Frage von Ask4Answer, 350

Wenn es angeblich den Urknall gegeben haben soll, von wo kam er dann?

Ich meine, es muss ja ETWAS soviel Energie gehabt haben, den Urknall zu erschaffen, und die einzig plausible Begründung wiederum dafür wäre Gott, etwas so starkes das wir es uns nicht vorstellen können. Denn, wie es viele Gesetze schon drüber gibt ,,Es kann keine Energie aus dem nichts kommen, schon gar nicht bei solch einer starken...,,. Habt ihr mal drüber nachgedacht und was würdet ihr sagen ?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von uteausmuenchen, Community-Experte für Astronomie, 119

Hallo Ask4Answer,

da stecken ja mehrere Fragen drin, denn die Frage beginnt mit einem WENN...

Dass es den Urknall gegeben hat, das ist die beste Erklärung sehr, sehr vieler Beobachtungsdaten. Die Daten reichen zurück bis in das wenige Sekunden alte Universum.

Ich habe diese Daten einmal hier in dieser alten Antwort von mir

https://www.gutefrage.net/frage/universum-entstanden?foundIn=list-answers-by-use...

zusammengefasst. Ganz oben ist auch ein Link in eine noch ältere Antwort, in der es um den Rest Deiner Frage geht, den "Auslöser".

Es besteht nun einmal das Problem, dass die Frage nach dem "davor" nur mit dem Zeitbegriff wie er im Universum gilt überhaupt Sinn macht. Der Urknall als Beginn unserer Raumzeit ist unweigerlich ein Beobachtungshorizont über den man nicht blicken kann. Physikalische Modelle verstehen den Urknall aber durchaus als "Phasenübergang" und das "Nichts davor" als "nichts so, wie von unserer Raumzeit aus vorstellbar". Josef Gaßner stellt hier

in diesem leider etwas längerem Video eine mögliche Hypothese für die Vorgänge bei diesem Phasenübergang dar.

Zu den religiösen Aspekten:

Die Argumentation über den Energieerhaltungssatz zieht leider nicht, denn der darf beim Urknall aus Sicht unseres Universums verletzt sein. Der Energieerhaltungssatz gilt innerhalb des Universums aufgrund der zeitlichen Transformationsinvarianz physikalischer Aussagen... einfacher formuliert: Man kann zeigen (Nöther-Theorem), dass der Energieerhaltungssatz deshalb gilt, weil es für die Physik eines Experiments völlig wurscht ist, ob wir es noch heute abend oder erst morgen früh durchführen. Beim Urknall mit T=0 ist diese Voraussetzung nicht mehr gegeben.

Im physikalischen Modell, das Gaßner hier beschreibt, stammt die Energie aus einem Phasenübergang. Hier irgendwelche religiösen Schlussfolgerungen ziehen zu wollen, ist aber vollkommen falsch.

Aus der Tatsache, dass wir experimentell hier nicht weiterkommen und deshalb über Vorgänge, die den Urknall bedingen (falls es sie denn gibt, quantenmechanisch sind Gründe nicht einmal zwingend notwendig) nicht nachweisbar sind, folgt für religöse Vorstellungen überhaupt nichts. Das wäre ein "Fehlschluss aus Unwissenheit" (http://www.ratioblog.de/entry/fehlschluss-3-argument-aus-unwissenheit).

Nur weil wir nicht wissen, welche Prozesse abliefen, kann man daraus nicht folgern, dass es unmöglich ist, dass ein vollkommen "natürlicher" gesetzmäßig ablaufender Prozess ablief. Wer das behauptet, müsste eigentlich alle natürlichen Prozesse explizit ausschließen können - und dafür streng genommen unendlich viel (da dies ein induktiver Schluss ist) experimentelle Beobachtungsdaten vor dem Urknall zur Verfügung haben. Das ist also nicht möglich.

"Gott" an die Stelle einer offenen naturwissenschaftlichen Frage zu setzen, ist ein Kategorienfehler und erklärt gar nichts. Eine solche Antwort blockt nur weitere naturwissenschaftliche Fragen und Untersuchungen ab. Da eine Antwort "Gott" bedeutet, dass die Antwort ab diesem willkürlichen Setzen der religiösen Antwort immer lautet "das ist so, weil Gott es so gemacht hat", ist nun keine Frage nach gesetzmäßigen Prozessen und weiterer echter Erkenntnisfortschritt mehr möglich. Auch aus religiöser Sicht ist das Ganze unbefriedigend, denn man hat sich den "Lückenbüßergott" eingehandelt, der als "Bonsaigott" (Lesch) im winzigen Universum des Urknalls sitzt und befürchten muss, seinen Platz weiteren Erkenntnissen eben doch noch räumen zu müssen. Keine gute Antwort also - wie man es also dreht und wendet.

