Frage von daria78, 203

Wenn jeder Mensch einen Fortpflanzungsdrang hat (Evolutionstheorie), warum gab und gibt es dann Homosexuelle?

Für die, die nur lesen, was sie lesen wollen: Nein, ich will Homosexualität nicht als abnorm darstellen - das hier ist eine reine Wissens-Frage.

Expertenantwort
von Agronom, Community-Experte für Biologie, 53

Einerseits ist der Mensch längst nicht die einzige Spezies, die Freude an sexuellen Handlungen hat, das findet sich auch im Tierreich und die Geschlechter spielen dabei nicht zwangsläufig eine Rolle.

Der andere Punkt sind Vorteile für die Reproduktion und/oder Aufzucht der Nachkommen. Da gibt es verschiedene Beispiele im Tierreich, bei denen man je nach Art unterschiedliche Vorteile bei homosexuellen Paaren feststellen kann. Dafür kannst du einfach mal nach "homosexuelle Tiere" suchen und wirst einige Beispiele finden.

So gibt es z.B. bei verscheidenen Vogelarten bessere Aufzuchterfolge der Jungen, wenn sie von gleichgeschlechtlichen Paaren aufgezogen werden.

Antwort
von lewei90, 71

Das ist eine gute Frage, die sich wohl kaum beantworten lässt.

Tatsache ist, dass es Homosexualität auch unter Tieren gibt. Forscher haben festgestellt, dass es sie bei über 400 Tierarten gibt, darunter übrigens auch Fische und Vögel usw., nicht nur Säugetiere. Es scheint also was ziemlich natürliches zu sein. Warum das so ist, weiß ich nicht. Und auch die Forscher können das nur Vermuten.

Expertenantwort
von CalicoSkies, Community-Experte für Gesundheit, Medizin, Sexualitaet, 4

Servus daria78,

Es ist vermutlich ein Weg der Natur, Überbevölkerung zu verhindern. :)

Du musst das Ganze aus einem evolutionären Standpunkt heraus sehen: Homosexuelle (und homosexuelle Paare) stärken die Gruppe - unter anderem auch dadurch, dass sie anderen Artgenossen bei der Aufzucht der Jungtiere helfen können.

Da gibts nette Studien dazu, die bspw. herausgefunden haben, dass mit der Anzahl der älteren Geschwister (oder warens nur Schwestern? muss ich mal raussuchen :D) die Wahrscheinlichkeit, homosexuell zu sein, ansteigt - deswegen auch die Vermutung mit Überbevölkerung.

Homosexuelle Paare erhöhen die Stabiltität der Gruppe, verhindern Überbevölkerung (Selbstregulation) und sind kein evolutionärer Nachteil in irgnedeiner Hinsicht auch immer.

Der Fortpflanzungstrieb ist im Endeffekt einfach ein Sexualtrieb - denn ein Homosexueller hat den gleichen Sexualtrieb wie ein Heterosexueller, nur lebt er ihn nicht zur Fortpflanzung aus :)

"Fortpflanzungstrieb" spricht dem Sexualtrieb auch seine sozialen Aspekte ab - Sex hat ja nicht nur den Sinn zur Fortpflanzung, sondern hat auch eine soziale Komponente (Dominanz, körperliche Zuneigung, ...)

Lg

Antwort
von Garlond, 69

Nun, nicht jeder Mensch hat einen Fortpflanzungsdrang, es gibt ja auch Asexualität.

Warum es Homosexualität gibt, kann man nicht klar beantworten.
Bei Menschen ist es allgemein schwer zu beurteilen, da Menschen ja von allen Möglichen Umwelteinflüssen bombadiert werden und es nicht so einfach ist, eine natürliche Veranlagung herauszufiltern, wenn man durch Traditionen, Meinungen und Manipulationen beeinflusst ist.

An Tieren lässt es sich besser studiren, da hier im Großen und ganzen ein Nachdenken über die Sache an sich wegfällt. Kein schwuler Pinguin, Delphin, oder Storch stellt sich die Frage, wie andere Pinguine, Dephine oder Störche auf seine Homosexualität reagieren könnten. 

Aber auch Beobachtungen im Tiereich lassen natürlich keine Eindeutigen Schlussfolgerungen auf Menschen zu. Und es wurden bei unterschiedlichen Tierarten ganz unterschiedliche Hinweise gefunden, die Homosexualität begründen. Es ist eigentlich alles vorhanden, von sexuellem Notstand und Rangordnung, über Arterhaltung (sowohl durch Verhinderung einer Überpopulation, als auch durch Adoption verwaister Kinder) bis hin zu sozialer Interaktion ist alles vorhanden.

