Wenn sich der Arbeitgeber kurzfristig Urlaub nimmt, darf er diese Zeit einem Arbeitnehmer von seinen abziehen?

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3 Antworten

Grundsätzlich ist beim Urlaubsanspruch der Arbeitgeber der Schuldner des Arbeitnehmers; und grundsätzlich bestimmt der Arbeitnehmer, wann er seinen Urlaub nimmt.

Der Arbeitgeber darf nur dann dem Arbeitnehmer den Urlaubswunsch zu einer bestimmten Zeit versagen, wenn es dafür dringende (!!!) betriebliche Gründe oder entgegen stehende Urlaubswünsche sozial bevorrechtigter Arbeitnehmer gibt. So schreibt es das Bundesurlaubsgesetz BUrlG in § 7 "Zeitpunkt, Übertragbarkeit und Abgeltung des Urlaubs" Abs. 1 Satz 1 vor.

Wenn dringende betriebliche Gründe gegeben sind (z.B. Abhängigkeit von einem Zulieferbetrieb, der Betriebsurlaub hat), dann darf der Arbeitgeber auch für einen bestimmten Teil des Urlaubsanspruch des Arbeitnehmers (die Rechtsprechung spricht im Allgemeinen von 3/5) die Lage des Urlaubs festlegen; das muss aber rechtzeitig - mindestens 1/2 Jahr - vorher geregelt werden; das gilt z.B. auch dann, wenn z.B. in einer Arztpraxis wegen notwendiger Abwesenheit des Arztes keine Arbeit möglich ist.

Aber alleine die kurzfristig aufgekommene "Idee" des Arbeitgeber, zu verreisen, berechtigt ihn nicht, dafür Urlaub für den Arbeitnehmer anzuordnen!

In diesem Fall gerät der Arbeitgeber in den sogenannten "Annahmeverzug" der Arbeitsleistung des Arbeitnehmers nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch BGB § 615 "Vergütung bei Annahmeverzug und bei Betriebsrisiko" Satz 1:

Du wärst danach dann so zu bezahlen, als hättest Du tatsächlich gearbeitet, musst die in Wirklichkeit jedoch nicht geleisteten Arbeitsstunden aber auch nicht nacharbeiten.

In Deinem Fall geht die ganze "Angelegenheit" also alleine zu Lasten des Arbeitgebers, der Dir Deinen Urlaubsanspruch nicht streichen oder verrechnen darf, wenn es ihm kurzfristig in den Sinn kommt, zu verreisen!

Eine ganz andere Frage ist allerdings, wie Du gegenüber Deinem Arbeitgeber Dein "gutes Recht" durchsetzen kannst oder willst: denn "Recht haben" und "Recht bekommen" sind leider viel zu oft zwei völlig verschiedene Dinge ... ...

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Den Urlaub darfst du dir nehmen wann du willst (ob du diesen genehmigt bekommst ist was anderes). Aber dir einfach zu sagen "Du musst Urlaub machen und die Tage werden dir abgezogen" darf er nicht, du hast die freie Verfügung wann du beantragst und wann nicht. Es sei denn es sind vorgeschriebene Betriebsferien, aber diese dürfen dir ebenfalls nicht von deinem Urlaub abgezogen werden.

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Kommentar von Gallihalli
04.01.2016, 01:25

Ich danke euch!  Jetzt müsst ihr mir nurnoch sagen,  wie ich euch für die Antwort Punkte geben kann ;D

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Kommentar von Familiengerd
04.01.2016, 12:20

Es sei denn es sind vorgeschriebene Betriebsferien, aber diese dürfen dir ebenfalls nicht von deinem Urlaub abgezogen werden.

Das ist selbstverständlich falsch!

Für betrieblich notwendige und rechtzeitig angeordnete Betriebsferien darf der Arbeitgeber über einen größeren Teil (ca. 3/5) des Urlaubsanspruch der Arbeitnehmer bestimmen (Fragen der Mitbestimmung, wenn es einen Betriebsrat gibt, einmal unberücksichtigt gelassen).

Den Urlaub darfst du dir nehmen wann du willst (ob du diesen genehmigt bekommst ist was anderes).

???

"Nehmen" darf ein Arbeitnehmer seinen Urlaub nur dann, wenn er auch "genehmigt" wurde!

du hast die freie Verfügung wann du beantragst und wann nicht.

Selbstverständlich! Man kann jederzeit "beantragen" - was und wie viel man will! Aber es geht nicht ums bloße "Beantragen", sondern um die "Realisierung" eines Anspruchs!

Aber dir einfach zu sagen "Du musst Urlaub machen und die Tage werden dir abgezogen" darf er nicht

Das wenigstens ist richtig!

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Lass dich nicht verarschen! Das ist absolut nicht korrekt.

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Kommentar von Familiengerd
04.01.2016, 15:00

Die Antwort ist zwar richtig, hilft dem Fragenden aber wenig, wenn es keine Begründung gibt, die er auch gegenüber dem Arbeitgeber vorbringen kann!

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