Grüße

Antwort
von Trashtom, 79

Was du tust, ist einen extrem komplizierten und umfangreichen Begriff aus der Wissenschaft zu nehmen, ihn durch einen Halbwissen-Wolf zu drehen und würzt dann das Ganze wild und willkürlich mit deinen Alltagsvorstellungen und deinem Glauben. Raus kommt dann die 6 Zeilen lange 

"GottknallMUSSDOCHEnergieerhaltungGIBTSDOCHNICHTkAnnDochnur-Theorie"

Fakt ist, Beobachtungen deuten auf einen sogenannten Urknall hin. Was genau sich da abgespielt hat, versuchen sehr intelligente Menschen herauszufinden.

Antwort
von ThomasJNewton, 58

Du scheinst die Gesetze ja besser zu kennen als alle Physiker.

Nachdenken kann man erst, wenn es ein Danach gibt, und ein Davor. Das Davor wäre, dich mal ein bisschen zu informieren.

Du plapperst nur Propaganda nach. Ohne nachzudenken.

Antwort
von dompfeifer, 67

Der Urknall bezeichnet ja im Grunde nichts anderes als den räumlichen und zeitlichen Koordinatenursprung des Universums, sonst gar nichts. Den Einfall, die diesem Ursprung zugeordnete Energiekonzentration ausgerechnet einem "Gott" zuzuschreiben, also einem personalisierten Gerechtigkeitsideal in den Köpfen von Menschen, die dieser Fiktion gegenüber ihre Taten und Untaten (von der Sexualpraxis bis zur Kriegsführung) rechtfertigen, finde ich schon äußerst makaber.

Antwort
von Hamburger02, 100

Als das Alte Testament geschrieben wurde, konnte man sich vieles nicht erklären, z.B. wie Blitz und Donner entsteht, und dann wurde als Erklärung "Gott" angegeben. Man dachte auch, das Universum endet hinter den Fixsternen und dahinter wohnt dieser Gott.

Das selbe gilt für das Neue Testament sowie den Koran. Alles, was sich die Menschen zur damaligen Zeit nicht vorstellen konnten, wurde mit "Gott" erklärt, weil das den Menschen am plausibelsten erschien.

Inzwischen wissen wir aber, dass sich die Menschen damals irrten und ihre "plausible Vorstellung von Gott" nichts anderes war, als ein Lückenfüller für fehlendes Wissen.

Nachdem die Religion also gut 3500 Jahre auf dem Holzweg war und selber nicht dahinter gekommen ist, dass nicht Gott sondern natürliche Vorgänge und Naturgesetze Blitz und Donner entstehen lassen, hat sich die moderne Wissenschaft dieser Probleme angenommen und dabei festgestellt, dass da eben kein Gott individuell eingreift und Blitze schleudert.

Zurück zum Urknall. Dass die moderne Wissenschaft entdeckt hat, dass das Universum nicht hinter den Fixsternen endet sondern noch "unendlich" weitergeht, wissen wir noch nicht einmal 100 Jahre lang. Dementsprechend beschäftigt sich die Wissenschaft auch mit dem Urknall noch nicht einmal 100 Jahre lang. Jedenfalls wurde nachgewiesen, dass der 3500 Jahre lang behauptete Thron Gottes eben nicht hinter den Fixsternen steht. Das war eine glatte Falschbehauptung der Religion.

Daher finde ich es schon sehr skuril, wenn Gläubige bemängeln, dass man noch nicht alles über den Urknall weiß, vor allem nicht, wie er begann und woher die Energie kam. Wie gesagt: die Gläubigen tappten 3500 Jahre lang im Dunkeln ohne den Ansatz einer Lösung zu finden und beschweren sich nun, dass die Wissenschaft in einem Bruchteil der Zeit viel Wissen geschaffen haben, aber noch nicht alle Fragen gelöst hat.

Da ist es schon recht bequem, wie in der Antike die fehlende Vorstellungskraft durch einen "Gott" zu ersetzen. Diese Methode ist dabei aber nicht besser geworden und nach wie vor völlig untauglich und falsch, eine Erklärung für natürliche Vorgänge zu finden. 

