Frage von lalala321q, 50

Wenn man überfallen wird, Raub/Diebstahl, wieviel Gegenwehr ist erlaubt ohne dass ich mich strafbar mache?

Darf ich nur meine Tasche/Rucksack/Poutrmoineéee festhalten oder darf ich den Dieb sogar schlagen, tasern, mich mit CS-Gas/Pfefferspray verteidigen??

Antwort
von peterobm, 30

in der Verhältnismäßigkeit, bis auf den Taser ist so alles legitim; du kannst auch CS-Gas anwenden

Antwort
von TheZyrus, 26

Notwehr setzt voraus einen gegenwärtigen, rechtswidrigen Angriff gegen mich, eine andere Person, meine Sache! ;) oder meine Ehre.. du darfst ihn packen und festhalten, aber nicht erstechen z.b.:)

Antwort
von FloTheBrain, 11

Das kann man pauschal nicht beantworten.

Es gibt viele Urteile vom BGH dazu. Einfach mal mit Google danach suchen. Wenn man viele Urteilsbegründungen gelesen hat, dann bekommt eine Ahnung davon.

Und nur das würde ich an deiner Stelle ernst nehmen. Hier schreiben z.B. etliche User bei solchen Fragen immer was von Verhältnismäßigkeit, was total falsch ist. Trotzdem ist dieser Volksglaube nicht tot zu kriegen.

Es gibt auch viele Fallbeispiele für Jurastudenten, wo die ganzen Aspekte einer Notwehrhandlung mal durchexerziert werden. Gibts auch teilweise frei im Internet zu finden.

Kommentar von lalala321q ,

ich frage mich schon die ganze Zeit um man zu einer Raub/Diebstahlsituation Notwehr sagen kann. Ich dachte Notwehr wäre nur dann wenn jemand einem körperlichen Schaden zufügen würde (wenn man sich nicht wehrt). Wenn aber jemand sagt: Gib mir deine Brieftasche dann passiert dir nichts, ist das dann wirklich Notwehr?

Kommentar von FloTheBrain ,

Notwehr ist die Abwehr eines gegenwärtigen und rechtswidrigen Angriffs auf die eigenen Rechtsgüter, oder die Rechtsgüter eines anderen Menschen (Nothilfe, ein Sonderfall der Notwehr).

Rechtsgüter sind neben Leib und Leben eben auch Freiheit, Eigentum und Ehre.

Wenn nun jemand die Herausgabe der Brieftasche fordert, dann ist Notwehr ganz klar gegeben. Das Opfer kann ja nicht wissen ob der Angreifer ernst macht oder nicht und dem Opfer wird nicht zugemutet dies abzuwarten und sich so vielleicht in eine schlechte Lage zu bringen.

Ebenso muss man auch nicht flüchten. Recht braucht dem Unrecht nicht weichen. ... Wissen viele nicht.

Antwort
von Jurasuppe, 10

Hi lalala,

da Fragen zu diesem Thema grundsätzlich unvollständig oder falsch beantwortet werden, werde ich mal versuchen die Lage darzustellen. Es muss immer beachtet werden, dass solche Fragen Einzelfallfragen darstellen. Es kommt daher immer auf den Einzelfall an.

Ein Überfall bzw. Raub ist ein erheblicher Angriff. Zwar kennt die Notwehr ohnehin schon keine "Verhältnismäßigkeit" und auch sonst keine Proportionalität (außer bei einem "krassen Missverhältnis" weil die Rechtsordnung nicht um jeden Fall verteidigt werden will - aber um dieses braucht man sich hier keine Gedanken machen), sondern lediglich die Erforderlichkeit des Mittels. Aber auch hier gilt: der Verteidiger muss sich nicht auf einen ungewissen Kampf einlassen. Selbstverständlich sind im vorliegenden Fall Elektroschocker oder Pfefferspray zur Abwehr zulässig. Auch dürfen abweichend von einer anderen Antwort illegale Waffen zur Verteidigung eingesetzt werden.

Einzig ein Verstoß gegen das Waffengesetz wäre natürlich nicht gerechtfertigt. Die verwirklichte gefährliche Körperverletzung hingegen schon.

