Frage von finnowitz, 63

Wenn man Schule nochmal neu erfinden könnte, wie müsste die aussehen?

Nur mal ein Gedankenspiel...Wie sollten die Lehrer sein?

Antwort
von minimalisth, 6

Erstmal Danke für die super Frage!

Naja, die Schule, wie sie jetzt ist, wurde ja erfunden um der Bevölkerung Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen, damit man Leute hat, mit denen man Buchstäblich nen Staat machen kann. Mann stellte jemanden der es konnte vorne hin und der brachte es den Kindern bei. Und damit auch ja jeder lernte, führte man die Schulpflicht ein. Damals sinnvoll, heute Schwachsinn!

Die natürlichste Form des Lernens ist es doch, Älteren über die Schulter zu gucken. Statt dessen werden viele gleich junge und dumme, die keinen Ahnung haben, in Klassen zusammengesteckt.

Unser Leben wird durchinstitutionalisiert. Krippe, Kindergarten, Vorschule, Hauptschule, Sonderschule, Realschule, Gymmi, Berufsschule, Fachhochschule, Uni. Alle immer schön unter ihresgleichen, Behinderte weden in Sonderschulen weggesteckt und wenn man mal einen sieht, hält man Maulaffen feil, weil man sojemanden noch nie gesehen hat und überfordert ist. Dann gehts weiter mit Bund, Beruf, Rente, Alters- und Pflegeheim und Wehe, man hält sich nicht an die Friedhofsordnung wenn man tot ist! ;-) Wir werden unser lebenlang von einer Institution in die nächste weitergereicht, fast egal ob wir etwas dazu beitragen oder nicht, wir werden zur unselbstständigen funktionierenden Verschiebemasse getrimmt.

Warum nicht Kindergarten neben Altersheim? Homo Sapiens überlebt das fortpflanzungsfähige Alter nur deshalb solange, weil die Jungenaufzucht so aufwändig ist und lange dauert. Genau dafür sind Oma und Opa da!

Statt Ganztagesschulen in denen Kinder noch mehr in das schulische Paralleluniversum weggesperrt werden, Schule nur an zwei oder Drei Tagen in der Woche, und dafür sollen die Kinder Erwachsenen bei der Arbeit über die Schulter gucken und auch mitarbeiten dürfen. Das „Recht auf Arbeit“ wird Kindern nicht zugestanden, ja es ist explizit verboten. Könnte man sich nicht einfach darauf einigen, dass es verboten sein sollte, Menschen – egal welchen Alters – auszubeuten? Kinder sind rechtlich dort, wo Frauen vor 100 Jahren waren!

Statt Schulpflicht Fähigkeitspflicht. Analog zu den Vorsorge- und Frühuntersuchungen, wo nach den altersgemäßen Fähigkeiten geschaut wird, sollten mehrmals im Jahr körperliche und geistige Fähigkeiten überprüft werden (auch im späteren Leben bis ins Alter dann in größeren Abständen). Wie man etwas lernt ist egal, Hauptsache man lernt! Für die einen mag klassischer Schulunterricht ideal sein, andere lernen zuhause im Internet oder bei Freunden. Wenn jemand mit acht Jahren z.B. immer nocht nicht lesen und schreiben kann, wird danach geschaut, Hilfe angeboten und notfalls auch Druck aufgebaut. Eine gewisse Grundbildung und ein gewisses erweitertes Wissen freier Wahl sind Pflicht, der Rest ist Kür!

Statt die Kinder vom Verkehr und etwaiger Selbstständigkeit ins Auto wegzusperren und Sport sind Schulwege (und wenn ich König von Deutschland wär auch Arbeitswege ;-) unter 10 km verpflichtend mit Muskelkraft zurückzulegen! Bin jetzt zu faul alle Vorteile aufzuzählen.

Statt Schulbeginn um Acht Uhr erst um 10 Uhr. Es gab mal Arbeitsschutzgesetze wonach Frauen aus gesundheitlichen Gründen keine Nachtschichten arbeiten durften. Wenn Kinder natürlicher Weise erst im Laufe des Vormittags aufwachen aber schon um sieben aufstehen müssen ist das wie Nachtschicht! Mit rechtlosen Kindern kann man es ja machen.

Kinder sind Lernmaschinen, die sich das Meiste selber beibringen, wenn man sie lässt und statt sie immer mehr in ein schulisches Paralleluniversum wegzusperren, sollte man sie einfach leben lassen!

Ich selbst war übrigens Waldorfschüler, fand auch diese Schule doof und nein, ich kann meinen Namen nicht tanzen. Meine Arbeitgeber haben die Schulzeugnisse nie interessiert. Wozu dann die ganze Qual? Ich war wissenschaftlich und technisch interessiert und musste aber in die Schule gehen und mich mit Goethe quälen. Ich stamme aus einer sehr alten Musikerfamilie, aber weil klassische, grauslig selbstgemachte Musik an Waldorfschulen alleinseeligmachend ist, kann ich klassische Musik nun nicht länger als fünf Minuten hören. :-(

Ich habe an der Schule gelernt, wie man sich durchmauschelt und alles, was dort einem aufobtruiert wurde, hassen gelernt.