Antwort
von SaschaL1980, 78

Hallo daria78,

ich kann dir deine Frage zwar auch nicht mit "Wissen" beantworten, aber trotzdem will ich es mal versuchen.

Ich denke mal, es ist wie bei fast jeder Regel, es gibt eben auch Ausnahmen. Auch in der Natur gibt es eben immer wieder Dinge, die nicht der "Norm" entsprechen.

Klar ist jedes Lebewesen eigentlich so angelegt, dass es den Drang/Willen hat, sich fort zu pflanzen. Wäre das nicht so, würde über kurz oder lang eben alle Lebewesen aussterben. Aber trotzdem müssen sich auch nicht alle Lebewesen fortpflanzen. Genau so ist es bei den Menschen eben auch.

Viele Menschen haben mehr als 1 Kind, dafür haben andere wiederum keine. Das gleicht sich dann eben auch wieder aus. Gibt ja auch genügend heterosexuelle Menschen, die trotzdem keinen Nachwuchs haben, obwohl sie eben dazu in der Lage wären.

Man kann sogar von Glück sprechen, dass es viele Menschen gibt, die sich nicht fortpflanzen. Sonst hätten wir noch größere Probleme mit der Überbevölkerung der Erde.

LG Sascha

Kommentar von Wischkraft1 ,

Man kann sogar von Glück sprechen, dass es viele Menschen gibt, die sich nicht fortpflanzen. Sonst hätten wir noch größere Probleme mit der Überbevölkerung der Erde.

Leider funktioniert das viel zu wenig. Da würde wohl besser helfen: Mehr TV und Computerspiele für alle.
Denn wenn es den  Leuten langweilig ist und sie keine Zerstreuung
finden, auch kein Geld da ist für Unterhaltung, dann macht man eben Sex.

Aber das ist ja hier nicht die Frage. Ich würde meinen, die Natur ist sehr erfinderisch und probiert alles (ALLES) aus.

Kommentar von Garlond ,

Ich glaube dein letzter Satz; "Die Natur ist sehr erfinderisch und probiert alles (ALLES) aus." ist die Quintessenz des ganzen.

Antwort
von Libertinaer, 16

So funktioniert Natur/Evolution aber nicht!

Die Evolution "weiß" nicht, was sie macht. Sie hat kein Ziel.

Sie produziert nicht 0 & 1 oder schwarz & weiß. Vielmehr produziert sie eine farbenfrohe Vielfalt, deren extremste Vertreter manche als schwarz & weiß wahrnehmen - Farbtöne und Graustufen bestenfalls nicht wahrnehmend, schlimmstenfalls ignorierend.

Sie nehmen oberflächlich eine "Norm" wahr, die das genaue Gegenteil davon darstellt: Kein zielsicheres Scharfschügzengewehr, eher ist die Natur eine Schrotflinte mit großer Streuung.

Manchmal geht der Schuss so ins Blaue, dass die Frau noch nicht mal die Schwangerschaft bemerkt, weil sie nicht lange gedauert hat. Manchmal konmt ein zukünftiger Weltmeister/Nobelpreisträger raus. Die Mehrheit liegt einfach IRGENDWO dazwischen.

Wenn die Mutation(en insgesamt) vorteilhaft ist(/sind), wird es weitergegeben und verändert die Spezies zum Besseren, und wenn nicht eben nicht.

Aber dennoch wird es wieder Mutationen geben. Denn DAS ist die "Norm" der Natur.

Wäre es anders, gäbe es keine Evolution - und damit auch uns nicht.

Antwort
von TomMike001, 16

Es gibt in der Natur nichts,  was es nicht gibt! Das trifft somit auch auf den Menschen zu.

Antwort
von tuedelbuex, 74

Ein Erklärungsversuch: Weil der Fortpflanzungs"drang" ein hormonell gesteuerter Vorgang ist, ob von Erfolg gekrönt oder nicht......und Homosexualität eher vom "Kopf her" gesteuert wird.

Kommentar von Wischkraft1 ,

Finde ich eine gute, plausible Erklärung.

Kommentar von Libertinaer ,

Wo werden diese Hormone produziert und angewendet? Im Kopf.