Der Lückenbüßergott, von dem du hier redest, wird also immer kleiner und entfernter, je länger die Wissenschaft forscht. Das ist ein ziemlich armseliger Gott, der offensichtlich gegen Null in seiner Größe und gegen Unendlich in seiner Entfernung zur Erde strebt. Allerdings muss ich zugestehen, dass hierzulande diese Entwicklung auch in der Praxis zu beobachten ist, dass dieser ominöse Lückenbüßergott immer kleiner und machtloser wird. Irgendwann wird er das selbe Schicksal teilen wie die anderen Lückenbüßergötter zuvor, z.B. Zeus oder Jupiter, und in der Versenkung verschwinden, wo man ihn nur noch innerhalb von Mythen und Märchen mal wieder gelegentlich hervorholt.

Kommentar von Viktor1 ,

Mal wieder viel Lärm um nix.

Kommentar von Hamburger02 ,

Mir ist schon klar, auch aus Diskussionen mit Theologen, dass ich mit meiner obigen Argumentation die These vom Schöpfergott so angreife, dass den Gläubigen die Argumente ausgehen. Scheint auch bei dir der Fall zu sein.

Kommentar von Weltraumdackel ,

Das Verrückte an der Sache ist, dass wir Gott so niemals auflösen
können, denn man kann theoretisch immer wieder neu Fragen: "ok, aber wo kommt das wieder her?"

Selbst wenn z.B. das oszillierende Universum bewießen wäre, hätten wir zwar endlich die Frage geklärt was vor dem Urknall war, aber nicht wann oder wie das ganze mal angefangen
hat?

Ausserdem könnte man z.B. auch fragen, wo Gott eigentlich herkommt.

Kommentar von Hamburger02 ,

Exakt das ist das Problem beim Lückenbüßergott. Der taugt letztlich überhaupt nicht dazu, die Entstehung des Universums zu erklären sondern verschiebt das Ende der Erklärungen nur immer weiter nach hinten.

Kommentar von Ottavio ,

Wenn das Universum osziliert, dann hat es keinen Anfang, sondern es gilt der Satz von der Erhaltung der Energie. Was keinen Anfang hat, hat auch keine Ursache, wir bräuchten sie also auch nicht zu suchen.

Kommentar von weckmannu ,

@hamburger - bevor du über die Religion herziehst, informiere dich zuerst mal! Die Religionen reden i.a. nicht von einem Gott, der 'hinter den Fixsternen' sitzt, sondern er wird in einem "Jenseits" gedacht. Das ist etwas anderes und wenn du dir das nicht vorstellen kannst, weil deine Vorstellungskraft nicht ausreicht und du es in das Diesseits verlangerst, ist das noch lange nicht allgemeingültig. Es gibt Nobelpreisträger, die in der von mir angedeuteten Richtung denken. Also bitte nicht so aggressiv und selbstsicher argumentieren. Shakespeare: Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als eure Schulweisheit sich träumen läßt!.

Was du geschrieben hast ist simple Schulweisheit.

Kommentar von Hamburger02 ,

".....bevor du über die Religion herziehst, informiere dich zuerst mal!"
Ich bin bestens informiert über die Entstehung der Religion. Du offensichtlich nicht, denn außer einer pauschalen Ablehnung lese ich bei dir kein sachliches Gegenargument.

"Die Religionen reden i.a. nicht von einem Gott, der 'hinter den Fixsternen' sitzt,..."
Lesen hilft oftmals, denn meine Aussage betreffs des Wohnortes Gottes bezog ich mich nicht aufs Allgemeine sondern auf das Weltbild zur Zeit der Entstehung des ATs (Babylonische Gefangenschaft). In der Antike dachte man, im Zentrum des Universums steht die Erde und um die Erde befinden sich mehrere Schalen (Himmel), an denen die Wandelsterne sowie an der obersten Schale die Fixsterne befestigt sind. Über die Anzahl der Himmel wurde gestritten, da gab es ganz verschiedenen Zahlen. Die häufigsten waren 7, 3 und 10. Der oberste Himmel wurde auch häufig als "Himmel der Himmel" bezeichnet.
Das lässt sich so auch an vielen Stellen in der Bibel nachlesen. Einige Beispiele:
Pattloch Neh9,6: "Du, Herr, bist der Einzige! Du hast den Himmel erschaffen, den obersten Himmel und sein ganzes Heer,.."

Einheits Dtn 26,15:
"Blick von deiner heiligen Wohnung, vom Himmel, herab,..."

Einheits 2. Chr. 6,39:
"Höre dann im Himmel, dem Ort, wo du wohnst,..."

selbst Paulus orientierte sich noch an diesem Weltbild:
Einheits 2. Kor 12,2:
"Ich kenne jemand, einen Diener Christi, der vor vierzehn Jahren bis in den dritten Himmel entrückt wurde;.."

