NormaRoscoe am 25.07.2009 um 23:42 Uhr
therapiert er sich dann selbst oder geht er zu einem psychologen?
Sowohl als auch. Psychologen haben zwar ein sehr viel breiteres Spektrum an Kniffen an der Hand, wie man mit Problemen umgehen kann, aber wie bei allen anderen auch versagen die oft bei ihnen selbst. Außerdem sieht der andere naturgemäß mehr und mit dem nötigen Abstand- das ist ein Geschenk, das man annehmen sollte. Übrigens ist es bei guten Therapeuten auch üblich, dass sie vor Beginn ihrer Tätigkeit selbst eine oder mehrere Therapien absolvieren, um zumindest mit den gröbsten Dingen einigermaßen klar zu sein. Bei jedem liegt irgendwas im Argen, wenn man genau hinschaut- auch (oder gerade ;-)) bei Psychodocs.

Wirklich Auskunft geben kan ich nicht. Sinnvoll jedoch wäre es, wenn er selbst professionelle Hilfe in Anspruch nähme. Würde er sich selbst wirklich so helfen können, hätte er ja keine Probleme.
Na der wird wohl Hilfe brauchen. Denn könnte er sich selbst therapieren hätte er wohl keine Probleme!

Er bekommt ein All Inclusive Angebot aus der Klapse :D
Kommt auf den Typ an. Kenne durchaus welche, die im Rahmen einer Depression selbst professionelle Hilfe genutzt haben.
er geht zu seinem supervisor und lässt sich von ihm helfen.
Ich denke, Psychologen sind wohl auch in erster Linie MENSCHEN. Entsprechend werden sie wohl je nach Art und Ausmaß des Problems mit Freunden, Familie, Kollegen sprechen, einen Arzt aufsuchen oder wenn sie als Psychotherapeuten arbeiten, einen Kollegen im Rahmen ihrer Supervisionsgespräche einbeziehen. An die Wirksamkeit irgendwelcher "Kniffe", die man als Psychologe in seiner Ausbildung gelernt hat und sie dann bei persönlichen Problemen aus dem Hut zaubern kann, glaube ich nicht. Mag sein, dass Psychologen auf Grund ihrer Ausbildung anders über Situationen und persönliche Erfahrungen nachdenken, ABER: "Nachdenken" allein hilft eben bei vielen Problemen nicht. Ich meine damit bewußt kritische Lebensereignisse wie Krankheiten, Trennungen, Verluste. Und diese belasten Psychologen genau wie alle anderen Menschen auch. Sie sind mit diesen Ereignissen konfrontiert und fühlen sich genauso ohnmächtig und ausgeliefert wie der Rest der Menschheit. In diesen Situationen kann sich ein Psychologe also definitiv nicht selbst therapieren. Voraussetzung für therapeutisches Handeln ist nämlich immer und unter allen Umständen: Objektivität!!! Und die ist wohl im Falle solcher Lebenssituationen nicht gegeben. Eine etwas seltsame Vorstellung, Psychologen könnten ihren eigenen Körper, vielmehr ihre eigene Psyche verlassen und sie bei sich auf "die Couch legen". Ach ja, dass Thema "Überheblichkeit": Ja welcher Schreiner, der sich fürs eigene Wohnzimmer eine neue Schrankwand baut, gibt freimütig-am besten gegenüber seinen Kunden- zu, dass das gute Stück wackelt wie ein Kuhschwanz...? Egal, so lange er selbst weiß, dass er mit seiner Pfusch-Wand ein Problem hat! Also, können wir uns vielleicht abschließend darauf einigen, dass Psychologen auch (nur) Menschen sind?
Er geht zur Supervision. Ein Berufskollege supervidiert den Psychologen, in dem der Psychologe mit Hilfe des 2. Psychologen über sich selbst, über die eigene Arbeit, über Probleme bei der Arbeit oder mit Klienten reflektiert. Es gibt viele Psychologen, die sich supervidieren lassen. Supervision macht z.B. www.abis-in-leipzig.de Andere kenne ich leider nicht.
Niemals würde er zugeben, daß er zu denen gehört, die bei ihm als Patienten aufschlagen.
Eine gewisse Überheblichkeit gehört schon dazu, um solch einen Job ausüben zu können.

Es ist ein rießen Unterschied, ob ich ein Problem von außen und mit Abstand betrachten kann, oder ob ich selbst mich für einen Teil des Problems halte, also damit identifiziert bin. Und ich für meinen Teil würde einen Psychologen, der sich die objektive Hilfe eines Außenstehenden erlaubt auf jedem Fall einem, der meint alles im Griff zu haben, klar vorziehen. Wenn ein Therapeut nur noch mit seinen Klienten beschäftigt ist und dabei sich selbst vergisst, wird irgendwann der Zeitpunkt kommen, wo die Qualität seines Tuns darunter leidet. Jeder hat seine Schattenseiten und es liegt in der Natur des Menschen, dass er die bei sich selbst nicht sehen kann oder will, ganz egal welchen Beruf er hat. Deswegen ist es gerade in solch einem Beruf aus meiner Sicht angebracht, selbst Hilfe und Unterstützung in Anspruch zu nehmen.