Wenn ein Verdächtiger in Bezug auf ein Gewaltverbrechen im Verhör mit den Polizisten ein Geständnis ablegt..?

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4 Antworten

Hallo ravnic,

ein Geständnis bedeutet nicht, dass der geständige Beschuldigte die tat auch so begangen hat.

Gerade wenn es sich nicht mehr um Vergehen, sondern um Verbrechen handelt, muss die Polizei sehr viel Ermittlungsarbeit leisten. Die Polizei darf sich nicht nur auf ein Geständnis verlassen, sondern muss auch

  • feststellen, ob noch weitere Beweise vorliegen, die das Geständnis bestätigen, aber  auch
  • feststellen, ob nicht Beweise vorliegen, dass der Beschuldigte eine Tat zugegeben hat die er garnicht begangen hat.
  • Feststellen, ob nicht weitere Zeugen für die Tatbegehung vorhanden sind

Nach Abschluss der Ermittlungen, übersendet die Polizei die Ermittlungsakte an die Staatsanwaltschaft.

Die Staatsanwaltschaft prüft dann die Ermittlungsakte und erhebt in der Regel dann Klage, gem. § 376 StPO.

Der Beschuldigte hat dann nicht mehr den Status Beschuldigter, sondern den Status des Angeklagten.

Wie lange es dauert, bis es zur Verhandlung kommt kann man nicht sagen. Bei relativ einfachen Sachverhalten kann es schon nach wenigen Monaten zur Verhandlung kommen, bei sehr komplexen Sachen, wie zum Beispiel dem NSU - Prozess mit der Angeklagten Beate Zschäpe hat es aber auch schon mal Jahre gedauert, bis der Staatsanwalt die mehrere hundert bis mehrere tausend Seiten an Akten gesichtet, bewertet und die Klageschrift verfasst hat und es zur Verhandlung kommt.

Und ob der Angeklagte bis zur Verhandlung in Untersuchungshaft kommt ist von folgender Rechtsgrundlage abhängig:

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§ 112  StPO - Voraussetzungen der Untersuchungshaft; Haftgründe

(1) Die Untersuchungshaft darf gegen den Beschuldigten angeordnet werden, wenn er der Tat dringend verdächtig ist und ein Haftgrund besteht. Sie darf nicht angeordnet werden, wenn sie zu der Bedeutung der Sache und der zu erwartenden Strafe oder Maßregel der Besserung und Sicherung außer Verhältnis steht.

(2) Ein Haftgrund besteht, wenn auf Grund bestimmter Tatsachen

  1. festgestellt wird, daß der Beschuldigte flüchtig ist oder sich verborgen hält,
  2. bei Würdigung der Umstände des Einzelfalles die Gefahr besteht, daß der Beschuldigte sich dem Strafverfahren entziehen werde (Fluchtgefahr), oder
  3. das Verhalten des Beschuldigten den dringenden Verdacht begründet, er werde
  • a) Beweismittel vernichten, verändern, beiseite schaffen, unterdrücken oder fälschen oder
  • b) auf Mitbeschuldigte, Zeugen oder Sachverständige in unlauterer Weise einwirken oder
  • c)andere zu solchem Verhalten veranlassen,

und wenn deshalb die Gefahr droht, daß die Ermittlung der Wahrheit erschwert werde (Verdunkelungsgefahr).

(3) Gegen den Beschuldigten, der einer Straftat nach § 6 Abs. 1 Nr. 1 des Völkerstrafgesetzbuches oder § 129a Abs. 1 oder Abs. 2, auch in Verbindung mit § 129b Abs. 1, oder nach den §§ 211, 212, 226, 306b oder 306c des Strafgesetzbuches oder, soweit durch die Tat Leib oder Leben eines anderen gefährdet worden ist, nach § 308 Abs. 1 bis 3 des Strafgesetzbuches dringend verdächtig ist, darf die Untersuchungshaft auch angeordnet werden, wenn ein Haftgrund nach Absatz 2 nicht besteht

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Schöne Grüße
TheGrow

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Es kommt immer zur Verhandlung .. die Dauer der Verhandlung richtet sich unter anderem auch danach, ob der Angeklagte geständig ist, dann kann im Rgelfall eine größere Beweisaufnahme unterbleiben...

die Sache muss von der Polizei an die Staatsanwaltschaft als Anklagebehörde weitergeleitet werden, diese bereitet die Anklageschrift vor, diese geht dann zum Gericht, das Gericht termiert dann eine Verhandlung ... wie lange das Ganze dauert hängt immer von der Arbeitsbelastung der einzelenen Stellen ab ...

bereits verbüßte U-Haft wird auf die zu verhängende Freiheitsstrafe angerechnet

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Danke an alle, die mir geantwortet haben, habt mir sehr geholfen!

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Ja natuerlich, das Gestaendnis kommt dann in den Tatbestand.

Die Polizei kann keine Strafe verhaengen.

Wie lange es bis zum Gerichtstermin dauert, haengt voellig vom Terminkalender des Gerichts ab.

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