Ist Homoxexualität eine Kopfsache (im Sinne von un-/bewusster Überlegung)? Nein.

Antwort
von BrightSunrise, 68

Ich könnte mir vorstellen, dass das ein Teil der natürlichen Selektion ist.

Es gibt auch homosexuelle Pinguine oder Delfine.

Grüße

Kommentar von PiaPhragm ,

Nein. So funktioniert Evolution nicht. Natürliche Auslese heißt verhungern oder gefressen werden ect. , aber nicht Selbstregulation.

Kommentar von BrightSunrise ,

Bitte lesen, vor allem zweitens.

"Selektion (lateinisch selectio ‚Auswahl‘/‚Auslese‘) ist ein grundlegender Begriff der Evolutions­theorie. Sie besteht

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Selektion\_(Evolution)

Kommentar von BrightSunrise ,

OK, keine Ahnung, weshalb das Kopieren nicht geklappt hat, aber kannst ja im Link nachlesen.

Antwort
von Tragosso, 60

Das ist schonmal falsch. Es gibt tatsächlich auch Menschen ohne Fortpflanzungsdrang.

Expertenantwort
von Pangaea, Community-Experte für Gesundheit, 6

Das, was du einen "Fortpflanzungsdrang" nennst, ist lediglich der Sexualtrieb.

Es hat ja hunderttausende von Jahren gebraucht, bis wir Menschen (soweit wir wissen, als einziges Tier) überhaupt die Verbindung zwischen Sexualität und Fortpflanzung durchschaut hatten.

Das heißt, Tiere (und Menschen) paaren sich, aber nicht aus dem Wunsch oder Gedanken heraus, die Art zu erhalten. Das ist nur die Folge.

Für den Sexualtrieb aber spielt es keine Rolle, ob der begehrte Partner fruchtbar oder unfruchtbar ist.

Frauen nach den Wechseljahren haben Sex, ohne dass sie noch fruchtbar wären, Homosexuelle sind miteinander nicht fruchtbar, und statistisch gesehen werden etwa 10-15% aller Paare, die sich ein Kind wünschen, keine Kinder bekommen. Das hindert sie nicht daran, Sex zu haben.

Antwort
von darkthunder, 36

Die Aussage, dass man die Auslöser von Homosexualität nicht kennt, stimmt nicht wirklich. Die Zahl der Auslöser ist jedoch etwas größer. Im Bezug auf deine Frage hier die zwei Hauptauslöser:

Genetik: Es ist tatsächlich so, dass Homosexualität (der Einfachheit halber gesagt) unter anderem durch eine Art Mutationen  in der DNA ausgelöst wird. Dabei werden bestimmte Stoffe (Methylgruppen) an die DNA gehängt, sodass diese an der Stelle nicht gelesen werden kann. Das bedeutet, dass zum Beispiel bestimmte Sexualhormone (Testosteron, Östrogen,...) weniger produziert werden. Diese epigenetischen Modifikationen (wie sie in der Fachsprache genannt werden) sind auch vererbbar.
Also entsteht Homosexualität unter anderem durch spontane Mutationen in der DNA während das Kind im Mutterleib ist, ohne dass es irgendeinen evolutionären Sinn hat.

Kindheit: Es kommt auch vor, dass Kinder durch die erhaltene Erziehung homosexuell werden. Das kann zum einen sein, dass die Eltern lieber ein Mädchen statt einen Jungen wollten und den Jungen jetzt wie ein Mädchen erziehen usw.

Antwort
von meinerede, 52

Keine Regel ohne Ausnahme! Und das Wörtchen "jeder" oder "alle" wird allzu gerne überstrapaziert!

Außerdem: Bei bald erreichten 9 Mrd. Menschen wird´s höchste  Zeit, ´ne Runde Unfruchtbarkeit einzuschieben!

Antwort
von Sweetheart089, 43

Nach Siegmund Freud ist Homosexualität eine psychische Störung die in den ersten Lebensjahren durch unzureichende oder übertriebene Befriedigung der Bedürfnisse entsteht

Kommentar von Garlond ,

Sigmund Freuds Erkenntnisse sind auch etwa 100 Jahre alt und teilweise überholt und erweitert.

