Frage von Nils6699, 20

Wenn Russland den Handel mit Europa stoppt, gäbe es große Auswirkungen auf die beiden Länder?

Antwort
von Bitterkraut, 20

Wir hätten halt kein Erdgas mehr. Vielleicht auch keinen Weizen.

Antwort
von voayager, 11

Warum sollte Russland den Handel mit der EU stoppen? Dies wäre doch nur dessen Schaden! Putin ist kein Dummkopf, vielmehr ein recht intelligenter und vernünftiger Mann, der keinesfalls stur mit dem Kopf durch die Wand geht oder mit Verbohrtheiten behaftet ist.

Expertenantwort
von Unsinkable2, Community-Experte für Politik, 11

Die IHK meinte kurz nach dem Beginn der "Wirtschafts-Sanktionen gegen Russland", dass allein in Ostdeutschland rund 270.000 Arbeitsplätze von den wirtschaftlichen Verflechtungen mit Russland abhängig sind.

Russland exportierte vor den Wirtschaftssanktionen 8,2% seines Außenhandels nach Deutschland und importierte 14,2% allein aus Deutschland. 

gäbe es große Auswirkungen auf die beiden Länder?

Wirtschaftlich? Ja, zunächst bedingt; später erheblich mehr. 

Natürlich erzeugt so eine Zäsur Dellen. Und natürlich sind 8,2/14,2% für beide (also Europa und Russland) nicht die Welt, sowas könnte man noch kompensieren. Aber Russland ist nur ein "Umschalter" für eine ganze Reihe von Ereignissen, die dann geschehen würden.

Russische Sicht: Russland ist vom Außenhandel längst nicht so abhängig wie beispielsweise Deutschland, das jedes Jahr rund 60% seiner Produktion ins Ausland verticken muss. Außerdem ist Russland gerade dabei, eine eigene "EU" samt eigener "Weltbank" zu gründen; mit deren Hilfe es sich noch weiter von den Abhängigkeiten lösen kann. 

Europäische Sicht: Der Export nach und Import aus Russland in die EU ist bestenfalls "bescheiden". Viele von uns würden es - jenseits von Öl und Holz - gar nicht merken, wenn der Handel mit Russland stoppen würde. 

Aber je weiter dieser "Wir-machen-unsere-eigene-EU-auf"-Prozess fortschreitet, desto geringer ist die Abhängigkeit Russlands vom europäischen Außenhandel und desto verschlossener wird der russische (und in dessen Folge auch der chinesische, indische und brasilianische) Markt für Europa werden. Das kann gewaltige Verwerfungen für die Europäer hervorrufen; denn allein in Deutschland hängen mehrere Millionen Arbeitsplätze vom Export ab. Und je kleiner der Weltmarkt (dann ja ohne Russland, möglicherweise auch ganz oder teilweise ohne China, Indien, Indonesien, Brasilien, Korea, Südafrika, und einige andere Länder) wird, desto weniger kann exportiert werden...

Und hier sitzt ein richtig bösartiger Hebel: Allein China könnte innerhalb einer einzigen Nacht die gesamte westliche Welt ins Chaos stürzen. Nicht mit Soldaten, sondern mit Geld. China hat eine Währungsreserve (also "untätig herumliegendes Geld") von 3,7 Billionen Dollar. (Zum Vergleich: das sind etwa 32% der gesamten weltweiten Reserven) Würde China auch nur ankündigen, dass man sich vorstellen könnte, dieses Geld morgen Nacht auf den Handelsmarkt zu schütten, bräche in der gleichen Sekunde der gesamte vom US-Dollar abhängige Welthandel (also rund 80 - 95% des Welthandels) zusammen.

Wer also "Chinas Freund" ist, der sitzt am längeren Hebel. Und derzeit bemüht sich der Westen sehr, China mit allen Mitteln zu verärgern. Listigerweise ist er dazu auch gezwungen, weil er von den Ereignissen getrieben wird. China entkoppelt sich gerade vom Westen. Es gibt die Funktion als "billiges Kopier-Land" auf und entwickelt sich zu einem ernsthaften Herstellerland mit Eigen-Produktionen. So oder so steht der Westen also mit dem Rücken an der Wand. Und seine große Chance, Russland als "Ersatz-Markt" aufzureißen, um die zukünftig immer größer werdenden Lücken zu füllen, verspielt Europa gerade...

(Nebenbei: Obwohl die USA die Sanktionen gegen Russland gefordert und durchgesetzt haben; hat sich der Handel zwischen Russland und den USA nicht verringert. Im Gegenteil. Tatsächlich ist er Anfang dieses Jahres sogar sprunghaft angestiegen. Es sind also nur die Europäer, die sich an diese Sanktionen halten.)

Politisch? Ja, absolut.

Länder, die miteinander Handel treiben, führen traditionell keine Kriege gegeneinander. Und damit sind nicht nur die großen, "heißen" Kriege genannt, sondern vor allem die kleinen, "kalten" Kriege.

Ein kompletter Handels-Stopp ist also der entscheidende Schritt zum nächsten Kalten Krieg, der, wie wir aus Erfahrung (s. Kuba-Krise) wissen, innerhalb von Stunden in einen Heißen Krieg umschlagen kann. Damals war es einzig der Umsicht der russischen Führung zu verdanken, dass wir heute nicht wieder in Höhlen sitzen. Ob aber Putin bzw seine Nachfolger die gleiche zurückhaltende Umsicht wahren werden, bleibt abzuwarten...

Antwort
von Kempinho, 8

Europa ist neuerdings ein Land?

Antwort
von Win32netsky, 17

Hallo

Ja denke schon.

Gruß

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