Einheits Eph 4,10:
"Derselbe, der herabstieg, ist auch hinaufgestiegen bis zum höchsten Himmel, um das All zu beherrschen...."

Zu ergänzen wäre zusätzlich, dass bei den alten Juden eine Jenseitsvorstellung sehr umstritten war und keinesfalls fester Teil des Glaubens. Außerdem gingen sie davon aus, dass Gott nicht nur einen realen Wohnort im Himmel sondern auch auf Erden im Jerusalemer Tempel hatte. Gott war auch noch nicht eine unsichtbare jenseitige Kraft sondern eine konkret sichtbare Erscheinung, die als Mann auf Erden wandelte und laut AT Abraham in dessen Zelt besuchte und mit ihm zusammen Kalbsbraten und Kuchen genoss.

"...sondern er wird in einem "Jenseits" gedacht...."
Heutzutage, nachdem man durch wissenschaftliche Erkenntnisse festgestellt hat, dass die Vorstellungen des AT einfach nur Blödsinn sind, hat man aus einem realen Ort im späten Christentum einfach mal eben ein Jenseits konstruiert.

"Also bitte nicht so aggressiv und selbstsicher argumentieren..."
Selber kann ich keine Aggressivität erkennen sondern nur die Darstellung historischer Fakten. Du kannst ja gerne Gegenargumente bringen, sofern du welche hast.

"Shakespeare: Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als eure Schulweisheit sich träumen läßt! Was du geschrieben hast ist simple Schulweisheit."
Nein, das sind überall nachlesbare Erkenntnisse der historischen und religionswissenschaftlichen Forschung. Dass die vielen Gläubigen nicht in ihre schöne Märchenwelt passt, ist mir allerdings selber klar. Aber wie schon gesagt, du hast die Freiheit, Gegenargumente zu bringen, sofern dir außer einem Shakespearzitat noch welche einfallen.

Kommentar von kgunther ,

Die Vorstellung von einem "Jenseits" ist nicht mit dem Christentum vereinbar. Denn dann gäbe es eine Grenze zwischen Diesseits und Jenseits. "Gott" wird vom Christentum aber als "grenzenlos" definiert.

Nach der Lehre Jesu ist (der christliche) "Gott" identisch mit dem geistigen Prinzip in der Welt, GOTT=GEIST. Der Mensch habe Anteil am Geistigen, also existiert "Gott", der (Heilige) "GEIST" in uns selbst, nicht irgendwo im Nirgendwo.

Kommentar von kgunther ,

Hamburger:

Deine Ansicht vom Lückenbüßergott trifft die Gottesvorstellung vieler Gläubiger, nämlich den Kinderglauben von einem Alten Mann mit langem weißem Bart auf Wolke Nr. sieben, eine Art Nikolaus, der aufpaßt, daß kein Spatz vom Himmel fällt.

Gut.

Aber das Christentum ist viel mehr als dieser Kinderglaube. Es ist eine Transzendenzlehre, die etwas über die Dualität zwischen der Wirklichkeit des geistigen Prinzips in der Welt und der Wirklichkeit des Alls umfaßt.

Für das Christentum ist "Gott" einfach das geistige Prinzip in der Welt, der Inbegriff des Geistigen, als Person aufgefaßt. "Gott"="Geist", "Heiliger" Geist. Und daß es die Dimension des Geistigen in der Wirklichkeit gibt, das beweist (fast) jede Diskussion.

Eine Transzendenzphilosophie ist schwierig zu vermitteln, die Menschen (Hirten zum Beispiel) wollen andere Erzählungen hören.

Da braucht es Abstraktionen, Beispiele, Modelle, Gleichnisse, Legenden. Und wenn die Zuhörer zum Mindesten begreifen, daß Achtung vor dem Geistigen jedem Wesen mit Menschenantlitz gebührt, dann haben sie schon einen Zipfel erfaßt.

Interessant, diesen Gedanken auf den Begriff der "Schöpfung" anzuwenden.

(Damit will ich nicht sagen, ein jeder müsse seine Wohnung einem jeden schenken, der 'Menschenantlitz trägt'. Schließlich heißt es "Liebe deinen NÄCHSTEN, wie 'DICH SELBST' ".)