Falls dich das näher interessiert verweise ich auf eine Prüfung, welche ich vor einiger Zeit schon vorgenommen habe:

Notwehr:

https://www.gutefrage.net/frage/wie-kann-man-sich-als-frau-bei-einem-ueberfallan...

Notwehr und Erlaubnistatbestandsirrtum (irrig vorgestellte Notwehrsituation):

https://www.gutefrage.net/frage/allahu-akbar---was-nun?foundIn=list-answers-by-u...

Viele Grüße, JS

Antwort
von Barolo88, 25

es muss alles verhältnismäßig sein,  Pfefferspray zum Beispiel darf nicht bewusst gegen Menschen eingesetzt werden, man muss dann schon nachweisen, dass eine Notwehr gegen Leib und Leben vorlag.

Kommentar von Velodogs ,

Es gibt im Notwehrrecht keine " Verhältnismäßigkeit " und das mit voller Absicht.

Kommentar von Barolo88 ,

gibt es sehr wohl:



Die Verteidigung muss dem Angriff angemessen sein: Ist der Angreifer selbst bewaffnet oder deutlich stärker, darf man auch ein "Werkzeug" zu Hilfe nehmen. Dazu gehören Schlüssel, ein Ast, die Handtasche oder der Regenschirm. Illegale Waffen sind auch in einer Notwehr-Situation verboten.


Als Notwehr zählt jeweils das mildeste Mittel, das man zur Verfügung hat, um einen Angriff abzuwehren. Das heißt, auch bei Notwehr darf man niemanden stärker verletzten als notwendig.


Kommentar von FloTheBrain ,

Stimmt nicht.

Ein Rentner hat einem flüchtenden Einbrecher in den Rücken geschossen und getötet. Dieser hatte noch die Brieftasche mit ca. 2000 Euro dabei.

Notwehr wurde anerkannt.

https://www.lawblog.de/index.php/archives/2011/07/28/leben-gegen-eigentum/

Das was du schreibst ist Unsinn. Es gibt bei Notwehr keine Verhältnismäßigkeit.

Es gibt viele Beispiele wo unbewaffnete Angreifer erstochen oder erschossen wurden, und das höchste deutsche Strafgericht, der BGH die Opfer freigesprochen hat.

Einfach mal mit dem Thema beschäftigen...

Kommentar von SeelenOnkel ,

Aber die Prüfung auf Erforderlichkeit beinhaltet irgenwie schon eine Abwägung der Verhältnismäßigkeit. Gerade bei Einsatz von tödlicher Gewalt. Hat man eine tödliche Schusswaffe wird von den Gerichten immer erst - sofern man mit dem Rücken an der Wand ist, schon verletzt, Täter bewaffnet -  mehrmaliges Androhen, dann Warnschuss,  wieder Androhen, zweiter Warnschuss, dann Schuss in den Fuss als geboten erachtet. Stell dir RENATE KÜNAST als Richterin vor. Kein Scherz.

Kommentar von FloTheBrain ,

Es gibt Urteile wo das Zielen mit der Waffe schon als ausreichende Warnung angesehen wurde.

Ebenso wurde der Hells Angel, der durch seine Haustür in Putativnotwehr einen Polizisten erschossen hat, frei gesprochen, obwohl er nicht gewarnt hat. Denn dann hätte er seine taktische Position geschwächt. So stehts im BGH Urteil.

Kommentar von FloTheBrain ,

Bei Notwehr ist jedes Mittel erlaubt, das erforderlich ist. Das können auch illegale Waffen sein.

Der Verstoß gegen das Waffenrecht wird dann immer getrennt behandelt und abgeurteilt.

Ebenso sind auch Eigentum, Freiheit und Ehre notwehrfähige Rechtsgüter. Nicht nur Leib und Leben.

Kommentar von Nightlover70 ,

Man hätte ggf. ein Überschreiten der Notwehr. Wobei dies in aller Regel ungeahndet bleibt.

Kommentar von SeelenOnkel ,

Das bleibt in aller Regel GERADE NICHT UNGEAHNDET. Es reicht schon aus, dass man zugibt wütend gewesen zu sein, sodass man entschuldigende Notwehrrechtmäßigkeit vergessen kann.

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