nur mit Modellen erklären können, die nicht immer passen, also unvollständig sind.

Kommentar von gromio ,

Es geht um die Beantwortung der Frage des Fragestellers, nicht um die Kommentierung individueller Antworten auf die Frage des Fragestellers.

Im Übrigen: Deine Stellungnahme schließt eine gesunde Skepsis gegenüber Theorien jeder Art nicht aus, im Gegenteil .

cheerio.

Kommentar von uteausmuenchen ,
Da Wissenschaftler dies SO handhaben, leben Theorien zum Teil sehr lange, siehe zB die Evolutionstheorie.

Aus Sicht der Erkenntnistheorie eine vollkommen unhaltbare Aussage.

Erst einmal ist es Unsinn, es so darzustellen, als hätte man eine Wahl: Allaussagen - und das sind die meisten Theorien - sind grundsätzlich nicht letztbeweisbar. Hier zum Nachlesen gut erklärt: http://www.nachdenken-bitte.de/erkenntnistheorie/verifikation-und-falsifizierung...

Zweitens leben Theorien durch die korrekte Vorgehensweise keineswegs länger - die Erkenntnistheorie schreibt ja gerade vor, dass sie zu überprüfen sind. Auf diese Weise wird die Widerlegung einer naturwissenschaftlichen Aussage überhaupt erst möglich.

Ein "Beweis" wäre dagegen endgültig und unwiderrufbar. Hinter dem Falsifikationsprinzip der Naturwissenschaften steht also keineswegs das Ziel, Theorien länger leben zu lassen als nötig, sondern vielmehr der korrekte Umgang mit der Tatsache, dass man sich geirrt haben könnte - dass eine letztbegründete, absolute Sicherheit menschlichen Wissens von der Philosophie als unmöglich erkannt ist.

Wenn dann mal - auch bedeutende - Theorien aufgegeben werden, wird dies oft nicht öffentlich kund getan. Insbesondere wenn es peinlich werden könnte......

Ganz und gar nicht.

Wem es gelingt, eine bestätigte Theorie zu widerlegen, dem geben wir in der Naturwissenschaft den Nobelpreis. So hat zum Beispiel die Quantenmechanik die Newtonsche Mechanik widerlegt - und etliche ihrer Vertreter haben Nobelpreise eingesackt. Die Quantenmechanik  wurde auch nicht verheimlicht.

Solche Aussagen wie Deine, gromio, zeugen einfach nur von einem kompletten Unverständnis naturwissenschaftlichen Arbeitens.

Eine bestätigte Theorie - wie die ET - wird man nämlich nicht zur Gänze wieder los. Denn die alte Theorie war nun einmal erfolgreich darin, die Natur über einem bestimmten Wertebereich hervorragend zu beschreiben. Das ist auch nach einer Widerlegung so.

Entsprechend muss eine neue Theorie, die eine alte, bestätigte, ersetzt, in dem Wertebereich, in dem die alte Theorie erfolgreich war, dieselben Ergebnisse liefern wie die widerlegte Theorie.

Im Falle der Quantenmechanik zum Beispiel müssen die Formeln der Quantenmechanik für makroskopische Körper dieselben Ergebnisse liefern wie die alte Newtonsche Mechanik. Anders ausgedrückt: Die QM beinhaltet im klassischen Grenzwert die Newtonsche Mechanik. Die Newtonsche Mechanik ist damit zwar widerlegt und durch eine neue Theorie ersetzt - sie ist im alten Wertebereich, in dem sie sich bewährt hat, aber weiterhin anwendbar. Niemand wird die Statik einer Brücke mit den Formeln der QM berechnen, nur weil die Newtonschen Formeln nach allen Regeln der Kunst widerlegt sind.

Ebenso könnte es sich auch in Zukunft als nötig erweisen, die ET zu erweitern, wenn sich herausstellt, dass ein weiterer, im Moment nicht bekannter Aspekt zur Evolution beiträgt. Seit Darwin hat sich de facto die ET bereits geändert, was man heute mit dem Begriff der "Synthetischen Evolutionstheorie" beschreibt. So heißt das Ding nämlich offiziell.