Kommentar von Hamburger02 ,

"Die Vorstellung von einem "Jenseits" ist nicht mit dem Christentum vereinbar..."
Aber genau diese Vorstellung wurde von weckmannu als Tatsache behauptet und darauf habe ich geantwortet. U.a. das Bestreiten dieser Tatsache fasst er als "Herziehen über die Religion" und aggressives Verhalten auf. Er behauptet auch, in "den Religionen" sei Gott im Jenseits angesiedelt. In diese Kerbe scheint auch der Christ (Katholik?) Victor1 zu schlagen.

"Deine Ansicht vom Lückenbüßergott trifft die Gottesvorstellung vieler Gläubiger,...."
So, wie offensichtlich auch beim Fragesteller: "Ich kann mir die Entstehung des Urknalls nicht erklären, also muss es Gott gewesen sein."..und genau das ist ein Lückenbüßergott.

Finde es aber schon lustig, dass ich von den einen Gläubigen wegen angeblicher Nichtsahnung getadelt werde, von anderen Gläubigen aber hören muss, dass die tadelnden Gläubigen wohl keine Ahnung haben und einem Kinderglauben anhängen. Nun gut, vielleicht könnt ihr Gläubigen euch ja mal auf was einigen, das wäre für die Glaubwürdigkeit insgesamt echt nicht schlecht.

Antwort
von Ottavio, 139

Die Urknalltheorie ist bisher eine Theorie, mehr nicht. Sie ist weder beweisbar noch falsifizierbar. "Knall" ja, ob "Ur" kann niemand wissen. Es gehört zu den Gesetzen des menschlichen Denkens, anzunehmen, dass alles, was einen Anfang hat, auch eine Ursache hat, die ihm voraus geht. Kant hat das aufgezeigt in seiner Kritik der reinen Vernunft. Wenn Du eine solche Ursache annimmst, dann kannst Du sie nennen, wie Du das für richtig hältst. Hanewakelazefietzekukepiepenatepiepeneidau wäre ein passender Name, ein wenig sperrig vielleicht. Wenn Du es Gott nennen willst, ist dagegen auch nichts zu sagen. Einstein geht in seiner speziellen Relativitätstheorie übrigens keineswegs davon aus, dass es einen Anfang gibt. Für ihn sind alle Zeitpunkte gleichwertig.

Kommentar von Ryuuk ,

Die Urknalltheorie ist bisher eine Theorie, mehr nicht.
Genau wie die Gravitationstheorie, die Atomtheorie, die Keimtheorie ect.

Sie ist weder beweisbar noch falsifizierbar.

Falsch. Jede Wissenschaftliche Theorie ist beweisbar und falsifizierbar. Sie basieren auf Fakten, nicht auf Wunschdenken.

Kommentar von Ottavio ,

"Jede wissenschaftliche Theorie ist beweisbar und falsifizierbar."

Insofern das von Popper stammt, ist es als Definition des Wortes "Theorie" gemeint. Wie dumm vom Sprachgebrauch, dass er sich nicht nach Popper richtet. Es gibt jede Menge wissenschaftlicher Theorien, die nicht falsifizierbar sind.

Dass es vor dem "Urknall" kein Vorher gegeben hat, ist denkbar, bisher aber nicht beweisbar. Falsifizierbar könnte es sein, wenn Du wüsstest, wie.

Die Atomtheorie stammt von Heraklit. Sie besagte, dass Atome nicht teilbar sind. Sie ist falsifiziert.

Die Gravitationstheorie ist erst in statu nascendi, also eigentlch noch nicht wirklich eine Theorie.

Die Keimtheorie kenne ich noch nicht. Ich lasse mich da gerne belehren.

Selbstverständlich gibt es wissenschaftliche Theorien auch außerhalb der Naturwissenschaften. Für sie ist Poppers Möchtegerndefinition völlig untauglich. 

Kommentar von TheStone ,

"Dass es vor dem "Urknall" kein Vorher gegeben hat, ist denkbar, bisher aber nicht beweisbar." Beweisbar ist in der Physik überhaupt nichts...

Die Urknalltheorie ist aber entgegen deiner Aussage überprüfbar. Und zwar in dem sie überprüfbare Vorhersagen macht. Die bekannteste dürfte die Vorhersage der kosmischen Hintergrundstrahlung sein.

Kommentar von TheStone ,

Und nebenbei: Da du Überprüfbarkeit als Kriterium für eine naturwissenschaftliche Theorie offensichtlich ablehnst: Warum und was ist deine Alternative?

Übrigens: Was soll eigentlich "die Gravitationstheorie" sein? 

Ich denke, das Massen sich anziehen ist durchaus Überprüfbar und hat dieser Überprüfung unzählige Male stand gehalten.

