Frage von comandersu, 47

Wenn man ein Haus die Wände von innen dämmt muß man dann eine Dampfsperre einbauen?

Antwort
von Onki73, 22

Es kommt drauf an, mit welchem Material gedämmt werden soll. Bei kapillaraktivem Material (Mineralschaumplatten, Holzfaserplatten, Hanf etc.) ist eine Dampfbremse nicht nötig. Bei Dämmstoffen, die keine kapillare Leitfähigkeit besitzen (Mineralwolle), ist eine Dampfbremse zwingend notwendig.

Der in den Dämmstoff und die Wand von innen einwanderen Wasserdampf (dieser wandert immer mit dem Dampfdruckgefälle - in der Regel von warm nach kalt) kühlt sich bei der Wanderung in Richtung Fassadenoberfläche ab. Hierbei sollte der Taupunkt nicht erreicht werden.

Kommt es trotzdem zur Kondensation am Taupunkt, so wird das flüssige Wasser kapillar zur wärmeren Seite geführt, weil es dort an der Oberfläche abdampft und kapillar im Bauteil vorhandenes flüssiges Wasser nach sich zieht.

Durch Sonneneinstrahlung auf die Fassade kann auch im Winter die wärmere Seite temporär die Fassadenoberfläche sein. Daher ist für die Trockenhaltung der Wand die kapillare Leitfähigkeit im kompletten Mauerwerksquerschnitt sehr wichtig. Mit dem WDVS wird vielfach dagegen verstoßen, deshalb gibt es auch mit dem WDVS Schimmelprobleme.

Die innere Wandoberfläche sollte mittels Oberflächenwärme vor der Raumluftfeuchte geschützt werden. Trifft Raumluft auf eine wärmere Oberfläche und erwärmt sich an ihr, so bekommt die Luft ein größeres Wasserdampfaufnahmevermögen. Die rel. Luftfeuchte sinkt, die Luft wird trockener und trocknet damit die Oberfläche und die Wand.

Vielfach geschieht es heutzutage aber genau umgekehrt. Die Raumluft trifft auf eine kühlere Oberfläche, kühlt an ihr aus, wobei das Wasserdampfaufnahmevermögen sinkt, die rel. Luftfeuchte steigt an und die Wand übernimmt durch Feuchteausgleich den erhöhten Luftfeuchtewert. An sehr kalten Wandbereichen, vor allem die unteren Wandbereiche und die Raumecken an der Aussenwand besteht so eine erhöhte Schimmelgefahr.

Daher sollte nicht die Raumluft beheizt werden, sondern die raumumschließenden Oberflächen erwärmt werden. An diesen Oberflächen erwärmt sich die Raumluft zweitrangig und hält die Oberflächen und die dahinter befindlichen Bauteile trocken. Alles was trocken ist, besitzt einen hohen Dämmwert. In der Regel können dann zusätzliche Dämmmaßnahmen entfallen.

Da Wärmestrahlung nur Oberflächen erwärmt und die Luft kalt lässt, ist ein hoher Anteil von Wärmestrahlung im Raum sehr vorteilhaft. Früher brachten die Einzelöfen viel Wärmestrahlung in den Raum, daher waren die Häuser früher trocken und wohnlich. Mit dem Einbau der Zentralheizungen, die überwiegend die Luft erhitzten, änderten sich diese Verhältnisse grundlegend, was heute angeblich Dämmmaßnahmen erfordert, obwohl die Umstellung der Beheizung auf viel Wärmestrahlung viel billiger und auf Dauer auch effektiver wäre.

Informiere Dich mal im Internet über die "Temperierung" und die "hydraulische Heizleiste". Meiner Keller (Bj. 1926) konnte ich mit der Temperierung (einfaches, blankes weichverlötetes Kupferheizrohr unter Putz mit Rücklauftemperaturbegrenzer) trocknen und ich ersparte mit aufwändiges und teures Aufgraben (wegen Teilkeller teilweise gar nicht möglich), den Neuverputz und die Schwarzabdichtung des Kellermauerwerks und die Temperierung hilft auch noch gegen Sommerkondensat (warmfeuchte Sommerluft in den Keller gelüftet hinterläßt Kondensat auf kalter Kellerwand und feuchtet diese auf) im Keller, wogegen keine Abdichtung hilft.

Meine Wohnräume haben Heizleisten bekommen und man spürt im tiefsten Winter nicht mehr, dass man neben der Aussenwand steht, da die innere Oberfläche nicht mehr kalt ist. Die Oberfläche besitzt annähernd die Raumlufttemperatur von 20°C (über den Heizleisten ist die Wandoberfläche mit 25-30°C wärmer, in den Fensterlaibungen 1-3°C kühler). Die Zimmer haben damit einen deutlich höheren Wohnwert und durch die trockenen Wände sind diese auch (wieder) von hohem Dämmwert und schimmelfrei.

Antwort
von pbheu, 47

wenn du innen dämmst, musst du sehen, dass das alles dampfoffen ist.

eine dampfsperre wäre zwar besser, aber die kannst du nur da anbringen, wo wand ist, nicht aber da wo die zwischendecken in die wand laufen.

folgendes passiert:

bei einer aussendämmung ist die wand selbst ganz warm, du heizt sie ja von innen. dh die feuchte geht als dampf durch die wand durch, und gelangt dann aber nicht in die dämmung, weil du zb eine dampfsperre angebracht hast. ob die wand feucht ist oder nicht, ist also egal, weil sie warm ist. es fällt kein wasser als kondensat an.

dämmst du innen, geht die feuchte luft aus dem warmen raum auch in die wand, die wand selbst ist aber kalt (du hast sie ja innen gedämmt, dh die heizungsluft kommt nicht mehr dran). deswegen verschiebt sich der punkt, wo die feuchte als wasser kondensiert nach innen und du hast eine nasse wand.

dämmst du innen und machst eine dampfsperre, passiert das nicht mehr, aber an den stellen wo du nicht hinkommst, in den decken zum beispiel, ist nun der ganze dampfdruck an einer stelle unterwegs (denn der wasserdampf will sich, wie alles andere in der natur auch, gleichmässig überallhin verteilen)

du hast also viel wasser an einer stelle, statt ein bischen wasser überall. letzteres kannst du verschmerzen, die wand trocknet ja auch immer mal wieder von aussen, viel wasser aber genau da, wo deine holzbalken in der wand stecken, lassen die balkenköpfe vergammeln. und das ist dann richtig teuer.

bei betondecken sieht es besser aus, die sind nicht so empfindlich. gegen schimmel hilft natürlich nicht, wenn du die decke von unten und von oben absperrst. irgendwie kommt immer feuchte rein und wenn sie nicht rauskommt, ist es viel schlimmer als wenn sie reinkommt - und wieder verschwinden kann.

ich bin von holzdecken ausgegangen, weil man die innendämmung ja meistens in altbauten machen will, um zb die schöne gründerzeitfassade aussen nicht zu versauen. und dann gehen häuser, die 100 jahre gehalten haben, kaputt.

was man machen kann ist mineralplatten nehmen, die dampfoffen sind. da musst du auch hinterher eine farbe nehmen, die dampfoffen ist.

ab mesten aber lässt du dir das von einem bauphysiker genau ausrechnen, wieviel dämmung dur brauchst, was genau es bringt, und wieviel du dafür bezahlen musst.

manchmal ist es nämlich auch günstiger, die nächsten 20 jahre ein paar euro für die heizung mehr zu bezahlen

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