Wahre Sachverhalte muß man nicht mit einer Theorie erklären, denn man kennt die Wahrheit. Alles andere bleibt spekulativ, bis es bewiesen ist.

Echt: Wer so wenig Ahnung von Erkenntnistheorie hat, der sollte auf Fragen wie diese hier nicht antworten...

Traurig

Kommentar von gromio ,

MEINE Antwort ist MEINE Antwort. Überlasse es doch dem Leser, für SICH die geeigneten INhalte aus den hier gegebenen Antworten zu entnehmen.

Du darfst Dir den Umgang der Wissenschaft mit Theorien gerne schön reden, ich tue das nicht.

Es mag schon sein, dass im Bereich von Physik und Chemie grundsätzlich eine Überprüfbarkeit gegeben ist bzw. durchaus Hard facts notwendig sind, um den Nachweis einer Widerlegung bekannter Theorien zu erbringen. 

Aber: siehe link
https://books.google.de/books?id=WNKNtqwCF9kC&pg=PA42&lpg=PA42&dq=wi...

Nicht jeder, der eine Theorie überwiegend/vollständig widerlegt, bekommt den Nobelpreis. Ich glaube zu wissen, das hierfür andere Kriterien zu erfüllen sind.

https://de.wikipedia.org/wiki/Nobelpreis#Interpretation\_der\_Kriterien

Kurzum - Vertrauen ist gut, aber ein gesundes Misstrauen sollte immer bleiben.....

cheerio

Kommentar von uteausmuenchen ,

Ach gromio,

Überlasse es doch dem Leser, für SICH die geeigneten INhalte aus den hier gegebenen Antworten zu entnehmen.

Schreibt der, dessen Antwort beginnt mit den Worten


ich wundere mich mal wieder über die unseriösen Antworten, die auf Deine Frage gegeben wurden.

Wer so austeilt, darf sich nicht wundern, wenn er Gegenwind bekommt - zumal dann, wenn er selbst Falsches in seine Antwort schreibt.

Dein Link in das Buch von FRau Müller wiederholt eigentlich nur Poppers Darstellung: "Als unwissenschaftlich gelten Theorien, die empirisch nicht überprüfbare und prinzipiell nicht falsifizierbare Annahmen enthalten..."

Tatsächlich hat sich Popper mit der ET in dieser Hinsicht beschäftigt. Nachdem er sich mit Evolutionsbiologen ausgetauscht hatte, war er allerdingsgerade in dieser Hinsicht von der Wissenschaftlichkeit der ET überzeugt und hat sich auch dahingehend geäußert.

Das Ganze ist hier http://www.gkpn.de/Vollmer\_Atheismus-Metaphysik.pdf

nachlesbar unter Punkt 7 ab Seite 8.

Und: Nobelpreis und Theorienwiderlegung sind nicht 1:1 verkoppelt - dennoch haben Wissenschaftler, die solches getan haben, den Nobelpreis bekommen. Und darum ging es: Das wird eben nicht vertuscht, wie Du in Deiner unterstellst.


Vertrauen ist gut, aber ein gesundes Misstrauen sollte immer bleiben.

Fein. Dann musst Du ja nur noch einsehen, dass Naturwissenschaft mit dem Falsifikationsprinzip gerade über diesen Gedanken des Zweifels funktioniert.


Kommentar von Mark1616 ,

Solange die Erklärungen einer Theorie nicht nachweislich bewiesen sind, solange solltest Du Theorien NICHT als Wirklichkeit akzeptieren

Und mit diesem Satz beweist du wieder einmal wie wenig Ahnung du hast. Deine oft wiederholte Behauptung, dass du "die gängige wissenschaftliche Literatur" gelesen hättest, kann bei den elementaren Fehlern die du machst nur eine Lüge sein.