Kommentar von minimalisth ,

Ach ja, und Lehrpläne, die von jedem das gleiche Verlangen sind auch Stuss!

Kommentar von buecherleserin9 ,

Ich stimme dir in allem zu, bis auf den Sportteil.
Soweit kommt's noch, dass ich vor der Schule noch 10 km laufe und dann in der Schule total fertig und ermüdet bin :D

Kommentar von minimalisth ,

Wieso laufen? Fahr doch einfach ganz gemütlich mitm Rad ;-)

Antwort
von ArnoldBentheim, 21

Man braucht "Schule" nicht neu zu erfinden, sondern nur vernünftig zu organisieren. Aber Politiker schwatzen immer nur von der Bedeutung der Bildung für die (heranwachsenden) Menschen, aber geben Steuergelder lieber für andere Dinge aus.

Die beste Schule wäre die, die

  • kleine Lerngruppen einrichtet, ein Lehrer für nicht mehr als 10 Schüler;
  • die den Unterrichtsstoff nicht nur auf berufsvorbereitende Zielsetzungen ausrichtet, sondern auf eine umfassende, insbesondere menschliche Bildung mit Werthaltungen, die für eine freiheitlich-demokratische Gesellschaft unabdingbar sind;
  • die nicht mehr beinahe alleine die Erziehung der Kinder übernehmen muss, sondern darin intensiv von den Eltern unterstützt wird, was heute, obwohl theoretisch vorgesehen, praktisch immer seltener geschieht;
  • den Heranwachsenden wieder mehr unbeschwerte Freizeit lässt, daher einen umfassenden Lehrstoff, der das Wissen der Menschheit repräsentiert, in 14-16 Schuljahren unterrichtet - angesichts der langen Lebenszeitprognosen der heranwachsenden Generationen eine sinnvolle Investition von Lebenszeit;
  • den Schülern Hilfen anbietet, ihre Freizeit sinnvoll auszufüllen und vielseitige persönliche Interessen zu entwickeln.

Das Ziel einer solchen Schule sollte sein, gebildete junge Menschen mit einem geistigen Rüstzeug ins Leben zu entlassen, das ihnen Orientierung und eine eigenverantwortliche Ausgestaltung ihres Lebens in unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft ermöglicht.

MfG

Arnold

Antwort
von TimeosciIlator, 19

In jedem Fall ohne Notensystem. Dieses "Wenn-Du-durch-den-Ring-springst-bekommst-Du-einen-Keks-Spiel" muss endlich zugunsten der nicht so guten Schüler aufhören! Wenn ein Schüler nicht so viel Interesse wie andere an der Schule hat, sollte man versuchen ihn zu motivieren. Andernfalls bekommt er eine schlechte Note nach der anderen und sein Lebensweg ist dadurch schon vorgekennzeichnet :-(

Die Lehrer sollten versuchen, ihren Unterricht unterhaltsamer zu gestalten. Und auch vor allem auf die nicht so guten Schüler mehr eingehen.

Antwort
von chanfan, 32

.............wie müsste die aussehen?

Du meinst jetzt optisch gesehen?

Kommentar von finnowitz ,

nee, inhaltlich

Kommentar von chanfan ,

Lass´dich nicht von mir ärgern. :)

Kommentar von finnowitz ,

Hinweise zur Fassadengestaltung werden auch gern entgegengenommen ;)

Antwort
von buecherleserin9, 5

Auf alle Fälle keine 3 Hauptschulformen mehr.

Das ist wirklich etwas, dass ich am deutschen Schulsystem hasse.
Dann noch diese ganzen Pflichtfächer, es gibt nun einmal Menschen die sich nen Scheiß für z.B Physik interessieren und eher auf Sprachen stehen.  

Natürlich, Grundkenntnisse müssen unterrichtet werden und Sachen wie Deutsch, Mathe, Englisch sollten auch weiter feste Pflichtfächer bleiben.

Ich denke auf Noten kann man nicht verzichten, aber man sollte Schüler die eben nicht so gut sind fördern!

Außerdem keine Klassen von 28-30 Schülern mehr, so 12-15 Schüler pro Klasse wäre gut.  

Antwort
von FahrradLecker, 22

Naturwissenschaften werden das Hauptthema. Alles andere (Sport, Musik, Erdkunde, Religion, Deutsch nach der 10.ten Klasse, usw.) fliegt raus :) Dazu 1-2 Fremdsprachen und das wäre dann perfekt^^

Kommentar von ArnoldBentheim ,

Ja, so züchtet man sog. "Fachidioten". Die besten Naturwissenschaftler der Geschichte waren geisteswissenschaftlich gebildete (und religiöse) Menschen!

Kommentar von FahrradLecker ,

religion gehört in die Freizeit und nicht in die Schule :)

Kommentar von finnowitz ,

Und wie sollten die Lehrer in so einer Schule dann sein?

Kommentar von buecherleserin9 ,

Dann hätte ich ja ganz schöne Probleme, denn ich interessiere mich nicht die Bohne für Naturwissenschaften.

Kommentar von FahrradLecker ,

Pech :)

Kommentar von buecherleserin9 ,

Dann kreiere du mal deine Schule die nicht viele Schüler haben wird ;-)

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