Kommentar von Ottavio ,

Das Wort "beweisbar" hat Ryuuk in die Debatte geworfen, nicht  ich. Das Wort "Urknall" beinhaltet zwei verschiedene Aussagen. Die erste ist, dass es zu früher Zeit einen "Knall" gegeben hat. Daraus zu folgernde Vorhersagen sind eingetroffen

Die andere Aussage liegt im Wortteil "Ur". Es beinhaltet. dass es davor nichts gegeben habe. Es gibt m.W. keine daraus gefolgerten Vorhersagen, und es ist auch nicht falsifizierbar. Es ist noch zweifelhaft. Wenn es ein Vorher gibt, ist der "Knall" aber kein "Urknall".

Er ist dann halt nur ein Big Bang..

Kommentar von Ottavio ,

Überprüfbarkeit einer Theorie finde ich ganz Klasse, wenn sie denn gegeben ist. Ich habe nur behauptet, dass sie keineswegs für alle physikalischen Theorien gegeben, genauer gesagt, die Möglichkeit der Falsifikation. Oft widersprechen sich verschiedene Theorien, obwohl sie beide eintreffende Vorhersagen ermöglichen.

Die Urkanalltheorie widerspricht in ihrer heutigen Form sowohl dem ersten Hauptsatz der Thermodynamik als auch Einsteins spezieller Relativitätstheorie in der Originalfassung, die ich gelesen habe. Ist sie dadurch falsifiziert ? Nein. Aber wie soll man sie den falsifizieren.

Das Massen sich anziehen ist Klar. Newtons Theorie ist nicht falsifiziert. Was noch in statu nascendi steckt, ist eine Theorie darüber, warum sie sich anziehen.

Kommentar von TheStone ,

Du solltest dich erkundigen, was die Urknalltheorie tatsächlich beinhaltet bevor du hier deinen Senf dazu gibst. Ich empfehle, mit dem entsprechenden wikipediaartikel anzufangen. 

Geknallt hat da übrigens nichts.

Kommentar von TheStone ,

"Die Urkanalltheorie widerspricht in ihrer heutigen Form sowohl dem ersten Hauptsatz der Thermodynamik als auch Einsteins spezieller Relativitätstheorie in der Originalfassung, die ich gelesen habe." Gelesen möglicherweise, verdaut offenbar weniger. Beide Aussagen sind falsch.

Antwort
von Samy795, 107

Nur weil unser Verstand bzw. unser Wissen begrenzt ist, bedeutet das nicht, dass das gleichzeitig ein Gottesbeweis ist.
Für den Verstand einer Fliege ist der Mensch ebenfalls ein kaum begreifbares Gebilde, Gott ist der Mensch aber deswegen auch nicht.

Ich möchte nicht darüber urteilen, ob es einen Gott gibt oder nicht, die Urknalltheorie ist aber maximal ein Beweis für unser beschränktes Verständnis; sicher nicht für die Existenz Gottes.

Antwort
von Accountowner08, 63

ja, das ist tatsächlich die grosse Frage. Man vermutet, dass alle Materie des sichtbaren Universums an einem klitzekleinen Punkt konzentriert war, dass es unseren Raum noch nicht gab (das Universum expandierte dann, der Raum an sich weitete sich), aber es ist nicht logisch, dass alle Materie sich an einem Punkt konzentrieren soll... deshalb gibt es heute verschiedene Theorien, die besagen, dass der Urknall nicht der beginn war, dass vorher auch schon was war, z.B. ein Quantenraum der ständig irgendwelche Sachen hervorbringt, von denen aber nicht viele wirklich Form angenommen haben...

Antwort
von OnkelSchorsch, 50

die einzig plausible Begründung wiederum dafür wäre Gott ...

Denken wir weiter, dann folgt die nächste Frage:

Wo kommt Gott her? Wer hat Gott erschaffen? Na?

Kommentar von Ask4Answer ,

Gott ist allmächtig und ihn hat niemand erschaffen. Er war der Uhrsprung von alles (Dieses Wort triffts perfekt, der Uhrsprung von ALLES)

Kommentar von OnkelSchorsch ,

Wenn schon, dann "von allem". Und Urspung, ohne "h", da springt keine Uhr.

Und genau das kannst du ebenso über den Urknall sagen. Der Urknall ist der Ursprung von allem.

Gott ist da völlig überflüssig.

Antwort
von zersteut, 122

Wenn du direkt am Nordpol der Erde steht, dann macht die Frage: “Was ist einen Meter weiter nördlich?” keinen Sinn, weil es kein “nördlich” mehr gibt wenn man schon am nördlichsten Punkt der Erde steht. 

