Frage von Sonnenschwarz97, 109

Wenn man auf der Arbeit mehrere mehrmals pro Woche Menschen sieht die sterben gewöhnt man sich daran?

Z.B. im Krankenhaus Hospiz oder Palliativ bzw Palli

Expertenantwort
von Buddhishi, Community-Experte für Krankheit, Psyche, Psychologie, 55

Hallo Sonnenschwarz97,

ich denke, das hängt vor allem von der persönlichen Einstellung dazu ab. Die meisten Menschen haben (unnötigerweise) Angst vor dem Tod. Das ist eine Konditionierung durch Erziehung und gesellschaftliche Normen.

Für andere Menschen, wie mich, gehören Leben und Tod zusammen. Oft ist es eine Einstellung, die weniger mit Gewöhnung zu tun hat als damit, eine sinnvolle Beschäftigung auszuüben, für die nur wenige Menschen aufgrund ihrer (oben beschriebenen Eignung oder nicht) Einstellung fähig sind. Und dann kann es eine wahre Erfüllung sein.

Sterbende Menschen haben oft noch viel mitzuteilen. Vieles, was wir ohne das Wissen der Sterbenden nie erfahren würden. Z. B. auch, was sie anders gemacht hätten in ihrem Leben, wenn ihnen ihre Sterblichkeit und Endlichkeit früher bewußt geworden wäre.

Ich selbst durfte eine sterbende Freundin begleiten und war erstaunt über ihre Offenheit, ihren Mut und ihre Ehrlichkeit. Die intensiven Gespräche, die ich mit ihr führen durfte, werde ich nie im Leben vergessen und haben mich trotz der schweren Situation und der anschließenden Trauer um sie, mit einem großen Schatz bereichert, den ich nicht missen möchte.

Und da kommen nicht solche Dinge zum Ausdruck, wie ich hätte ein größeres Haus bauen sollen etc. Nein, materielle Dinge betrachten sie dann eher im Gegenteil als völlig nebensächlich.

Sie bereuen es, nicht mehr Zeit mit ihrer Familie oder ihren Freunden verbracht zu haben, sich nicht früher mit Spirituellem beschäftigt zu haben, zu viel Zeit für Unwesentliches vergeudet zu haben. Es gibt also viel von Sterbenden zu lernen und dazu braucht es m. E. keine Gewöhnung :)

Schönes Wochenende

Buddhishi

Antwort
von almmichel, 21

Daran gewöhnen hieße eiskalt zu werden. Ob das so wird wage ich zu bezweifeln. Nur erlebtes auf der Arbeit mit nachhause zu nehmen solltest du dir abtrainieren.

Antwort
von EIfenstaub, 38

Ich denke nicht, dass man sich je daran gewöhnt.  

Jeder Mensch ist besonders und außergewöhnlich, das Sterben eines jeden etwas Einmaliges. 

Aber man lernt damit umzugehen. Mal ist es leichter, mal schwerer. Man lernt zu akzeptieren, dass der Tod etwas ganz normales ist, das zum Leben unweigerlich dazu gehört. 

Eigentlich schade, dass es oft so ein Tabuthema ist und schlicht ausgeklammert wird. Das macht irgendwie unsicher und schürt Ängste. Dabei begegnet er ja jedem irgendwann...

Antwort
von kp850i, 57

Ja man gewöhnt sich daran. Natürlich ist das erste mal immer schlimm aber ich kenne einige Krankenschwestern die zum Beispiel im Krankenhaus oder mit Palliativ Patienten arbeiten die sich daran gewöhnen. Die meisten haben dann schließlich sogar schwarzen Humor soweit kommt es.

Antwort
von SamsHolyWorld, 12

Hallo,

Bei mir ist das so, das Sterben gehört zum Leben dazu. Ich habe in diesem Sinne keine Angst vor dem Tod und erst recht nicht vor Toten. Wenn aber ein Patient stirbt ist es immer traurig, vorallem wenn man den Patienten schon lange kannte und man sich gut mit ihm verstanden hat. Dann ist es natürlich auch für mich schwer und es wird auch geweint. Bei manchen Patienten weiß man aber auch einfach, dass es das beste war, weil die Krankheit so schlimm ist. Wenn es einen aber gar nict berührt und kalt lässt dann ist man definitiv im falschen Job.

Liebe Grüße 

Antwort
von schloh80, 8

Gewöhnen würde ich das nicht nennen. Man kann aber lernen, damit umzugehen. In sehr belastenden Umfeldern sind auch kollegialer Ausstausch und Supervision sehr wichtig, um psychisch gesund zu bleiben (psychische Stabilität ist u.a. allerdings Voraussetzung für solche Tätigkeiten).

Antwort
von Schwoaze, 9

Auch wenn es schwer vorstellbar ist... ich glaube, das muss man sogar, wenn man nicht mit jedem "Patienten" mitsterben will.

Antwort
von Hope20, 49

Es ist etwas anderes ob ein Verwandter stirbt oder ein dir kurzfristig zu Betreuung überlassener. Trotzdem ist die ersten Male sicherlich nicht leicht.. Ich denke unser pflegesystem sorgt schon dafür dass man nicht zu viel Zeit mit den Patiententen hat..

Antwort
von Centario, 38

Ich denke das ist so, deshalb sollten diese Leute nur im Wechsel mit anderen Tätigkeiten diese Arbeit ausführen.

Antwort
von josef050153, 12

Irgendwie lernen diese Menschen damit umzugehen. Wie, das ist individuell verschieden. Manche gewöhnen sich nie daran.

Antwort
von supersuni96, 48

Man gewöhnt sich an nahezu alles. Nur das erste Mal ist schlimm, danach wird es leichter.

Antwort
von keinfacebook, 16

An manchen Tage habe ich mich nicht nur an das Sterben gewöhnt, sondern sogar darauf gefreut.

Warum auch nicht ? Wenn wir einen "Übergang" vollziehen (Initiationsritus) muß das nichts Schlimmes bedeuten. Manche Völker feiern das. Die Christen?

Hm,sie feiern Jesus Auferstehung im Himmel und laufen in Trauer herum, gerade so, als wären sie selbst die Nächsten ? Und wenn ?

Ich mag Beerdigungen nicht, ich habe mir einen kleinen Baum in einem Friedwald ausgesucht und da nehme ich ausgehöhlte Schildkrötenpanzer mit- gruselig? Für manche vielleicht.

Früher hatte ich so viel Angst vor dem Tod, daß ich nicht mehr zum Leben kam.

Heute habe ich an manchen Tagen Angst, daß ich nicht mehr zum Leben komme.

Antwort
von Pilzlisammler, 32

Ja absolut

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