Um sich als "Theorie" bezeichnen zu lassen ist es zwingend notwendig, dass es Beweise für diese Theorie gibt. Es gibt allerdings keine Vorraussetzung die besagt, dass wissenschaftliche Theorien für dich verständlich sein müssen. Deine Behauptungen sind absolut lächerlich und alleine die Tatsache, dass du noch nicht einmal weist was eine "wissenschaftliche Theorie" ist zeigt doch schon, dass du absolut keinen Plan hast.

Antwort
von Hakiman, 14

Hallo Katzenschubser! 

Eigentlich entscheidet immer die Logik, ob man eine Theorie, wie zB. die Evolutionstheorie aufgibt oder an ihr festhält.

Um die Ursache von Wirkungen jetzt und in der Vergangenheit zu erklären, bedient man sich bereits bekannter Kräfte und Gesetzmäßigkeiten. 

Beispiel Evolution :

Die Bauanleitung jedes Lebewesens ist codierte Information - gespeichert in der DNA! 

Die einzige, der Wissenschaft bekannte Quelle für codierte Information ist Intelligenz! 

Einzige mögliche, logische Schlussfolgerung:

Die Evolutionstheorie muß, bis neue Erkenntnisse das Gegenteil beweisen, aufgegeben werden. 

Kommentar von uteausmuenchen ,
Die einzige, der Wissenschaft bekannte Quelle für codierte Information ist Intelligenz!

So stellen es die Kreationisten gerne dar. Am liebsten möglichst suggestiv über die Wortwahl: "Code" , "Information"

Tatsächlich leben wir in einem Universum, das überall und in allen Größenordnungen geprägt ist von der Selbstorganisation der Materie unter Einfluss der physikalischen Kräfte. Die DNA und die RNA sind zunächst einfach nur Kettenmoleküle. Es gibt keine "über den Dingen frei schwebende Essenz" namens Information. Vielmehr organisieren sich die Moleküle aufgrund ihrer inhärenten, chemisch-physikalischen Eigenschaften in kleinen Schritten über Millionen von Jahren zu immer komplexeren Verbänden. (http://ag-evolutionsbiologie.net/html/2010/evolution-of-the-genetic-code.html)

Ich empfehle das Buch von Martin Neukamm "Evolution im Fadenkreuz", in dem auf die Logikfehler der ID-Behauptungen hierzu im Detail eingegangen wird.

Kommentar von Hakiman ,

Ein banales Kochrezept, das aus "Buchstabenketten" einer gewählten Sprache besteht, ist codierte Information. Das Erstellen und Umsetzen dieser Information beschleunigt nicht nur die "Selbstorganisation" der Mahlzeit, sondern es erfordert auch einiges an Intelligenz... 

Der äußerst komplexe Bauplan irgendeines Lebewesens, der in den "einfachen Kettenmolekülen" der DNA steckt und sich selber copieren, korrigieren und lesen kann, ist daher auch codierte Information und die dafür notwendige Intelligenz überschreitet alles, was wir kennen! :)

Kommentar von uteausmuenchen ,

Hakiman,

nicht einfach weiter falsche Analogien bringen, sondern lesen, was ich geschrieben habe, die verlinkten Quellen lesen, das Buch lesen, verstehen ... und dann erst wieder antworten.

Das "copieren" sind letztlich auch nur chemische Vorgänge.

Danke

Kommentar von Hakiman ,

Liebe Ute, 

wenn die DNA nicht wirklich der Datenträger der Erbinformation wäre, dann hättest du Recht, was meine Analogien angeht. 

Aber sie ist es nun mal.. :) 

Welche Analogien schlägst du vor? 

Übrigens: Wenn man unsere Kommentare ausdrucken oder kopieren würde, könnte das auch auf chemische Prozesse reduziert werden. Aber wer würde behaupten, das sie deshalb nichts mit Intelligenz zu tun hätten? 

Antwort
von Mark1616, 39

Nur weil du nicht in der Lage bist eine Theorie, und deren Beweise, zu verstehen, so ist diese Theorie deswegen noch nicht falsch. ;)

Antwort
von murksi1, 18

"Man" gibt nicht eine Theorie auf, sondern Theorien sterben mit den Menschen aus, die sie vertreten! Nachzulesen bei https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_S._Kuhn

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