Antwort
von DanielDuHu, 56

Hab ich mich auch schonmal gefragt. Für mich ist das auch nicht „normal"( trotzdem sind es ganz normale Menschen und sollten nicht diskriminiert werden). Weil theoretisch würde eine Rasse ja aussterben wenn jeder Homosexuell wäre

Kommentar von Garlond ,

Eine seltsame, und häufig von Gegnern der Homosexualität hervorgebrachte, Theorie.
Wenn alle weiblich wären würden eine Rasse auch aussterben.
Man würde aber nie auf die Idee kommen, dass ja alle weiblich sein könnten, dennoch wird das als Beweis ins Feld geführt, dass Homosexualität anormal oder gar unnatürlich sei.

Antwort
von Solenostemon, 3

Weil die Welt nun mal aus mehr besteht als man sehen kann. Und weil Homosexualität für die Spezies Vorteile bringt. zb sind bei einigen  Arten Homosexuelle Paare deutlich erfolgreicher bei der Aufzucht von Nachkommen als Heterosexuelle Paare  so dass in laufe der Zeit die komplette Aufzucht der  Nachkommen Aufgabe von Homosexuellen Paaren sein wird. Oder Homosexuelle Individuen agieren als Anführer, Künstler, Wissenschaftler oder haben andere Aufgaben bei denen Interesse am anderem Geschlecht oder Nachkommen hinderlich sind. 

 

Antwort
von voayager, 23

Es hat nicht jeder Mensch einen Fortpflanzungsdrang, wie kommste denn darauf?

Kommentar von daria78 ,

Jeder versteht's, außer einer. Wieder einmal.

Kommentar von voayager ,

das ist kein Argument

Kommentar von daria78 ,

Schätzchen, ich hab extra "Evolutionstheorie" in Klammern geschrieben. SO komm' ich drauf. Ob ich selber alles an der Evolutionstheorie glaube oder nicht ist ziemlich irrelevant.

Kommentar von voayager ,

Mäuschen, die Evolutionslehre lehrt garnicht, dass wir Menschen unbedingt einen Fortpflanzungsdrang haben, vielmehr beschränkt sie sich darauf, dass wir einen Geschlechtstrieb haben und den oftmals in eine Fortpflanzung einmünden lassen. Dieser Drang ist aber noch lange nicht bei allen Menschen gegeben, so etwas zu behaupten, würde die Evolutionslehre unseriös machen. Daher legt sie sich dsbzgl. auch nicht in Form eines "Lehrsatzes" apodiktisch fest.

Kommentar von daria78 ,

Der ursprüngliche Sinn des Geschlechtstriebes war ja die Fortpflanzung! Ohne Fortpflanzung, keine Evolution. Natürlich ist in der modernen Zeit die Fortpflanzung nicht mehr der Hauptgrund für sexuelle Handlungen, das ändert aber nichts daran. Der biologische Zweck des männlichen Orgasmus war beispielsweise, davon gehen Wissenschaftler aus, dass der er sich immer wieder fortpflanzen wollte, bei Frauen hatte er andere Gründe. (Wie gesagt, so lautet die Theorie.) Welche Funktion hätte der Geschlechtstrieb denn damals bei unseren Vorfahren sonst gehabt?

Kommentar von voayager ,

Von der körperlichen Funktion her, dient vor allem der männliche Orgasmus, "ausgeführt" in der Vagina der Frau der Fortpflanzung. Doch das heißt nun nicht, dass die Köppe der Männer dies stets beabsichtigten. Die Fortpflanzung ergibt sich einfach, bei einer bestimmten Form der Sexualität. Die Evolutionslehre geht nun nicht davon aus, dass sämtliche koitierende Menschen auch sich ein Kindlein wünschen, soooo biologistisch ist sie nun wieder auch nicht.

Kommentar von daria78 ,

Wirf die Gegenwart doch nicht mit der Vergangenheit in einen Topf...früher bzw. viel früher hat sich so gut wie jeder fortgepflanzt, das ist nun mal so. Da haben die Frauen sich nicht die Frage gestellt, ob sie ein Kind wollen, sondern sie haben einfach eins bekommen, wenn der Mann...alles klar? :)

Kommentar von voayager ,

Das kam vor, aber weniger aus einem Fortpflanzungsdrang heraus, sondern auch aus der Notwendigkeit einen Stamm eine Ethnie nicht aussterben zu lassen. Dann gab und gibt es patriarchalische Kulturen, wo "Kindersegen" als männl. Potenz gewertet wird. Auch da isses kulturell bedingt.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community