Genau so kann man festlegen, dass es keinen Sinn macht, nach einem “davor” zu fragen, wenn der Urknall selbst schon der frühestmöglich denkbare Punkt ist. Wenn Raum und Zeit erst beim Urknall entstanden sind, dann gibt es kein “davor” und die Frage kann nicht gestellt werden.

Kommentar von Ask4Answer ,

Dumm, weil alles Energie nicht von nichts kommen kann, siehe das wichtigste Gesetz deiner Wissenschaft...

Kommentar von zersteut ,

“Gott”, löst das Problem auch nicht. Denn dann braucht man nur zu fragen: “Was war vor Gott?” und landet in exakt der gleichen Situation wie bei “Was war vor dem Urknall?”.

Kommentar von dadita ,

1.) Es ist nicht seine Wissenschaft, oder meine Wissenschaft, es ist einfach die Wissenschaft.

2.) Die Naturgesetze gelten für unser Universum, wie hier bereits mehrfach erwähnt nahm dieses erst mit dem Urknall seinen Anfang. Aussagen dazu, was davor war können wkr nicht treffen, da unsere Raum-Zeit erst mit diesem ihren Anfang nahm. 

Kommentar von Ottavio ,

Wenn Du bisher immer direkt nach Norden gegangen bist, am Nordpol ankommst und einfach geradeaus weitergehst, dann gehst Du einfach jetzt direkt nach Süden, das ist doch gar nicht so schwer.

Kommentar von zersteut ,

gut kombiniert Sherlock 

Antwort
von Schnuffel183, 91

Ja ich frage mich auch.....Ich finde auch das die einzige logische Erklärung gott wäre....

Kommentar von Strudelmax ,

Nö eher im Gegenteil.

Aber es ist eine wesentlich bequemere Antwort als sich mal wirklich ernsthaft mit der Urknall Theorie auseinander zu setzen.

Kommentar von dadita ,

Logisch ist daran nichts, es ist die einfache, bequeme Antwort, welche es einem erspart sich tatsächlich mit dem Thema zu beschäftigen.

Antwort
von dadita, 96

Es ist nicht die "einzig logische" Erklärung, es ist die einfache Erklärung, welche es dir erspart über dieses Thema nachzudenken.

Unser Raumzeitkontinuum nahm mit dem Urknall seinen Anfang, wir können mit den heutigen Methoden keine definitive Aussage treffen, was davor war, einfach weil es nicht unser Univserum war. All unsere Naturgesetze, unser Wissen über den Kosmos bezieht sich auf ebendiesen Kosmos...und dieser hat "vor" dem Urknall noch nicht existiert.

Generell ist die Fromulierung "vor" hier nicht anwendbar, da sie wiederum an unser Verständnis von Zeit geknüpft ist, einen Faktor den es "vor" dem Urknall nicht gab. Somit gab es auch kein davor.

Kommentar von Viktor1 ,
an unser Verständnis von Zeit geknüpft ist, 
einen Faktor den es "vor" dem Urknall nicht
gab. Somit gab es auch kein davor.

Aber unser "Verständnis von Zeit" ist so kein Wissen.
Damit einfach das "davor" auszublenden ist Zweck-Ignoranz, welche der von manchem "Glauben" in nichts nachsteht.
Überhaupt sind viele "Konstrukte" im Zusammenhang mit der RT nur belastbar durch Ignoranz, so auch das "Raum-Zeit-Kontinuum", mehr eine Sprechblase,  meist von denen (unpassend) eingebracht, deren "Wissen" nur im Glauben an die anlernten Main-Stream-Theorien besteht.

das passt genau dazu:

keine definitive Aussage treffen, was davor war,
einfach weil es nicht unser Univserum war.

Andere Universen postulieren (daran glauben) welche andere Naturgesetze beinhalten als die uns bekannten.
Ist da Gottesglaube nicht mindestens gleichberechtigt ?
Denk mal darüber nach.


Kommentar von dadita ,

Nein. In keinster Weise, denn der Glauben an einen von zig-tausend Göttern, der sich einer Bande von Schafhirten gezeigt hat und diese veranlasste ein Märchenbuch mit einem nachweislich vollkommen falschen Bericht über die Entstehung des Universums zu verfassen ist der wahre Gipfel der Irrationalität.

Das "davor" wird nicht ausgeblendet, es gab nach unserem momentanen Wissen kein davor. Das ist ein signifikanter Unterschied.

Kommentar von kgunther ,

Richtig, dadita!

Nur eine kleine Ergänzung. Die Schöpfungsgeschichte steht im Alten Testament, ist also nicht genuin christlich. Denn christlich kann nur sein, was Christus gelehrt hat. Das AT ist die Heilige Schrift des Judaismus.

Vielleicht hat Jesus (wenn es ihn denn als historische Person gegeben hat) diese Geschichte als wahr vorausgesetzt.

Jedenfalls geht der Versuch, etwas Unerklärtes zu beweisen, indem man ein anderes Unerklärtes dafür heranzieht, aus logischen Gründen in die Irre.

Kommentar von Ottavio ,

Das Raum-Zeit-Kontinuum ist keine Sprechblase. Einstein hat es in seiner speziellen Relativitätstheorie mathematisch exakt beschrieben als  sphärische "Kugel"-Oberfläche im Euklidischen Raum. Während letzterer nur eine ideelle Größe ist, bildet der sphärische den "physikalischen Raum".

In ihm sind alle Raum-Zeit Punkte gleichartig, es gibt also keinen Anfang, sondern es gilt t²+x²+y²+z²=r². Mit der Urknalltheorie ist das m.E. nicht widerspruchsfrei vereinbar, wenn der Urknall als absoluter Anfang gedacht wird.

Kommentar von uteausmuenchen ,

Erst mal so nicht ganz richtig, vor allem aber:


Mit der Urknalltheorie ist das m.E. nicht widerspruchsfrei vereinbar, wenn der Urknall als absoluter Anfang gedacht wird.

Auch der Urknall zeichnet keinen Raumpunkt aus - alle Punkte im heutigen Raumzeitkontinuum sind beim Urknall bereits enthalten - der Urknall findet überall im Raum statt, nicht an einem Punkt im Raum.

Und noch einmal davon abgesehen: Natürlich muss der Urknall quantenmechanisch betrachtet werden, was die moderne Kosmologie aber auch tut.


Antwort
von Meatwad, 17

und die einzig plausible Begründung wiederum dafür wäre Gott

Das wurde einst auch über Gewitter gesagt.

Menschen wie dich hat es immer gegeben. Menschen wie du lagen immer falsch. Ein Hoch auf den Urknall, die letzte kleine Ecke, in der sich die Götter noch verstecken können!

Antwort
von kgunther, 26

Uteausmünchen hat bereits alles Wesentliche gesagt: Die Frage ersetzt zur Klärung eines Sachverhaltes ein Ungeklärtes durch ein anderes Ungeklärtes.

Ich möchte noch etwas hinzufügen:

Jedes Mal, wenn der Begriff "Gott" ins Spiel kommt, muß man fordern, daß genau beschrieben wird, was denn dieser Begriff beinhaltet. Denn nicht nur hat jede Religion einen fundamental anderen Gottesbegriif, zusätzlich hat jeder Gläubige jeder Religion eine eigenwillige Interpretation davon. Man könnte zwar spezifizieren: "der Gott des Christentums" oder "Jahwe" oder "Allah" oder "Zeus" oder "Odin"; aber das würde Konsens darüber voraussetzen, welche Eigenschaften zur jeweiligen Gottesvorstellung gehören (schwierig!).

Und sodann müßte man entweder erweisen, daß dieser Vorstellung eine Wirklichkeit entspricht. Oder man müßte argumentieren: "Vorausgesetzt, dieser Vorstellung käme Wirklichkeit zu, dann..."

Antwort
von Andrastor, 48

Die einfachste Erklärung wäre ein Pulsieren des Universums. Der Urknall war nicht der Beginn der Existenz.

Kommentar von Ottavio ,

Und wenn es keinen Beginn gibt, braucht es auch keine Ursache, und der Satz von der Erhaltung der Energie könnte aufrechterhalten werden. Probleme gibt es mit dem Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik.

Kommentar von Andrastor ,

inwiefern widerspricht der 2. Hauptsatz der Thermodynamik einem Nichtbeginn der Existenz?

Antwort
von Willy1729, 144

Hallo,

so verlockend es auch sein mag, Gott auf logische Art zu beweisen; das funktioniert nicht. Die Reihenfolge von Ursache und Wirkung gilt nicht immer und überall, sondern ist eher eine statistische Größe und ein Erfahrungswert.

Da Raum und Zeit quasi mit dem Urknall entstanden sind, läßt sich eine Frage nach dem Vorher und dem, was außerhalb von Raum und Zeit stattfindet, grundsätzlich nicht beantworten.

Der Gott, der Himmel und Erde erschaffen hat, bleibt den Glaubenden vorbehalten.

Herzliche Grüße,

Willy

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